Wahrheiten und Lügen über Bankenkrise in Zypern

5. April 2013 / Aktualisiert: 28. Juni 2018 / Aufrufe: 6.771

Erklärungen der Zentralbank Zyperns zu dem Deal in Griechenland

Die zyprische Regierung scheint dem Verkauf der Filialen der drei zyprischen Banken mit der Pistole an der Schläfe zugestimmt zu haben.

Unter der Last der heftigen Kritik bezüglich der Rolle der Zentralbank in der getroffenen Vereinbarung gab die Aufsichtsbehörde eine Bekanntmachung aus, in der sie die Umstände verzeichnet, unter denen die Vereinbarung und deren für die zyprische Seite ungünstigen Bedingungen erzielt wurden, da Aktiva veräußert wurden, welche die Verbindlichkeiten um 1,5 Mrd. € übersteigen.

Die Zentralbank Zyperns (CBC) gab bekannt, dass der Verkauf der Filialen der drei zyprischen Banken in Griechenland von der Troika als Voraussetzung gestellt wurde, um das wirtschaftliche Hilfsprogramm für Zypern zu genehmigen„, lautet es in der offiziellen Bekanntmachung. „Hätte die zyprische Regierung diesem Verkauf nicht zugestimmt, wären die Verhandlungen mit der Troika über die Errichtung des endgültigen Memorandums über die finanzielle Unterstützung Zyperns mit der Folge des ungeregelten Bankrotts des Finanzwesens und der selbigen Republik Zyperns abgebrochen worden.

Im Haupttext des Beschlusses der Eurogruppe des 25 März 2013 wird Folgendes angeführt: «The Eurogroup urges the immediate implementation of the agreement between Cyprus and Greece on the Greek branches of the Cypriot banks, which protects the stability of both the Greek and Cypriot banking systems.»

Als Ergebnis der obigen politischen Anweisung der Eurogruppe, der die zyprische Regierung zustimmte, kam am 26 März 2013 eine einschlägige Vereinbarung zustande. Im weiteren Verlauf und nachdem die CBC als Sanierungsbehörde die Stellungnahme des Finanzministers berücksichtigte, erließ sie am selben Tag eine Verordnung, mit der die Geschäftsbereiche der Filialen der Laiki Bank und der Cyprus Bank in Griechenland an die Piräus Bank Griechenlands verkauft wurden.

Es wird angemerkt, dass an dem Vertrag auch die Griechische Bank beteiligt war und daher die Geschäftsbereiche der Filialen der in Rede stehenden Bank in Griechenland ebenfalls an die Piräus Bank verkauft wurden. Der Gesamtwert der übertragenen Vermögenswerte beläuft sich auf 16,4 Mrd. Euro und jener der Gesamtverbindlichkeiten auf 15 Mrd. Euro. Der Gesamtpreis für den Verkauf, der eingenommen und auf Basis der bei der Eurogruppe des 25 März 2013 vereinbarten Methodologie ermittelt wurde, beläuft sich auf 0,5 Mrd. Euro.

Mit der Vollendung des obigen Verkaufs ist eine signifikante „Enthebelung“ und Reduzierung des zyprischen Bankwesens erzielt worden und sind die aus den Kredit-Portefeuilles der zyprischen Banken in Griechenland herrührenden Risiken vollumfänglich getilgt worden. Es sei in Erinnerung gerufen, dass auf Basis der politischen Entscheidung der Eurogruppe des 25 März 2013 der inländische Banksektor reduziert werden und bis 2018 den Durchschnittswert der Europäischen Union erreichen muss, der unter den heutigen Umständen auf 300% des BIP veranschlagt wird.

Ebenfalls ist mit dem Transfer der 15 Mrd. Euro betragenden Einlagen bei den griechischen Filialen der zyprischen Banken der zyprische Einlagensicherungsplan von der Deckungsverpflichtung befreit und somit die Höhe der eventuellen Verpflichtung der zyprischen Regierung gesenkt worden. Unter Berücksichtigung aller obigen Faktoren wird die Verkaufsvereinbarung unter den Umständen als zufriedenstellend und zu Gunsten der Erhaltung der Stabilität des Finanzsektors beurteilt„, endet die Bekanntmachung.

(Quelle: Stockwatch)

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  1. GR-Gast
    6. April 2013, 22:09 | #1

    Danke,
    ein aufschlußreicher und interessanter Bericht von einem ehemaligen Insider, der wenigstens den Mut hat, darüber öffentlich zu reden. Das läßt hoffen, daß sich ihm Andere anschließen und nicht nur tatenlos zuschauen, was in meinen Augen der Bevölkerung gegenüber unmenschlich und menschenverachtend ist. Am Ende müssen die Bevölkerungen von mittlerweile so vielen Staaten für „Zechen und Spielchen“ aufkommen, für die sie ausgepreßt werden wie eine Zitrone und nichts dafür können.

  2. Bankenleiter
    8. April 2013, 16:46 | #2

    Alle Banken sind von Geschäftsmodell her Pleite, da die Hinterlegung von Werten und Krediten ja nur 1% (EZB) bis ca. 16 Prozent gegeben ist. Es kann jede Bank umhauen. Wenn 5% der Vermögen weltweit abgehoben werden, ist Schicht im Schacht! Ich finde es erstaunlich, dass sich bei einer immer weiter wachsenden Zinslast immer wieder Menschen wundern, dass ein Institut zusammenbricht.

  3. Ottfried Storz
    9. April 2013, 09:40 | #3

    Gestern wurden die wichtigsten Fakten aus dem Untersuchungsbericht zur Ruin der Bank of Cyprus und Laiki-Bank bekannt. Demnach erwarb die Bank of Cyprus in 2010/2011 mehr als 2 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen. In der Bank hätte ein „absolutes Gewinnstreben vorgeherrscht“, das „selbst offenkundigste Risiken ausblendet wurden“.

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