Verhaftung illegaler Krankenbetreuer in Griechenland

23. Juni 2013 / Aufrufe: 629

In Griechenland wurden bei einer Razzia in einem zentralen Athener Krankenhaus 16 illegale ausländische Krankenbetreuerinnen verhaftet. 

Bei einer Razzia der Dienststelle der Wirtschaftspolizei und des Dezernats für Cyber-Kriminalität in einem Krankenhaus in Athen wurden 16 ausländische Frauen verhaftet, die als exklusive Krankenbetreuerinnen tätig waren, ohne über das erforderliche Abschlusszeugnis einer Schwesternschule und die Genehmigung der zuständigen Behörde zur Berufsausübung zu verfügen.

Im Rahmen der einschlägigen Überprüfung wurden auch Fälle der Steuerhinterziehung, der nicht versicherten Beschäftigung und des illegalen Aufenthalts in Griechenland festgestellt.

Razzia nach einschlägigen Beschwerden

Konkret führte die Dienststelle am 19 Juni 2013 in einem zentralen Athener Krankenhaus gezielte Kontrollen mit Gegenstand die Legitimität der von exklusiven Krankenpflegern / -pflegerinnen erbrachten Dienstleistungen durch. Laut der griechischen Polizei (ELAS) schritt nach einschlägigen Beschwerden eine Gruppe von Polizeibeamten zu Kontrollen in Kliniken des Krankenhauses, bei denen festgestellt wurde, dass sechzehn ausländische Frauen im Alter von 28 bis 57 Jahren ohne Diplom und ohne Berufsausübungsgenehmigung als private Exklusivpflegerinnen tätig waren.

In vier Fällen stellte sich außerdem heraus, dass die Voraussetzungen für einen legalen Aufenthalt in Griechenland fehlten. Die verhafteten Frauen wurden dem Staatsanwalt des Landgerichts Athen vorgeführt.

Geschäft mit dem Pflegenotstand auf dem Rücken der Patienten

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass in letzter Zeit verstärkt gegen die in fast allen öffentlichen griechischen Krankenhäusern anzutreffenden privaten „Patientenbegleiter“ vorgegangen wird. In verschiedenen Städten drangen sogar auch wiederholt Gruppen von Mitgliedern der Chrysi Avgi in nächtlichen Aktionen in Krankenhäuser ein und machten Jagd auf ausländische Krankenbegleiter, die sie gegebenenfalls gewaltsam aus den Krankenzimmern vertrieben.

Diese „Begleiter“ erbringen nicht etwa medizinische Dienste, sondern übernehmen weitgehend den Teil der Betreuung, den das reguläre Pflegepersonal infolge des akuten Personalmangels nicht zu erbringen vermag oder manchmal auch nicht willig ist. Gemäß den geltenden Bestimmungen ist dafür jedoch ein in Griechenland erworbenes oder anerkanntes Krankenpfleger-Diplom nebst einer behördlichen Genehmigung zur Berufsausübung erforderlich – obwohl sich die „Pflegetätigkeit“ praktisch auf die Handhabung von Bettpfannen, Hilfestellung bei der Körperpflege und sonstige Handreichungen oder auch einfach nur die persönliche Anwesenheit, tröstenden Zuspruch und Händchenhalten beschränkt.

Viele Angehörige von Krankenhauspatienten, die rund um die Uhr einer persönlichen Betreuung bedürfen, diese jedoch nicht selbst sicherzustellen vermögen und auch nicht in der Lage sind, die enormen Kosten einer „legalen“ privaten Pflegekraft zu bestreiten, sehen häufig keinen anderen Ausweg, als gemäß der offiziellen Lesart „schwarz“ arbeitende Personen ausländischer Herkunft einzustellen. Dabei handelt es sich überwiegend um Staatsangehörige benachbarter bzw. zentral- und osteuropäischer Länder, die zum Teil aufgrund einschlägiger Ausbildungen und Tätigkeiten in ihren Heimatländern sogar durchaus qualifiziert sind, in Griechenland jedoch aus dem einen oder anderen Grund nicht legal tätig sein dürfen, können oder wollen.

(Quelle: in.gr)

  1. Kostantinos
    23. Juni 2013, 16:07 | #1

    … übernehmen weitgehend den Teil der Betreuung, den das reguläre Pflegepersonal infolge des akuten Personalmangels nicht zu erbringen vermag …

    Bei dem Satz mußte ich wirklich herzhaft lachen. Seit wann hat in Griechenland, außer in teuren Privatklikiniken, jemals das Pflegepersonal die Patienten richtig gepflegt?
    2009 war meine Mutter in Patras im Krankenhaus. Für eine gelernete Krankenschwester/Pflegerin waren dort für ca. 6,5 Stunden Arbeit zwischen 55 und 110 Euro zu zahlen, je nach Schicht und Wochentag, bzw. Sonntag und Feiertag. Das Krankenpersonal und die Krankenschwestern, haben sich fast den ganzen Tag im Aufenthaltsraum aufgehalten und Kaffee getrunken. Morgens kamen sie Ihrer Arbeit nach und Abends, dazwischen waren sie schon säuerlich wenn man sie überhaupt nach was gefragt hatte. Bei der morgentlichen Visite waren ca. 11 Ärzte anwesend, danach sah man den ganzen Tag nur einen einzigen Artzt von Krankenzimmmer zu Krankenzimmer hetzen. (Übrigens ein Arzt, der noch nicht mal ein Fakelaki angenommen hatte)
    Dazu kann ich noch sagen, die privaten Krankenschwestern wurden von einer Firma vermittelt, deren Visitenkarten in jeder Stadtion des Krankenhauses vom Krankenhauspersonal verteilt wurden.
    So nach dem Motto zahl mal schön selbst oder schau wie der Patient klar kommt. Und gerade die Angestellten, die durch die private Firma vermittelt wurden, haben außerordentlich darauf geachtet, wenn mal eine Dame, die nicht für ihre Firma tätig war, im Krankenhaus bei einem Patienten Dienst leistetet. Mit anderen Worten, die Angestellten der Privatfirma, sind diejenigen die „Schwarzarbeiter“ anschwärzen. Nur leider haben nicht alle Menschen für 3 Schichten a 55 Euro täglich zur Verfügung. Also müssen, diese wenn sie nicht selbst dort nächtigen oder ein Hotel in der Nähe zahlen können, auf andere mögliche Hilfen zurückgreifen.
    Die Lösung des ganzen Problems wäre sehr einfach. Fähiges und motiviertes Pflegepersonal im Krankenhaus einstellen und dafür Zusatleistungen für die Patienten privat anbieten. Die sind in Patras in der Station, wo meine Mutter war, nicht überlastet, die waren einfach stinkend faul.

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