„Beschleunigungsgebühr“ in Krankenhäusern in Griechenland

21. Dezember 2012 / Aufrufe: 2.780

Laut Transparency International bewegten sich in Griechenland 2011 die Schmiergelder für eine Operation in öffentlichen Krankenhäusern von 100 Euro bis 30000 Euro.

Von 100 bis 30.000 Euro bewegte sich 2011 das „Fakelaki“ (= Synonym für „Briefchen mit Geld“, Schmiergeld) für eine Operation in einem öffentlichen Krankenhaus, wogegen es für eine Operation in einem privaten Krankenhaus zwischen 150 und 7.000 Euro betrug. Laut Schätzungen der Transparency International bewegte sich die „Preisliste“ der „Beschleunigungsgebühr“ bei den öffentlichen Gesundheitsbehörden von 300 bis 20.000 Euro, während die Durchführung medizinischer Untersuchungen in privaten Unternehmen für Gesundheitsleistungen zwischen 30 und 500 Euro schwankten.

Die vorstehenden Daten gab der Präsident der Nichtstaatlichen Organisation (NRO) Transparency International, Kostas Mpakouris während seines Vortrags anlässlich der Präsentation des aktualisierten Pflichtkodexes des Verbands pharmazeutischer Unternehmen Griechenlands (SFEE) bekannt.

Korruption erschüttert das Vertrauen der öffentlichen Meinung

Die Kosten der Korruption sind außerordentlich signifikant. Einerseits gibt es die wirtschaftlichen Kosten, von denen einmal veranschlagt worden war, dass ein Anstieg der Korruption um 1% einen Rückgang des nationalen Pro-Kopf-Bruttosozialprodukts um 2% mit sich bringt. Andererseits gibt es die humanitären Kosten, die gesellschaftlichen Kosten, die Kosten im öffentlichen Gesundheitswesen, die politischen und die wissenschaftlichen Kosten, und damit meine ich die Erschütterung des Vertrauens der öffentlichen Meinung„, ergänzte Herr Mpakouris.

Der Vorsitzende der nationalen Medikamentenbehörde (EOF), Giannis Tountas, betonte von seiner Seite unter anderem, „die Tatsache, dass wir in unserem Land mehr als 200 medizinische wissenschaftliche Gesellschaften haben, ist eine Verzerrung mit Verantwortung des Staates, eine Verzerrung von Seite des Staates ist die Tatsache, dass wir das einzige Land in Europa sind, wo die medizinischen Kongresse oder die Teilnahme der Ärzte nicht von den politischen und Staats- und staatlichen Trägern unterstützt wird, also nicht von den Krankenhäusern, den Universitäten unterstützt wird, dort, wo der Arzt arbeitet und wo er hauptsächlich seine Unterstützung finden müsste, um an Aktivitäten solcher Art teilzunehmen oder sie zu organisieren„.

Gesundheitsminister Andreas Lykourentzos betonte in einem schriftlichen Gruß an die Veranstaltung, „für die effizientere Bewältigung der bestehenden Probleme und – das Wichtigste – für die substantielle Anagenese des Gesundheitssystems ist der Abschluss einer ehrenhaften, ehrlichen und gegenseitig verbindlichen gesellschaftlichen Vereinbarung zwischen allen Partnern der medizinischen Community erforderlich„.

(Quelle: in.gr)

  1. Gustl
    21. Dezember 2012, 11:16 | #1

    Für die Schmiergelder kann man bestimmt die Komplette OP im Ausland durchführen lassen

  2. GR-Block
    21. Dezember 2012, 18:26 | #2

    Diesen Sommer hat meine Tante (78 Jahre, 500 € Rente) eine Hüftoperation im Krankenhaus in Giannitsa machen lassen. Sie hat in ihrem Leben noch nie Geld irgendeinem Arzt für Kassenleistungen gegeben. Die Verwandschaft war lediglich aufgefordert worden, soweit möglich 4 Liter Blut zu spenden, was in GR üblich ist bei Operationen. Das erspart staatlich organisierte Blutspendeaktionen.
    Ich hatte die Gelegenheit sie im Krankenhaus mehrfach zu besuchen. Trotz der furchtbaren Finanzlage der Krankenhäuser, war die Atmosphäre bei Ärzten und Schwestern immer freundlich. Obwohl das Personal seit vielen Monaten kein Gehalt gesehen hatte, hatte man die prekäre Lage niemals die Patienten spüren lassen. Schließlich kannte man sie oder deren Angehörige meist persönlich.
    Ich misstraue zunehmend den Aussagen der „IT“. Sie ist und bleibt eine bänker- und industrienahe Lobby, die oft nachprüfbare Daten ignoriert und stattdessen auf unternehmerisches Bauchgefühl (CPI) setzt. Ich rate jedem sich Daten bei der OECD herunterzuladen. Diese scheinen mir weniger tendenziös zu sein. Vermutlich weil hier europäischen Konzerne nicht das Monopol haben.

  3. Athanasios Papapostolou
    22. Dezember 2012, 12:56 | #3

    Mein Bruder war auf einer Krebsstation in Thessaloniki. Die dortigen Ärzte haben in der „Mittagspause“ geschlafen und weigerten sich ohne „Zusatzbezahlung“ ihre Arbeit zu machen. Das war in den 90er Jahren. Griechische Ärzte gehören für mich zum Bodensatz der griechischen Gesellschaft und sind zu 95% ein korruptes Pack.

  4. Maria P.
    22. Dezember 2012, 13:38 | #4

    @GR-Block
    Deine Tante hatte GLÜCK!!!!!!!!!!!!!!
    Meine Schwiegermutter hat eine Herzoperation, vor 30 Jahre, in Athen, machen müssen aber nicht bevor wir 5.000 DM hingelegt haben!

  5. GR-Block
    23. Dezember 2012, 04:50 | #5

    Die seltenen Male in denen ich selbst oder meine kleinen Kinder in griechischen Krankenhäusern, Gesundheitszentren versorgt wurden, war ausnahmslos frei von jeglicher Gebühr. Ähnliches berichten auch andere Verwandte. Bezahlen mußte man, wenn man mit den mageren Kassenleistungen nicht zufrieden war. Und die sind in GR wirklich sehr „kostenoptimiert“.
    Wer viel Geld verdient leistete sich schon früher besseren Service. Die Leute auf dem Land sind da meistens geizig. Auch spekulieren sie, dass der Arzt solche Zusatzeinnahmen nicht versteuern würde.
    Neuerdings bitten die Krankenhäuser, dass man Verbandsmaterial, Spritzen und ähnliches selbst in der Apotheke besorgt, weil davon nicht genug da sei.
    Die 95%-Schätzung könnte Athen und Thessaloniki betreffen. Ich halte sie allerdings für übertrieben.

  6. Tiflopontikas
    24. Dezember 2012, 13:36 | #6

    GR-Block :
    Ich misstraue zunehmend den Aussagen der “IT”. Sie ist und bleibt eine bänker- und industrienahe Lobby, die oft nachprüfbare Daten ignoriert und stattdessen auf unternehmerisches Bauchgefühl (CPI) setzt. Ich rate jedem sich Daten bei der OECD herunterzuladen. Diese scheinen mir weniger tendenziös zu sein. Vermutlich weil hier europäischen Konzerne nicht das Monopol haben.

    So so, die TI ist von einem deutschem geründet worden, der natürlich schon im Gründungsjahr 1993, kein anderes Ziel verfolgte, als den Staat Griechenland zu diffamieren. Die TI Deutschland hat ihre Spenden von Unternehmen auf 5.000 Euro jährlich begrenzt, um die eigene finanzielle Unabhängigkeit zu sichern.
    Statt Vermutungen zu verbreiten, wären Beweise für diese Behauptung zu nennen.
    Die OECD wird von den Entwicklungsländern beschuldigt, wegen ihrer begrenzten Ländermitgliedschaft, reiche Industrienationen zu bevorzugen.

  7. GR-Block
    25. Dezember 2012, 04:11 | #7

    @Tiflopontikas
    Danke für die Kritik.

    Das 1993 ist das Jahr der Gründung des Binnenmarktes und nebenbei einer deutschen Organisation der sog. TI. Interessanterweise hat schon von Beginn an sein Leiter, ein deutscher Bänker, an den OECD-Empfehlungen, neben Schmiergeldempfängern vor allem die -quellen zum versiegen zu bringen, vorbei gearbeitet. TI zeigt immer nur mit Fingern auf Länder in denen größeren Mengen von Schmiergeldern ankommen, ohne die bekannten Quellen auch nur zu erwähnen.

    Die Entwicklungsländer haben Recht. Die OECD ist ein Haufen kapitalistischer, ausbeuterischer Staaten. Deshalb gehören die großen europäischen Industriestaaten wie F, UK und D dazu. Nur dass sie dort nicht alleine bestimmen können, wie in der EU. OECD-Resolutionen brauchen auch die Zustimmung von Australien, Kanada… und vor allem die USA. Und die mögen die Vorherschaft der FUKG-Staaten nicht. Vor allem wenn sie dauernd Scherereien mit korrupten deutschen Konzernen im eigenen Lande haben. Das hat die USA übrigens veranlaßt innerhalb der OECD gegen diese vorzugehen.

  8. jgb
    17. Februar 2013, 22:11 | #8

    im jahr 2008 im august bin ich auf limnos mit herzrhythmus-störungen in das öffentliche krankenhaus gegegangen. sofortige aufnahme, ohne grosse formularien, ein kardiologe wurde sofort herbeigerufen (samstag nachmittag), von 16.00 bis 23.00 ständige betreuung, dauer-egk, 3 mal labor (verdacht auf herzinfarkt), sehr freundliche schwestern, meine besorgte frau durfte sogar im kranken mit übernachten. am nächsten tag entlassung auf eigenen wunsch. rechnung für alles € 73,87 !!!! mein kardiologe in d bestätigte, dass er nicht anders behandelt hätte wie der griechische kollege. also nicht immer alles nur schlechtreden !!!

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