Ganz Griechenland hat das Schicksal des großen Gatsby

17. Mai 2013 / Aufrufe: 956

Möglicherweise wird es bald wirklich keine Arbeitslosigkeit mehr geben, wenn als Maß der Wettbewerbsfähigkeit die Sklaverei wieder etabliert werden wird.

Man hört die deutsch-französische Vereinbarung bezüglich der Programme zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und könnte meinen, es tue sich etwas, die Nordeuropäer haben etwas von dem „Feuer“ mitbekommen, das den Süden in Flammen aufgehen zu lassen bereit ist. Würden sie nur die Hälfte der 60 Mrd. Euro bereitstellen, welche die nordeuropäischen Länder an der Krise verdient haben, würde den heimgesuchten Gesellschaften Atem verschafft werden.

Welchen Wahrheitsgehalt hat jedoch diese Nachricht, wenn Der Spiegel publiziert, Berlin verlange von Griechenland und Spanien neue Reformen auf dem Arbeitsmarkt? Um wie viel mehr muss der Basislohn noch gesenkt werden?

Rückkehr zur Sklaverei als Modell der Wettbewerbsfähigkeit

Es scheint, dass es in Kürze tatsächlich keine Arbeitslosigkeit mehr geben wird, weil die jungen Leute für monatlich 150 oder 200 Euro arbeiten werden! Mal ehrlich, an wen richten sie sich und über wen machen sie sich lustig? Und all dies im Namen der Wettbewerbsfähigkeit! Es scheint, die Rückkehr zur Sklaverei wird das perfekte Modell des modernen unternehmerischen Wettbewerbs sein. Nur dass in diesem Rahmen die Arbeitnehmer in der Hölle der Überlebensnotwendigkeit versunken sind. Jedoch hat die Arbeit außer der Dimension der Mühe auch die Dimension des Schaffens, sagte die großartige Polit-Philosophin Philosophin Hannah Arendt, deren Leben derzeit in den Kinos gezeigt wird.

In den Kinos wird auch „Der große Gatsby“ von Francis Fitzgerald gezeigt. Es geht um die Darstellung der amerikanischen Gesellschaft des schnellen Reichwerdens des 1920er Jahrzehnts, die in dem Krach von 1929 endete und auf die Gesellschaften der heutigen Krise verweist. In unseren Tagen hat ganz Griechenland das Schicksal des „großen Gatsby“. Und die griechischen Gatsbys meinen klagend und mit errungener Arroganz zu den ehemaligen Begünstigten: „Du hättest mich sehen und den Kopf senken müssen!“ Nur dass die vorherigen „Spiegel“ nicht mehr reflektieren. Und die ehemaligen griechischen „Gatsbys“, die Neureichen der großen Blase der Kredite und europäischen Programme werden verrückt.

Anstatt dass es jedoch eine Selbstkritik gibt, eine konkrete Interpretation der Situation, die zu einem Neuanfang führen würde, vernehmen wir die selbe hölzerne, klischeehafte und narzisstische Sprache, die selbe undefinierte, abstrakte und defektive Rede, die selben Stereotypen, die auf Propaganda und nicht auf ein klarstellendes, befreiendes, emanzipatorisches Wort verweisen.

Wenn die Worte ihre Bedeutung verlieren, verlieren die Menschen ihre Freiheit„, meinte der alte Weise. Und wir Griechen scheinen zusammen mit der Bedeutung der Worte auch die Art und Weise verloren zu haben, zu reden und zu kommunizieren. Hauptsächlich zu agieren und zu reagieren. Das ist der Grund, warum wir bereit sind, uns gegenseitig niederzumetzeln, wobei jeder erachtet, das Recht auf seiner Seite zu haben.

Quelle: Die Sklaverei als Maß der Wettbewerbsfähigkeit
Autor: Jorgos Papasotiriou
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

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  1. Böse
    17. Mai 2013, 13:11 | #1

    nur so nebenbei 🙂
    Für welchen Hungerlohn lassen denn die GR die ausländischen Arbeitern auf den Feldern arbeiten?
    Das Bildungssystem ist auch ausschlaggebend für die Höhe der Arbeitslosigkeit der Jugend. Hier in Deutschland hat das duale System der Berufsausbildung den entscheidenten Erfolg gebracht um der Jugend eine berufliche Chance zu geben. Wie sieht dieses in GR denn aus?

  2. Götterbote
    17. Mai 2013, 15:15 | #2

    @Böse
    Die Jugend Südeuropas ist bestens ausgebildet und die Arbeitslosigkeit hat damit nichts zu tun. Vielleicht fangen Sie noch mal ganz von vorne an und lesen sich in die Thematik der Krise ein.

  3. Petroulla
    17. Mai 2013, 17:23 | #3

    Es ist schon richtig. Jeder sieht nur zu, wie er das bestmögliche für sich selbst herausholt und es ist völlig wurscht, was mit dem Rest der Nation passiert. Da kann man sowohl auf die Regierenden schauen als auch in die eigene Nachbarschaft. Politiker, welche sich damit etablieren, daß sie die bisherigen Machthaber kritisieren, kaum sind sie aber an der Tete, tun sie genau dasselbe. Arbeitgeber, welche die Not der Beschäftigten ausnutzen und Hungerlöhne zahlen. Vermieter, welche die Häuser verkommen lassen, aber jedes Jahr die Miete um 10% erhöhen, Söhne, die ihren Vätern das Eigentum wegnehmen usw.usw. Was ist es nur mit diesem Egoismus, wo jeder nur sich selbst sieht. Es gibt absolut kein Verständnis und kein Mitgefühl für den Mitmenschen mehr. Würden die Menschen mehr zusammenhalten, wären sie vielleicht auch nicht so leichte Beute. Und was die neuerlichen Lohnsenkungen betrifft: Wer sagt denn, daß immmer nur die Löhne der alleruntersten Geringverdiener zur Debatte stehen. Warum wird denn nicht auch mal an den Gehältern der Bessergestellten, vor allem der Überbezahlten, gekratzt? Wenn es denn schon sein muß. Bei der Gelegenheit: Gibt es eigentlich noch all die verrückten Zuschläge im öffentlichen Dienst? Epidoma kareklas, epidoma skalas, Prämie, wenn man pünktlich zur Arbeit kommt und so weiter?

  4. windjob
    18. Mai 2013, 03:48 | #4

    Böse :
    nur so nebenbei 🙂
    Hier in Deutschland hat das duale System der Berufsausbildung den entscheidenten Erfolg gebracht um der Jugend eine berufliche Chance zu geben. Wie sieht dieses in GR denn aus?

    Jawoll,

    und deshalb haben wir auch so viel Schulabrecher ohne qualifizierten Abschluss und so viele nicht ausbildungsgeeignete Lehrlinge.

  5. Böse
    18. Mai 2013, 21:55 | #5

    @windjob
    Der „Null-Bock“ Jugend (und auch Erwachsene natürlich) kann man nicht helfen. Chancen haben alle!

  6. verSi
    22. Mai 2013, 11:30 | #6

    Ich selber unterrichte als Lehrer in Griechenland und kann nicht bestätigen, dass das griechische Bildungssystem nicht geeignet ist, qualifizierte Jugendlichen hervorzubringen. Es geht in den meisten Fächern nur um sinnlose Reproduktion! In der Mathematik werden z.B. Beweise auswendig gelernt, ohne dass diese von den Schülern verstanden werden. In Geschichte müssen viele Lehrbuchseiten exakt auswendig gelernt werden … Eine Reform des Bildungswesens ist dringend nötig!

  7. Götterbote
    24. Mai 2013, 14:12 | #7

    @verSi
    Sie als Lehrer können das sicher gut einschätzen und das es Reformbedarf gibt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Nur soviel: glauben Sie wirklich, dass es woanders so viel besser ist? Ich kenne einige Lehrer in Deutschland und was von denen zu hören ist, ist noch viel erbärmlicher. Zudem höre ich von vielen Leuten, die mit in Griechenland ausgebildeten Leuten zu tun haben (z.B. Ärzte, Rechtsanwälte), dass diese aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Fähigkeiten hoch gelobt werden. Alles kann also nicht so falsch sein, was dort gelehrt wird.

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