Mittäterschaft beim Morden in Griechenland

15. März 2013 / Aufrufe: 1.099

All jene, welche die unmenschliche Realität in Griechenland verbergen, sind nicht nur zynische Manipulanten, aber auch am Mord unschuldiger Seelen mitschuldig.

Wenn die Troika Dich zwingt, dem Parlament zur Ratifizierung vorgelegte Novellen zurückzunehmen, dann wird dieses Land nicht von den Griechen, aber von seinen ausländischen Gläubigern regiert. Aus dieser Sicht existiert abgesehen von dem Projekt des Auswegs aus der Wirtschaftskrise auch die fundamentale Forderung nach Freiheit des Landes.

Sonderbarerweise werden die Sklaverei und der Verlust der persönlichen und politischen Freiheiten mittels vielfältiger Simulationen und Darstellungen verborgen, wobei gewisse Griechen übernommen haben, so zu tun als ob sie regieren würden, und andere, davon zu überzeugen, die Bürger dieses Landes seien frei.

Populisten und Manipulatoren …

Letztere beschuldigen jeden des „Populismus“, der über die von den meisten Griechen durchlebte Realität spricht. Stellt demnach jemand die Armut und die Verzweiflung um sich herum und bei sich selbst fest, gilt dies als Populismus! Spricht er von den Schlangen der Menschen bei der DEI, beim Finanzamt, im EOPYY, die ihre Würde und ihr Gesicht verloren haben, dann betreibt er Populismus! Bezieht sich jemand auf die 55.000 neuen Unternehmensschließungen bis Juni 2013 und die (laut einer wissenschaftlich Erhebung) 195.000 verlorenen Arbeitsplätze, ist er ein Populist!

Deswegen sage ich, dass alle, welche die unmenschliche Realität verbergen, nicht einfach nur zynische und „schwarze“ Manipulatoren des Bewusstseins, aber auch am Mord unschuldiger Seelen mitschuldig sind. Es sind die selben, die einen Lehrer angriffen, der den Brief seiner hungrigen Schüler verbreitete. Es sind die Zyniker mit dem Herz aus Basalt, die das selbe über die Lehrerin (Direktorin) der Volksschule des Ortes Gomfi bei Trikala, Katerina Nikolaidou, die einen Brief – Hilferuf bezüglich der kleinen unterernährten Schüler schrieb, hören Sie ihr bitte zu:

… Sie interessieren sich nicht für die Schulen, in denen es kalt ist. Für die Hungerlöhne …“ schreibt die Lehrerin und betont: „Vor einigen Tagen wurde ich von einer befreundeten Vorschullehrerin über das familiäre Drama informiert, das sich in ihrer Klasse abspielte und abspielt, den Anblick eines zum Skelett abgemagerten kleinen Jungen im Alter von 6 Jahren, der nach vielen Tagen seines Fehlens in einem elenden Zustand auftauchte. Abgemagert, kränklich, am ganzen Körper zitternd. Die Eltern des kleinen Jungen sind arbeitslos. Sie leben in einem Loch. Ihnen fehlt es sogar an Brot. Sie hungern im buchstäblichen Sinn des Wortes. Nachdem ich ihre Wohnung aufsuchte, stellte ich dies auch selbst fest. Es ist jedoch nicht nur dieser Junge, der unterernährt wird. Viele weitere Kinder, die in Schulen und Vorschulen – hauptsächlich des Zentrums von Trikala – den Unterricht besuchen, leben unter dramatischen Umständen […]

Wir können nicht mehr gleichgültig bleiben. Wir können nicht mehr weiter warten. Wir sind Lehrer, Erzieher, Pädagogen. WIR SIND MENSCHEN! Werden wir zulassen, dass diese Kinder vernichtet werden? Werden wir zulassen, dass die Zukunft unseres Vaterlandes verloren geht? Werden wir gleichgültig bleiben?

Die in Rede stehende Lehrerin und Schuldirektorin wird eventuell des Populismus beschuldigt werden, von den bekannten Papageien des Establishments, jedoch wendet sie sich nicht an diese, noch bleibt sie bei der Feststellung, sie macht auch Vorschläge indem sie sagt: „ALLE ZUSAMMEN, organisiert, können wir jedoch ein erfolgreiches und effektives Netz der Fürsorge und sentimentalen Unterstützung dieser Kinder schaffen.

Die Lehrerin wendet sich also nicht an die „da oben“, sie weiß, dass niemand von dem hohen Turm seiner Macht zuhört. Deswegen wendet sich ihr Appell an ihre Kollegen, die „da unten“, und schlägt eine diskrete, agnostische Solidarität vor und bringt gegenüber dem Zynismus, dem Hass und der Unmenschlichkeit die Idee einer Menschheit vor, die Mitgefühl und Liebe lebt.

Quelle: Ihr werdet mich nicht als als Mittäter beim Mord haben
Autor: Jorgos Papasotiriou
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

Relevanter Beitrag:

  1. 15. März 2013, 08:57 | #1

    Die Tötung eines Grossteiles der Menschheit ist das erklärte Ziel der Apokalyptiker. Dies ist keine Verschwörungstheorie, sondern kann in deren kruden Schriften nachgelesen werden. Menschen die nicht produktiv sind sind in deren Augen unnütz. Griechenland ist hier nur ein Testfeld.

  2. Jäger
    15. März 2013, 11:35 | #2

    Ich würde gerne von diesem Autor erfahren, wie er die Situation in Griechenland verbessern könnte. Wie er die Staatsschulden verkleinern will. Wie er Griechenland fitt machen möchte um in der Wirtschaft wieder erfolgreich zu sein.

    Dieses Gejammer bringt doch nichts!

  3. Stipsi Fan
    15. März 2013, 14:57 | #3

    Dieses Anti Gejammer Geschreibe geht mir allmählich wirklich auf die Nerven! Am schlimmsten ist der Umstand, dass die neoliberalen Diktatoren (Politiker und Troika) die Menschen dazu bringen zu denken, sie seien selbst schuld an der Lage. Das sind sie aber nicht! Das Kapital hat längst die Macht übernommen, Demokratie wird abgeschafft. Wie kann es denn sein, dass bei der Italien Wahl immer gleichzeitig Börsenkurse gezeigt werden? Nach der Wahl wird daran gedacht, am besten gleich nochmal zu wählen (damit eine kapitalfreundliche Regierung gewählt wird?)! Wer ist denn hier der Souverän? Das Volk oder die „Märkte“? Ich hatte als junge Frau schon auf meinem R 4 stehen: Nur das dümmste Schwein wählt seinen Henker selbst!
    Wer Griechenland nur ein wenig kennt, der weiß, dass Griechen schon immer viel bedürfnisloser waren als wir Deutsche zum Beispiel. Heute würde jeder deutsche Hartz IV Empfänger schreiend aus Griechenland weglaufen! Die hungern und sterben da!!! Leute!!!! Was glaubt ihr denn was in Deutschland los wäre, wenn hier das Gleiche passieren würde (in D). Glaubt irgendjemand, die Deutschen würden in so einer Situation die Troika wählen und freiwillig in die totale Armut gehen?

  4. Jäger
    15. März 2013, 17:51 | #4

    „die Menschen dazu bringen zu denken, sie seien selbst schuld an der Lage. Das sind sie aber nicht!“ Die wirklich Armen hatten vor der Krise nix und heute nix. Die Armen demonstrieren auch kaum, es sind die anderen, welchen man die Privilegien endlich entziehen will.

    Leider sehen weder die linken Gewerkschaften noch die in Staatsbetrieben angestellten Mitarbeiter, dass sie selbst ein Teil schuld tragen an der jetzigen Lage.

    Natürlich stimme ich der Meinung zu, dass wenn in Deutschland diese Situation vorläge, die Mehrheit kaum eine Freude an der Troika usw. hätten. Nur soweit kommt es wahrscheinlich nicht, weil bei uns der Staatsapparat einigermaßen funktioniert, die Gewerkschaften vernünftig handeln, die Steuern eingetrieben werden und die Mehrheit weiß, dass ohne Konkurrenzfähigkeit in der globalen Wirtschaft es schwer wird zu überleben. In Griechenland dagegen hat man den Anschein, dass ein Teil der Bevölkerung vom Linken-Paradies träumt ohne zu fragen woher kommt denn die Kohle …

  5. Götterbote2012
    15. März 2013, 19:50 | #5

    @Jäger

    Und dabei vergessen Sie scheinbar, dass dieses „Funktionieren“ in Deutschland nur darauf beruht, dass andere dafür bluten müssen. Alles, was Deutschland an Überschuss erwirtschaftet, wird anderen Volkswirtschaften weggenommen. Es ist unmöglich, mehr vom Kuchen zu verteilen, als tatsächlich vorhanden ist. Das gilt beim Kindergeburtstag genauso, wie für die Weltwirtschaft. Dies geht nur über Kredite, die in der ein oder anderen Art und Weise gewährt werden und somit nur auf dem Rücken anderer. Wenn Griechenland tatsächlich wettbewerbsfähiger wird (was ich natürlich dennoch hoffe), dann geht das nur, indem man anderen wieder einen Teil des Kuchens abnimmt.

  6. GR-Block
    15. März 2013, 21:50 | #6

    @Götterbote2012
    Es würde schon reichen, wenn große Konzerne ihre subventionierte Korruption einstellen würden. Dann würden ’ne Menge Arbeitsplätze (AP) zurückwandern. Griechische Betriebe sind klein und flexibel, sie können nur nicht gegen Korruption a la Flick konkurrieren.

    Eine zweite EU-weite Maßnahme muss dringend in Angriff genommen werden. Wer auf einem nationalen Markt verkaufen will, muss dort Jobs in der Produktion ansiedeln. Jeder der AP schafft bekommt dafür Subventionspunkte. Wenn er sie nicht braucht, kann er sie weiterverkaufen. Wie mit dem CO2.

  7. Jäger
    15. März 2013, 21:50 | #7

    @Götterbote2012
    Wo nimmt Deutschland Griechenland etwas weg?
    Beim Tourismus -> nein
    In der Landwirtschaft -> nein
    In der Schifffahrt -> nein

    wo denn?

    Deutschland hat gute Ingenieure im Maschinenbau, Autotechnik, Elektrotechnik und viele grundlegende Erfindungen zeugen vom Erfindertum in Deutschland. Warum packen andere Länder notwendige Reformen noch halbherziger an wie Deutschland? Warum ist z.B. das erfolgreiche duale Ausbildungskonzept nicht vorhanden. Deutschland bietet seine Hilfe doch in vielen Bereichen an.

    Deutschland ist nicht erfolgreich weil es anderen Ländern etwas wegnehmen will, sondern weil es im Vergleich zu anderen Ländern in wirtschaftlicher Hinsicht einfach besser und zuverlässig ist. Kein Land wird gezwungen in Deutschland einzukaufen und doch wird es getan weil eben „made in Germany“ für Qualität, Liefertreue und Zuverlässigkeit steht.

    Deutschland ist für den freien Wettbewerb und der Mittelstand mit den vielen innovativen Kleinfirmen ist die große Stütze der gesamten Wirtschaft. Wenn ein kleiner Mittelständler sich nicht dem Markt anpasst ist er gnadenlos auch in Deutschland verloren und der Eigentümer kann sein gesamtes Vermögen (auch sein privates) verlieren.

  8. Arvato-Jäger
    15. März 2013, 23:31 | #8

    @Jäger:
    Bitte einfach mal ein paar deutsche Meldungen der letzten Jahre zum Thema „Deutschland schädigt Griechenland“ lesen.
    „… 13% der deutschen Rüstungsgüter gehen nach Griechenland …“ – Eine Meldung von 2010, aus der Zeit, wo das griechische Elend schon absehbar war: http://www.freitag.de/autoren/muhabbetci/rustungsguter-nach-griechenland
    „… Bertelsmann-Medien wie der Spiegel trommelten monatelang gegen Athen …“ Dies ist von 2012: http://www.theintelligence.de/index.php/politik/eu-europaeische-union/4984-der-euro-in-athen-bertelsmann-rudert-zurueck.html
    usw. usf.

    Griechenland hat übrigens – neben vielen anderen Erfindungen – die grundlegenden Erfindungen der Demokratie und Ästhetik gemacht. Wie wenige deutsche Worte werden im Griechischen benutzt? Und wie viele Worte mit griechischem Ursprung dagegen im Deutschen? Mit ein wenig Bildung weiß man das.

    Deutschland macht Billigpreise auf Pump, d. h. es werden deutsche Waren mit späterer Bezahlung angeboten. Es wird eben nicht wegen „deutscher Qualität“ gekauft, sondern weil es billig ist und erst viel später bezahlt werden muss. Das ist der einzige Grund, und dieser Grund hat damit zu tun, dass die deutschen Arbeitssklaven keinen gerechten Lohn bekommen – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, wie Frankreich.

  9. GR-Block
    16. März 2013, 02:11 | #9

    @Jäger
    „Wo nimmt Deutschland Griechenland etwas weg?
    Beim Tourismus -> nein
    In der Landwirtschaft -> nein
    In der Schifffahrt -> nein“

    Sie haben gleich 3 mal ins Schwarze getroffen.

    Die großen Tourismus-Konzerne gehören zu den Kundenländern, nicht den Urlaubsländern. Betriebe in den Urlaubsländern müssen für ihr Einkommen real arbeiten, die Gewinnmargen sind gering. Ganz im Gegenteil beim Vermittler von Urlaubsreisen, der hat nämlich im Internetzeitalter kaum Kosten. Erst wenn der Urlauber direkt beim Anbieter (Flug, Hotel) anstatt bei virtuellen „Veranstaltern“ bestellt, werden die Dumpingpreise abgeschafft und für Hotels und Flüge vernünftige Preise gestaltet.

    Landwirtschaftliche Produkte bei den Massenherstellern nördlich der Alpen sind rundweg von 2. und 3. Kategorie. Sie werden mit doppeltem Düngemitteleinsatz und meist mehr Pestiziden produziert und sind trotz Entfernung in GR genauso billig zu kaufen wie lokale Produkte. Hier gibt es offene und verdeckte EU-Subventionen zur gezielten Schädigung der Landwirtschaft der Süderweiterung. Dazu gehört auch die Subventionierung von PV-Parks auf stillzulegenden Feldern in GR. Der Unternehmer wird natürlich aus betriebswirtschaftlichen Gründen darauf eingehen. Der Staat muss das aber durch Billigkredite und EEG bezahlen. Das ist eine indirekte Subventionspolitik für marode deutsche PV-Hersteller und die westeuropäische landwirtschaftliche Überproduktion. Inzwischen muss GR einen Großteil von Nahrungsmittel einführen. Die Bauern haben aufgegeben. 40% der EU-Agrarsubventionen gingen 2007 an F, UK, G.

    Der Schiffsbau ist in D seit Jahrzehnten durch Staatssubventionen im zweistelligen Mrd-Bereich so aufgeputscht worden, dass er sich auf dem Markt trotz seiner überhöhten Preise gegen die europäische Konkurrenz durchsetzen konnte (siehe Bremer Vulkan). Diese marode Branche hatte es sogar fertiggebracht, EU-Subventionen in Höhe von 700.000.000 € für die ehemaligen DDR-Werften zu veruntreuen, um sich selbst zu sanieren. Trotz einer der weltgrößten Handelsflotten hat sich GR weitgehend aus dem Schiffsbau zurückgezogen.

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