Spektakuläre Fälle der Steuerhinterziehung in Griechenland

10. Juni 2013 / Aktualisiert: 25. Januar 2014 / Aufrufe: 1.746

Die Kontrollen der Steuerfahnder in Griechenland decken immer wieder spektakuläre Fälle der Steuerhinterziehung und große Betrügereien mit imaginären Rechnungen auf.

Laut dem Dezernat für Wirtschaftkriminalität (SDOE) sollen zwei Rechtsanwälte und ein Arzt „vergessen“ haben, Einkommen in Millionenhöhe zu deklarieren, während der in Haft befindliche Vertreter einer Gesellschaft verschiedene Firmen mit imaginären Rechnungen im Wert von 9 Mio. Euro versorgte.

Das SDOE stellte bei seinen durchgeführten Kontrollen unter anderem fest , dass die in Rede stehenden beiden Rechtsanwälte und der Arzt Einkommen in Höhe von insgesamt über 12,5 Mio. Euro nicht ordnungsgemäß deklariert hatten. Der Vollständigkeit halber ist allerdings anzumerken, dass derartigen Meldungen mit Vorbehalt zu begegnen ist, da sie sich im Nachhinein nicht selten als „Enten“ oder zumindest als maßlos übertrieben herausstellen.

Imaginäre und gefälschte Rechnungen in Millionenhöhe

Die Funde des SDOE bestätigen absolut den Internationalen Währungsfond, der verlangt, dass die Kontrollen sich gegen Ärzte und Rechtsanwälte und allgemeiner Personen mit großem Vermögen richten. Laut den Angaben des SDOE wurde bekannt:

  • Ein bekannter Athener Arbeitsrechtler, der in den Fall Zachopoulos involviert war, deklarierte Einkommen von 6.992.000 Euro nicht.
  • Ein Rechtsanwalt in Piräus deklarierte Einkommen von 3.470.000 Euro nicht.
  • Ein Chirurg in Thessaloniki verheimlichte Einkommen von 2.110.000 Euro.

Gleichzeitig wurde im Rahmen durchgeführter Kontrollen festgestellt:

  • In der Region von Attika enthüllten die Kontrollen, dass 7 Unternehmen 1.190 imaginäre und 81 gefälschte Rechnungen ausstellten, um inexistente Geschäftsvorgänge in Höhe von 31.700.000 Euro zu decken, während ebenfalls 15 Unternehmen 1.275 imaginäre und gefälschte Rechnungen in Höhe von 23.341.000 Euro entgegen nahmen. Es handelt sich um Unternehmen, die pharmazeutische Produkte für die Landwirtschaft und Waschmittel herstellen, eine Reedereigesellschaft, ein Informatik-Telekommunikations-Unternehmen und eine Werbeagentur.
  • Charakteristischer Fall ist die Firma, deren Vertreter sich im Gefängnis befand und Rechnungen im Wert von 9 Mio. Euro an Unternehmen und eine kommunale Entwicklungsgesellschaft einer Insel ausgegeben haben soll.
  • In der Region von Thessaloniki stellten oder empfingen drei Unternehmen – darunter eine Fußballclub – imaginäre Rechnungen in Höhe von 10.623.000 Euro.
  • In Kreta entdeckte das SDOE den Fall eines großen Unternehmens, deren Vertreter überhöhte überhöhte Preise für aus dem Ausland gelieferte Betriebsmittel des Unternehmens in Rechnung stellt, um die Differenz an eine Offshore-Gesellschaft seiner eigenen Interessen zu zahlen. Dem Bankkonto der Offshore-Gesellschaft wurde der Betrag von 1.450.000 Euro gutgeschrieben.

Illegale Spirituosen und „schwarze“ Zigaretten

Kontrollen wurden auch im Vertrieb von Spirituosen und Tabakprodukten durchgeführt. Konkret wurden am 04/06/2013 rund 6.000 Flaschen mit illegalen imitierten Spirituosen beschlagnahmt, die fertig für den Vertrieb auf dem Markt waren. Ebenfalls wurden 5 Tonnen Alkohol beschlagnahmt, die für die Herstellung nachgeahmter Spirituosen vorgesehen waren.

In Agrinio wiederum, wo traditionell Tabak angebaut wird, wurde der Eigentümer eines Kaffeehauses verhaftet, weil er illegal selbstgedrehte Zigaretten und geschnittenen Tabak anbot. Es wurden 10 Kilo geschnittener Tabak in selbst hergestellten Verpackungen und 1.300 selbstgedrehte Zigaretten beschlagnahmt.

Abschließend sei angemerkt, dass die Einheit für Wirtschaftsverbrechen angesichts der Sommerperiode gezielte Kontrollen in den sommerlichen touristischen Urlaubszielen programmiert hat. Gegenstand der Kontrollen ist die Bekämpfung der Steuerhinterziehung aus der Umgehung der Ausstellung von Quittungen für per Internet vermietete luxuriöse Wohnungen auf den Inseln, die Kontrolle der Tagesrundfahrtsboote bezüglich der Ausstellung von Fahrkarten, im Extreme Sport, bei Saisonbetrieben an den Stränden und in Gastronomie- und Freizeitunternehmen.

(Quelle: Kathimerini)

Relevante Beiträge:

  1. Maria P.
    10. Juni 2013, 07:53 | #1

    Und nun? Werden die zur Kasse gebeten? Oder lässt man sie laufen, wie alle andere auch …

  2. windjob
    10. Juni 2013, 09:14 | #2

    Dies ist doch allgemein bekannt und eines der grössten Problem Griechenlands, dass gerade die Elite es sportlich findet Steuern zu hinterziehen angeführt von den Ärzten. Und diese Elite ist es, die sich auch im Parlament befindet. Warum soll sich dann auch was ändern. Nochmals mehr als deutlich, der Fisch stinkt vom Kopf und solange dies so bleibt wird der kleine Mann keine Chance haben.

  3. Petroulla
    10. Juni 2013, 11:55 | #3

    Der eine odere andere Einzelfall mag sich vielleicht als „Ente“ herausstellen, weil ein mißgünstiger Mitbürger einen Konkurrenten ausschalten wollte, aber im Großen und Ganzen läuft es immer wieder so ab. Da werden Einkommen in Millionenhöhe nicht deklariert, gefälschte Rechnungen ausgestellt, u.s.w. Das Problem ist nur, es passiert nicht viel. Wann wird den endlich mal jemand wirklich zur Verantwortung gezogen? Oder muß wenigstens die unterschlagenen Steuern nachzahlen? Erst ist immer großer Skandal, um das gemeine Volk zu erfreuen, und dann verläuft alles mehr oder weniger im Sande. Man läßt erstmal ein bißchen Gras über die Sache wachsen, und dann wird die Angelegenheit „intern“ geregelt. Soll heißen, es fließen ein paar „Fakelaki“ oder sonstige Beträge und der Bösewicht ist aus dem Schneider. Wie war das doch im Falle Arvanitidis? Und wenn ich mich recht erinnere, sind doch auch schon wieder Mitarbeiter des SDOE bei der Vorteilsnahme erwischt worden. Wer kriegt nur endlich Ordnung in dieses Wespennest ?! Zum Schluß wird man wohl wieder die „Unterschicht“ zur Ader lassen, denn das Geld muß ja irgendwo herkommen. Und die zahlen dann brav noch höhere Steuern für Geld, welches sie nie bekommen haben. Die können keine Steuern hinterziehen, denn dann sind sie sofort dran. Überhaupt: Wie kann eine Einzelperson derartige Einkommen haben, während andere um 400,-€ für den Monat kämpfen?

  4. Götterbote
    10. Juni 2013, 17:28 | #4

    Also ich bin mehr als skeptisch, was die Zahlen anbelangt. Es erkläre mir doch einmal jemand, wie der Chirurg über 2 Millionen Euro verdient haben soll. Fakelakia? Wohl kaum, ließe sich nämlich nicht mehr beweisen. Normales Gehalt nicht versteuert? Noch unwahrscheinlicher, bei den Gehältern in Griechenland. Mir fallen ansonsten nur noch Mieteinnahmen ein, die sich eventuell nachvollziehen lassen. Macht bei 2.000.000,- Euro, selbst bei einer Miete von 1.000,- Euro immer noch Mieteinnahmen von über 160 Jahren. Verteilt man das noch auf 10 Mietobjekte sind es immer noch 16 Jahre. Hört sich für mich wenig glaubhaft an.

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