Krisen-Tourismus in Griechenland

25. Februar 2013 / Aufrufe: 2.636

Nach Religionstourismus, Agrotourismus und sogar Sextourismus gibt es in Griechenland nun auch einen organisierten Krisen- und … Erniedrigungstourismus.

Es handelt sich um eine völlig neue Art von Tourismus, der die edelsten Instinkte des Menschen befriedigt, wie jene, welche das Elend um uns herum als Bestätigung unseres eigenen Glücks nutzen. Und je größer dieses Elend, je größer der Abstand ist, um so größer ist auch die „Befriedigung“ darüber, dass … „wir – Gott sei Dank – nicht so wie jene sind„.

Solcherlei perverse Ideen benötigen natürlich einen „seriöseren“ Anstrich, wie beispielsweise eine „Thematik“ der Tour und im Vorliegenden „die Informierung über die wirtschaftliche und kulturelle Situation in Griechenland„. Dieses tolle „Business“ fiel als Idee auch einem amerikanischen Reisebüro ein – also eine Tour durch das Zentrum von Athen, die es sogar „Greek Crisis Walk“ nannte!

Sightseeing-Tour zum Preis eines Bordellbesuchs

Die Tour bezieht sich auf einen „dreistündigen Ausflug“ zu den Stellen, die es auf die eine oder andere Weise zu den berühmten Symbolen der griechischen Krise zu werden schafften, wie beispielsweise die „Sofokleos“ (= Athener Börse), das Parlament, das Finanzministerium, die Griechische Bank und andere karitative Stiftungen, sowie offensichtlich auch die umliegenden Straßen, die zu Freiluft-Schlafstätten für unsere obdachlosen Mitbürger umfunktioniert worden sind, stellen die beste Folklore für den Touristen dar, der unter einem vorgeschobenen „Pseudo-Interesse“ auch die letzten Reste unserer nationalen, aber auch persönlichen Würde kannibalisiert.

Die Tour ist überhaupt nicht teuer, sie kostet um die 70 Euro pro Person, etwa genau so viel wie auch der Besuch in einem Bordell kosten würde. Wird berücksichtigt, dass das „Paket“ sehr viel mehr als nur einen einzigen „Akteur“ beinhaltet, könnte man auch sagen, dass der konkrete … Bummel fast umsonst ist.

Bei einer solchen „Bildungstour“ darf natürlich auch nicht ein „Volkswirt“ fehlen, der – wohl oder übel – dieser ganzen lächerlichen Geschichte eine zusätzliche Seriosität verleiht, die es natürlich nicht wert ist, weiter darauf einzugehen.

Der Aufschwung ist gekommen – allerdings anders als erwartet

Nachdem die Touristen von dem Wander-Ökonomen (der völlig unkontrolliert sagen und propagieren wird, was er will) über die „tieferen Hintergründe der Krise“ informiert worden sind, wird die Herde dann in irgendeiner Taverne angelangen, auf einen Retsina und einen Tzatziki, damit sie uns ihr Glück leichter ins Gesicht rülpsen können.

Nach all diesem wäre es völlig ungerecht, nicht anzuerkennen, dass unser Premierminister absolut Recht hatte, als er „den Aufschwung kommen sah“ – der allerdings vielleicht nicht genau die Form hatte, die wir uns erträumten, aber wir wollen ja auch nicht unverschämt sein … .

Wir erwarteten natürlich nicht, dass Griechenland zum Garten Eden werden wird, aber auf der anderen Seite erwarteten wir auch nicht, dass es zu einem Zoo wird, den die Touristen besuchen und uns wie seltsame Tiere begaffen, eingeschlossen hinter Gittern – jenen Gittern, hinter die uns ein bis auf das Mark verdorbenes politisches System sperrte!

(Quelle: Zougla.gr)

Relevanter Beitrag:

  1. user
    25. Februar 2013, 13:27 | #1

    Ich lese diesen Block schon lange. Die journalistische Qualität der Beiträge schwankt durchaus, aber auf so einem tiefen sprachlichen und inhaltlichen Niveau habe ich hier bisher noch keinen gelesen. Sehr schade!

  2. LiFe
    25. Februar 2013, 13:45 | #2

    Ich würde, dass nicht unbedingt negativ bewerten. Schauen wir rüber nach Amerika. Detroit ist das beste Beispiel. Detroit das sind die USA nackt und ohne make-up. Es haben sich viele junge Menschen, Künstler, Musiker mit wenig Geld zusammengefunden und bieten sehenswertes. Verfallene Ruinen werden kunstvoll gestaltet. Es werden Cafés, Ateliers eröffnet. Viele, die Detroit besuchen, gerade Touristen und Schriftsteller oder Photographen aus dem Ausland sehen in Detroit, das Berlin von Morgen. Die Stadtplaner sind begeistert von der Initiative und ich würde es wünschen, wenn junge Menschen in Athen diese Chance auch nutzen würden. Why not? Man muss sich gut zu verkaufen wissen.

  3. Ausgenz
    26. Februar 2013, 03:14 | #3

    Nach einigen guten Beiträgen mal wieder ein absoluter
    Schrott-Beitrag. Da stimme ich dem Leser „user“ voll zu.

  4. Team
    26. Februar 2013, 04:14 | #4

    @user @Ausgenz
    Danke für das – stellvertretend für ein weiteres Dutzend unisoner und deswegen nicht veröffentlichter „Kommentare“ – konstruktive Feedback: Es spornt uns an, im Rahmen der hier gebotenen „Presseschau“ (!) weiterhin gezielt auch die Befriedigung speziell solcher Gemüter anzustreben, denen der individuelle Intellekt die „einige guten Beiträge“ augenscheinlich angemessen zu kommentieren versagt.

  5. Juls
    26. Februar 2013, 10:13 | #5

    @user

    also Zougla.gr ist in Griechenland allgemein bekannt,

    unterste Schublade,

    ich verstehe auch nicht so ganz, warum man hier immer oefters Zougla. gr reinbringt, da gibt es sicher andere Zeitungen die man bringen kann…..obwohl die Presse allgemein laesst viel zu wuenschen uebrig……

  6. V99 %
    26. Februar 2013, 11:34 | #6

    Der Artikel zeigt mir den Tiefststand der Solidaritaet gegenueber den eigenen Landsleuten, da ich davon ausgehe, dass die Betreiber dieses „Angebotes“ Griechen sind. Wenn das Volk nicht erkennt, wie man sich in einer Solidargemeinschaft verhalten sollte, ist es nicht mehr zu retten. Da vergeht selbst mir das lachen..

  7. LiFe
    26. Februar 2013, 11:57 | #7

    Ich kann nichts verwerfliches in diesem Artikel erkennen. Im Gegenteil es mag sogar mit Recht empfunden werden, wie im Artikel beschrieben. Es kann nicht verleugnet werden, dass wir Voyeure haben. In einer „Wohlstandgesellchaft“ haben wir auch „Verlierer“. Sie haben aber die Möglichkeit sich zurückzuziehen. Man nimmt sie nicht wahr. Gerät die Mehrheit einer Gesellschaft in Armut, dann wird es schwierig. Ich habe deshalb Detroit erwähnt, da die ehemalige Automobilstadt dabei ist sich neu zu erfinden. Die Menschen lassen sich nicht mehr in eine Ecke drängen. Sie werden aktiv und haben Ziele. Detroit lockt mittlerweile ein begeistertes Publikum an. Es sollte für Athener und andere Städte ein Ansporn sein sich auch neu zu erfinden. Kultur kann bewegen.

  8. Moppel
    26. Februar 2013, 15:36 | #8

    Anstatt über das Blog und Zougla herzuziehen, sollte man sich lieber einmal das Angebot (jetzt nicht mehr „Greek Crisis Walk …“ sondern „Greek Crisis in Context Walk in Athens“) zu Gemüte führen, nebst dem ausgelobten „CRISIS dinner“ für 5 Euro – ist doch wohl voll die Panne!

  9. 3. Mai 2013, 16:50 | #9

    Hallo ich kann zu dem Thema Tourismus in Griechenland nur sagen, dass obwohl die Krise herrscht alle sehr freundlich sind und das Land wirklich sehenswert ist! LG

Kommentare sind geschlossen