Kindergartenpflicht in Griechenland rechtmäßig

4. Mai 2013 / Aktualisiert: 09. Mai 2013 / Aufrufe: 1.381

Der Oberste Verwaltungsgerichtshof in Griechenland befand den Kindergartenzwang – obligatorischen Vorschulbesuch als Teil der gesetzlichen Schulpflicht für rechtmäßig.

Die 4. Kammer des Obersten Verwaltungsgerichtshofs (StE) in Griechenland befand mit ihrem Urteil 1505/2013, dass gemäß den Bestimmungen der Verfassung der Staat die Jahre der obligatorischen Ausbildung sogar auch in den Kindergärten / Vorschulen erhöhen darf.

Spezieller wiesen die Richter des Verwaltungsgerichtshof alle Argumente des Panhellenischen Verbands Privater Kindergärten (PASIPS) ab, mit denen verlangt wurde, den Beschluss der Bildungsministerin vom 28.07.2006, mit dem die Eignungskriterien (Gebäudevoraussetzungen wie Raumabmessungen, erforderliche Innen- und Außenflächen usw.) der Unterrichtsgebäude für Schulen und Kindergärten bestimmt wurden, als verfassungswidrig und ungesetzmäßig zu annullieren.

Staat darf gesetzliche Schulpflicht auf Kindergarten / Vorschule ausweiten

Das höchste Kassationsgericht befasste sich mit der Argumentation des in Rede stehenden Verbands, die Gesetzgebung aus dem Jahr 2006 (Artikel 73 N. 3518/2006), mit welcher der obligatorische Kindergarten- /Vorschulbesuch etabliert wurde, stehe in Widerspruch zu dem – die Bildung schützenden – Artikel 15 der griechischen Verfassung.

Konkret betont der klagende Verband, gemäß den grundgesetzlichen Bestimmungen könne der Gesetzgeber die Jahre der obligatorischen Schulausbildung erhöhen und den Besuch des Gymnasiums obligatorisch machen, jedoch dürfe er nicht die vorschulische Bildung obligatorisch machen, weil „der Bildungsprozess eine Reife erfordert, welche die meisten den Kindergarten besuchenden Kinder nicht haben„.

Die Richter wiesen diese Argumentation des Verbands ab und unterstrichen, die Bestimmungen des Artikels 16 der Verfassung gewähren dem Gesetzgeber die Freiheit, „bei der Gestaltung der Bildungspolitik und nach Beurteilung der sozialen und wirtschaftlichen Umstände die Jahre der obligatorischen Ausbildung im Rahmen auch des Stadiums der Vorschulbildung mit der Einführung des obligatorischen Kindergarten- / Vorschulbesuchs zu erhöhen„.

(Quelle: in.gr)

  1. GR-Block
    4. Mai 2013, 21:13 | #1

    Der Artikel ist nicht für ausländische Ohren. Die würden es nämlich falsch verstehen. Es herrscht in GR 2 Jahre Vorschulpflicht, danach 6 Jahre Volksschule und 3 Jahre Gymnasium. Soweit die Schulpflicht. D.h. mit 15 ist man raus aus dem System. Wer die Hochschulreife erlangen möchte, besucht das Lyzeum (vergleichbar Oberstufe) für 3 Jahre und geht erst dann in die Arbeitslosigkeit oder drückt sich noch ein paar Jahre auf der Uni herum. Hier ensteht jedoch der Eindruck, seit 2006 müssten alle Kinder (bis 4) in den Kindergarten. Das ist nicht wahr.

  2. Roditisa
    5. Mai 2013, 00:55 | #2

    Kann das ein Fehler in der Übersetzung sein? Es geht doch wohl um die Vorschule (nipio)? Für den Kindergarten gibt es meines Wissens gar keine Schulpflicht, es gibt jedenfalls gar nicht genug Kindergärten, um alle Kinder unterzubringen.

  3. Team
    5. Mai 2013, 03:10 | #3

    @GR-Block
    „Ausländische (speziell deutsche) Ohren“ hören bzw. verstehen eh überwiegend nur das, was ihnen von Bild & Co vorgeblasen wird – wie z. B. auch bezüglich der „14 Monatsgehälter / – Löhne“. Deswegen sehen wir keinen Bedarf, als Weltverbesserer in Erscheinung zu treten, zumal dieser Art von Blödheit eh nicht beizukommen ist.

    @Roditisa
    Nein, es liegt kein Übersetzungs-, sondern definitiv ein Verständnisfehler vor, s. o.
    BTW: nipio (νήπιο) = Kleinkind

  4. Roditisa
    5. Mai 2013, 22:47 | #4

    @Team
    Ich bin nun wirklich beunruhigt, da ich 2 Kinder habe, die von der Regelung direkt betroffen sind. Meine ältere Tochter besuchte einen öffentlichen Kindergarten in der Altersstufe des „προρνήπιο“, wofür wir extra einen Antrag stellen mussten und mit Glück einen Platz bekamen. Außerdem hatten wir eine monatliche Gebühr für den Besuch dieser öffentlichen Einrichtung zu entrichten und es gab keinerlei Anwesenheitspflicht. Danach besuchte sie das „Νηπιαγογείο“ gebührenfrei und wir wurden schriftlich von der Gemeinde im Vorfeld darauf hingewiesen, dass für unsere Tochter nun eine Schulpflicht bestünde.
    Mein zweites Kind müsste nun theoretisch bereits schulpflichtig sein und einen Kindergarten besuchen, tut dies aber nicht. Sollte es wirklich um den Kindergarten (παιδικός σταθμός) gehen, so verstoße ich als Mutter definitiv gegen das Gesetz. Ich wäre also sehr dankbar, wenn Sie evtl. klarstellen könnten, welche Altersgruppen betroffen sind. Es kann ja sein, dass hier auf den Inseln die Worte „παιδικός σταθμός“, „νηπιαγογείο“ und „προνήπιο“ eine andere Bedeutung haben, als auf dem Festland und ich dialektalen Verirrungen zum Opfer gefallen bin.

    Dankbar für Ihr Verständnis nutze ich die Gelegenheit, mich für die engegagierte Arbeit an diesem Blog zu bedanken, ich lese häufig und gerne bei Ihnen.

  5. Onasis
    6. Mai 2013, 01:05 | #5

    Kein normaler Mensch hätte früher seine Kinder freiwillig in den staatlichen Kindergarten geschickt (vor ca. 6 Jahren). Um diese Kindergärten nicht schließen zu müssen wurde eine Gesetz erlassen um das zu verhindern. Man muß sich die Frage stellen warum niemand sein Kind gerne in diese Kindergärten schickt?

  6. Petroulla
    6. Mai 2013, 16:30 | #6

    @Team
    Ihr sagt, es werden keine Kommentare veröffentlicht, die beleidigend oder diskriminierend sind. Gilt das auch für Euch selber? Ansonsten finde ich die Seite sehr informativ und interessant.

  7. Roditisa
    7. Mai 2013, 12:31 | #7

    @Team
    Lieben Dank für den link!

    Ich fand dort folgende Regelungen:
    Alle Kinder, die im besagten Jahr ihren 4ten Geburtstag feiern, haben das RECHT, ein νηπιαγωγείο zu besuchen.
    Alle Kinder, die im besagten Jahr ihren 5ten Geburtstag feiern, MÜSSEN ein νηπιαγωγείο besuchen.
    Alle Kinder, die im besagten Jahr ihren 6ten Geburtstag feiern, MÜSSEN die erste Klasse des Δημοιτικό besuchen.

    Da es in der Früherziehung strukturelle Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern gibt, sind Mißverständnisse bei der Übersetzung wahrscheinlich. So besuchen in Deutschland Kinder ab dem 3. Lebensjahr Kindergärten. Es gibt für deutsche Kindergärten keinen Lehrplan und die Gruppen sind altersgemischt. In Griechenland kann das νηπιαγωγείο ab dem 5. Lebensjahr besucht werden, üblich ist aber der Eintritt im 6. Lebensjahr. Es gibt für das νηπιαγωγείο auch verbindliche Lehrpläne. Die wörtliche Übersetzung ist deshalb evtl. ungeschickt.

    In jedem Fall gilt in Griechenland die Schulfplicht für Kinder ab dem letzten Jahr vor dem Eintritt in die Grundschule und nicht für die ganze Kindergartenzeit (nur mal so an Anmerkung für Leute wie mich, die aufgrund schlechter Lektüre nicht ganz so gut informiert sind wie die Redaktion) und das Ziel ist es, allen Kindern mindestens 1 Jahr vor Schuleintritt Vorschulerziehung zukommen zu lassen.

    An Onasis: Ich bin von der guten Ausbildung, dem Engagement und der qualifizierten Arbeit der Erzieherinnen im staatlichen νηπιαγωγείο sehr positiv überrascht worden und kann Ihre Meinung zu den angeblich schlechten griechischen Kindergärten nicht nachvollziehen.

Kommentare sind geschlossen