Kohlenwasserstoffe in Griechenland: Noch eine Psychose?

11. Dezember 2012 / Aktualisiert: 05. Juli 2013 / Aufrufe: 1.234

Autor: Panos Kolokotronis

Thema: Minister dämpft Erwartungen aus Gasvorkommen in Griechenland

Die Wahrheit ist sicherlich, dass weder die griechischen Wissenschaftler dermaßen naiv sein können und erst recht nicht die internationalen Agenturen, welche die Berichte der in Rede stehenden Wissenschaftler berücksichtigen, die zu Einschätzungen über die Ebenen der Kohlenwasserstoffe schreiten, über welche Griechenland verfügen könnte. Außerdem können wir nicht den einschlägigen Bericht der Deutschen Bank als zufällig charakterisieren, der anlässlich der letzten Eurogruppe zur Berücksichtigung vorgelegt wurde, noch kann als zufällig charakterisiert werden, dass dieser von Herrn Schäuble – der offensichtlich auch nicht dermaßen naiv ist – auf den Tisch der Finanzminister der Eurozone gebracht wurde.

Athen spricht dagegen durch den Mund des zuständigen Ministers Herrn Livieratos von einer „Psychose“, die er auf die Wirtschaftskrise zurückführt! Speziell bezüglich der Bekanntmachung der Deutschen Bank gefragt, wonach Griechenland einen Nutzen von 214 Mrd. Euro aus der Verwertung der Kohlenwasserstoffe haben könne, äußerte Herr Livieratos sogar, es „werde viel Wirbel um nichts gemacht„, weil der in Rede stehende Bericht auf Vermutungen basiere!

Wir sollen uns jedoch in Erinnerung rufen, dass die in Rede stehende „Psychose“ auf einer Reihe von Berichten basiert, die vor etlichen Jahrzehnten formuliert wurden und deren Existenz die politischen Führungen nach dem Regimewechsel dementierten. Ebenfalls sollen wir uns an die journalistische Bemühung erinnern, damit diese Berichte an die Öffentlichkeit gelangen, und an die Beleidigungen, welche die sich mit diesen Themen beschäftigenden Kollegen einkassierten – mit charakteristischstem Fall die extrem abfälligen Erklärungen, welche Herr Pangkalos sich auf Herrn Chardavelas beziehend im Parlament geäußert hatte (abwertend schließlich für den ehemaligen Vizepremier selbst).

Mit dem sowohl von London als auch Berlin gezeigten Interesse an den griechischen Kohlenwasserstoffen als gegeben wäre es also gut, die Regierung würde sich nicht auf „inländische Psychosen“ beziehen. Unter dem Strich gibt es keinen Bericht eines strategischen Analytikers, der sich nicht auf die Bedeutung des griechischen Raums bezieht und diese nicht etwa mit den NATO-Basen, sondern mit seiner Aufzeigung als Energie-Player in Verbindung bringt. Speziell wo bekannt ist, dass Westeuropa – ausgenommen Norwegens – keine entsprechenden Reichtum produzierenden Quellen hat und die Notwendigkeit der Abnabelung von Russland voranstellt. Berlin wiederum ist energetisch an Händen und Füßen von Moskau gebunden, wie vor wenigen Jahren mit der zwischen Russland und Ukraine ausgebrochenen Krise wegen des Erdgases aufgezeigt wurde.

Zählen wir alle diese Faktoren zusammen, werden wir erkennen, woher sich die aufschiebende griechische Haltung hinsichtlich all dessen ableitet, was die Bekanntgabe der griechischen ausschließlichen Wirtschaftszone und hauptsächlich das Beharren der Türkei und Ägyptens betrifft, dass Kastelorizo und Gavdos nicht in diese einbezogen werden. Außer wenn auch dies ein weiteres Szenarium wissenschaftlicher Phantasie darstellt, welches die wirtschaftliche Krise begleitet.

Quelle: Vradyni
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

  1. Ottfried Storz
    11. Dezember 2012, 18:07 | #1

    Noch eine Psychose. Nein, aber sicherlich noch eine Verschwörungstheorie.
    Laut Text gibt es angeblich „sowohl von London als auch Berlin gezeigten Interesse an den griechischen Kohlenwasserstoffen“. Schaut man sich die mit Firmen an, die sich im Rahmen der Ausschreibung beworben hat, findet man jedoch kein einziges deutsches Unternehmen.
    Und auch keines, an denen andere deutsche Firmen nennenswert beteiligt sind.
    Es gibt über 20 Mittelmeeranrainerstaaten. Bei keinen wurden bislang große Öl-/Gasvorkommen im Meer entdeckt. Warum sollte dies in Griechenland anders sein ?

  2. Michael
    11. Dezember 2012, 19:04 | #2

    Da muss man nicht streiten. Die Bohrergebnisse dürften vorliegen. Wenn sie positiv wären, hätte die Fachwelt davon erfahren. Es mag etwas rausgekommen sein. Aber nicht so viel, dass es sich wirklich lohnen würde. Diese Thema wird überall aus dem Hut gezaubert. Auch in Afghanistan und Syrien, sowie Cypern. Es gibt überall Erdöl und Erdgas. Fragt sich nur zu welchem Preis es gewinnbar wäre. Insofern ist auch der fracking-hype in den USA unsinnig. Ganz real sind für mehr als 20 Jahre genug Reserven zu erträglichen Preisen nachgewiesen. Es gibt keinen wirklichen Mangel. Die Lager sind rappelvoll. Sie laufen regelrecht über. Die viel zu hohen Preise setzen falsche Anreize, die dann so enden, wie mit Venezuela, Mexiko und Kanada in den 80-er Jahren. Der damalige Rohstoffcrash ruinierte selbst Kanada für Jahrzehnte!

    In Griechenland führt kein Weg an den bitteren Pillen vorbei. Sonst bleibt die Drachme. Es rettet euch kein höhres Wesen, kein Kaiser, kein Gott und kein Tribun…. Faule Beamte sind überall auf der Welt überflüssig. Auch in Griechenland. Selbst, wenn die fleissig würden, wären sie real nutzlos. Weltweit, überall.

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