Troika und Regierung zerstören Griechenland

20. Januar 2013 / Aktualisiert: 10. Juli 2013 / Aufrufe: 2.649

Oppositionsführer Alexis Tsipras erklärte, Griechenland, werde mit Verantwortung der griechischen Regierung und der Troika zerstört.

Das tatsächliche Problem ist, dass in diesem Augenblick mit Verantwortung der Koalitionsregierung und der Troika Griechenland zerstört wird„, erklärt der SYRIZA-Vorsitzende Alexis Tsipras im Gespräch mit der griechischen Auslandszeitung „Nationaler Herold“ (Εθνικός Κήρυξ) anlässlich seines anstehenden Besuchs in den USA vom 21 bis zum 25 Januar 2013. Auf die Frage, ob er bereit sei, die Regierungsführung des Landes zu übernehmen, antwortete er: „Wir sind sehr viel bereiter als es die Parteien waren, die jetzt regieren.

Bezüglich der Position Griechenlands in der Eurozone gefragt führte Herr Tsipras an: „Wir glauben nicht, dass irgend jemand das Risiko auf sich nehmen würde, öffentlich zu erklären, er wolle das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro. Auch Herr Schäuble hat in Singapur erklärt, dass es sich um eine Eventualität handele, die er nicht diskutiere. Dass ein griechischer Bankrott die Eurozone in die Luft sprengen kann, wird inzwischen allgemein akzeptiert. Niemand möchte dies. Leider bedient sich die griechische Regierung auf verantwortungslose Weise dieser Propaganda und zerstört dabei das Investitionsklima und bringt das Banksystem in Gefahr.

Niemand will vor den Wahlen in Deutschland das Scheitern des griechischen Programms eingestehen

Wir also werden über einen Plan zum Ausgang aus der Krise verhandeln, der – im Gegensatz zu der Memorandums-Politik – realistisch sein und den Bankrott des Landes abwenden wird anstatt ihn sicher zu machen. Offensichtlich würde niemand das Scheitern des griechischen Programms vor den deutschen Wahlen eingestehen wollen. Griechenland hat jedoch keine Zeit zu verlieren, es tritt in ein Jahr tiefer Rezession unter den schlimmsten Vorzeichen ein. Es bedarf also einer Regierung, um das Selbstverständliche auf den Tisch zu bringen. Dass das Programm scheiterte. Dass das Problem der Verschuldung mit der Austeritätspolitik und der unkontrollierten Rezession anschwillt anstatt angegangen zu werden, und es einer völlig anderen Politik auf nationalem und europäischem Niveau bedarf, damit Europa der Gefahr des Zusammenbruchs entgeht.

Alexis Tsipras, der während seines Besuchs in Washington und New York der Hauptredner bei öffentlichen Veranstaltungen im Brooking-Institut und an der Columbia-Universität von New York (CUNY) sein wird, während er an deren Rand Begegnungen mit akademischen und politischen Kreisen haben wird, nahm Bezug auf seine erste Reise nach Amerika.

Das große Problem für uns ist, ob die Weltwirtschaft in einen neuen Zyklus der Katastrophe eintreten wird„, betonte Herr Tsipras und unterstrich, dass „deswegen auch Europa die Rezessionspolitik aufgeben muss. Die europäische Architektur hat Schwächen, die es für die Krise anfällig machen. Eine Währungsunion ohne gemeinsamen Etat, ohne Mechanismus zum Recycling von Überschüssen, ohne eingreifende Zentralbank ist nicht möglich. Die Austerität und die Memoranden zerstören die Gesellschaften und können nicht die Antwort auf die Krise und die zusammenschweißende Substanz der Europäischen Union sein. Es bedarf also einer anderen Politik, welche die reale Wirtschaft stärkt und Regeln setzt, welche die Entstehung neuer Krisen abwenden.

Schäuble bekam erstmalig aus griechischem Mund das Thema des Besatzungskredit gestellt

An einer anderen Stelle seines Interviews führte er an, „das griechische Parlament hat das Recht, Gesetze zu erlassen. Es ist nicht möglich, dass dieses Recht unter irgendwelchen Umständen verraten wird. Diese Fragestellung ist aus der vorhergegangenen Periode, als auch Herr Samaras behauptete, mit dem Memorandum nicht einverstanden zu sein und es neu verhandeln zu werden. Anstatt der Neuverhandlung hatten wir eine Vertiefung und noch gewaltsamere Umsetzung. Das Memorandum ist eine grundsätzlich katastrophale und ineffektive Lösung. Die Verhandlung bedarf also auch neuer Grundlagen.

Auf die Frage nach der Reaktion des Herrn Schäuble, als er ihm das Thema des Besatzungskredits stellte, sagte Herr Tsipras: „Das Sichere ist, dass er es zum ersten Mal in seinem Leben von griechischen Lippen zu hören bekam. Obwohl das Thema der griechischen Forderungen auf einer stabilen rechtlichen Basis aufsetzt, vermieden sowohl die Regierung des Herrn Samaras als auch die vorherigen systematisch, es zu stellen, um die deutsche Seite nicht zu verstimmen. Ich nehme an, Herr Schäuble hörte zum ersten Mal, dass von ihm auch die Fakten des Falls Christoforakos bezüglich der griechischen Politiker verlangt wurden, die von Siemens „geschmiert“ wurden. Hier wird rund um die Sache natürlich nicht geschwiegen, um die Deutschen nicht zu verstimmen, sondern damit die skandalöse Vertuschung der zweiparteilichen Korruption in Griechenland weitergeht. Die SYRIZA-Partei ist entschlossen, in diesen Themen die Linie zu ändern.

Das politische Establishment tut alles zur Vertuschung der Korruption

Herr Tsipras sprach ebenfalls über die sogenannte „Liste Lagarde“ und brachte die Ansicht vor, „die uns vorliegenden Anzeichen sind, dass das politische Establishment alles Mögliche unternehmen wird, damit der Fall verhüllt und seine Erforschung nur auf Personen beschränkt wird, die sich mittlerweile außerhalb des politischen Systems befinden. Sie haben sich jedoch sicher zu sein, dass die Wahrheit glänzen wird. Diese ganze Praktik ist absolut gegen das öffentliche Empfinden und festigt ein Klima der Vertuschung von Korruption und Gesetzlosigkeit.

Zu einer Stunde, wo die Gesellschaft in Armut und Unsicherheit versinkt, kommen himmelschreiende – und zwar sogar von Ministern und Regierungen gestützte – Skandale der Steuerhinterziehung ans Licht. Von unserer Seite werden wir alles Mögliche unternehmen, damit die volle Wahrheit ans Licht kommt, der konkrete Fall vollständig aufgeklart wird, sowie auch andere entsprechende, und dem Skandal der Steuerhinterziehung, den die niedrigen Einkommen mit belastenden Steuern bezahlen, ein endgültiges Ende gesetzt wird.

(Quelle: in.gr)

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  1. BravoZulu
    20. Januar 2013, 01:25 | #1

    Ich frage mich, wie lange sich die Griechen dies noch gefallenlassen.

  2. Alekos
    20. Januar 2013, 03:34 | #2

    Wenn jemand in Griechenland was ändern kann Dann ist es dieser Mann

  3. Stavros
    20. Januar 2013, 10:33 | #3

    @BravoZulu

    Leider noch LANGE!,
    weil die TROIKA der Handlanger der EU ist und diese Gelder sprechen oder zurückhalten!
    Darum KRIECHEN die griechischen Politiker,Die Regierung diesen in den ARSCH und verraten so das eigene Volk.
    Natürlich werden die noch lange Gelder geben,denn sollten sie morgen aufhören, so wäre die EU kaputt!!! und würde nicht mehr funktionieren;das tut sie sowieso nicht ausser sie drohen wieder den Schulder-Ländern und zwingen diese in die Knie:siehe Griechenland.
    Hoffentlich geben sie den Zypern KEINE 17-Milliarden!! um die grösste Wechselstube von EUROPA zu retten!
    Dieses Geld wäre für Griechenland besser investiert,oder eventuell nicht?

    Liebe Griechen lasst Euch nicht alles gefallen!!!!

  4. Willi F. Gerbode
    20. Januar 2013, 11:39 | #4

    @BravoZulu Man hört die Worte des dynamischen Tsipras wohl, allein, es fehlt bei den bisherigen Wählern von ND und PASOK das Vertrauen in die Regierungsfähigkeit des SYRIZA-Vorsitzenden. Viele denken, er habe keine Regierungserfahrung, wäre durch das Amt überfordert. Doch je mehr sich die Krise verschärft, indem die Verelendung immer breiterer Massen fortschreitet, werden sich die bisher traditionell Wählenden der Ultralinken zuwenden. Tsipras wird zu beweisen haben, dass er es besser kann. Oder aber er wird entzaubert. Er scheint darauf zu setzen, dass die Befürworter einer kollektiven Schuldengarantie (z.B. EUROBONDS) in der Eurozone letztlich obsiegen. Von seinem vormals artikulierten Willen, die Drachme einzuführen, habe zumindest ich lange nichts mehr gelesen, wohl, weil das noch immer die Mehrheit der Wähler verschrecken würde. Da aber die Eurobonds die Büchse der Pandora öffnen könnten, sprich: die Bereitschaft zur Austeritätspolitik in ND, PASOK und DA schwächen könnte, könnte das die Regierungsübernahme durch Tsipras gefährden. Ein entscheidendes Datum könnte in der Tat die Bundestagswahl im September werden. Denn hinterher müsste die neue-alte Bundeskanzlerin die Katze aus dem Sack lassen. Und die würde als erstes „Schuldenschnitt“ fauchen. Von dort zu den Eurobonds ist es dann nicht mehr sehr weit.

  5. Wildkatze
    20. Januar 2013, 16:34 | #5

    Warten die Griechen denn nicht auf diesen Schuldenschnitt? Und dann nichts wie raus aus dem Euro und Europa?

  6. Helmut Josef Weber
    20. Januar 2013, 18:34 | #6

    Heute, nachdem Griechenland etwa 255 Milliarden gekostet hat, hat Griechenland mehr Schulden als vor der den „Rettungsmaßnahmen“.
    Island hat es der EU vorgemacht, wie eine Regierung einen Staat retten kann, der durch die Bankenspekulationen, in den Abgrund gezogen wurde.
    Natürlich geht das nur mit einer eigenen Währung, die, wie in Island, etwa 50% abgewertet wurde.
    Die Banken wurden gegen die Wand gefahren und mit ihren Schulden im Regen stehen gelassen.
    Es wurde eine Sonderstaatsanwaltschaft gegründet, die auch schon Banker inhaftiert hat.
    Der isländische Staat hat seinen Bürgern geholfen und nicht den Banken.
    Natürlich kann die EU nicht zulassen, dass Griechenland aus dem Euro austritt, denn dann würde die griechische Wirtschaft, mit einer eigenen Währung, wieder wettbewerbsfähig und alle anderen PIGS -Staaten ständen mit offenem Mund da und würden sich die Frage stellen:
    Warum sollten wir weiter den Euro als Zahlungsmittel verwenden?
    Selbst wenn Griechenland jetzt noch einmal 255 Milliarden bekommt, es ist so, ohne eigene Währung, nicht zu retten.
    Auch nach den neuen Rettungsmilliarden (gleich in welcher Höhe) , wird Griechenland immer noch mehr Schulden haben, als vor der „Rettung“.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  7. Konstantin
    21. Januar 2013, 00:13 | #7

    @ Helmut Josef Weber

    Sehe ich genauso wie sie, wer den Euro behält kann aus der Schuldenfalle nicht mehr rauskommen. Nur eine eigene Währung und die Möglichkeit, diese bei Bedarf auf- und ab zu werten, kann da helfen. Griechenland hat zu wenige Bürger, gemessen an starken EU-Ländern, die durch Besteuerungen viel wieder reinholen können.
    Meiner Meinung nach wird Alexis Tsipras bald gewählt werden und nichts anders / besser machen als seine Vorgänger, und dann knallt es richtig in Griechenland. Nur schade, dass im Prinzip schon das ganze Staatseigentum verpfändet wurde, da sehe ich noch richtige Probleme auf Griechenland zukommen. Da hilft wirklich nur noch raus aus dem Euro und die Währung abwerten, eventuell so praktizieren wie die USA das machten: Ohne Unterbrechung Geld drucken und die Gläubiger auszahlen.

  8. Willi F. Gerbode
    21. Januar 2013, 12:21 | #8

    @Helmut Josef Weber Sehr geehrter Herr Weber, Ihre Position kann man einnehmen. Sie wird ja auch von SYRIZA vertreten. Ganz sicher ist richtig: GR hat mit dem Euro keine Abwertungsmöglichkeit. Die wäre mit der Drachme gegeben. Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, die alte-neue Währung würde automatisch Wettbewerbsfähigkeit bringen, ist zumindest voreilig. Für die Wettbewerbsfähigkeit sind weitere Faktoren mit eintscheidend, die insgesamt eher struktureller Natur sind. Betrachten wir einmal den Export: Wenn ich es recht erinnere, trägt die Industrie in GR zu 7 % zum BIP bei. Hier wäre also ein Ausbau erforderlich, wenn der Lebensstandard erhöht werden soll. Zudem gibt es erheblichen Investitionsbedarf: Modernisierungs- und Rationalisierungsinvestitionen. Woher soll das Geld hierfür kommen? Nach Schuldensschnitt und Einführung der Drachme dürfte sich das Investitionsinteresse privater Geldgeber eher in Grenzen halten. Oder das Geld flösse nur zu abenteuerlich hohen Zinsen – nicht viel anders als derzeit. Das oft beschworene Wachstum der Tourismusbranche mit Hilfe der Drachme halte ich zumindest für übertrieben. Der „moderne“ Tourist – traditionell nicht der Klient der gr. Klein- und Mittelbetriebe, die ohnehin GR recht treu sind – sucht heutzutage All-inclusive u.ä., ein mittelfristig tödliches Konzept für die Wirtschaft; man sehe sich nur einmal die Entwicklung in der Türkei an. Soll heißen: Man muss sich schon sehr anschauen, wem so generiertes Wachstum denn nützt. Wohl weniger den Arbeitnehmern und schon gar nicht der heimischen Wirtschaft im touristischen Umfeld. Zudem wäre man auch hier auf ausländisches Kapital angewiesen, das nur unter erheblichen Zugeständnissen ins Land käme (geringe Steuern etc.).
    Damit ich nicht falsch verstanden werde: Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass die bisherigen Kredite das Land nur noch mehr verschuldet haben – eben weil ein wirtschaftliches Aufbauprogramm parallel dazu fehlt. Aber auch nicht verschwiegen werden darf, dass die Strukturreformen des Staates noch unzureichend sind. Verständlich, dass sich ein Teil der Hellenen massiv gegen einen Um- und Abbau von lieb gewordenen Leistungen und Privilegien wehrt. Und ich meine hier nicht die Renter, Arbeitslosen und Behinderten, sondern die Beschäftigten des Staatssektors insgesamt. Und diese Gruppe wehrt sich am heftigsten durch Demonstrationen und Streiks – weil sie am meisten zu verlieren hat. Strukturell ist auch das Steuerproblem: Wenn die Regierung hier nicht Gerechtigkeit herstellt – und es sieht nicht danach aus -, dann gute Nacht, Hellas.
    Die Ausführungen oben sind übrigens einige Gründe dafür, dass ich persönlich keine Hoffnung für GR sehe. Der Karren ist im Dreck, und er kommt wohl nicht mehr dort heraus: mit Drachme, ohne Drachme, mit Tsipras, mit Samaras oder ohne beide. Meine Angst ist nach wie vor, dass das Ganze im Chaos endet. Welcher Art auch immer. Man mag das als Defätismus beschimpfen. Ich denke allerdings: Es ist der pure, harte und kalte Realismus!

  9. maldek
    21. Januar 2013, 18:05 | #9

    @Helmut Josef Weber

    Island hatte es leicht damit. Die große Mehrzahl der Sparer besagter Banken waren nämlich NICHT Isländer. Man hat also die Probleme elegant ans Ausland abgeschoben, viele Engländer und auch Deutsche (Icesave etc) haben dadurch einiges an Geld verloren.

    Würde Griechenland das selbe machen und die Banken fallen lassen, dann wären da sehr viele ärgerliche griechische Sparer. Würde das Griechenland als Staat machen, dann wären da sehr ärgerliche französische Banken und recht bald dannach ganz Frankreich. Ich denke nicht, daß man diesen Schritt ohne Revolution in Griechenland je realisieren kann.

    Auch was eine 50%ige Abwertung für den Lebensstandard der Griechen bedeutet, wo so viel importiert wird, ist ihnen wohl nicht ganz klar. Stellen Sie sich einfach vor, von heute auf morgen verdoppelt sich der Benzinpreis in D – NUR der Benzinpreis, nicht der Preis fast aller anderen Waren auch noch, bloß das Benzin. Volkswut?

  10. Willi F. Gerbode
    22. Januar 2013, 09:48 | #10

    @maldek Mit Ihrer Erlaubnis eine kleine Ergänzung: schon jetzt können sich sehr viele Griechen die Steuern für ihr Fahrzeug nicht mehr bezahlen. Die Abwertung (Fachleute nehmen sogar bis zu 70 % an) bedeutete nicht nur eine drastische Verarmung, sondern, dass die Lebensverhältnisse auf den Kopf gestellt würden. Die Griechen könnten nicht auf andere, im Inland hergestellte Produkte ausweichen (GR produziert keine Autos). Betroffen ist unmittelbar also auch die Mittelschicht, die sich bisher im Unterschied zur Unterschicht (noch) über Wasser hält. Der im letzten Jahrzehnt deutlich verbesserte (auf Pump finanzierte) Lebensstandard – von heute auf Morgen dahin. Ich habe in „Apollons verlorene Kinder“ etwas flapsig geschrieben, dass die Familien dann künftig mit dem Fahrrad zum Strand fahren werden (müssen) … Ein Auto – selbst das billigste – wird unbezahlbar. Schon jetzt ist das Betriebssterben im Autohandel dramatisch. Nach Einführung der Drachme werden sich nur noch die Superreichen hinter das Steuer eines eigenen Autos setzen können.

  11. Helmut Josef Weber
    22. Januar 2013, 15:13 | #11

    Hallo maldek,
    eine 50%ige Abwertung bedeutet ja nicht 50% weniger Einkommen.
    Alle Dienstleistungen würden sich um 50% verbilligen.
    Grundnahrungsmittel aus Griechenland wären genau so teuer wie heute, für die Griechen.
    Bei dieser Abwertung würde es für die Griechen z. B. wieder interessant selber Olivenöl herzustellen oder Tomaten anzupflanzen und nicht einzuführen.
    Für einen Bauern würde es sich wieder lohnen, die Eier auf dem Markt zu verkaufen.
    Griechische Produkte, gleich welcher Art, wären weltweit wieder wettbewerbsfähig.
    Heute machen die Menschen lieber Urlaub in der Türkei, als zum doppelten Preis in Griechenland.
    Der Benzinpreis würde sich tatsächlich verdoppelt, aber das hat er seit 2007 hier in Spanien auch.
    Ja- die Spekulanten, dazu gehören Banken und auch Deutsche Sparer, die 2-3 % mehr Rendite machen wollen, gehen dann leer aus.
    Doppelte Zinsen, doppeltes Risiko.
    In Griechenland wollten Sie bis zu 20% haben.
    Welche Volkswut?
    Wer hat denn im Volk in so viel Geld, dass er es in Griechenland investiert?
    1 Euro = 1 Drachme 50% abgewertet, bedeutet ja nicht 50% weniger Einkommen in Griechenland.
    Ganz über den plattet Daumen würden das etwa 20 bis 30% weniger sein, denn nur die Produkte die eingeführt werden teurer. Vielleicht würde Griechenland dann mal ihre Gasfelder erschließen oder die größte Armee Europas (bezogen auf die Bevölkerungsdichte) mal verkleinern.
    Hinter Griechenland steht, wenn es angegriffen wird, immer noch der Dampfhammer der NATO.
    Wer Griechenland angreift stirbt als Zweiter.

    Und dann müsste Griechenland natürlich mit zig Milliarden unterstützt werden von der EU.
    Genauso wie Spanien in den letzten 25 Jahren.
    Die Infrastruktur muss verbessert werden usw. usw.
    So werden immer weiter zig Milliarden weiter gezahlt und nicht einem Griechen wird damit geholfen, sie verelenden immer weiter.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  12. GR-Block
    22. Januar 2013, 16:05 | #12

    Es ist eine Katastrophe zu erleben, wie wenig die Gründer der EWG/EG/EU von den Gespenstern verstehen, die sie riefen. Es fiel ihnen leicht von außen Ratschläge zu geben, die die Profite der eigenen Klientel sichern und das griechische Volk für den Dauerschaden aufkommen lassen.
    Als deren nationaler Lobbyist seine Unfähigkeit offen zu Tage trug, das Volk hinter sich zu sammeln, waren die Euro-Politiker heilfroh, dass der Amerikaner Papandreou abgeschossen wurde. Nun scheint aber auch der EU-Bänker Papadimos und der Lobbyist europäischer Konzerne Samaras den Wagen in den Dreck zu fahren.
    Prompt wird Tsipras eingeladen, Höflichkeitsbesuche in den USA und der EU abzuhalten, um sich vorzustellen. Natürlich nötigt ihn das moderatere Töne ab, die Macht ist ja verlockend.

    Wir alle wissen, was das bedeutet. Die EU will sich ihren Arsch absichern. Es könnte ja ein Wechsel anstehen. Und bevor eine echte Revolution (Austritt) ausbricht, ist der linke Tsipras natürlich der sozialdemokratische Rettungsanker (für das System).
    Es war ein Sozialdemokrat, der die Memoranden eingeführt hat und es wird ein Sozialdemokrat sein, der die Verelendung des Volkes durchsetzt. Denn machen wir uns nichts vor, die Finanzprobleme des Staates haben das Volk gerade erst erreicht. Erst wenn dessen Reserven aufgebraucht sind, wird sich das Ausmaß der EU zeigen. Wenn es soweit kommt, sollte kein Konservativer vorne stehen. Dessen Versagen könnte sonst das System diskreditieren.

    Insgesamt befürchte ich nicht, dass die Griechen plötzlich Fahrad fahren werden (Gott bewahre). Man wird, wie vor dem Binnenmarkt, wieder zu 70% öffentlichem Verkehr zurückkommen. Die unzähligen KTEL-Unternehmen rechnen jetzt schon mit gewaltigen Gewinnen. Die Automobilindustrie in Westeuropa wird einbrechen. Deren Athener Lobby wird die „Öffnung“ der Branche verlangen. Europäische Bus-Großunternehmer werden die Branche „wettbewerbsfähiger“ machen. D.h. der Grieche wird Busfahrer, der ausländische „Investor“ Busunternehmer.

  13. Willi F. Gerbode
    22. Januar 2013, 19:03 | #13

    @Helmut Josef Weber Die Reduktion der Kaufkraft erfolgt durch die nach der Abwertung entstehende Inflation.

  14. Roditisa
    23. Januar 2013, 17:28 | #14

    @Helmut Josef Weber
    Ein Problem bei den Preisen von griechischen Produkten ist doch auch die Infrastruktur, bzw. gibt es gerade in der Landwirtschaft in Griechenland kaum Betriebe, die mit der Massenproduktion anderer EU-Länder mithalten können. Ich kaufe gerne Milch von meiner Insel hier. Die kostet aber trotz der praktisch inexistenten Transportkosten mehr als die Biomilch aus Österreich. In kleinen Betrieben kostet die Produktion einfach mehr, das kann man durch die Abwertung der Währung nur zum Teil wettmachen. Dazu kommen hohe Steuern und was zumindest die Inseln angeht einmal das Problem des Transports und dann das wirklich schwierige Problem des praktischen Monopols durch den sehr kleinen Absatzmarkt.
    Ausserdem wird der Binnenmarkt gerade systematisch zerstört. Ausländische Produkte sind derzeit aufgrund von einer völlig unzureichenden Wirtschaftspolitik der letzten 10-20 Jahre kaum Konkurrenzfähig im Vergleich mit z.B. deutschen oder italienischen Produkten, was die Kunden jetzt in mageren Zeiten noch mehr dazu verleitet, ausländische Produkte zu kaufen (weil eben billiger). Dazu kommen die horrenden Steuern, die inländische Betriebe in Massen in die Insolvenz treiben und deren Produktionskosten natürlich auch nicht sinken lassen, obwohl die Löhne gedrückt wurden. Es ist eine Spirale in Gang geraten, die sichnihct einfach nur dadruch durchbrechen lässt, dass man die Währung abwertet. Das Land braucht dringend Investitionen aus dem Ausland. Die kommen aber nicht, wenn das Land sich in einer Inflationsspirale befindet, denn dann kauft man sich am ersten Tag ein Werk, das x wert ist, und nach 1 Monat ist es nur noch die Hälfte von x wert.

    Das Problem ist leider sehr komplex. Wäre es mit einfachen Lösungen getan, man hätte sie schon versucht.

  15. GR-Block
    23. Januar 2013, 22:00 | #15

    Roditisa :
    @Helmut Josef Weber
    Ich kaufe gerne Milch von meiner Insel hier. Die kostet aber trotz der praktisch inexistenten Transportkosten mehr als die Biomilch aus Österreich. In kleinen Betrieben kostet die Produktion einfach mehr, das kann man durch die Abwertung der Währung nur zum Teil wettmachen.

    Geanau dies ist der Zweck des EU-Binnenmarktes mit seinen direkten und indirekten Subventionen. Der Wettbewerb um Marktanteile soll nicht durch die Länge der Transportwege „verzerrt“ werden. Nur die Qualität sollte zählen. Nun spielt allerdings auch die Massenproduktion (Preis) mit rein. Sodass die Qualität nur eine untergeordnete Rolle spielt. Da die EU-Profis das natürlich vorher wußten, darf man unterstellen, dass die Monopolisierung der Produktion geplant war. Den Kleinbauern wurde aber genau das Gegenteil erzählt als sie sich auf den Binnenmarkt einließen. Sie würden jetzt leichter exportieren können.
    Um den heimischen Markt zurück zu erobern, könnten strenge Qualitätskriterien helfen, die auf heimische Waren zugeschnitten sind. Eine Einrichtung ähnlich der „Stiftung Warentest“ wäre dafür das geeignete Filter-Instrument.

  16. Ottfried Storz
    23. Januar 2013, 23:05 | #16

    @Roditisa:
    Du hast Deflations- mit Inflationsspirale verwechselt.
    Nach entsprechenden Umfragen sind jedoch andere Gründe hauptverantwortlich für ausbleibende Auslandsinvestitionen. Hierzu gibt es von mehreren renommierten Stellen entsprechende Vergleichserhebungen. Hauptverantwortlich sind hiernach lange und intransparente Genehmigungsverfahren und Verwaltungsdauer, geringe Rechtssicherheit (Grundbücher, reale Rechtsprechung), hoher Verwaltungsaufwand (Dokumentationen, Steuerformule), katastrophale Bankfinanzierungsmöglichkeiten, Korruption und das Ständewesen.
    Das Kunden angeblich noch mehr ausländische Produkte kaufen, „weil eben billiger“, steht im Gegensatz zur 2011/2012-Handelsbilanz, wonach Importe gesunken und Exporte gestiegen sind.

  17. Wildkatze
    24. Januar 2013, 10:58 | #17

    Die gigantischen Agrar-Subventionen sollten endlich abgeschafft werden, weil sie eine Verzerrung des Marktes darstellen. Gerade vor ein paar Tagen habe ich eine TV-Dokumentation gesehen, in der bestätigt wurde, dass Agrar-Subventionen den grössten Ausgabeposten des EU-Haushalts darstellen. Das hat nicht nur europaweit sondern weltweit verheerende Konsequenzen. Es ist schon längst nicht mehr so, dass Bauern – vor allem in Mitteleuropa – Subventionen wegen Bedürftigkeit benötigen. Im Gegenteil! Aber die Agrarlobby verteidigt aggressiv ihre Pfründe!

  18. GR-Block
    24. Januar 2013, 11:44 | #18

    @Ottfried Storz
    Ich bin sicher, Roditisa meinte die Dinge des täglichen Bedarfs, z.B. Nahrungsmittelimporte. Die sind immer noch nicht genug eingebrochen. Stattdessen sind die außergewöhnlichen Ausgaben (Auto, Elektronik…) natürlich gefallen.
    Die Exportstatistik ist leider in den Medien aus PR-Gründen von Samaras hochgelobt worden. Der reale „Anstieg“ war aber nur saisonal zu erklären. Der „Anstieg“ im Jahresmittel ist unverändert niedrig. Er hat weniger mit der Warenmenge, als mit den Preisen zu tun. 2012 ist der Export erst dort angekommen, wo er 2008 kurz vor dem Einbruch schon war.

    Hoffen wir trotzdem das Beste für die Zukunft.

  19. Roditisa
    24. Januar 2013, 13:55 | #19

    @Ottfried Storz
    Ich finde es nett, dass wir uns duzen, hatte ich eigentlich nicht angeboten, aber dann duzen wir uns mal.

    Danke für die Berichtigung, ich bin nicht besonders bewandert, was Wirtschaftsthemen angeht, meine Einschätzungen sind sicher sehr laienhaft. Importe sind nach meinem Eindruck vor Ort aber vor Allem deshalb gesunken, weil der Konsum eingebrochen ist. Die Leute kaufen generell weniger, demnach auch weniger Importgüter.

    Was die Gründe für mangelnde Investitionen aus dem Ausland sind, so habe ich nicht einen Faktor als exklusiv genannt. Natürlich spielen die anderen von Dir genannten Faktoren ebenfalls eine wichtige Rolle (meiner Einschätzung nach ist das größte Problem in diesem Land ein sehr ineffizientes Gerichtswesen). Ich denke aber, dass es zusätzlich zu diesen schon bestehenden Problemen noch abschreckender wirkt, wenn die Währung kontinuierlich ihre Kaufkraft einbüßt. Ich würde jedenfalls nicht für 150 000 z.B. eine Immobilie kaufen, wenn ich damit rechnen kann, dass sie 3 Monate später wegen des Wechselkurses nur noch 100 000 wert ist.

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