Steuerfahndung nimmt Bischöfen in Griechenland die Beichte ab

4. Dezember 2012 / Aktualisiert: 04. Juli 2013 / Aufrufe: 1.293
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Die Steuerfahnder in Griechenland überprüfen zehn Bischöfe der griechisch-orthodoxen Kirche, auf deren jeweiligen Bankkonten enorme Guthaben gefunden wurden.

In Griechenland wird damit gerechnet, dass neue Enthüllungen über „schwarze Gelder“ den Raum der griechisch-orthodoxen Kirche erschüttern werden, da laut recherchierten Informationen zehn Bischöfe bezüglich ihrer Einkommens- und Vermögenssituation von der SDOE überprüft werden, weil auf ihren Konten Guthaben gefunden wurden, die jeweils 1 Million Euro übersteigen. Infolge Diverser  Meldungen von Bürgern über finanzielle Skandale beziehen sich die Überprüfungen beziehen sich auf die Verwaltung der Bistümer.

Die „Steuer-Rambos“ des Dezernats für Wirtschaftsverbrechen (SDOE) nehmen sich die kirchliche „Akte“ gründlich vor und untersuchen unter anderem eine Reihe von Angaben, die ihnen durch Anzeigen bekannt wurden. Die Tatsache hat Aufregung im Schoß der Kirche verursacht, hauptsächlich auch nach der enthüllenden Reportage der Zeitung „Ethnos tis Kyriakis“ (25/11/2012) in Zusammenhang mit den Ermittlungen, welche bezüglich der Finanzen der Bischöfe Chrysostomos (Bistum von Peristeri) und Kyrillos (Bistum von Thessaliotida – Fanariofersalon) durchgeführt werden.

Charakteristisch ist der neue Fall, den die Zeitung ans Licht bringt, nämlich der des Bischofs Alexios des Bistum von Nike bzw. Nikea, der auf Anordnung des Wirtschafts-Staatsanwalts Grigoris Peponis ebenfalls von den zuständigen Behörden überprüft wird, damit festgestellt wird, ob Beschwerden begründet sind, laut denen der Bischof für eine Reihe von Unregelmäßigkeiten bei den Finanzen seines Bistums verantwortlich ist.

Knirschen im Inneren der Griechischen Kirche

Die neuen Fakten verursachen Knirschen in dem bis vor kurzem auch als „Abaton“ geltenden Sektor der Finanzen der Kirche, da die Kirche selbst nicht über einen ähnlichen Kontrollmechanismus verfügt. Dabei ist es eine Tatsache, dass im Schoß der Kirche etliche erleuchtete Prälaten existieren, die mit ihrer Geschichte und allgemeinen Haltung Respekt einflößen, jedoch scheinen unter den Bischöfen auch nicht die „der heftigen Versuchung Geldgier erlegenen Brüder“ zu fehlen, wie charakteristisch Bischof Serafim von Piräus in seiner Bekanntmachung zu dem Thema anführte!

Die Überprüfungen, welche Vermögensteile zu Steuererklärungen und Einkommen in Bezug setzen, reichen zum ersten Mal auch bis zur Öffnung von Bankkonten, wobei sie sich mit den neuen technischen Möglichkeiten mittels der Banken auch auf die Möglichkeit zur Auffindung der Existenz von Offshore-Gesellschaften erstrecken. Das dringende Bedürfnis des Staates zur Auffindung von Mitteln lässt nichts anderes zu als Druck in die Richtung auszuüben, alle Quellen Einkommen generierende Quellen ausfindig zu machen und Logiken „schwarzer“ Gelder zu bekämpfen, sogar auch wenn diese … „heilig“ sind.

Die Enthüllung der Zeitung „Ethnos tis Kyriakis“ über die Untersuchung der SDOE, die sich auf die Bischöfe Chrysostomos von Peristeri und Kyrillos von Thessaliotida – Fanariofersalon bezieht, verursachte Verlegenheit und Reaktionen. In seiner an die Presse verbreiteten Antwort betonte Bischof Kyrillos, nachdem er alles als Enthüllungen aus Quellen der SDOE Verbeitete als beleidigend charakterisierte: „Ich dementiere kategorisch und mit Nachdruck die Informationen, die in der Veröffentlichung reproduziert werden und sich auf meine Person beziehen, als ungehobelt und völlig unbegründet. Ich erkläre Ihnen, niemals von der SDOE wegen Themen wie dieser, derer ich bezichtigt werde, behelligt worden zu sein.

Seine bischöfliche Eminenz vermied jedoch, den Artikel in dessen Substanz zu dementieren, da die Tatsache, nicht von den Amtsträgern der SDOE behelligt worden zu sein, nicht auch die Durchführung einer Überprüfung ausschließt …

Noch größere Überraschung rief jedoch die Reaktion des Bischofs Nikolaos von Mesogea hervor, eines Prälaten, der bisher die öffentliche Meinung niemals negativ beschäftigt hatte. Er sputete sich persönlich, mit einem Schreiben an den Erzbischof den von der SDOE überprüften Klerikern „Deckung“ zu bieten und den Publikationen den Charakter eines „Angriffs gegen die Kirche“ zuzuweisen! Eindruck verursachte auch die Bezugnahme auf „dreiste Journalisten“ …

Verleumdung der Kirche durch dreiste Journalisten

Sich an Erzbischof Ieronymos wendend ermunterte Herr Nikolaos ihn konkret, „als Vorsitzender der Heiligen Synode umgehend und offiziell von der SDOE zu verlangen, entweder das Verbreitete verbindlich zu dementieren oder die auf uns bezogene wie auch immer geartete Wahrheit zu bestätigen oder sogar letztendlich zur Kontrolle unserer aller Finanzen und Vermögen schreiten„. Er unterließ sogar nicht zu ergänzen, „infolge unserer Verlegenheit und des Schweigens der SDOE wird der Name der Kirche von der Raserei der organisierten Respektlosigkeit und dem Gift der journalistischen Dreistigkeit verleumdet„.

Die entwaffnende Antwort kam umgehend von Erzbischof Ieronymos persönlich, der sich wiederholt an die Prälaten gerichtet und zu „Bescheidenheit und nicht die öffentliche Meinung herauszufordern“ geraten hat.

Von dem Journalisten einer Webseite gebeten, das Schreiben des Bischofs Nikolaos von Mesogea zu kommentieren, verbarg der Patriarchat nicht seinen Zorn: „Das sind Fanfaren. Ich agiere nicht mit Fanfaren. Ich war dem Schreiben bereits zuvorgekommen. Ich habe mit dem Sondersekretär der SDOE, Herrn Stasinopoulos, kommuniziert und bin unterrichtet worden„, erklärte er und ließ durchklingen, allen Prälaten, die wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten überprüft werden, keinerlei Deckung gewähren zu werden …

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  1. Bavaria
    4. Dezember 2012, 13:52 | #1

    Heiliger Strohsack – wenn das stimmt, müsste man als Grieche eigentlich sofort Atheist werden. Bezahlt man in Griechenland eigentlich Kirchensteuer?

  2. V99 %
    4. Dezember 2012, 20:23 | #2

    Soweit mir bekannt ist, bekommen die Priester ihr „Gehalt“ vom griechischem Staat und nicht vom Himmel 😀 Dann muesste das doch bei den Bischoefen aehnlich sein, oder? Wie hoch sind diese „Gehaelter“ eigentlich? Anscheinend ja zu wenig, um sich ein wenig weltlichen Luxus zu leisten. Dass die (Schein~) heilige Kirche solch irdischen habgierigen erpresserischen Verlangen nachgeht, ist ja nichts neues. Schlimm ist die Verstaatlichung des ganzen. Stichwort Saekularisierung: Das mag die orthoxe Kirche gar nicht hoeren, denn es bedeutet den institutionellen und mentalen Prozess der Trennung von Kirche und Staat. Stattdessen setzt sie den Glaeubigen, z.B. eine Ikone oder Reliquie zum Kuessen vor und verhindert diesen unabdingbaren Prozess. Die SYRIZA forderte zu Recht eine genaue Analyse des Vermoegens der Kirche um die daraus resultierende Besteuerungsfaehigheit zu ueberpruefen, was besonders deren Imobilienbesitz angeht, der keinesfalls steuerfrei ist. Hoffentlich wird von Seiten der SDOE mal ordenlich abkassiert! Diese Kirche ist ein Staat im Staate und verhindert einen Erneuerungsprozess zum Wohle der Menschen! Wie sagte Jesus schon zu der Geistlichkeit seiner Tage: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat! So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht.“

  3. michail polat apo askos
    4. Dezember 2012, 21:36 | #3

    @Bavaria
    …und so sprach weinend Isokratis. „unsere Demokratie wird zerstört, weil das Recht zusammengebrochen ist, der Freiheit und der Gleichheit, da die Bürger die Frechheit als Recht, die Ungesetzlichkeit als Freiheit, die Unverschämtheit des Wortes als Gleichheit und die Anarchie als Glückseligkeit empfinden…..

  4. Willi F. Gerbode
    5. Dezember 2012, 10:45 | #4

    @Bavaria Die Griechen zahlen keine Kirchensteuer. Der Staat und die Kirche haben Verträge abgeschlossen. Der Staat zahlt die kirchlichen Gehälter. Der Staat hat dafür einen Großteil der kirchlichen Immobilien erhalten, und er erhält nach Auskunft der Kirche 30 % der Gelder, die durch sogenannte „Kerzenspenden“ hereinkommen. In der Öffentlichkeit wird darüber gestritten, wer dabei das bessere Geschäft gemacht hat und macht. Die Kirche ist eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts (Νομικό Πρόσωπο Δημοσίου Δικαίου). Staat und Kirche sind also eng miteinander verknüpft.

  1. 21. September 2013, 14:28 | #1

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