Bekennerschreiben zu Bombenanschlag auf Einkaufszentrum in Griechenland

26. Januar 2013 / Aktualisiert: 21. Mai 2014 / Aufrufe: 2.341

Organisation und Erhebung mit jedem Mittel und in jeder Form …

In letzter Zeit kommt auf die Aktionen, die den staatlichen Angriffen auf selbstorganisierte Stätten und Unternehmungen folgten, wieder eine von der selbigen Macht produzierte Differenzierung an die Oberfläche. Eine erdichtete Differenzierung, die versucht, die gegen die Macht gerichtete Einheit auf Basis der Mittel des Kampfs zu splitten. Es werden Rollen und Qualifikationen verteilt, Isolierungen und interne Kämpfe, Dipole des Gerechten – Ungerechten geboren. Fragestellungen und Dilemmata, vor denen sich Genossen in den meisten Phasen der Vergangenheit gefunden haben. Als ob es sich um eine Kreuzung handelt, an der man steht und sich von seinen Genossen trennt und den eigenen Pfad wählt.

Wir verstehen offensichtlich, dass die Entscheidung für den Kampf mit jenem oder dem anderen Mittel nicht nur eine Entscheidung strategischen Charakters – was ist beispielsweise analog zu den herrschenden Umständen geeigneter – sondern sicherlich auch eine Wahl auf Basis des Wunsches und der persönlichen Befriedigung darstellt.

Wir streben nicht nach einer stalinistischen Monolithie, die auf „kommunistische“ Parteien verweist, noch wollen wir linguistische Verfälschungen vornehmen, damit eine Verbundenheit existiert, die alles andere als echt ist. Stattdessen glauben wir, dass es in unserem Inneren zwecks der Einigkeit in der Aktivität zur Zerstörung des Staates einen Respekt an die unterschiedlichen Ansichten und Tangierungen geben muss – die so viele wie auch ihre Träger sind. Der Pluralismus der Theorien innerhalb der anarchistischen Community ist alles andere als schädlich. Die eine Betrachtung ergänzt die andere, andere werden von den Tatsachen bestätigt und andere bleiben in der Vergessenheit der Geschichte mit einem Dialog, Rückschlüsse produzierend und gefährliche Ideen befruchtend.

Die Logik, welche die Widerstandsaktionen für die Bewegung schädlich oder provokant will, ist kein Resultat der Überlegung, aber der Festigung der Furcht aus der staatlichen Unterdrückung. In der Realität fährt der Staat nach gewaltsamen Handlungen Vergeltungsmaßnahmen unmittelbar dort auf wo er kann, um eine psychologische Angstreaktion zu schaffen, welche die Aufständischen spaltet und einschüchtern soll. Jedoch verrät genau diese Reaktion des Staates sein Bedürfnis, die dynamischen Formen des Kampfes zu schlagen. Gleich ob es eine gewaltsame Demonstration, eine Besetzung oder ein Partisanenanschlag ist.

Und entsprechend ist es trotz der kurzfristigen negativen Folgen eines Partisanenangriffs langfristig ein Schreckgespenst für die Unterdrückung. Es ist die Perspektive ihrer Verstärkung und Verbreitung, welche die Macht erschreckt, da sie nicht unbesiegbar ist, wie die von Provokation die Rede machenden Ansichten durchklingen lassen, sondern aus verwundbaren Menschen mit Namen und Adresse besteht, die, so viele Bravos und Bullen sie auch einstellen, ein beständiges Ziel der anarchistischen Partisanen darstellen.
Wollen wir terrorisieren? Ja. Wen jedoch? Die Partisanenangriffe haben die den Transfer des Schreckens in das Lager der Wärter zum Ziel. Eine minimale Erwiderung der Gewalt, die alltäglich auf tausende Weisen ausgeübt wird. Eine minimale Erwiderung des Terrors, den die Henker unserer Leben ausüben. Eine lautstarke Botschaft, damit sie – Mithelfer suchend – die Fundamente des kompakten Machtgebäudes erschüttert. Eine Botschaft an alle würdevollen Menschen, die den Zeiten zum Trotz gegen die Macht kämpfen. An diejenigen, die noch die Unterdrückung dulden, sich jedoch langsam auf ihre eigenen persönlichen Revolutionen vorbereiten. An jeden und jede, die klammheimlich beginnen, ihre Ohren vor den Sirenen der Veräußerung zu schließen und in Berührung mit der Welt des Widerstands gegen die Macht kommen.

Um nicht missverstanden zu werden, wir sind für jede Kritik offen, da wir sie als ein Werkzeug der Dialektik und der Entwicklung unter Revolutionären betrachten Dies natürlich, sofern diese Kritik nicht von einer populistischen Warte kommt, die darauf abzielt, der „Community“ zu schmeicheln, da das einzige Resultat einer solchen Strategie die Schaffung malerischer Anhänger und trügerischer Eindrücke ist. Wir glauben, immer die Bedeutungen unseres Wortes und unserer Aktivität vertiefen und bereichern zu müssen, um jede Falle des Machtkomplexes aufzuzeigen und keine seiner Maschinen einzig und allein aufgrund von Umständen in der Immunität zu belassen.

Ideen und Know-how auszutauschen, uns mit Kalaschnikows und Kugeln zu bewaffnen, uns wieder mit der Straße und den Nachbarschaften vertraut zu machen, das Geld zu berauben und die Gebäude zu besetzen.

Unser Projekt ist die Kollision an allen Fronten mit der Macht, zusammen mit der gleichzeitigen Entwicklung selbstorganisierter Infrastrukturen.
Weil diese von uns verteidigten und vorangestellten Organisationsformen unsere Weise sind, einen kleinen Geschmack der Anarchie im Heute zu erleben, unsere Möglichkeit ist, mit gewaltfreien Beziehungen zu experimentieren, auf unsere persönlichen und kollektiven Bedürfnisse und Wünsche abseits der Abhängigkeit zu antworten, welche die bürgerliche Kultur ihren Untertanen auferlegt.
Es ist unser Fahrzeug, um die allgemeine Gewalt der Macht sowohl auf unsere Leben als auch auf gesellschaftlicher und politischer ebene zu bekämpfen. Weil wir auch in ihre Lager eindringen müssen um sie zu schlagen, sowohl in das politische als auch technologische und militärische.
Und es ist die tatsächliche Triebfeder – die anarchistischen Organisation, und nicht die vorläufigen materiellen Mittel, der wir uns bedienen – für den Angriff gegen den Staat, das Kapital, die Kultur der Vergiftung und Besänftigung.

In diesem kontinuierlichen Kampf haben wir Genossen, die aus unserer Nähe fehlen und die Kosten dafür bezahlen, sich mit ganzer Seele im Kampf zu „engagieren“.

Wir möchten also unser Solidarität an den Anarchisten Marco Camenisch übermitteln, der in den Verließen der schweizerischen Gefängnisse, wo er sich seit 21 Jahren in Gefangenschaft befindet, einen symbolischen Hungerstreik durchführt, sowie auch an Gabriel Pombo Da Silva in Deutschland und Elisa Di Bernardo in Italien, die sich ebenfalls als Solidarische beteiligen und seine umgehende Freilassung fordern. Unsere Aktion fällt mit dem Aktions- und Solidaritätsaufruf für die Freilassung des genossen zusammen, wir stehen unsererseits seinem unbußfertigen Kampf beiseite.

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2 Seite 3 Seite 4 Seite 5

  1. Ingrid
    26. Januar 2013, 11:03 | #1

    ALARMSTUFE ROT. Koennt ihr euch noch an die RAF erinnern?
    Eigentlich eine Studentenbewegung, die gegen den Polizeistaat in Deutschland demonstrierte, die gegen die Verherrlichung des Shah von Persien Kontra bot, da die Bevoelkerung in Persien in Armut lebte.
    Eine Bewegung die demontrierte und irgendwann eskalierte. Es war der Terror in Deutschland.
    Wann lernen die Menschen aus der Geschichte?
    Sowas darf nicht wieder passieren. Wann wachen die Politiker endlich auf.
    Die Vertreter des Volkes, die soviel Ungerechtigkeit zulassen und selbst im Luxus leben!

  2. GR-Gast
    26. Januar 2013, 12:24 | #2

    Ungerechtigkeiten, die über Generationen entstanden sind, brodeln in den Menschen und kommen in solchen Attentaten zur Explosion,
    Ungerechtigkeiten, die die „höheren Gesellschaften“ als gerecht ansehen, indem sie Menschen benutzen und ausnutzen, manchmal auf übelste Art und alles auf einmal gerechtfertigt und legal betittelt wird, weil sie sich das Recht auf Betrug und Unterdrückung erkaufen konnten und weil das klappt – fühlen sie sich auch noch im Recht.

    Natürlich lehne ich selbst solche Attentate und Übergriffe ab, wo Unschuldige zuschaden kommen, was können sie dafür……… und die Kinder…….
    es ist die Ohnmacht und der Glaube sich nicht anders wehren zu können,
    der einzige Ausweg den ich sehe, jeder Wähler und Bürger (nicht nur in Griechenland) müssen sich in gewaltlosen Aktionen wehren, denn, was macht die obere Gesellschaft ohne die Bürger, was macht ein Staat wenn ihn keiner wählt, die Bürger müssen sich einig sein und zusammen für ihr Recht kämpfen, sich nicht durch dumme Intrigen am Ende noch gegenseitig aufhetzen lassen.
    Meiner Meinung nach kommt es den Herrschaften doch nur gelegen, wenn die „Kleinen“ sich selbst bekämpfen, abgelenkt sind und sie so ohne Skrupel ihre Geschäfte fortsetzen können,
    und – sollte es dann ausarten, dann greift das Recht der Öffentlichen Ordnung und die Aufstände werden aktiv bekämpft.

  3. Karlie
    26. Januar 2013, 19:01 | #3

    Es würde mich nicht wundern wenn in ein paar Jahren herauskommt, dass da die Regierung ihre Finger im Spiel hat. Dass Regierungen sowas anstellen ist weithin bekannt. Einfach mal ‚False Flag‘ gugeln. Ob Deutschland, Italien oder Amerika ist einerlei …

    Könnte mir vorstellen dass hier einfach Angst erzeugt werden soll. Angst, welche die Griechen dazu bringen soll mit dem Rechteabbau und dem Überwachungswahn der Regierung überein zu stimmen. Wem nützt das Ganze? Qui bono?

  4. Juza46
    26. Januar 2013, 19:45 | #4

    Ich wundere mich nicht. Bekämpft die griechische politische Klasse nicht gerade den Streik der Athener U-Bahnmitarbeiter mithilfe eines Gesetzes aus der Zeit der Militärdiktatur. Es sehe beides als ganz normale Zuspitzung der gesellschaftlichen Widersprüche in Griechenland. Und ich sehe noch Schlimmeres kommen.

  5. V99 %
    26. Januar 2013, 21:04 | #5

    Tolle Uebersetzungsarbeit! Die Geduld haette ich nicht …
    In dem Pamphlet sind einige durchaus realistisch betrachtete Aussagen enthalten. Z.B. der Absatz „Der Konsumismus“ ist eine sehr gute Zusammenfassung der vorherrschenden Realitaet.
    Die These, dass man das Problem nur mit Gewalt loesen kann, teile ich nicht. Von den genannten „Genossen“ ist mir der besonders ungerechte Fall des Marco Camenisch (mit C, nicht mit K ;-D) bekannt. Dieser hat zuerst Hochspannungmasten „angegriffen“, bis er sich dann in einen Kampf mit Waffen verwickeln lassen hat, weswegen er, wahrscheinlich zu unrecht, bis heute einsitzt. Ich befuerchte auch, dass uns aehnliche Gewaltaktionen in GR noch bevor stehen.

  6. admin
    26. Januar 2013, 21:52 | #6

    @V99 %
    Danke für den Hinweis auf den – inzwischen korrigierten – „Typo“.

  7. naja
    27. Januar 2013, 10:26 | #7

    @Ingrid
    Auch die RAF wurde von der DDR Finanziert. Alle Terrororganisationen werden von irgendeinem Staat Finanziert. Meist CIA oder Mossad.

    „Und was haben sie erreicht, welchen Sinn hat all dies?“
    Die Gesetze können verschärft werden mit verweis auf die Sicherheit. Im Falle griechenlands wäre der einsatz von EUGENFOR denkbar aber auf jedem fall verschärfte sicherheitkontrollen.
    Bürgerrechte adé.
    Die Griechen sollen entrechtet werden und die Rohstoffe sowie die Industrieanlagen „Privatisiert“ werden. In Deutsch übersetzt die Griechen sollen ausgeraubt werden duch „Schulden“.

  8. tuete33
    27. Januar 2013, 12:12 | #8

    @Ingrid
    zur terrororganisation wurde die raf erst duch den staatsschutz. überall werden v-leute eingeschleust, links und rechts, das sind diejenigen die den ärger machen. dann hat der staat wieder einen grund unsere rechte zu beschneiden.

  9. Ingrid
    27. Januar 2013, 17:44 | #9

    @naja – @tuete 33
    Es ist mir durchaus bekannt, wer und wie die RAF finanziert und organisiert hat.
    Die Urspruenge lagen allerdings woanders. Es war eine Demonstration gegen den, wie schon erwaehnt, Polizeistaat, der u.a. das Schahregime verherrlicht zur Schau trug.
    Die Ursache, die Menschen zu solchen Protesten veranlasst, sollte bekaempft werden.
    Terror ist in keiner Weise, an keinem Ort sinnvoll. Aber leider sieht man taeglich, dass ueberall auf der Welt verzweifelte Menschen gegen die Ungerechtigkeit kaempfen. Friedlich! Und in vielen Laendern endet es im Terror.
    In einem europaeischen Land sollte sowas nicht passieren duerfen. Wir Europaeer reden doch immer von Menschenrechten, von Demokratie, von der persoenlichen Freiheit und Meinungsausserung.
    Und @naja, ich glaube nicht, dass die Griechen „entrechtet“ werden sollen. Es soll nur ein funktionierendes Wirtschafts- und Steuersystem eingefuehrt werden. Dann waeren solche Diskussionen nicht noetig.

  10. pedrobergerac
    27. Januar 2013, 23:30 | #10

    @Ingrid
    Die RAF wurde durch den BND, den Verfassungsschutz und durch die Gladio instrumentalisiert. So kam der Terror nach Deutschland.

Kommentare sind geschlossen