Finanzamt knöpft Vermietern in Griechenland über 500 Millionen Euro ab

6. Januar 2013 / Aktualisiert: 06. Januar 2013 / Aufrufe: 1.854

Das Finanzministerium in Griechenland will den Immobilienvermietern mit einem neuen System der Besteuerung von Mieteinnahmen über eine halbe Milliarde Euro abknöpfen.

Mit der Einführung der Besteuerung der Mieten ab dem ersten Euro wird das Finanzministerium mehr als eine halbe Milliarde Euro von den Immobilienbesitzern einnehmen. Dies vertreten Faktoren des Marktes, die allerdings auch nicht ausschließen, dass der Betrag der Steuer für den Staat letztendlich niedriger ausfallen könnte, falls Eigentümer und Mieter innerhalb des Jahres zu einer neuen Vereinbarung über die Höhe der Miete schritten, damit der Mieter eine niedrigere Miete zahlt.

Die selben Faktoren schätzen ein, dass die neue eigenständige Steuer, welche die Eigentümer zu entrichten aufgefordert sein werden, neue Gegebenheiten auf dem Markt und die weitere Senkung der im Jahr 2011 deklarierten Mietzahlungen von 2,7 Mrd. Euro herbeiführen kann.

Mit den neuen System der Besteuerung der Mieten erwartet der Fiskus laut Marktfaktoren, wenigstens 540 Mio. Euro einzunehmen, jedoch unter der Voraussetzung, dass der Gesamtwert der in den Steuererklärungen des Jahres 2012 deklarierten Mietzahlungen auch bei den Erklärungen des Jahres 2013 erhalten bleibt.

Verlauf der deklarierten Mieteinnahmen in den letzten vier Jahren

Gemäß den Erklärungen an das Finanzamt war das einträglichste Jahr für die Immobilienvermieter das Jahr 2009, in dem sie 3,3 Mrd. Euro einnahmen. Die beiden folgenden Jahre brachten ihnen weniger ein, da die Mieten der Wohnungen wegen der zum Rückgang der Mieten beitragenden wirtschaftlichen Krise zunehmend sanken.

Gemäß den Daten der Zentrale für Informationssysteme (KEPYO) gestaltete sich der Gesamtwert der Mietzahlungen, die dem Finanzamt 2012 gemeldet wurden, auf 2,7 Mrd. Euro – gegenüber 3,3 Mrd. Euro 2009 – und verzeichneten einen Rückgang um 18%. Immobilienmakler schätzen ein, dass die Senkung der Mieten ein Ergebnis der Verhandlungen der beiden Seiten war und im Durchschnitt etwa 35% erreichte. Die Mieter erklärten sich außer Stande, die hohe Miete zu zahlen, und erreichten nach einer Vereinbarung mit dem Eigentümer zum Teil beachtliche Mietsenkungen.

Laut den Steuererklärungen entrichtete 2010 die Gesamtheit der Mieter den Betrag von 2,9 Mrd. Euro an die Eigentümer. Der Wert der Mietzahlungen vor Ausbruch der Wirtschaftskrise, im Jahr 2008, erreichte 2,7 Mrd. Euro.

Fiskus plündert Kleineigentümer

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass die Vermieter nach dem bisherigen System der Besteuerung neben fallweise abzuführenden „Stempelgebühren“ in Höhe von insgesamt knapp 5% ihre Mieteinnahmen gemäß den allgemeinen Bestimmungen über die Einkommensbesteuerung, also mit den Sätzen der progressiven Steuerskala versteuerten.

Das neue System der Besteuerung von Mieteinnahmen sieht dagegen zusätzlich zu der weiterhin fälligen Stempelgebühr die eigenständige Besteuerung von Mieteinnahmen ab dem ersten Euro mit einem Satz von 10% bis 12.000 Euro und einem Satz von 30% für Mieteinkünfte von über 12.000 Euro vor. Da somit keinerlei Freibetrag mehr besteht, kommen speziell auf die vielen „Kleineigentümer“ enorme Mehrbelastungen zu.

(Quelle: Imerisia)

  1. B.S.
    7. Januar 2013, 02:13 | #1

    Und sollen wir jetzt Mitleid haben? Ich kann mir weder eigenes Haus noch Ferienhäuser zum Vermieten leisten. Auch wir zahlen hohe Steuern, und das ohne Molotowcocktails zu werfen und öffentliche Gebäude zu besetzen.

  2. Götterbote2012
    7. Januar 2013, 16:54 | #2

    @B.S.
    Dann sollten Sie sich mal überlegen, was denn jetzt richtig ist, welches System und ob es richtig ist, dass Sie trotz lebenslanger Arbeit nicht dazu kommen, ein Eigenheim zu besitzen.

  3. Griechenlandfanin
    8. Januar 2013, 15:39 | #3

    @B.S.
    Das stimmt mich wirklich sehr traurig. Ich habe mein Leben lang gearbeitet, brav immer meine hohen Steuern bezahlt und habe dennoch ein kleines Eigenheim. Warum, weil ich jeden Pfennig zweimal umgedreht und ein Ziel vor Augen hatte. Nun aber werden solche Menschen bestraft und koennen die neuen Steuererhoehungen nicht bezahlen. Also sind Sie doch eigentlich gut dran, kein Eigenheim zu haben……oder?

  4. GR-Block
    10. Januar 2013, 20:28 | #4

    Massnahmen, die wegen der Krise so plötzlich und unausgereift ergriffen werden, bringen leider eine Menge Nebenwirkungen mit sich. Deren Auswirkungen wird man erst Jahre später bewerten können. Ich wage trotzdem eine Prognose:

    Die Reduktion der Einkommen werden die Mietpreise nachhaltig drücken. Zusammen mit den erhöhten Steuern für Immobilien wird es Kleinanlegern immer schwerer fallen, ihre paar Mietobjekte zu halten. Immobilien werden in Kürze massiv und zu Schleuderpreisen auf den Markt geworfen. Die Anzahl der Immobilienbesitzer wird dramatisch zurückgehen. Die wenigen Verbleibenden werden jeder viel mehr Immobilien besitzen. Die enstandenen Immobilienkonzerne werden danach die Mieten wieder steigen lassen.

    Es bleibt abzuwarten, wie sehr sich ausländische Immobilienkonzerne über das Land hermachen, um in GR mit Blasen zu experimentieren. Wie in den Industriestaaten wird man auch den Griechen dadurch „mobil“ machen, dass man ihm seine (letzte) Immobilie nimmt. Dann wird er, wie jeder moderne Industriearbeiter, der Arbeit hinterherreisen, um seine Miete bezahlen zu können.

    Schöne neue Welt.

  5. BravoZulu
    14. Januar 2013, 19:39 | #5

    Wenn man sieht, wie die griechische Regierung die ganz „normalen Bürger“ hier finanziell ausplündert fragt man sich, ob denen denn nichts anderes einfällt, um die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen.

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