Bekennerschreiben zu Bombenanschlag auf Einkaufszentrum in Griechenland

26. Januar 2013 / Aktualisiert: 21. Mai 2014 / Aufrufe: 2.355

Der Moment des Anschlags …

Die von uns getroffene Zielauswahl hatte eine Besonderheit. Es handelt sich um ein riesiges Einkaufszentrum, in dem sich sehr viel Leute bewegen, die in keinem Fall – und darin sind wir klar – nicht unser Ziel darstellen. Wir wollten auf keinen Fall, dass irgend einem zufällig vorbeikommenden Menschen auch nur das Geringste geschieht. Logiken kollateraler Verluste oder Ansichten bezüglich der Heiligung des Zwecks drücken die Weise des Denkens und Handelns der Staaten und der Mächte, nicht der Anarchisten dar. Die verleumderischen Beschuldigungen geben wir an die staatlichen Verwalter und die journalistische Mafia zurück, obwohl ihre Gewalt alles andere als blind, sondern dagegen dermaßen massenhaft ist, dass keine Statistik sie jemals bestimmen können wird.

Die an der Operation beteiligten Genossen platzierten den Sprengsatz in dem Schrank eines Reklamekiosks und stellten somit sicher, dass sich niemand versehentlich daran zu schaffen machen könnte. Die dumme Gequatsche über Platzierung des Mechanismus in einem Abfalleimer oder an unübersehbarer Stelle ist Teil der staatlichen Propaganda.
Wir gaben überreichlich Zeit für seine Evakuierung und stellten die Unversehrtheit eines jeden sich eventuell darin Aufhaltenden sicher. Ebenfalls waren der von uns gewählte Tag und die Zeit (Sonntagmorgen) geeignet, weil wegen des geringen Publikumsverkehrs (geschlossene Geschäfte – genug Zeit bis Beginn der Verführungen) die Evakuierung sicher war, wie es auch geschah. Es ist unser konstanter Grundsatz, das leben zufälliger Menschen irgendeiner Gefahr auszusetzen, sogar auch wenn dies einen Abstrich bei den Maßnahmen für unsere Sicherheit bedeutet.
Die warnenden Telefonate erfolgten zeitgleich mit der Platzierung von einem anderen Genossen, mit dem die Genossen, welche die Platzierung vornahmen, in ständiger offener Kommunikation standen. In dem Augenblick, wo die Polizei benachrichtigt wurde, verblieben die Genossen, welche die Platzierung vornahmen, noch dort, damit sie den Sprengsatz nicht eine Minute frei ausgesetzt lassen. Im konkreten Fall erfolgten 4 Warntelefonate: an den Sicherheitsdienst des Malls und die Massenmedien Zougla.gr, Eleftherotypia und die Zeitung Pontiki, deren Angestellter ihm als Farce begegnete und bewies, dass diese verantwortungslose Haltung – wenn wir nicht vorsorglich gewesen wären – Menschenleben hätte kosten können.
Obwohl damit unsere operativen Überlegungen den Unterdrückungsmechanismen offengelegt werden, wird all dies aus Hauptgründen dargelegt: Der eine ist, dass wir auf die niederträchtigen Lügen der Journalisten antworten müssen. Der andere und signifikantere ist jedoch, dass diese Handlung ein Projekt, ein Exempel darstellt. Dass irgendwelche Genossen in der Zukunft zu einer entsprechenden Tat schreiten, ohne die (in jedem Fall unterschiedlichen) erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, wäre außer deren krimineller Fahrlässigkeit auch unsere Verantwortung.

Außer natürlich dieser elenden Propaganda über blinden Terrorismus kam auch wieder die Karamelle der Desorientierung in den Vordergrund. Um also mit diesem Thema abzuschließen, diese „Desorientierung“ ist das eine unserer beiden Ziele. Es ist selbstverständlich, dass wir die Aufmerksamkeit von der Lagarde-Liste und jedem Skandal weglenken wollen, weil all dies ein mikroskopisches Muster der Fäulnis der Verwalter unserer Welt ist. Wir beteiligen uns nicht an institutionellen Spielen der Korruption und Verflechtung. Noch werden wir uns natürlich nicht erlauben, Opfer ihrer eigenen Maschinen der Massen-Desorientierung, wie die Lässigkeit eines Spaziergangs in den Geschäften und den Cafeterias des Scheißhandelszentrums, zu werden. Das zweite Ziel ist, das Denken wieder dorthin zu orientieren, wo wir glauben, dass sie Sinn erhält. Auf den Weg zu dem vollständigen Überwurf mit jeder Gewalt.

Der Konsumismus

Die vorherrschende Konvention der vermassten Kultur, die bei ihren Gefangenen kontinuierlich Bedürfnisse gebiert, drängt sie mittels der Werbung immer mehr zu den Kassen von Geschäften und Dienststellen, mit Ziel einerseits die Bewegung des Marktes und andererseits die Verdummung und die Einschließung in einer Formation von Arbeit – Konsum – Arbeit. Der Kapitalismus füttert seine Gefangenen mit materiellen Schmerzmitteln zu dem Zweck, ihre intellektuelle, ihre seelische Armut zu kurieren.
Die Tatsache, dass die Einkaufszentren sich mit Menschen füllen, kann uns nur Betrübnis bieten. Eine Menschenmenge spendiert sich selbst einen Spaziergang in ein Einkaufszentrum, eine Flucht aus der Arbeitswoche in die Welt der Waren. Wobei die Hoffnungen auf den Preisschildern ausbleichen.
Vor den Vitrinen träumen die Blicke von Einkäufen, mehr Geld, und letztendlich werden sie melancholisch, weil sie nicht einkaufen können. Die antidepressiven Pillen und die Sprünge unglücklicher Menschen von den Dächern sind kein Thema in den Nachrichten oder „sensibilisierten“ soziologischen Studien. Sie sind das Resultat einer süchtigen Menschheit, die Selbstmord begeht, wenn sie kein Geld für ihre Dosis hat.
Die Einkaufszentren sind Symbole der Konsumgesellschaften, die Tempel des Konsums, Zentren der Ausnutzung und Unterwerfung. Den Tausenden, die sich vergnügen, konsumieren, dort oft hingehen, sind die „blutigen“ Produkte, die sie aus den Regalen der Kinderunterdrückung kaufen, eisig gleichgültig. Sie weigern sich, die „zufälligen Schusslösungen“ der Waffen der Polizei zu hören, die Fabrikmaschinen, welche in den Höllen der modernen Sklaverei die Menschen buchstäblich und seelisch zerquetschen. Sie leben unter der Glasglocke der Individualisierung.
Der Ausbruch des Konsumismus in den vorherigen Jahrzehnten hielt eine große Masse Ausgenutzter passiv. Der kleinbürgerliche Traum in Kombination mit dem ununterbrochenen staatlichen Terrorismus brachte den gesellschaftlichen Verfall. Die Karotte und die Peitsche. In dem toxischen Nebel des sogenannten gesellschaftlichen Friedens wurde die grenzenlose Ausquetschung der Arbeitnehmer, die Auslöschung der ärmsten, die Plünderung eines jeden ungenutzten natürlichen Ortes, die Verallgemeinerung der rohen Unterdrückung, die niederträchtigste Propaganda vorbereitet, die es bis heute gab.
Ab ’90 wurden die Einheimischen und die westeuropäischen Faulbäuche aus der Ausnutzung der Immigranten unter Terrorbedingungen reich. Aus der Bombardierung, der Entwurzelung. Aus dem Hungertod, in der Sklaverei. Aus den Seuchen, bei den faschistischen Säuberungen. Jede Art von Herren bewaffnen die kleinen Wichser, welche die Schwächsten abschlachten. Die Demokraten der Regierung organisieren die rassistische Kontrolle. Die Höflinge, die sich nach den jüngsten Angriffsaktionen gegen das Regime um den Verlust ihrer Investitionen sorgen, haben sich zur Gewohnheit gemacht, nach blutigen Messern wie jenem zu schmachten, das den Sachtzat Lukman tötete.
Im Konsumparadies sind die am meisten Gequälten überflüssig. Sie sind nicht produktiv und verschleißen den heuchlerischen Glauben an den bürgerlichen Traum. Damit die Vitrine des Markts erhalten bleibt und die Angst vor der Strafe in jede Wohnung der Metropole gebracht wird, werden jene zu Schuldigen gemacht, die mit ihrer Existenz den Selbsterhaltungsinstinkten Abscheu verursachen. Mit charakteristischem Beispiel die Bilder HIV-positiver Frauen, die als Herd der Verseuchung der arglosen und friedlichen Familienväter präsentiert wurden, die den kleinen Fehler begingen, unter Ausnutzung der Schwäche einige Augenblicke der Lust zu stehlen. Beginn für eine moderne Apartheid gegenüber dem gesellschaftlichen Bandbereich. Die Priester der Wirtschaft wollen, dass wir uns für unsere Unterdrückung schuldig fühlen, über Leichen gehen, um im Spiel des Marktes zu bleiben und Selbstmord begehen, wenn wir für ihre Welt nutzlos sind.
Und hier ist es, wo Überlebensinstinkte geboren werden, durchtränkt von patriotischen Giften, um über die vielen Immigranten zu kreischen, welche die Arbeiten wegnehmen. Im gesellschaftlichen Kolosseum duellieren sich die Sklaven bis zum Schluss.

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  1. Ingrid
    26. Januar 2013, 11:03 | #1

    ALARMSTUFE ROT. Koennt ihr euch noch an die RAF erinnern?
    Eigentlich eine Studentenbewegung, die gegen den Polizeistaat in Deutschland demonstrierte, die gegen die Verherrlichung des Shah von Persien Kontra bot, da die Bevoelkerung in Persien in Armut lebte.
    Eine Bewegung die demontrierte und irgendwann eskalierte. Es war der Terror in Deutschland.
    Wann lernen die Menschen aus der Geschichte?
    Sowas darf nicht wieder passieren. Wann wachen die Politiker endlich auf.
    Die Vertreter des Volkes, die soviel Ungerechtigkeit zulassen und selbst im Luxus leben!

  2. GR-Gast
    26. Januar 2013, 12:24 | #2

    Ungerechtigkeiten, die über Generationen entstanden sind, brodeln in den Menschen und kommen in solchen Attentaten zur Explosion,
    Ungerechtigkeiten, die die „höheren Gesellschaften“ als gerecht ansehen, indem sie Menschen benutzen und ausnutzen, manchmal auf übelste Art und alles auf einmal gerechtfertigt und legal betittelt wird, weil sie sich das Recht auf Betrug und Unterdrückung erkaufen konnten und weil das klappt – fühlen sie sich auch noch im Recht.

    Natürlich lehne ich selbst solche Attentate und Übergriffe ab, wo Unschuldige zuschaden kommen, was können sie dafür……… und die Kinder…….
    es ist die Ohnmacht und der Glaube sich nicht anders wehren zu können,
    der einzige Ausweg den ich sehe, jeder Wähler und Bürger (nicht nur in Griechenland) müssen sich in gewaltlosen Aktionen wehren, denn, was macht die obere Gesellschaft ohne die Bürger, was macht ein Staat wenn ihn keiner wählt, die Bürger müssen sich einig sein und zusammen für ihr Recht kämpfen, sich nicht durch dumme Intrigen am Ende noch gegenseitig aufhetzen lassen.
    Meiner Meinung nach kommt es den Herrschaften doch nur gelegen, wenn die „Kleinen“ sich selbst bekämpfen, abgelenkt sind und sie so ohne Skrupel ihre Geschäfte fortsetzen können,
    und – sollte es dann ausarten, dann greift das Recht der Öffentlichen Ordnung und die Aufstände werden aktiv bekämpft.

  3. Karlie
    26. Januar 2013, 19:01 | #3

    Es würde mich nicht wundern wenn in ein paar Jahren herauskommt, dass da die Regierung ihre Finger im Spiel hat. Dass Regierungen sowas anstellen ist weithin bekannt. Einfach mal ‚False Flag‘ gugeln. Ob Deutschland, Italien oder Amerika ist einerlei …

    Könnte mir vorstellen dass hier einfach Angst erzeugt werden soll. Angst, welche die Griechen dazu bringen soll mit dem Rechteabbau und dem Überwachungswahn der Regierung überein zu stimmen. Wem nützt das Ganze? Qui bono?

  4. Juza46
    26. Januar 2013, 19:45 | #4

    Ich wundere mich nicht. Bekämpft die griechische politische Klasse nicht gerade den Streik der Athener U-Bahnmitarbeiter mithilfe eines Gesetzes aus der Zeit der Militärdiktatur. Es sehe beides als ganz normale Zuspitzung der gesellschaftlichen Widersprüche in Griechenland. Und ich sehe noch Schlimmeres kommen.

  5. V99 %
    26. Januar 2013, 21:04 | #5

    Tolle Uebersetzungsarbeit! Die Geduld haette ich nicht …
    In dem Pamphlet sind einige durchaus realistisch betrachtete Aussagen enthalten. Z.B. der Absatz „Der Konsumismus“ ist eine sehr gute Zusammenfassung der vorherrschenden Realitaet.
    Die These, dass man das Problem nur mit Gewalt loesen kann, teile ich nicht. Von den genannten „Genossen“ ist mir der besonders ungerechte Fall des Marco Camenisch (mit C, nicht mit K ;-D) bekannt. Dieser hat zuerst Hochspannungmasten „angegriffen“, bis er sich dann in einen Kampf mit Waffen verwickeln lassen hat, weswegen er, wahrscheinlich zu unrecht, bis heute einsitzt. Ich befuerchte auch, dass uns aehnliche Gewaltaktionen in GR noch bevor stehen.

  6. admin
    26. Januar 2013, 21:52 | #6

    @V99 %
    Danke für den Hinweis auf den – inzwischen korrigierten – „Typo“.

  7. naja
    27. Januar 2013, 10:26 | #7

    @Ingrid
    Auch die RAF wurde von der DDR Finanziert. Alle Terrororganisationen werden von irgendeinem Staat Finanziert. Meist CIA oder Mossad.

    „Und was haben sie erreicht, welchen Sinn hat all dies?“
    Die Gesetze können verschärft werden mit verweis auf die Sicherheit. Im Falle griechenlands wäre der einsatz von EUGENFOR denkbar aber auf jedem fall verschärfte sicherheitkontrollen.
    Bürgerrechte adé.
    Die Griechen sollen entrechtet werden und die Rohstoffe sowie die Industrieanlagen „Privatisiert“ werden. In Deutsch übersetzt die Griechen sollen ausgeraubt werden duch „Schulden“.

  8. tuete33
    27. Januar 2013, 12:12 | #8

    @Ingrid
    zur terrororganisation wurde die raf erst duch den staatsschutz. überall werden v-leute eingeschleust, links und rechts, das sind diejenigen die den ärger machen. dann hat der staat wieder einen grund unsere rechte zu beschneiden.

  9. Ingrid
    27. Januar 2013, 17:44 | #9

    @naja – @tuete 33
    Es ist mir durchaus bekannt, wer und wie die RAF finanziert und organisiert hat.
    Die Urspruenge lagen allerdings woanders. Es war eine Demonstration gegen den, wie schon erwaehnt, Polizeistaat, der u.a. das Schahregime verherrlicht zur Schau trug.
    Die Ursache, die Menschen zu solchen Protesten veranlasst, sollte bekaempft werden.
    Terror ist in keiner Weise, an keinem Ort sinnvoll. Aber leider sieht man taeglich, dass ueberall auf der Welt verzweifelte Menschen gegen die Ungerechtigkeit kaempfen. Friedlich! Und in vielen Laendern endet es im Terror.
    In einem europaeischen Land sollte sowas nicht passieren duerfen. Wir Europaeer reden doch immer von Menschenrechten, von Demokratie, von der persoenlichen Freiheit und Meinungsausserung.
    Und @naja, ich glaube nicht, dass die Griechen „entrechtet“ werden sollen. Es soll nur ein funktionierendes Wirtschafts- und Steuersystem eingefuehrt werden. Dann waeren solche Diskussionen nicht noetig.

  10. pedrobergerac
    27. Januar 2013, 23:30 | #10

    @Ingrid
    Die RAF wurde durch den BND, den Verfassungsschutz und durch die Gladio instrumentalisiert. So kam der Terror nach Deutschland.

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