Handel in Griechenland erwartet „schwarzes“ Halbjahr

3. Januar 2013 / Aktualisiert: 22. Juli 2013 / Aufrufe: 1.574

Den Handel erwartet in Griechenland ein schweres Halbjahr, zumal bis Ende 2013 mit über 100.000 weiteren Unternehmensschließungen gerechnet wird.

Die Hilfskredit-Tranche – bzw. zumindest ein Teil davon – mag angekommen sein, die Menschen des Marktes wissen jedoch, dass derzeit andere Prioritäten bestehen, und zwar konkret die Rekapitalisierung der Banken. Allerdings wird auch nach deren Abschluss – was einige Monate benötigen wird – das in Form von Krediten auf den Markt gelangende Geld wieder wenig und in jedem Fall sehr viel weniger sein als benötigt wird, damit der Markt normal funktioniert.

Wird diesem Umfeld auch der Rückgang der Nachfrage infolge des weiteren Sinkens der Einkommen und der brutalen Besteuerung hinzugerechnet, ist leicht zu verstehen, dass (auch) für den Handel das Jahr 2013 ein weiteres schwieriges Jahrs sein wird. Ein Jahr, in dem die kleineren und mittleren Unternehmen wieder auf sich allein gestellt sein werden, um den Folgen der Krise zu begegnen.

Hilfskredite kommen nicht bei der realen Wirtschaft an

Die meisten Unternehmer teilen nicht die optimistischen Einschätzungen der Faktoren des Wirtschaftsstabs bezüglich einer Stabilisierung der Wirtschaft im 2. Halbjahr 2013. Dagegen fokussieren sie ihre Aufmerksamkeit auf das sehr kritische erste Halbjahr – wenn also die Folgen aus der neuen Steuerpolitik zum Tragen kommen, während die Konsumenten aus der gewaltsamen Angleichung der Löhne, Renten und Bezüge eine weitere Einkommenskürzung erfahren werden.

In der selben Periode wird sogar auch im positiven Szenarium über den Geldfluss von Seite der Banken das Kapital der Tranche (das theoretisch in den Markt fließen soll) nicht bei den Endempfängern angekommen sein, zumal sich auch die Freigabe ganze fünf Monate verzögerte. Dies bedeutet, dass bis Ende Juni 2013 der griechische Markt auf Gnade und Ungnade dem … Kapitalismus ausgeliefert sein wird.

Kritische Periode ohne Unterstützung von Seite der Banken

Für das erste Horror-Halbjahr des Jahres 2013 setzen die meisten Unternehmer ihre Planung unter dem Gesichtspunkt an, keine Unterstützung von den Banken zu haben, während parallel der Konsum noch weiter zurückgehen wird. Der Rückgang der Nachfrage wird von Branche zu Branche variieren, analog auch zu der Flexibilität des Sektors (beispielsweise wird der Rückgang bei den Supermärkten geringer sein als in der Bekleidungsbranche), aber gemäß konvergierenden Einschätzungen wird er sich auf den Gesamtbereich des Handels bezogen bei 12% – 15% bewegen.

Diese Zahl ist kritisch, und wenn sie mit den entsprechenden Werten der vergangenen Jahre der Krise kombiniert wird, erreicht sie kumulativ seit 2009 etwa 30% – 35%. Die Sätze sind höher in einigen sensiblen Branchen, wie beispielsweise auf dem Fahrzeugsektor, wo der Rückgang in den letzten drei Jahren 70% erreicht. Und dies auf einem Sektor, der einmal 10% der Steuereinnahmen einbrachte!

Mit der Nachfrage auf solchen Ebenen ist offensichtlich, dass der Markt schwer zu normalen Aktivitätsniveaus zurückkehren wird, sogar auch dann, wenn die Umstände plötzlich auf die Niveaus des Jahres 2009 zurückkehren könnten. Es ist kein Zufall, dass gemäß den Daten des Zentralverbands der griechischen Handelskammern bis Ende 2013 landesweit mit mehr als 100.000 Unternehmensschließungen gerechnet und die Anzahl der Arbeitslosen im Handel sich beunruhigend 150.000 nähern wird.

Enthüllend sind auch die Daten der Industrie- und Handelskammer Athen, die dokumentieren, dass auf eine Betriebsaufnahme vier Schließungen kommen.

Schrumpfungen, Zwangsfusionen, Aufkäufe und Umorientierungen

All dies macht das erste Halbjahr 2013, in dem sich viele Unternehmen – und sogar auch große Ketten – außer Stande sehen werden, den Geschäftsbetrieb mit ihren heutigen Netzen fortzuführen, noch maßgeblicher und wird für 2013 einen neuen Abbau bei Netzen, Läden und Personal mit sich bringen. Gleichzeitig wird damit gerechnet, dass es auch Zwangsfusionen oder Aufkäufe bringt, die – obwohl eigentlich schon für 2011 – 2012 erwartet – bisher nicht beobachtet wurden.

Auf dem griechischen Markt gibt es viele Branchen, in denen die Unternehmen darin fortfahren, den Betrieb mit negativen Geschäftsergebnissen aufrecht zu erhalten, ohne sich jedoch in die Richtung überlebensfähiger unternehmerischer Optionen umzuorientieren. Stattdessen hoffen sie, dass die Umstände sich irgendwann bessern werden, und die Gewinne der vergangenen Jahre wurden in vielen Fällen dazu verwendet, solche Entscheidungen zu stützen..

Was sich 2013 ändern wird, ist, dass die Liquiditätskrise und das Fehlen einer Perspektive die Fortsetzung dieser Praxis unmöglich machen wird. Marktfaktoren halten es deswegen für sehr wahrscheinlich, dass sogar auch in den ersten Monaten des Jahres 2013 Zusammenlegungen von Unternehmen zu sehen sein werden, die vormals unmöglich erschienen. Die Rolle der Käufer werden in diesen Fällen Gesellschaften mit gesunder wirtschaftlicher Struktur und niedriger Verschuldung sowie auch mit Aussichten auf Wachstum im griechischen (in den kommenden Jahren) und ausländischen Umfeld haben.

Zur selben Zeit wird die Exportaktivität weiterhin eine Überlebensperspektive für all jene Konzerne gestalten, die den hohen Kosten des Geldes zu begegnen vermögen. Wie charakteristisch ein Marktinsider anmerkt, wird der Schlüssel für den nächsten Tag des griechischen Unternehmertums vielleicht auch der Wechsel (oder sei es auch die Angleichung) der Aktivität für all jene sein, die sehen, dass die traditionellen „Werkzeuge“ fortan nicht mehr ausreichen um die erhofften Gewinne zu bringen.

(Quelle: To Pontiki)

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