Hilfe, Deutschland will die junge Generation retten!

11. Juni 2013 / Aktualisiert: 20. Juli 2013 / Aufrufe: 1.587

Trotz der explodierenden Jugendarbeitslosigkeit in Europa – mit Griechenland an der Spitze – existiert kein ernsthaftes Konzept, dieser tickenden Zeitbombe zu begegnen.

Nachdem sie Griechenland, Portugal, Irland und Zypern „gerettet“ haben, werden die Deutschen nun auch die junge Generation „retten“. Wie sie dies tun werden? Na, natürlich mit 6 Mrd. Euro (ach ja, und einer Reihe von Gipfelkonferenzen, Tourneen und wehleidigen Erklärungen)!

Es reichte uns nicht das leere Geschwätz, das wir jeden Tag im Rahmen der sich in vollem Gang befindlichen Aktion „Optimismus“ hören, nun eilen sich die unterworfenen Führungen des ausgeschalteten europäischen Südens mit der Zunge auf dem Boden auch noch, das Knöchlein zu schnappen, welches ihnen Berlin zur … (angeblichen) Bewältigung der Jugendarbeitslosigkeit zuwirft, und es zur „Flagge“ der neuen uns dämmernden Epoche – Gott stehe uns bei – zu machen.

Das neue „gesellschaftlich sensible“ Profil Berlins

Wohin man sich auch dreht hört man seit einigen Tagen über die Schaffung einer „Front“ gegen die Arbeitslosigkeit (23,6% bei den jungen Leuten in der EU), über „Abkommen“, welche die Beschäftigung der jungen Leute verstärken werden, über „Mittel“, die für diesen Zweck bereitgestellt werden und über … die „Problematik“ Schäubles, der fürchtet – hört, hört! -, das „europäische Gesellschaftsmodell“ könne verloren gehen.

Wir sprechen von einer Ungeheuerlichkeit. Die „Kampagne“ zur Rettung der neuen Generation, die sich in Wirklichkeit in eine übliche kommunikative „Charme-Offensive“ (im Vorliegenden von Seite Berlins) einordnet, beruht offiziell auf den folgenden Säulen: Erleichterung des Zugangs der kleinen und mittleren Unternehmen zu Krediten (damit sie – angeblich – junge Leute einstellen), Entwicklung der Ausbildung (weil das, was den jungen Leuten heute fehlt, noch etwas mehr unbezahlte – diesmal legale – Beschäftigung ist) und geographische Mobilität (also Verstärkung des bereits heute beobachteten für den Süden katastrophalen Phänomens: der Massenauswanderung der jungen Wissenschaftler in den europäischen Norden).

Natürlich wird die E.U. auch in die Tasche greifen und mittels von „Programmen“ den absurden Betrag von 6 Mrd. Euro geben … mit dem sie die Zuversicht (?) hegt, den … 7,5 Mio. jungen Arbeitslosen eine Lösung zu bieten. Soll man weinen oder lachen?

Zur Forcierung des genialen „Rettungsplans“ für die junge Generation und zum Aufbau des „gesellschaftlich sensiblen“ Profils Berlins (und seiner abhängigen Verbündeten) hat die Kanzlerin ihre Maßnahmen getroffen: Sie hat die Arbeitsministerin in der Rolle des „Klinkenputzers“ von einem bis zum anderen Ende der europäischen Peripherie von der Leine gelassen, um von den guten Vorsätzen der Deutschen zu überzeugen. Ursula von der Leyen besuchte Paris, Madrid, Neapel, Lissabon, und es wird erwartet, dass sie auch in Griechenland auf einen Sprung vorbeikommt, um über den „neuen Deal“ zur Beschäftigung der jungen Leute im Alter von 15 – 25 Jahren zu berichten … . In Spanien und Portugal fehlte es auch nicht an den medialen Fiestas rund um die „bilateralen Vereinbarungen“ über den „Austausch von Auszubildenden“ (also wirklich, das hat die Menschen gerettet).

Im selben Moment gibt Angela Merkel bekannt, mit Frankreich und Italien eine „gemeinsame Front“ zur „Rettung“ der 7,5 Mio. jungen Arbeitslosen in Europa zu schaffen … . Was sie tun werden? Das wissen noch nicht einmal sie selbst! Sie werden – wird gesagt – es im Juni 2013 bei der Gipfelkonferenz erörtern, zu der sie sich mit ihren … Notizen einstellen werden. Jetzt, wo ihnen klar wurde, dass sie ein Problem haben, werden sie ein anfängliches „Brainstorming“ machen, ganz einfach um zu sehen, wo sie sich befinden.

Damit das neue von Berlin an den Mann gebrachte Bild „ankommt“, wird Berlin schließlich sicherstellen müssen, dass kein „würdiger“ Rivale in Erscheinung tritt um die Flagge der „sozialen Sensibilität“ höher als die eigene zu erheben. Angesichts der Tatsache, dass die Führungen des Südens sich als unfähig – und unwillig – erwiesen haben, eine gemeinsame Front zu bilden, ist die einzige „Sorge“, dass möglicherweise Francois Hollande, der verzweifelt einen Anstieg seiner Popularitätsquoten benötigt, den „Revolutionär“ zu spielen wagen wird. So besuchte Merkel Paris, damit vor der Konferenz „die Dinge in eine Reihe gebracht werden“. Außerdem hatte den Boden für den Ausverkauf Hollandes die Kommission vorbereitet, indem sie von Frankreich in Gegenleistung für eine zweijährige Verlängerung der volkswirtschaftlichen Angleichung 6 Reformen forderte – auch wenn Paris heulen mag, dass angeblich „Brüssel uns nicht sagen wird, was wir tun werden“. Brüssel mag es ihnen nicht sagen … aber Berlin?

Also sprach Schäuble

Der Misserfolg im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit könnte Europa zur Auflösung bringen„, gestand Schäuble vor wenigen Tagen ein. Na und? Der deutsche Finanzminister versucht es, jedoch kann er sich nicht vor sich selbst verstecken. Außerdem warnte er unmittelbar danach, „den jungen Leuten dürfen keine Versprechen gemacht werden, die langfristig nicht einzuhalten sind„. „Seien wir aufrichtig„, endete er, „es gibt keinen großen Plan„. Leider, wir sehen es.

(Quelle: To Pontiki)

Relevante Beiträge:

  1. GR-Block
    11. Juni 2013, 11:16 | #1

    Wie immer klar und beißend, το ποντίκι. In früheren Jahrzehnten wurden die Arbeiter abgeworben. Jetzt sind die hochausgebildeten Südländer dran. Es bleiben die Immigranten. Die sollen gelälligst im Tourismus arbeiten. Wir wollen schließlich Preise wie in Mollorca. Ja, die EU strukturiert sich um… wegen der Wettbewerbsfähigkeit natürlich…
    Moment mal Herr Schäuble. Wenn deutsche Konzerne alle Gastarbeiter und Gastwissenschaftler abgeworben haben, was machen Sie dann mit der Flut deutscher Hartz IV-Empfänger?… Wie…? Ach so, die sollen ihren ehemaligen Arbeitgebern hinterher, nach China!

  2. 4711
    11. Juni 2013, 12:04 | #2

    was für ein Geisteblitz!
    kein junger Mensch wird genötigt Lehrstellen in Deutschland oder anderswo in der EU anzunehmen. Nur mit Ihrem dummen Geschwätz kommen die jungen Menschen auch keine Perspektive

  3. Catalina
    11. Juni 2013, 19:11 | #3

    GR-Block
    Vollste Zustimmung!!!!

    4711
    Ich glaube, Sie haben keine Ahnung, was momentan in GR abläuft, denn aus den aktuellen Nachrichten ist Griechenland ja auf wundersame Weise verschwunden. In Griechenland werden auch jetzt noch, mitten in der „Saison“, jeden Monat Tausende von Menschen arbeitslos. Geschäfte und Firmen machen dicht, und wo etwas dicht gemacht wird kann auch niemand mehr ausgebildet werden. Daher trieft es nur so vor Hohn, wenn Sie sagen, kein junger Mensch werde genötigt, eine Lehrstelle in Deutschland oder anderswo in der EU anzunehmen. Doch, die jungen Leute werden genötigt, denn irgendwie muß es ja weitergehen und in Griechenland ist von „Aufbruchstimmung“ noch längst nichts zu spüren, auch wenn Herr Samaras und seine Gehilfen in regelmäßigen Abständen etwas anderes verlauten lassen.

  4. jgb
    11. Juni 2013, 19:49 | #4

    Diese einfältige Hetze verschleiert doch nur die selbstgeschaffenen Probleme! Wo bleiben denn die konstruktiven Vorschläge der „Front“ des Südens und deren Regierungen, ausser Polemik, Schuldzuweisungen und Jammerei. Dieses Verhalten ist eigentliche Verrat an den eigenen Bürgern. Wann verstehen das endlich auch die dort agierenden Journalien?

  5. GR-Block
    11. Juni 2013, 23:07 | #5

    Ach ja… Aufbruchstimmung. Die gesamte deutsche Wissenschaftsriege Max-Planck (82 Institute), Faunhofer (80 Institute) und Helmholtz (17 Forschungs-Zentren) hat spezielle Programme aufgelegt, um GR, PT, SP zu „helfen“, ihre Wissenschaftler loszuwerden. Ich bin sicher, die Studentenzahlen werden in Kürze in D zurückgehen. Das spart Geld um es gewinnbringend z.B. als Kredit in GR anzulegen.

    Was sind die Alternativen?
    Da kann ich nur immer wieder den Leiter der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Athen MARTIN KNAPP zitieren, der zu Beginn der Krise an der NTUA anläßlich einer Konferenz einen Vortrag hielt: „Es müssen SOFORT Produktionsbetriebe in D herausgerissen und in GR installiert werden, sonst wird jeder Hilfskredit verpuffen …“
    Nein, die Griechen brauchen keine Lehrstellen. Sie sind (zu) gut ausgebildet. Sie werden nach kurzer Einearbeitung sofort in die Produktion aufgenommen. Aber leider nicht dort wo die Krise ist, sondern da, wo die Krisengewinnler sind. Zu dieser Erkenntnis braucht es keinen 0815-Geistesblitz, sondern ein Herz für die Leidenden.

  6. Moppel
    12. Juni 2013, 00:47 | #6

    @jgb
    Wie weit müssen Journalisten in einem Land, in dem Repressalien gegen die Presse eher zur Regel zählen als eine Ausnahme darstellen, eigentlich noch gehen um Metaphern wie „… nun eilen sich die unterworfenen Führungen des ausgeschalteten europäischen Südens mit der Zunge auf dem Boden …“ oder Statements wie „… sich als unfähig – und unwillig – erwiesen haben …“ auch unterbelichteten Biertisch-Intellektuellen verständlich zu machen?

  7. Petroulla
    12. Juni 2013, 12:22 | #7

    Ich finde es nicht richtig, daß sachliche, korrekte Beiträge nicht veröffentlicht werden, nur weil sie kritisch sind …

    • Team
      12. Juni 2013, 13:21 | #8

      @Petroulla
      Vorschlag: Den Beitrag noch einmal aufmerksam lesen (auch mit besonderem Augenmerk auf dem Aspekt, dass es gar nicht speziell um Griechenland geht) und dann überlegen, ob der gelöschte Kommentar wirklich „sachlich, korrekt und kritisch“ war oder aber wieder einmal nur einen Abklatsch der üblichen pauschalen Verunglimpfungen und Bashing-Parolen darstellte.

  8. Ottfried Storz
    13. Juni 2013, 13:13 | #9

    Das EU-Programm sieht die drei Punkte vor: Kredite für Einstellung von Jugendlichen, Entwicklung eines dualen Systems von Berufsschule&Arbeit und geographische Mobilität. Die Studien zeigen, das dies die richtigen Schritte sind.
    Der Artikel besteht jedoch nur aus EU-Hetze und gibt keinerlei Lösungsansätze.
    Griechenland hatte – wie Spanien und Italien – auch in Boomjahren eine vielfach höhere Jugendarbeitslosigkeit, wie in Deutschland. Es wäre Aufgabe der Gesellschaft und Regierungen dieser Länder, Jugendarbeitslosigkeit massiver zu bekämpfen.

  9. Götterbote
    13. Juni 2013, 16:28 | #10

    @Ottfried Storz

    Und werden diese Kredite zinsfrei sein oder verdienen da unsere „Freunde“ wieder mit daran?
    Woran will man messen, dass das duale System Jugendarbeitslosigkeit verringert? Abgesehen davon, dass man es niemals vergleichen kann, bzw. keine Beweise dafür vorliegen, dass das eine System besser ist als das andere, kann man auch sonst keine Vergleiche ziehen, weil die Wirtschaften und Voraussetzungen der Länder ganz andere sind. Hinzu kommt die Augenwischerei in dem Bereich. Angefangen von dem Heer an unbezahlten Praktikanten, bis hin zu den Firmen, die aus Kostengründen fast nur Azubis anstellen, um sie nach der Ausbildung zu entlassen, wenn sie zu teuer werden.
    Und was soll die geographische Mobilität bringen? Auch hier gibt es himmelweite Unterschiede. In einem dichtbesiedelten Deutschland ist dies viel leichter zu bewerkstelligen. Da kann der Kölner ins 50km entfernte Düsseldorf zur Arbeit fahren. Auch der Offenbacher nach Frankfurt oder der Augsburger nach München. Aber wo findet man ähnliche Verhältnisse in Griechenland? Es sollten eher Möglichkeiten geschaffen werden, in dem die Menschen nicht ihrem Familien- und Freundeskreis entrissen werden, sondern ein lebenswertes Dasein in ihrer Umgebung genießen dürfen. Die Deutschen leben vielleicht um zu arbeiten, aber andere arbeiten, um zu leben.

    P.S. es sei noch angemerkt, dass es doch sowieso gerade die jungen Leute sind, die aufgrund der Arbeit “gerne” vom Land oder von der Kleinstadt in die großen Städte ziehen, weil ihnen dort mehr Möglichkeiten gegeben werden. Von mangelnder Mobilität kann da selten eine Rede sein.

  10. GR-Block
    13. Juni 2013, 17:17 | #11

    Für ein „duales“ System braucht man Angstelltenverhältnisse für 85% der Beschäftigten wie in D. In einem Land wo die Privatindustrie (Selbständige) innerhalb 20 Jahren von 45% auf 30% der Beschäftigten heruntergedrückt und die öffentlichen Betriebe innerhalb 2 Jahren trocken gelegt wurden, gibt es nicht genügend Lehrstellen, die die zweite Schiene anbieten könnten. Das können nur die „Helfer“ aus dem Norden. Und diese werden kaum Lehrstellen im Süden anbieten. ich bin sicher demnächst kommt das Angebot: ihr bildet eure Jugend in den Berufsschulen … aus und wir geben ihnen Praktikums- und Lehrstellen. Danach wählen wir die Besten aus und ihr kriegt den Rest.

  11. CYR
    13. Juni 2013, 18:26 | #12

    Ich halte das ganze Gerede um EU-Hilfe für die grassierende Jugendarbeitslosigkeit für leeres Geschwätz, da stimme ich dem Artikel im Gesamttenor zu. Die drei Punkte der EU Initiative oder besser gesagt die deutsche Regierung vorgibt, ist überhaupt nicht machbar.

    -Kredite für Einstellung von Jugendlichen:
    Wer braucht denn diese Kredite, die Firmen etwa. Die meisten Firmen schwimmen in Geld, kleinere suchen sich die Leute sowieso aus dem nationalen Markt und viele können das gar nicht. Die Arbeitslosen Jugendlichen etwa? Wenn man 6 Milliarden EUR gegen 7,5 Millionen Jugendliche Arbeitslose dagegen rechnet, erhält statistisch jeder Jugendlicher 800 EUR. Für die Firmen ist das kein Anreiz. Man schaue sich mal an was eine Ausbildung durchschnittlich kostet.

    -Aufbau eines Dualen System
    So was braucht Jahre und Geld und Firmen die bereit sind das mitzutragen. Was z.B. in Griechenland z.Z vollkommen illusorisch ist

    -Geographische Mobilität
    Die einzigen Jugendlichen, die einigermassen eine Mobilität aufweist sind die Abiturienten die Studieren wollen. Die meisten sind ja schon 18 oder 19 und Elternhaus hilft kräftig mit. 16 bis 17 Jährige sind meistens viel zu naiv, unerfahren und rechtlich noch nicht mündig. Die dürfen überhaupt keinen Vertrag unterschreiben. Und auch in D ist die Mobilität der Auszubildenden nicht ausgeprägt. Warum sollen die Altersgenossen in den anderen Ländern anders sein.

  12. VD
    14. Juni 2013, 11:22 | #13

    Ich stimme „jgb“ vollkommen zu. Anstatt nur zu jammern und zu klagen, hätten die Regierungen des Südens auch einmal vorausschauend handeln müssen. Warum befinden sich jetzt die Länder in den großen Schwierigkeiten? Bestimmt nicht die Schuld Berlins. Aber es ist ja immer leichter Andere für Fehler verantwortlich zu machen. Was hat den z.B. die grc Regierungen in den letzten 40 Jahren für Ihr eigenes Volk getan? NICHTS, außer sich selbst die Taschen „voll zu stopfen“. Und wo wäre denn jetzt GRC, wenn nicht die Hilfskredite geflossen werden? Dann wäre GRC seit drei Jahren komplett Pleite. Keiner hätte mehr eine Arbeit und niemand würde noch Geld bekommen. Keiner würde mehr eine Rente erhalten. Wir hätten absolute Anarchie und Chaos. Und warum ist GRC da reingeschlittert? Weil die grc Regierungen in der Vergangenheit nur auf Pump gelebt haben, also Kredite aufgenommen. Und am Ende haben die Finanzmärkte den Geldhahn zugedreht. Also erst mal das Hirn einschalten, bevor immer nur auf DEU herumgehackt wird, weil ich das langsam zum Kotzen finde. Und ich weiß wovon ich schreibe! Ich lebe seit 2011 in Athen/GRC.
    Und die Unfähigkeit der grc politischen Klasse irgendetwas in ihrem eigenen Land voran zu bringen bzw. zu ändern ist schon bemerkenswert. Also „erst mal den Dreck vor der eigenen Tür kehren“ bevor man sich immer einen anderen Sündenbock sucht. Schuld an der Misere im Süden haben die jeweiligen Ländern selbst. Und zum Dank, dass nicht alles den Bach runter geht und geholfen wird, wird man nur beschimpft und beleidigt, auch wenn es in Teilen das falsche Rezept war.

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