Steuergewitter für Immobilienbesitzer in Griechenland

7. Januar 2013 / Aktualisiert: 28. September 2017 / Aufrufe: 9.341

Mit einem wahren Sturm von Immobiliensteuern und Abgaben will das Finanzministerium in Griechenland von den Immobilienbesitzern 3,2 Mrd. Euro eintreiben.

Die Eigentümer von Immobilien erweisen sich ein weiteres Mal als die leichte Beute für die Eintreibung zusätzlicher Steuern und die Stützung des Staatshaushalts. Das Immobilienvermögen der Griechen wird in die Pflicht genommen werden, einen großen Teil der volkswirtschaftlichen Angleichung zu decken, und die fortwährenden „Briefchen“ des Finanzamts werden eine ungeheure Belastung für die Haushalte verursachen.

Die Steuerpflichtigen mit Immobilienvermögen in Griechenland werden in diesem Jahr an das Finanzamt Steuern und Abgaben zu entrichten haben, die insgesamt 3,2 Mrd. Euro tangieren werden. Fast jeden Monat sowie auch Ende des Jahres werden die Eigentümer zumindest eine Steuer für die in ihrem Besitz befindlichen Immobilien zahlen, was beweist, dass die Immobilienbesitzer die besten Kunden des Finanzamts sind.

FAP, EETIDE und neue einheitliche Immobiliensteuer

Die steuerlichen „Schläge“ für die Immobilienbesitzer werden kontinuierlich sein, da mit Abschluss der Versendung der Bescheide der Immobilien-Vermögenssteuer (FAP / FMAP – siehe FMAP – Grundsteuer auf Immobilien in Griechenland) für 2010 im Februar 2013 die Bescheide über die gleichzeitige Entrichtung der Vermögenssteuer für 2011 und 2012 zum Versand kommen werden. Bis April oder Mai 2013 werden die Immobilienbesitzer die restlichen verbliebenen Raten der – sich formal auf das Jahr 2012 beziehenden – außerordentlichen Immobilien-Sonderabgabe EETIDE („Abzocke“ – siehe Neue Sonderabgabe auf Immobilien in Griechenland) entrichten, die weiterhin mit den Stromrechnungen der DEI kommen wird. Im zweiten Halbjahr 2013 werden die Immobilienbesitzer dann die neue einheitliche Immobiliensteuer zahlen, die fortan auch auf alle außerhalb des Bebauungsplans gelegenen Landstücke (einschließlich landwirtschaftlicher Nutzflächen!) und Immobilien erhoben werden wird.

Unter dem Strich werden die Immobilienbesitzer innerhalb des Jahres 2013 also mehrfach zur Kasse gebeten. Zu diesen Steuern ist weiter hinzuzurechnen, dass die „Mini“-Vorlage zum Steuergesetz zusätzliche Steuerbelastungen für die Steuerpflichtigen bringt, welche Einkommen aus Mieten erzielen, und außerdem bei den Übereignungen von Immobilien eine (neue) Besteuerung des Wertzuwachses mit einem Satz von 20% zu Lasten des Verkäufers vorsieht.

Die von den Immobilienbesitzern 2013 zu begleichende Steuer-„Rechnung“ umfasst:

  • Immobilien-Vermögenssteuer (FAP) des Jahres 2010.
    Ungefähr 200.000 Steuerpflichtige, die am 01 Januar 2010 Gebäude und innerhalb von Bebauungsplänen gelegene Grundstücke mit einem „sachbezogenen“ Gesamtwert von über 400.000 besaßen, werden aufgefordert, die FAP des Jahres 2010 zu entrichten. Die ersten FAP-Bescheide des Jahres 2010 sind bereits an ungefähr 140.000 Steuerzahler verschickt worden, wobei die ursprünglich am 31 Dezember 2012 auslaufende Frist für die Entrichtung der ersten Rate bis zum am 31 Januar 2013 verlängert wurde..
  • Zweifache Immobilien-Vermögenssteuer für 2011 und 2012.
    Ungefähr 500.000 Steuerpflichtige, die am 01 Januar 2011 und am 01 Januar 2012 Gebäude und innerhalb von Bebauungsplänen gelegene Grundstücke mit einem „sachbezogenen“ Gesamtwert von über 200.000 Euro besaßen, werden ab Februar 2013 einen einheitlichen Steuerbescheid erhalten, der die FAP für 2011 und 2012 umfasst. Es wird in Erwägung gezogen, dass die Steuer in bis zu 10 Raten bis Ende 2013 entrichtet wird.
  • Immobilien-Sonderabgabe.
    Mehr als 5 Millionen Haushalte werden aufgefordert sein, innerhalb der ersten fünf Monate des Jahres 2013 die zwei oder drei letzten Raten der Sonderabgabe auf elektrifizierte Gebäude (EETIDE) zu entrichten, welche sie 2012 besaßen oder inne hatten. Zur Entrichtung der Abgabe ist grundsätzlich der Eigentümer der jeweiligen Immobilie verpflichtet, auf Grund der Erhebung über die Stromrechnungen sind jedoch in der Praxis gegebenenfalls zuerst einmal die Mieter in die Pflicht genommen.
  • Einheitliche Immobilien-Vermögenssteuer für das Jahr 2013.
    Für das Jahr 2013 ist die Erhebung einer neuen Steuer auf den Besitz immobilen Vermögens vorgesehen, die auf alle Immobilien – sogar auch landwirtschaftlich genutzte Flurstücke – erhoben wird. Diese Steuer wird FAP und EETIDE ersetzen und soll innerhalb des 2. Halbjahrs 2013 erhoben und eingezogen werden.

Besteuerung von Mieteinnahmen ab dem ersten Euro

Um bis zu 900% erhöhte Steuern werden all jene Steuerpflichtigen zu zahlen aufgefordert sein, die ein Einkommen ausschließlich aus Mieten haben, da sie fortan ab dem ersten Euro (also ohne jeglichen Steuerfreibetrag) mit wenigstens 10% besteuert werden.

Gemäß der Vorlage zum Steuergesetz wird die Besteuerung der Einkommen aus Mieten nicht der Staffelung der Einkommensteuer folgen, aber fortan eigenständig mit einem Satz von 10% für Einkommen von bis zu 12.000 Euro und 33% für Einkommen von über 12.000 Euro erfolgen.

Verlierer sind mit dem neuen System die Immobilieneigentümer, die keine anderen Einkommen haben, da sie den Steuerfreibetrag von bisher 5.000 Euro verlieren und ab dem ersten Euro besteuert werden. Die Belastungen für die konkrete Kategorie von Immobilienbesitzern beginnen ab 500 Euro pro Jahr für ein Jahreseinkommen von bis zu 12.000 Euro. Für höhere Einkommen aus Mieten erreichen die zusätzlichen Steuern bis zu 1.820 Euro pro Jahr.

20%-ige Wertzuwachssteuer zu Lasten der Immobilienverkäufer

Den griechischen Immobilienmarkt erwartet ein neuer starker Schock, da ab dem 01 Januar 2013 alle durchgeführten Übertragungen von Immobilien fortan doppelt, nämlich gleichzeitig mit der Wertzuwachssteuer und der Transaktionssteuer besteuert werden. Bei jedem Immobiliengeschäft ist also der Verkäufer verpflichtet, eine Wertzuwachssteuer mit einem Satz von 20% zu zahlen, während der Käufer mit der Immobilien-Transaktionssteuer belastet wird.

Von der doppelten Besteuerung bei den Verträgen über die Übereignung von Gebäuden, Grundstücken und Flurstücken in Kombination mit der Angleichung der nach dem System der „sachwertorientierten Wertbestimmung“ festgesetzten Immobilienwerte wird erwartet, dass sie die Lage auf dem Immobilienmarkt, der bereits von der anhaltenden wirtschaftlichen Krise gebeutelt – sprich weitgehend zusammengebrochen – ist, noch mehr verschlechtern wird.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass laut bisher bekannt gewordenen Szenarien unter anderem auch die Möglichkeit einer Befreiung von der neuen Steuer unter gewissen Voraussetzungen – wie beispielsweise bei einem Verkauf nicht vor Ablauf eines bestimmten Zeitraums ab dem Erwerb einer Immobilie – erwogen wurde, derzeit jedoch noch keinerlei endgültige Informationen bekannt sind.

(Quelle: Imerisia)

Relevante Beiträge:

  1. multiman
    7. Januar 2013, 00:52 | #1

    Auch wenn ich Tangens und Co- Tangens beherrsche, frage ich mich, inwiefern mich solche „Nachrichten“ tangieren sollten, wenn der Vollständigkeit halber erwähnt wird, dass unter „bestimmten“ Voraussetzungen … bla, bla, bla.

    Wie ist das Wetter?

  2. Catalina
    7. Januar 2013, 01:41 | #2

    Mich trifft der Schlag!!
    Langsam muß ich mir überlegen, wo das Geld denn eigentlich hernehmen 🙁
    Möchte nicht wissen, wieviele Leute ihre Häuser nicht mehr halten werden können….

    Wird Zeit, endlich der Vereinigung „Wir bezahlen nichts“ beizutreten 😉

  3. Uschi
    8. Januar 2013, 13:42 | #3

    Ich mach mit@Catalina

  4. Tinos
    8. Januar 2013, 18:09 | #4

    @Multiman:
    Es soll durchaus Leute geben, die Immobilien in GR haben.
    Daher sind diese Informationen durchaus von Interesse!
    Wenn ich gerade sehe, welche Unsumme ich für die angebliche „Legalisierung“ meiner Immobilie berappen muss, wird mir schon schlecht. Wenn ich mir vorstellen soll, wie unsere Nachbarn dies jemals tun sollen, hapert es bei mir an Phantasie.
    Es wird Zeit, den „großen“ mal richtig in die Tasche zu fassen.
    Liebe Griechen: Nehmt Euch ein Beispiel an der USA. Da werden vom Staat egal wo auf der Welt sofort Konten blockiert/eingefroren und per Gericht die Gelder kassiert. Sogar in der Schweiz!

    Grüße
    Tinos

  5. Konstantin
    9. Februar 2013, 11:43 | #5

    Unglaublich, die Regierung in Griechenland, lässt aber auch nichts aus, um das Volk zu plündern. Diese Handhabung, erinnert mich an Deutschland, nach der Nachkriegszeit.
    Da gab es eine Sonderabgabe, ich glaube das waren ca. 30% des Immobilienwertes, die musste jeder Eigentümer zahlen. Dieses Gesetz gibt es heute noch und wird sicherlich, auch auf die Immobilienbesitzer in Deutschland zu kommen.
    Ich habe mich schon gedanklich von meinem späteren Erbe, Haus und Landwirtschaftsgrundstücke in Griechenland verabschiedet. Horrende Übereignungsteuern, wobei die Erbschaftsteuer nicht nur in Griechenland anfällt, sondern auch noch in Deutschland, wenn der Erbe in Deutschland gemeldet ist. Es gibt dafür kein Abkommen.
    Dann noch die laufenden Steuern für den Besitz in Griechenland selbst.
    Meinen Lebensabend nach der Rente in Griechenland zu verleben, von dem Gedanken muss ich mich ja bei den Zuständen, zwangsweise verabschieden.
    Die werden wohl noch soweit gehen, für jedes einzelne Huhn eine Steuer zu verlangen, eventuell noch für die nicht gelegten Eier, die werden dann fiktiv besteuert.

  6. Hofmann
    28. Oktober 2013, 17:38 | #6

    Das ist doch absoluter Nonsens … Ich lebe hier in Griechenland, und die Besteuerung ist jetzt wie in anderen EU Staaten auch. Ich zahle für mein Ferienhaus 800 Euro/Jahr Steuern. Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich das hier höre. Griechenland ist ein wunderschönes Land und ich würde mir immer wieder eine Immobilie hier kaufen. Ich sage dies weil ich die Sachlage hier kenne, da ich mit Immobilien Handel … Also Live your Dream !!

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