Versicherte in Griechenland ohne zahnärztliche Versorgung

19. Januar 2013 / Aktualisiert: 10. Juli 2013 / Aufrufe: 1.138

Praktisch die Gesamtheit der gesetzlich Versicherten in Griechenland erhält keinerlei zahnärztliche Versorgung von ihren Versicherungsträgern.

Ohne zahnärztliche Versorgung ist inzwischen fast die Gesamtheit der gesetzlich versicherten Griechen zu einem Zeitpunkt, wo in Griechenland rund 80% der Kinder Karies haben, während die Analogie von Zahnärzten zu Einwohnern höher liegt als in anderen Ländern der EU.

Die Zahnmedizin ist von den Gesundheitsleistungen ausgenommen. Vor der Eingliederung in den EOPYY erkannte der OPAD (Anmerkung: gesetzlicher Versicherungsträger des öffentlichen Dienstes) einen kleinen Betrag der zahnmedizinischen Aufwendung, jetzt deckt der EOPYY gar nichts. Erst ab 2014 und unter Voraussetzungen ist eine gewisse Art der Deckung zahnmedizinischer Aufwendungen vorgesehen„, betonte der Vorsitzende des Zahnarztverbands Thessaloniki (OSTH), Athanasios Devliotis, im Rahmen einer Pressekonferenz am Vortag des panhellenischen Streiks der Ärzte und Zahnärzte am 17 Januar 2013.

Wirtschaftliche Situation treibt Patienten und Ärzte ins Auslan

Gemäß den Daten, die während der Pressekonferenz präsentiert wurden, erhielt ein Versicherter des OPAD, der für eine Zahnreinigung 40 Euro zahlte, von seiner Kasse 22 Euro zurück, während er für eine Plombe, die zwischen 35 – 50 Euro kostete, nur 6,50 Euro erstattet bekam.

Heute belastet 100% der zahnmedizinischen Aufwendung den Versicherten, der von dem EOPYY nichts erhält, während es Patienten gibt, die eine Wurzelbehandlung durchführen müssen und von uns verlangen, den Zahn zu ziehen, weil sie nicht zahlen können. Das Lebenshaltungsniveau sinkt und dies reflektiert sich bei der oralen Hygiene. Die Vernachlässigung der Mundhygiene verursacht Endokarditis, Glomerulonephritis und rheumatische Arthritis, während durch eine zahnärztliche Untersuchung die Frühdiagnose von Krankheiten wie Mundkrebs und AIDS erfolgen kann„, betonte von seiner Seite der Generalsekretär des OSTH, Vasilios Mylonas.

Das Unvermögen zur Erbringung zahnärztlicher Versorgung treibt sowohl die Bürger als auch die Zahnärzte ins Ausland. Die Bürger suchen nach billigen Zahnarztleistungen in den benachbarten Ländern, während die Zahnärzte gezwungen werden, auszuwandern und ein besseres Glück zu suchen. In den letzten drei Jahren verlangten 280 der 1.750 Mitglieder des OSTH von dem Verband Bescheinigungen, um Arbeit im Ausland zu finden.

Konkret verlangten 30 Ärzte 2010, 80 weitere 2011 und 150 im Jahr 2012 solche Bescheinigungen. Die Mitglieder des OSTH führten am 17 Januar 2013 um 11:30 Uhr eine Kundgebung vor dem Ministerium für Makedonien – Thrakien durch und übergaben dem Minister Theodoros Karaoglou eine Protestnote.

(Quelle: Voria.gr)

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  1. Roditisa
    19. Januar 2013, 10:17 | #1

    @Norbert
    Ich habe in Deutschland sehr gute Erfahrungen mit den Zahnärzten gemacht. Es gibt wohl in jedem Land gute und schlechte Vertreter jeder Zunft.

    Ich kann aber seit ich in Griechenland lebe nur mehr zum Zahnarzt gehen, wenn ich die Behandlung komplett selbst bezahle. In Deutschland musste ich immer nur zuzahlen. Abgesehen davon, dass mit einem deutschen Gehalt 30 Euro natürlich billig klingen. Eine griechische Familie hat aber ein viel geringeres Einkommen.

  2. Gina
    20. Januar 2013, 18:19 | #2

    @Norbert
    Ihr Einkommen ist niedriger als das einer griechischen Familie? Kommt drauf an, mit welchem GR-Gehalt man vergleicht (Bauer, Arzt, Selbständiger etc.?). Nur in Deutschland gibt es den „Vorteil“, dass durch H4 wenigstens ein Existenzminimun gesichert ist – H4 existiert überhaupt nicht in Griechenland. Wer keinen Job hat und auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld (ich glaube – je nach Voraussetzung – max. bis 15 Monate), kann nur noch auf die Familie hoffen.

  3. Roditisa
    22. Januar 2013, 09:27 | #3

    @Norbert
    Vielleicht sollten wir uns mehr am Auskommen als am Einkommen orientieren? Sofern man z.B.in einer Einrichtung lebt, die Nahrung, Obdach, Krankenversorgung und Bildungsmöglichkeiten kostenlos zur Verfügung stellt, hat man ohne ein eigenes Einkommen ein menschenwürdiges Auskommen. Sofern man für all das oben genannte selbst aufkommen muss, kann es sein, dass man auch mit einem passablen Einkommen kaum auskommt.

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