Bekennerschreiben zu Bombenanschlag auf Einkaufszentrum in Griechenland

26. Januar 2013 / Aktualisiert: 21. Mai 2014 / Aufrufe: 2.359

Die Welt des Widerstands und der Erhebung

Die Geschichte endet jedoch nicht in der angehaltenen Zeit der Einkaufszentren. Die kumulierte staatliche Gewalt kehrt alle Nase lang zu ihrem Absender zurück. Zusammenstöße mit den MAT, Brandstiftungen an ausgewählten Zielen der Herrschaft, spontane Angriffe auf Politiker, Blockaden und Besetzungen, bewaffnete Aktionen. Nach dem Aufstand von ’08 vervielfachten sich die Widerstandsnester. Die Herren fürchten die anti-institutionellen Risse. Und fürchten noch mehr unsere Solidarität und unseren organisierten Gegenangriff. Sie kennen einen Kanal der Terrorlust um ihre Ängste in der Gesellschaft zu verbreiten. Sie charakterisieren jede Handlung als terroristisch, die sich ihren Gesetzen widersetzt, von einem Bombenangriff bis hin zu einem Streik, um die Mobilisierung ihrer eigenen terroristischen Methoden zu rechtfertigen. Ein psychologischer Krieg zur Unterstützung der Armeen der Polizeihunde, die über die Straßen hinwegfegen. Sein Zweck ist die Vertiefung eines Regimes der Furcht bei den Teilen der Gesellschaft, welche die Verelendung und die Abwertung ihres Lebens durchleben und der Liste der möglichen Verdächtigen unter einem aufständischen Umstand zugeordnet werden.
Wir hören die tränenfeuchten Aufrufe zur Normalität und sehen Besatzungstruppen und Pogrom im Zentrum von Athen, Besatzungstruppen in den Universitäten, Besatzungstruppen im Stadtteil Exarchia, Besatzungstruppen auf Chalkidiki für die Unternehmer der Goldindustrie. Sie greifen die Nachbarschaften der Immigranten und des Aufstands an? Sie wollen geplünderte Gegenden? Wir greifen ihre Mechanismen an. Und verstärken alle Kämpfe gegen die Macht.
Seit geraumer Zeit hatte die Regierung die allgemeine Invasion ihrer Besatzungsbataillons in die besetzten selbstorganisierten Lokalitäten angekündigt, die während der Feiertage betrieben wurde. Oberstes Ziel dieser Strategie ist die Zerschlagung der Widerstandskollektivitäten. Sie träumen von der Isolierung der Anarchisten, um die Perspektive eines subversiven Zusammentreffens aller unterdrückten Befreiungsabsichten auszulöschen. Sie verfolgen die Isolierung eines jeden sich erhebenden Menschen, um die Ausnutzung, die Veräußerung und die Kontrolle zu steigern.
Heute greifen sie die Besetzer an, weil sie ein Beispiel für die Rückgewinnung der notwendigen Mittel darstellen, um uns von der Herrschaft autonom zu machen. Indem sie die selbstorganisierten gesellschaftlichen Strukturen zerstören, die direkt in der Gegenwart die Möglichkeit zur Kollektivierung des Lebens gegenüber der Welt der Macht proben, schirmen sie das Regime der Verelendung ab. Die Essenz des Angriffs auf die Besetzungen ist die Verurteilung der Armen zur Bettelei. Die Neutralisierung der Vision der Freiheit und der Solidarität. Die Huldigung an die „philantrophen“ Regenten.
Wäre es möglich, dass wir den Widerstandsboden, der sich im Visier des Staates befindet, nicht auf alle Kampfweisen verteidigen? Nein. Weil, wenn wir die Besetzungen fallen lassen, sie danach alle Herde der Selbstorganisation und dann jede politische Gruppe angreifen und schließlich jeder Genosse verfolgt werden würde, bis jede revolutionäre Präsenz vernichtet ist. Der Staat plant für alle Kämpfenden, was er bisher anwendet, um die verfolgten Widerstandskämpfer festzusetzen.
Dies bedeutet natürlich nicht, dass wir selbsternannte Verteidiger der Besetzer sind, oder dass die Besetzungen sich nicht von allein zu behaupten schaffen, vielmehr zeigt das Beispiel der Wiederbesetzung der Villa Amalia genau das Gegenteil. Der unterdrückende Angriff erfolgt jedoch an allen Fronten, er bezieht sich nicht nur auf die Besetzungen, und je vielfältiger und dynamischer unsere Aktionen sind, um so besser ist es.
In dem modernen Schlachthof des Kapitalismus ist die Geduld ein Luxus. Es wäre eine Beschimpfung an das Leben, wenn wir die Verschärfung der Konfrontation mit der Macht aufschieben würden. Wir durchleben bereits die Kristallnacht. Die Stunde der kritischen Entscheidungen ist jetzt. Wir haben die Welt der Macht zu zerstören, bevor sie uns in ihrer Verwesung mitreißt. Wir haben uns ab heute auf die Revolution vorzubereiten.

Die Gegenwehr des Staates als Unterdrückung und als Propaganda

Die „Generäle“ der Kontrolle glaubten, zwei Umstände auf ihrer Seite zu haben. Sie stützten sich auf die Passivierung eines großen Teils der Menschen, die in den vorherigen Jahren auf die Straßen gingen, als sie – es sich in der Antragung ihres Lebens an die Parteien bequem gemacht habend – in die „Falle“ der Wahlen tappten. Die Erwartung einer linken Regierung und die Enttäuschung aus der Vorherrschaft der Memorandumsanhänger in dem institutionellen Spiel schwächte die gesellschaftlichen Widerstände. Das wirkliche Spiel geht jedoch nicht so leicht zu Ende. Die offensive des Staates brachte tausende Solidarische auf die Straße. Die Eventualität des allgemeinen Gegenangriffs kehrt stärker als auch vorher zurück.
Weiter stützten sich die „Generäle“ auf die Tatsache, in den vorherigen drei Jahren geschafft zu haben, den in jener Periode aktiven bewaffneten Organisationen gewisse Schläge zuzufügen. Sie bildeten sich ein, ein Operation zur Vertreibung der Anarchisten würde geringe Kosten haben. Weil sie sich ein Potential außerhalb der hierarchischen Abhängigkeiten nicht vorstellen können. Sie sprechen von einer „Direktion des bewaffneten Kampfs“. Der Widerstandskampf kann jedoch in jedem Moment aufflammen, weil er sich in jedem sich erhobenen Herzen organisiert.
Wir spielen nicht bei gezinkten politischen Spielen mit, noch lassen wir uns auf das Verfahren ein, zu beweisen, dass wir keine Elefanten sind, dass uns Außerirdische, geheime Kräfte, die SYRIZA-Partei anstiften. Wer darin fortfährt, Agenten und Regierungsfunktionäre zu sehen, ist Opfer der staatlichen Propaganda und kurzsichtig und vermag nicht wahrzunehmen, dass es Menschen gibt, die nicht vor dem Regime der Angst und der Unterwerfung kuschen, sondern antworten und mit allen Mitteln angreifen werden. Alles andere ist leeres Geschwätz.

Wir sind Anarchisten, Staatsgegner und Feinde der Demokratie. Und wenn unsere Aktivität von dem politischen System verurteilt wird, haben wir seit geraumer Zeit das politische System zu seiner Zerstörung verurteilt.

Wir werden den Mund jeder Heulboje der institutionellen Linken und sonstiger Verschwörungsanhänger stopfen, die von Schattenstaat und Geheimdiensten die rede machen und somit das Andenken an Genossen beleidigen, die kämpfend fielen, wie Lampros Fountas, Mitglied des revolutionären Kampfs, Christos Kassimis, Mitglied des ELA, Christos Tsoutsouvis, Mitglied des Antistaatlichen Kampfs, und viele andere Krieger des Kampfs gegen den Staat. Es sei ebenfalls in Erinnerung gerufen, dass sich in diesem Augenblick Genossen in Gefangenschaft befinden oder der Staat nach ihnen fahndet, welche die politische Verantwortung für ihre Beteiligung an revolutionären Organisationen (17N, Verschwörung der Kerne des Feuers, Revolutionärer Kampf) übernommen haben und alle von Widerstandsgruppen realisierten Angriffe mit Schreiben übernommen werden. Die tatsächlichen parastaatlichen Angriffe wie jene im Italien der vergangenen Jahrzehnte treffen absichtlich Unschuldige, damit sie einen Punkt zur Verleumdung und Verzerrung der revolutionären Zielsetzungen darstellen.

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  1. Ingrid
    26. Januar 2013, 11:03 | #1

    ALARMSTUFE ROT. Koennt ihr euch noch an die RAF erinnern?
    Eigentlich eine Studentenbewegung, die gegen den Polizeistaat in Deutschland demonstrierte, die gegen die Verherrlichung des Shah von Persien Kontra bot, da die Bevoelkerung in Persien in Armut lebte.
    Eine Bewegung die demontrierte und irgendwann eskalierte. Es war der Terror in Deutschland.
    Wann lernen die Menschen aus der Geschichte?
    Sowas darf nicht wieder passieren. Wann wachen die Politiker endlich auf.
    Die Vertreter des Volkes, die soviel Ungerechtigkeit zulassen und selbst im Luxus leben!

  2. GR-Gast
    26. Januar 2013, 12:24 | #2

    Ungerechtigkeiten, die über Generationen entstanden sind, brodeln in den Menschen und kommen in solchen Attentaten zur Explosion,
    Ungerechtigkeiten, die die „höheren Gesellschaften“ als gerecht ansehen, indem sie Menschen benutzen und ausnutzen, manchmal auf übelste Art und alles auf einmal gerechtfertigt und legal betittelt wird, weil sie sich das Recht auf Betrug und Unterdrückung erkaufen konnten und weil das klappt – fühlen sie sich auch noch im Recht.

    Natürlich lehne ich selbst solche Attentate und Übergriffe ab, wo Unschuldige zuschaden kommen, was können sie dafür……… und die Kinder…….
    es ist die Ohnmacht und der Glaube sich nicht anders wehren zu können,
    der einzige Ausweg den ich sehe, jeder Wähler und Bürger (nicht nur in Griechenland) müssen sich in gewaltlosen Aktionen wehren, denn, was macht die obere Gesellschaft ohne die Bürger, was macht ein Staat wenn ihn keiner wählt, die Bürger müssen sich einig sein und zusammen für ihr Recht kämpfen, sich nicht durch dumme Intrigen am Ende noch gegenseitig aufhetzen lassen.
    Meiner Meinung nach kommt es den Herrschaften doch nur gelegen, wenn die „Kleinen“ sich selbst bekämpfen, abgelenkt sind und sie so ohne Skrupel ihre Geschäfte fortsetzen können,
    und – sollte es dann ausarten, dann greift das Recht der Öffentlichen Ordnung und die Aufstände werden aktiv bekämpft.

  3. Karlie
    26. Januar 2013, 19:01 | #3

    Es würde mich nicht wundern wenn in ein paar Jahren herauskommt, dass da die Regierung ihre Finger im Spiel hat. Dass Regierungen sowas anstellen ist weithin bekannt. Einfach mal ‚False Flag‘ gugeln. Ob Deutschland, Italien oder Amerika ist einerlei …

    Könnte mir vorstellen dass hier einfach Angst erzeugt werden soll. Angst, welche die Griechen dazu bringen soll mit dem Rechteabbau und dem Überwachungswahn der Regierung überein zu stimmen. Wem nützt das Ganze? Qui bono?

  4. Juza46
    26. Januar 2013, 19:45 | #4

    Ich wundere mich nicht. Bekämpft die griechische politische Klasse nicht gerade den Streik der Athener U-Bahnmitarbeiter mithilfe eines Gesetzes aus der Zeit der Militärdiktatur. Es sehe beides als ganz normale Zuspitzung der gesellschaftlichen Widersprüche in Griechenland. Und ich sehe noch Schlimmeres kommen.

  5. V99 %
    26. Januar 2013, 21:04 | #5

    Tolle Uebersetzungsarbeit! Die Geduld haette ich nicht …
    In dem Pamphlet sind einige durchaus realistisch betrachtete Aussagen enthalten. Z.B. der Absatz „Der Konsumismus“ ist eine sehr gute Zusammenfassung der vorherrschenden Realitaet.
    Die These, dass man das Problem nur mit Gewalt loesen kann, teile ich nicht. Von den genannten „Genossen“ ist mir der besonders ungerechte Fall des Marco Camenisch (mit C, nicht mit K ;-D) bekannt. Dieser hat zuerst Hochspannungmasten „angegriffen“, bis er sich dann in einen Kampf mit Waffen verwickeln lassen hat, weswegen er, wahrscheinlich zu unrecht, bis heute einsitzt. Ich befuerchte auch, dass uns aehnliche Gewaltaktionen in GR noch bevor stehen.

  6. admin
    26. Januar 2013, 21:52 | #6

    @V99 %
    Danke für den Hinweis auf den – inzwischen korrigierten – „Typo“.

  7. naja
    27. Januar 2013, 10:26 | #7

    @Ingrid
    Auch die RAF wurde von der DDR Finanziert. Alle Terrororganisationen werden von irgendeinem Staat Finanziert. Meist CIA oder Mossad.

    „Und was haben sie erreicht, welchen Sinn hat all dies?“
    Die Gesetze können verschärft werden mit verweis auf die Sicherheit. Im Falle griechenlands wäre der einsatz von EUGENFOR denkbar aber auf jedem fall verschärfte sicherheitkontrollen.
    Bürgerrechte adé.
    Die Griechen sollen entrechtet werden und die Rohstoffe sowie die Industrieanlagen „Privatisiert“ werden. In Deutsch übersetzt die Griechen sollen ausgeraubt werden duch „Schulden“.

  8. tuete33
    27. Januar 2013, 12:12 | #8

    @Ingrid
    zur terrororganisation wurde die raf erst duch den staatsschutz. überall werden v-leute eingeschleust, links und rechts, das sind diejenigen die den ärger machen. dann hat der staat wieder einen grund unsere rechte zu beschneiden.

  9. Ingrid
    27. Januar 2013, 17:44 | #9

    @naja – @tuete 33
    Es ist mir durchaus bekannt, wer und wie die RAF finanziert und organisiert hat.
    Die Urspruenge lagen allerdings woanders. Es war eine Demonstration gegen den, wie schon erwaehnt, Polizeistaat, der u.a. das Schahregime verherrlicht zur Schau trug.
    Die Ursache, die Menschen zu solchen Protesten veranlasst, sollte bekaempft werden.
    Terror ist in keiner Weise, an keinem Ort sinnvoll. Aber leider sieht man taeglich, dass ueberall auf der Welt verzweifelte Menschen gegen die Ungerechtigkeit kaempfen. Friedlich! Und in vielen Laendern endet es im Terror.
    In einem europaeischen Land sollte sowas nicht passieren duerfen. Wir Europaeer reden doch immer von Menschenrechten, von Demokratie, von der persoenlichen Freiheit und Meinungsausserung.
    Und @naja, ich glaube nicht, dass die Griechen „entrechtet“ werden sollen. Es soll nur ein funktionierendes Wirtschafts- und Steuersystem eingefuehrt werden. Dann waeren solche Diskussionen nicht noetig.

  10. pedrobergerac
    27. Januar 2013, 23:30 | #10

    @Ingrid
    Die RAF wurde durch den BND, den Verfassungsschutz und durch die Gladio instrumentalisiert. So kam der Terror nach Deutschland.

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