Wohnungs-Zwangsversteigerung in Griechenland wegen 831 Euro

1. Juni 2013 / Aufrufe: 1.903

In Griechenland bringen die Wasserwerke von Athen – Piräus die Wohnung eines Langzeitarbeitslosen wegen einer Schuld von 831 Euro zur Zwangsversteigerung.

Die Wasserwerke von Athen – Piräus (EYDAP) bringen wegen einer Schuld von 831 Euro die Wohnung eines Langzeitarbeitslosen der Rederei-Zone unter den Hammer, welche Tatsache jede Arbeiterfamilie, jede Familie des Volkes, die gesamte Arbeiterklasse in Alarm versetzen muss! Nachdem der Arbeitslose mit der Qualifikation des Metallarbeiters, Vater von zwei Kindern, von der barbarischen Politik seit drei Jahren dazu verurteilt ist, kein Werkzeug mehr in die Hand zu nehmen, läuft er nun von Moment zu Moment in Gefahr, seine Wohnung, die Mühe eines ganzen Lebens, zu verlieren, für deren Bau er in der Zone Blut spuckte.

Am 30 Mai 2013 erfolgte eine erste Intervention einer Delegation der Metallgewerkschaft Piräus zusammen mit dem Arbeitslosen in der Geschäftsstelle der EYDAP in Piräus mit der Forderung, das Verfahren zu stoppen, wozu sich jedoch die Leiterin der Geschäftsstelle „außer Stande“ erklärte … .

Nach Arbeitslosigkeit droht Obdachlosigkeit

Seit 2012 schaffte der arbeitslose Metallarbeiter es nicht mehr, die Rechnungen der EYDAP zu begleichen. Nachdem die Gesellschaft ihm zuerst die Wasserversorgung abstellte, beauftragte sie anschließend einen Rechtsanwalt, erforschte die Vermögenslage des Arbeitslosen in den Hypothekenregistern und fand heraus, dass er eine Wohnung besitzt, und am 29 Mai 2013 leitete eine Gerichtsvollzieherin das Verfahren der „Zwangspfändung“ ein.

Wie es in dem Bericht der Gerichtsvollzieherin lautet, „unter Berücksichtigung und in Vollstreckung der schriftlichen Bestellung der Pfändung mit Sonderprotokollnummer 691/22-04-2013 des Leiters der Dienststelle für Zwangseintreibungen der betreibenden Gesellschaft mit der Firmierung EYDAP (…) und der in diesem Bericht enthaltenen einschlägigen Liste der Verbindlichkeiten … wird mir die rechtmäßige Anweisung und Bevollmächtigung erteilt, die Zwangspfändung in das mobile und immobile vermögen des vorstehend angeführten Schuldners zu betreiben“ … also des Arbeitslosen!

Die EYDAP schätze das Vermögen des Metallarbeiters sogar auf den Betrag von 50.000 Euro und setzte das Erstgebot für den Beginn der Versteigerung auf den Betrag von 30.000 Euro an – und all dies wegen einer Schuld von 831 Euro, die mit den von der Gesellschaft verhängten Wucherzinsen 972,39 Euro erreichte.

Gewerkschafter ruft zum Widerstand auf

Sotiris Poulikogiannis, Präsident der Metallgewerkschaft, stellte mit seiner Erklärung an die Zeitung „Rizospastis“ klar:

All jene, die glauben, die organisierte klassenorientierte Bewegung werde mit den Händen im Schoß verbleiben, irren sich. Wir werden zur Wiederherstellung der Wasserversorgung mit unserem eigenen Freiwilligen-Team und mit unseren Mitteln schreiten. Jedem schlitzohrigen Profitjäger, der versucht, die Situation auszunutzen und sich der Wohnung des Arbeitslosen zu bemächtigen, werden wir die Hände abschneiden.

Wir rufen die Arbeitnehmer auf, sich in ihren Verbänden zu organisieren, ihnen eine Klassenorientierung zu verleihen, in jedem Arbeitsumfeld, in jeder Fabrik Kampfgremien zu organisieren. Lasst uns Kampfgremien der Verbände in jedem Wohnviertel organisieren und zusammen mit den Volksgremien gegen die Barbarei der volksfeindlichen Politik kämpfen, um nicht zu Sklaven des 21. Jahrhunderts zu werden.

Wir sollen nicht zulassen, dass auch nur eine einzige Wohnung ohne Strom und Wasser, auch nur eine einzige Familie ohne medizinische Versorgung bleibt, auch nur eine einzige Versteigerung durchkommt. Wir haben die Kraft, wir produzieren den Reichtum und können ihn beanspruchen.

(Quelle: Rizospastis)

Relevante Beiträge:

  1. tanja
    1. Juni 2013, 17:20 | #1

    Das ist die einzige Sprache die die Kapitalisten verstehen. Sie schaffen keinen Reichtum sie verteilen Ihn an Ihresgleichen! Die Arbeiterklasse Europas muss sich mit vereinten Kräften dagegen stemmen und die so genannte „liberale Klassengesellschaft“ in den Arsch treten! Wehrt Euch !!!

  2. vasili
    1. Juni 2013, 19:57 | #2

    Was ich daran nicht verstehe ist wie wegen so einem niedrigen Betrag eine Immobilie versteigert werden kann. Soweit ich mich erinnern kann wurde doch im Jahr 2008 ein Gesetz erlassen, welches solche Pfändungen wegen geringen Beträgen unterbinden sollte. Hat die Regierung dieses Gesetz schon wieder fallen lassen? Es steht doch in keinem Verhältnis wegen ein paar Hundert Euro eine Immobilie zu pfänden. So langsam sollte das Volk Europas wirklich gemeinsam auf die Barrikaden gehen.

  3. Petroulla
    1. Juni 2013, 20:42 | #3

    Es ist wirklich eine Schande! Und so etwas von einer staatlichen Behoerde, den „Dienern des Volkes“! Wahrscheinlich wird die Wohnung jetzt fuer einen Spottpreis irgendeinem Verwandten eines leitenden eydap-Mitarbeiters zugeschanzt und der arme Kerl (der Arbeitslose) darf den gesamten Erloes fuer Gerichts- und Rechtsanwaltskosten, Gerichtsvollzieher und was weiss ich was, abdruecken. Und das wars dann fuer ihn. Dann kann er abtreten. Wenn man sowas liest, koennte man wirklich langsam auf Revoluzzergedanken kommen. Das kann doch nicht wahrsein!

  4. Olaf.Th
    2. Juni 2013, 06:43 | #4

    Wie sagte Lenin einmal sinngemäß, nur wer nichts mehr hat, kann alles riskieren, er kann nur seine Ketten verlieren . Ich glaube wir nähern uns in Europa so langsam einer revolutionären Situation. Oder ein voller Bauch macht keine Revolution, in Griechenland und anderen Ländern in Europa sind die Bäuche langsam leer. Die Völker werden sich die Politik der Gier und der Allmacht des Geldes nicht mehr lange gefallen lassen !

  5. Fuzzi
    2. Juni 2013, 09:46 | #5

    Bei den kleinen Leuten wird mit brutalstmöglicher Härte vorgegangen, während man die Millionen Euro Steuerhinterziehenden und Großkorruptions-Beamten schont. Wenn Samaras meint, Griechenland wäre bereits auf dem richtigen Weg, dann täuscht sich der Premier gewaltig und belügt auch diejenigen, die ihn und seine unfähige Partei gewählt haben.

  6. Peppina
    2. Juni 2013, 19:25 | #6

    Das Problem bei der ganzen Sache ist, dass Diejenigen die weder Arbeit noch Wohnung noch Geld und einen leeren Bauch haben vermutlich damit beschaeftigt sind Letzteres zu fuellen. Die Anderen, die noch Arbeit, Wohnung etc. haben sind voller Sorge, dies zu verlieren und sind erst einmal still. Wiederum die Anderen, die nach wie vor Alles haben und im Luxus leben sind nicht an einer Aenderung im Lande interessiert. Warum auch. Griechenland ist keine Industrienation sondern lebt hauptsaechlich vom Tourismus und landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Egal, wen man fragt, warum die Menschen nicht aufstehen und die Regierung zum Teufel jagen, sagen, dass sie das auch nicht verstehen. Also wird darauf gewartet, dass die Masse aufsteht. Nun sind „die Massen“ auch politisch verschieden angehaucht. Jeder erklaert Jedem und Jeder seine Ideologie und was die Situation im Lande aendern wuerde. Es gibt auch genug Griechen, die fuer „Merkel“ sind und deren Politik, obwohl sie auch schon unten liegen. Anscheinend reicht es nicht aus, eben mal die Regierung zu stuerzen, da muss schon mehr her. In der Tat ist es so, dass bei den kleinen Leuten mit einer Haerte vorgegangen wird, die in keinerlei Verhaeltnis zu der angeblichen Tat steht. Wo nichts in der Tasche ist, ist nichts zu holen. So eine Schande. Es bleibt zu hoffen, dass „die Massen“ aufstehen und den Euro zum Teufel scheren. Waere evtl. ein Neueinfang fuer dieses geschundene Land. Dann mit einer Regierung an der Spitze, die die Reichen nicht verschont. Hoffentlich dann nicht die Nazis. Das waere entsetzlich.

  7. Willi F. Gerbode
    6. Juni 2013, 11:39 | #7

    @Peppina „Es bleibt zu hoffen, dass “die Massen” aufstehen und den Euro zum Teufel scheren. Waere evtl. ein Neueinfang fuer dieses geschundene Land. Dann mit einer Regierung an der Spitze, die die Reichen nicht verschont.“

    Ich denke, Sie übersehen, dass die Reichen bereits in den letzten Jahren einen Großteil Ihres Vermögens ins Ausland geschafft haben, besonders sich Immobilien in den Zentren Nordeuropas, z.B. Berlin, gekauft haben – bevor die verschärfte Kapitalverkehrskontrolle eingeführt wurde. Also gibt es bei einem Regierungswechsel nach links oder rechts nicht mehr viel zu verschonen.

    Sie haben sicherlich recht, dass es auch bei den von der Rezession besonders betroffenen sozialen Gruppen sehr unterschiedliche Einschätzungen der Lage und politische Haltungen gibt. Auch ich habe bei meinen Recherchen in GR für „Der freie Fall des Ikaros“ Menschen gesprochen, die voller Bewunderung für Angela Merkel waren und sich solch einen Politikertypus für GR wünschten. Es war eine kleine Minderheit.

    Meiner Einschätzung nach wird es in GR dann eine soziale Revolte gleich welcher Art geben, wenn es die Regierung Samarás ernst machen sollte mit einer von der Troika geforderten harten Umstrukturierung des Öffentlichen Dienstes. Denn dann würde ihre Klientel wegbrechen, die bisher bis auf einige Demonstrationen still gehalten hat. Wenn dann die wahren Träger der sozialen Absicherung in GR, die Familien, nicht mehr in der Lage sind, die Arbeitslosen ihrer nahen Verwandten zu alimentieren, und wenn es weiterhin keine ernsthaften Bemühungen der EU gibt, eine Art Marshall-Plan für GR aufzulegen, erst dann könnte die Grundlage für landesweite soziale Unruhen vorhanden sein. Die soziale Schieflage allein dürfte nicht zu einer Revolte führen. Und ich glaube auch nicht, dass es so etwas wie einen Aufstand der da unten gegen die da oben gibt. Die größte Gefahr besteht darin, dass die Ultrarechten und die Ultralinken ihre Süppchen kochen und auch gegeneinander agieren werden. Und so wäre man dann dem Super-Gau eines Bürgerkriegs deutlich näher gerückt.

    Sehr wichtig erscheint mir Ihr Hinweis, dass es wohl nicht reichen dürfte „eben mal die Regierung zu stürzen“. SYRIZA z.B., die bei derzeitigen Umfragen recht deutlich vorn liegen und die die Regierung übernehmen könnten, müssten dann ziemlich schnell den Beweis antreten, dass sie nicht nur willens, sondern auch in der Lage sind, soziale Gerechtigkeit zu realisieren. Ich bin da angesichts der Wandlungsfähigkeit und des Opportunismus in politischen Zielformulierungen der Tsípras-Truppe, besonders im letzten Jahr im Umfeld der zwei Wahlgänge, eher skeptisch. Und glauben Sie mir, die Abschaffung des Euro allein wird GR nicht in eine bessere Zukunft führen.

Kommentare sind geschlossen