Der große Betrug auf Zypern

12. April 2013 / Aktualisiert: 19. April 2014 / Aufrufe: 3.733

Troika zögerte Bail-out zugunsten französischer und deutscher Banken bis zum obligatorischen Bail-in hinaus

Im weiteren Verlauf hätte die Eurozone sich bereits 2012 darauf einigen müssen, entweder Zypern zu retten (Bailout) oder die zyprischen Banken umzuschulden – weil das zyprische Finanzsystem im Sterben lag. Dies hätte jedoch sowohl die französischen als auch deutschen Banken geschädigt – die verpflichtet gewesen wären, sich an der „Konfiszierung“ der Guthaben zu beteiligen.

In diesem Rahmen ist offensichtlich, dass die Troika die Rettung Zyperns – also das anstehende „Bail-out“ – so lange hinauszögerte, bis das „Bail-in“ obligatorisch wurde – wie die Beteiligung der Aktionäre, Obligationsinhaber sowie ebenfalls auch der Sparer an der Rettung der Banken bezeichnet wird. In Griechenland war das „Rettungsverfahren“ sehr viel kürzer, weil sich hier die Banken der beiden führenden Länder der Eurozone schneller zurückgezogen hatten und 80% der Kredite, die Griechenland vor dem PSI gewährt wurden, den Banken der „ehrenwerten“ Partner zugeführt worden waren.

Im Vergleich zu 2010 schafften nun die europäischen Banken, insgesamt 50 Mrd. € aus Zypern abzuziehen, bevor die „Konfiszierung“ beschlossen wurde – ein Betrag, der ohne jeden Zweifel maximal zu der Erkrankung sowie ebenfalls dem darauf folgenden Zusammenbruch des Finanzsystems Zyperns beitrug.

Die noch in Zypern verbliebenen 10 Mrd. € wiederum werden möglicherweise keinen „Cut“ erfahren, weil sie höchstwahrscheinlich bei anderen Banken und nicht bei der Cyprus-Bank oder Laiki angelegt sind (der andere Betrug). Abgesehen davon sind nicht alle europäischen Banken gleichermaßen mit der Politik vernetzt – womit möglicherweise nicht alle die interne Informierung hatten, mit deren Hilfe sie ihre Gelder rechtzeitig abgezogen hätten.

Der Grund für die Geldanlagen der Banken in Zypern

Die französischen und deutschen Banken vermochten wegen der niedrigen Kreditzinsen nicht ihren geforderten Gewinnverlauf mittels der dortigen Vergabe von Krediten sicherzustellen. Wenn sie jedoch ihre Gelder entweder als Sichteinlagen oder als Termingelder mit einer Dauer von wenigstens einem Jahr in Zypern anlegten, konnten sie Zinssätze zwischen 2,8% und 4,9% erzielen – während der Zinssatz in den eigenen Ländern gerade einmal 0,55% erreichte:

Zinssatz Art und Land der Einlage
0,55% German Overnight Deposit
1,1% Cyprus Overnight Deposit
2,8% Cyprus Savings Deposit (1 year)
4,9% Cyprus Time Deposit (1 year)

(Quelle: mdbriefing.com)

Um mehr zu gewinnen, mussten die Banken ihre Gelder wie aus vorstehender Tabelle hervorgehend wirklich in Zypern lassen, um die Zinsen zu erhalten und keine Verluste zu erleiden. Folglich vermag man nichts anderes zu vermuten, als dass sie ihre Gelder nicht sofort abzogen, weil sie nicht ihre Gewinne verlieren wollten und somit ein Jahr zu warten hatten.

Natürlich hätten die deutschen und französischen Banken etwas Derartiges nicht riskieren können, wenn sie nicht die Hilfe der Bank der Eurozone (EZB) gehabt hätten – also deren Leiters, sprich der Regierung Deutschlands sowie auch ebenfalls Frankreichs.

Epilog

Die Rückschlüsse ziehend ist die Rettung Zyperns nichts anderes als eine „ekelhafte“ Geschichte von Insider-Informationen und Betrug. Unter dem Strich wiederum spekulierten die europäischen Banken zu Lasten der zyprischen, mit Geldern, die sie sich zu einem Null-Zinssatz von der EZB liehen. Später, als ihr schmutziges Spiel zu Ende zu gehen schien, versicherten sie sich der erforderlichen Zeit, um keinen Schaden zu erleiden – mit der Hilfe der EZB.

Wenn dies nicht Korruption und Verfilzung der miesesten Art ist, wogegen die politische Korruption in Griechenland und Zypern geradezu kindisch erscheint, was ist es dann? Warum müssen die einfachen Bürger Zyperns, Griechenlands, Irlands usw. die Rechnung für diesen unglaublichen Betrug zahlen?

Ist es auf der anderen Seite möglich, dass die betroffenen Staaten unter diesen Voraussetzungen der Banken-, politischen oder auch volkswirtschaftlichen Union der Eurozone folgen, ohne die der Euro verurteilt ist? Wie könnten sie letztendlich „Partner“ haben, die sich auf diese Weise benehmen und einerseits ihre eigenen Bürger und andererseits alle übrigen Europäer betrügen?

Vasilis Viliardos Athen, 09. April 2013
(Herr Vasilis Viliardos ist Volkswirtschaftler, Absolvent der Wirtschaftsuniversität Athen, mit postgradualem Studium an der Universität Hamburg)

(Quelle: CASSS.gr, Autor: Vasilis Viliardos)

Relevanter Beitrag:

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

  1. windjob
    12. April 2013, 12:29 | #1

    Ich will den Bericht absolut nicht anzweifeln zeigt er einmal mehr die Verflechtung zwischen Grossfinanz und Politik. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass es Zypern selbst in der Hand hatte durch eine vernünftige Bankenkontrolle ein solches Desaster zu verhindern. Dies betrifft aber auch alle anderen Länder. Was es aber auch zeigt ist, es wird Zeit dass die Banken an die Leine genommen werden. Trennung von Investmentbanken und, ich sag mal, normalen Banken. Wenn eine Investmentbank sich verzockt lasst sie hopps gehen. Leider stossen diese Ansätze immer wieder auf den Widerstand der Briten und Amerikaner weil diese Angst um Ihre Finanzplätze haben. Und es scheitert an dem gnadenlosen Lobbyismus.

  2. GR-Block
    12. April 2013, 15:07 | #2

    @windjob
    „Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass es Zypern selbst in der Hand hatte durch eine vernünftige Bankenkontrolle ein solches Desaster zu verhindern. Dies betrifft aber auch alle anderen Länder.“
    Welch eine Aussage. Sie akzeptieren, dass es eine Weltfinanzkrise gibt und sagen ausgerechnet den kleinsten Volkswirtschaften „selber Schuld“. Damit waschen Sie den Hauptverursachern und Nutzniesern die Hände. Das akzeptiere ich nicht. Wer in allem nach vorne drängt, muss damit rechnen, die Schuld zu tragen, nicht nur den Gewinn.

    „Was es aber auch zeigt ist, es wird Zeit, dass die Banken an die Leine genommen werden.“
    Ich stimme zu. Aber ich befürchte auch hier, wie bei der OECD-Korruptionsbekämpfung, werden die großen Nutznieser wie D dagegenhalten.

    „Wenn eine Investmentbank sich verzockt, lasst sie hopps gehen. Leider stossen diese Ansätze immer wieder auf den Widerstand der Briten und Amerikaner weil diese Angst um Ihre Finanzplätze haben.“ Die jahrzehntelange Bankenpraxis in D widerspricht ihrer Aussage vehement. Trotz politischer Lippenbekenntnisse haben Risikoanleger gerade in D ihre Lobbys fest im Griff, um ihr Risiko illegal zu minimieren.

  3. Ottfried Storz
    12. April 2013, 15:34 | #3

    Spekulation ohne Belege.
    Wo ist der Beleg, dass „deposits, other EZ“ (= Euro-Zone) angeblih „Frankreichs und Deutschlands“ Banken sind? Deutschlands Industrie mag international relativ sehr gut aufgestellt sein. International sind Deutschlands Banken jedoch relativ klein, selbst italienische, spanische oder niederländische Großbanken sind grösser als die Großbanken Deutschlands, siehe Wikipedia Großbanken.
    Auch kann es völlig andere Gründe haben, das die „deposits, other EZ“ seit 2010 so stark schrumpfen, z.B. das sich große spanische und italienische Banken sich zurück gezogen haben. Aus der Rumpftabelle jedoch kann man keinerlei konkrete Schlußfolgerungen ziehen!

  4. V99 %
    12. April 2013, 20:02 | #4

    Ich habe mir gerade mal den „Jahres Rueckblick der auslaendischen Statistik 2011“ der Bank of Cyprus angesehen, dort erscheint kein derartiges Diagramm. Es erscheint nicht einmal „Frankreich“, „Deutschland“ wird auch nur beilauefig erwaehnt. Seltsamer weise wird die „Quelle“ dieses Diagrammes nicht angegeben und noch weniger die genaue Bedeutung (nicht die vom Autor erfundene) von „MFI Deposits, Other EZ“, auch nicht in den griechischen original Artikeln. Der Autor scheint, trotz seines Wirtschaftsstudiums nicht verstanden zu haben, dass es (fast) keine „guten“ Banken bzw. Bankster gibt. Alle wollen Geld machen, ohne viel dafuer arbeiten zu muessen, auch die auf Zypern. Wenn die da ihre Hausaufgaben gemacht haetten, warum sind sie dann nicht misstrauisch geworden, als die angeblichen „Boesen“ Banken ihr Geld dort angelegt haben? Warum bieten sie so hohe Zinssaetze ueberhaupt an, weil sie keine Einlagen haben wollen? Zitat:
    „Natürlich hätten die deutschen und französischen Banken etwas Derartiges nicht riskieren können, wenn sie nicht die Hilfe der Bank der Eurozone (EZB) gehabt hätten – also deren Leiters, sprich der Regierung Deutschlands sowie auch ebenfalls Frankreichs.“
    Hier stellt sich die Frage ob der Herr tatsaechlich ein Wirtschaftsstudium absolviert hat. Zu den „Leitern“ gehoert unter anderem ein Hr.Panicos Demetriades (Zypern) und ein Hr. Georgios Provopoulos (Griechenland). Es tut mir Leid um die wirklich Unschuldigen Zyprioten, zu denen ich aber in erster Linie Kinder und Rentner zaehle, und um derartige Autoren, wie den Hr. Vasilis Viliardos, der es eigentlich besser wissen muesste, gerade wegen seiner zwei Studien in GR und D!

  5. windjob
    12. April 2013, 20:07 | #5

    GR-Block :
    Es ist doch immer wieder interessant. Wenn jemand dem kleinen Staat Zypern Vorschriften machen will verweist man auf die Unabhängigkeit des Staates. Wenn es dann schief geht dann sind es plötzlich wieder die anderen. Wer bitte hat Zypern daran gehindert den Bankensektor zu regulieren. Wer hat Zypern daran gehindert diese überbordenden Anlagen zu verhindern. Entweder ist ein Staat selbstständig egal ob klein oder gross oder er ist es nicht. Ausserdem gilt bis zur Vorlage von Beweisen immer noch die Unschuldsvermutung. Also Beweise auf den Tisch, dass es hauptsächlich deutsche und französische Banken waren. Dass die Entscheidung durch Korrupion und Kungelei mit der deutschen Politik hinausgezögert wurde. Beweise bitte und keine Unterstellungen die ohne Substanz sind. Auch wenn ich den Bericht zur Zeit nicht unbedingt anzweifle ist er für mich nur dann relevant wenn diese Beweise vorliegen.

Kommentare sind geschlossen