Wahrheiten und Lügen über Bankenkrise in Zypern

5. April 2013 / Aktualisiert: 28. Juni 2018 / Aufrufe: 6.771

Ziel war die Demontage und nicht die Sanierung der Bank of Cyprus

Anstatt dass es also ein gemeinsames Engagement zur Bewältigung einer dermaßen schwierigen Konjunkturlage gibt, begann der Versuch der Demontage einer Bank mit starken Fundamenten. Der Leiter der Zentralbank brachte seine Überraschung zum Ausdruck, weil der von der Cyprus-Bank benötigte Betrag nicht 300, sondern 500 Mio. € war, woraus unter Berücksichtigung all des vorstehend Angeführten jeder seine Rückschlüsse zu ziehen vermag. Er brachte jedoch nicht seine Überraschung darüber zum Ausdruck, warum der Betrag von 500 Mio. € nach der Studie der Pimco schließlich auf 4 Mrd. € anstieg.

Es ist bekannt, dass diese Studie auf Parametern basierte, welche der Leiter der ZB selbst lieferte, sowie auch auf der Änderung, die er hinsichtlich der Weise anwendete, auf welche bis damals die Zentralbank den umstrukturierten Krediten (sprich Krediten, deren Tilgungsperiode sich im Verlauf änderte) begegnete. Der Leiter der ZB war nicht überrascht, weil er selbst ab Anfang Juli 2012 die Einschätzung durchsickern ließ, die Bedürfnisse der Banken würden bei 10 Mrd. € liegen. Ich muss jedoch meine eigene große Überraschung über den Betrag von 4 Mrd. € zum Ausdruck bringen, weil die wirtschaftlichen Fakten der Bank of Cyprus am 30/06/2012 – als ich ausschied – diesen nicht rechtfertigten.

Es folgte die „unterirdische“ Anweisung / Ermunterung von dem Leiter der ZB persönlich an den Vizepräsidenten der Cyprus-Bank (der Präsident war aus gesundheitlichen Gründen abwesend) zur Entlassung von Mitgliedern der Geschäftsdirektion.

Offensichtlich standen einige von uns der Realisierung ihrer Pläne im Weg.

Nach all diesem verlangte ich die Erneuerung des Vertrauens des Vorstands in meine Person, das mir in einer Anfang Juli 2012 erfolgten Sondersitzung mehrheitlich ausgesprochen wurde. Trotz all diesem ging der unterirdische Krieg weiter. Offensichtlich musste der Plan der Regierung und der Zentralbank umgesetzt werden. Niemand konnte es aufhalten. In den nächsten Monaten folgten fortwährende Handlungen, die als Ziel hatten, das vertrauen in die Bank of Cyprus noch mehr zu beeinträchtigen. Die Regierung und der Leiter begannen fortan offen, aber auch im Untergrund, einen alltäglichen Krieg, mit Ziel immer die Banken.

Selbst wenn wir annehmen, dass nur die Banken Schuld waren, hatten der Staat und die Zentralbank die Möglichkeiten und die Mittel, umgehend zu allen notwendigen Maßnahmen und erforderlichen Handlungen zu schreiten, um die Missstände zu korrigieren. Stattdessen wählten sie jedoch die alltäglichen Schläge, welche die Banken trafen und zum Verlust von Einlagen führten. Sie trafen ebenfalls das unternehmerische Vertrauen, mit negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Es wurde die Pimco bestellt, die bestätigte, dass die Bedürfnisse der Banken bei ungefähr 10 Mrd. € lagen, was völlig zufällig mit der Einschätzung des Leiters der ZB zusammenfiel, die er Anfang Juli durchsickern lassen hatte. Es wurde die Alvarez & Marsal (Α&Μ) zu Auftragsbedingungen eingesetzt, die niemals bekannt wurden. Ihre Einsetzung war zulässig und die Bewertung der Handlungen der Banken muss erfolgen, so wie auch die Bewertung der Handlungen aller zu erfolgen hat. Dass es jedoch in einer dermaßen schwierigen Konjunktur alltäglich Durchsickerungen an die Presse über die angebliche Entdeckung von Unregelmäßigkeiten durch die A&M und Verantwortungen der Banken gibt, beeinträchtigte irreparabel das Vertrauen der Anleger und führte zu dem heutigen Resultat.

Damit die Seriosität eines Organismus noch mehr beeinträchtigt wird, „mussten“ kontinuierlich und auf „unterirdische“ Weise der Rücktritt von Mitgliedern des Vorstands der Cyprus-Bank und Gerüchte über von Ehemaligen und Derzeitigen der Bank begangenen „Skandale“ kursieren, wie:

a) Im vergangenen September publizierte die Zeitung „Charavgi“ – Organ der damaligen Regierung – Informationen, dass bei den Käufen der griechischen Staatsanleihen rechtmäßige Provisionen von 100 Mio. € gezahlt wurden, und ließ durchklingen, „gewisse Leute“ haben diese erhalten.

Die Bank of Cyprus und der Vorstand dementierten merkwürdigerweise den Artikel nicht, um damit die Wahrheit zu rehabilitieren, und zogen vor, die Vervielfältigung des Artikels durch die Massenmedien und parallel die öffentliche Anprangerung der Bank unbeteiligt zu beobachten. Ziel dieser niederträchtigen und unwahren „Durchsickerung“ war, die Seriosität der Cyprus-Bank zu beeinträchtigen.

Es ist bekannt, dass es bei diesen Transaktionen, die elektronisch zwischen großen Organismen ohne natürlichen Kontakt der Transaktionspartner erfolgen, solche Provisionen nicht gibt. Wie auch immer ist jedenfalls der Betrag von 100 Mio. € so groß, dass er nicht versteckt werden kann. Die „Insider“, welche die Information veröffentlichten, schulden uns endlich zu sagen, welche Personen das Geld erhielten, damit sie ins Gefängnis gehen.

b) Mit dem Ziel, anderen Zweckmäßigkeiten zu dienen, werden sogar auch noch heute unwahre Behauptungen wiederholt, die griechischen Staatsanleihen seien „in Abwesenheit“ des Vorstands der Bank of Cyprus auf dem Sekundärmarkt eingekauft worden, als die deutschen Banken verkauften.

Zur Rehabilitierung der historischen Wahrheit:

  • Der Kauf der Anleihen erfolgte mit „verzeichneten“ und „einstimmigen“ Beschlüssen aller zuständigen Gremien der Bank und des Vorstands.
  • Die Käufe erfolgten im 4. Quartal des Jahres 2009 und im 1. Quartal des Jahres 2010, als das Rating der griechischen Verschuldung auf Basis von Moody’s sich in der Kategorie A2 und A3 befand. – In dieser Periode wurden die öffentlichen griechischen Emissionen dreifach überzeichnet. Alle Banken investierten in Staatsanleihen, die wie von Basel II & III definiert ohne Risiko waren.
  • Anfang Oktober 2009 betrugen die griechischen Anleihen bei deutschen Banken 29,5 Mrd. € und stiegen auf Basis der Daten der Bank of International Settlements bis Ende 2010 auf 32,7 Mrd. € an. In dieser Periode verkauften also die deutschen Banken – wie die unterirdischen Kreise verbreiten – nicht, sondern kauften zusätzliche 3,2 Mrd. €.
  • Der Vorschlag über den Verkauf der griechischen Staatsanleihen von ungefähr 1,5 Mrd. € im September 2009 begann auf Initiative / Vorschlag der Herren Chr. Patsalidis und Karydas und keines anderen. Die stillschweigende Akzeptierung dieser Handlung durch Herrn Kypris entbehrt der Wahrheit und hat zum Ziel, sich die einschlägigen Bemerkungen zu eigen zu machen.

c) Weil alle von den offiziell und inoffiziell von dem Leiter der Zentralbank Berufenen unternommen Bemühungen, belastende Fakten gegen mich zu finden, nirgendwo hinführten, suchten die unterirdischen Kreise mit dem ihnen zur Verfügung stehenden ungeheuren Propaganda-Mechanismus in groben Anschuldigungen Zuflucht. Aufzeigend führe ich Folgendes an:

  • Die Zeitung „Charavgi“ publizierte – mich übergehend – persönliche Daten über mich, ich habe in Griechenland einen Baukredit zu einem privilegierten Zinssatz erhalten.
  • Mit einem an die Presse gegebenen Schreiben von mir bewies ich, dass der Zinssatz nicht privilegiert ist und der Kredit von den selben Bedingungen für alle Kunden geregelt wird, die ähnliche Finanzierungen erhielten, und vollumfänglich durch Hypotheken besichert ist. Ich forderte den Vorstand der Cyprus-Bank auf, die Wahrheit zu Rehabilitieren, jedoch entschied er sich wieder, zu schweigen.
  • Die selben Kreise verbreiten ebenfalls, ich habe Millionen-Boni erhalten, und verschweigen die Wahrheit: Nach meinem Rücktritt verzichtete ich auf alle meine gesetzlichen Ansprüche (unbezahlte Urlaube u. a.), außer aus meiner Vorsorgekasse, in die ich seit 33 Jahren, in denen ich bei der Cyprus Bank beschäftigt bin, einzahle. Ich war immer der Überzeugung, die Vorsorgekasse sei ein heiliges und unveräußerliches Recht aller. Ich frage mich, warum mittels verschiedener unwahrer Berichte so viel Lärm um meine Vorsorgekasse gemacht wird und warum es nicht den selben Lärm um ähnliche Beträge gab, welche die beiden Finanzminister (die Herren Stavrakis und Siarlis) bei ihrem Ausscheiden aus der Bank of Cyprus erhielten.
  • Die selben Kreise informieren die Presse irreführend, indem sie verbreiten, ich befinde mich heute in Miami und mache Urlaub. Ich teile ihnen also mit, dass ich leider niemals aus dem simplen Grund exotische Gegenden besuchte, dass ich 33 Jahre lang bei der Cyprus-Bank übermäßig arbeitssüchtig war.

Ich beobachte mit Seelenschmerz aus Athen, wo ich mit meiner Familie wohne, die Schwierigkeiten, welche mein Vaterland heute durchlebt, und bin betrübt, weil in solchen Augenblicken, in denen wir alle unsere Selbstkritik üben müssen, Einige in dem hoffnungslosen Versuch, ihre Verantwortungen abzulehnen, die wilden Beschimpfungen fortsetzen.

Abschließend muss ich in Erinnerung rufen, dass mit all diesen „unterirdischen“ Bemühungen, der Propaganda und den Beschimpfungen Einige es geschafft haben, die Cyprus-Bank in die heutige Lage zu führen, obwohl sie selbst auch bis zum vergangenen Juni (2012) auf Basis unwiderlegbarer Fakten die systemische Bank mit den besten Indizes in Zypern und Griechenland war.

Sie haben ebenfalls erreicht, die Cyprus-Bank in Griechenland zu ungeheuren Kosten für die Gruppe zu veräußern, da sie für den Verkauf obendrein zahlte. Der Leiter hatte seit dem vergangen Mai, als er seine Aufgaben antrat, die Tochter-Vergesellschaftung und den Verkauf im Sinn, was er in verschiedene Richtungen äußerte, lange bevor es angeblich die Troika forderte. Ich glaube, langsam wird bekannt werden, dass diese Tatsache das Aktienkapital der Bank of Cyprus um 1,5 Mrd. € reduzierte und den für die Rekapitalisierung benötigten Betrag und den Prozentsatz des Schnitts der Kunden der Bank steil in die Höhe trieb.

Ich denke, dass dieser Ausverkauf der Cyprus-Bank Griechenlands, die der Gruppe seit ihrer Gründung im Jahr 1992 (unter Ausnahme des Jahres 2012) signifikante Gewinne erbrachte und sie in schwierigen Augenblicken wie 2002 – 2004 unterstützte, als sie Zypern Verluste hatte, den endgültigen Schlag versetzte. Der Ruf der Bank of Cyprus Griechenland, die Qualität der Daten ihrer Aktiva und das Potential ihrer Beschäftigten ist allen bekannt. Die Bemühungen gewisser Personen, irgendwelche anderen Eindrücke zu schaffen, fallen ins Leere. Das Interesse an ihrem Erwerb war total.

Mit dem Erwerb des Netzes der Bank of Cyprus in Griechenland schaffte es die Piräus-Bank, ihr Kapital von negativ in positiv zu wandeln und ihre Position in jeder Hinsicht zu stärken. Wenn die Cyprus-Bank Griechenlands entfremdet werden musste, weil Einige heute ihre Gründe haben, hätte dies zur geeigneten Zeit, auf die geeignete Weise und mit der Hilfe von Investment-Häusern und sicherlich nicht zu diesen Kosten erfolgen können.

Weiter befürchte ich leider, dass uns mit einem solchen Verhalten das Schlimmste noch bevorsteht. Jedoch ist dies Manchen sicher völlig gleichgültig, weil … sie mittels Propaganda und Schlamm die Verantwortungen allen anderen anlasten können. Alle wissen jedoch, dass die wüsten Beschimpfungen nicht richten … sondern all jene verurteilen, die sie verbreiten.“

(Quelle: Stockwatch)
Hinweis: der vorstehend in deutscher Übersetzung wiedergegebene Artikel ist wie im griechischen Wortlaut in der 1. Person formuliert, die sich auf den Autor des originalen Beitrags und nicht etwa das Team des Blogs bezieht.

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  1. GR-Gast
    6. April 2013, 22:09 | #1

    Danke,
    ein aufschlußreicher und interessanter Bericht von einem ehemaligen Insider, der wenigstens den Mut hat, darüber öffentlich zu reden. Das läßt hoffen, daß sich ihm Andere anschließen und nicht nur tatenlos zuschauen, was in meinen Augen der Bevölkerung gegenüber unmenschlich und menschenverachtend ist. Am Ende müssen die Bevölkerungen von mittlerweile so vielen Staaten für „Zechen und Spielchen“ aufkommen, für die sie ausgepreßt werden wie eine Zitrone und nichts dafür können.

  2. Bankenleiter
    8. April 2013, 16:46 | #2

    Alle Banken sind von Geschäftsmodell her Pleite, da die Hinterlegung von Werten und Krediten ja nur 1% (EZB) bis ca. 16 Prozent gegeben ist. Es kann jede Bank umhauen. Wenn 5% der Vermögen weltweit abgehoben werden, ist Schicht im Schacht! Ich finde es erstaunlich, dass sich bei einer immer weiter wachsenden Zinslast immer wieder Menschen wundern, dass ein Institut zusammenbricht.

  3. Ottfried Storz
    9. April 2013, 09:40 | #3

    Gestern wurden die wichtigsten Fakten aus dem Untersuchungsbericht zur Ruin der Bank of Cyprus und Laiki-Bank bekannt. Demnach erwarb die Bank of Cyprus in 2010/2011 mehr als 2 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen. In der Bank hätte ein „absolutes Gewinnstreben vorgeherrscht“, das „selbst offenkundigste Risiken ausblendet wurden“.

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