Sparmaßnahmen in Griechenland treffen wieder die Schwächsten

7. November 2012 / Aufrufe: 1.811

Die größte Last der neuen Sparmaßnahmen in Griechenland haben wieder Rentner, Arbeitnehmer und allgemein die wirtschaftlich Schwachen zu tragen.

Am Montag (05 November 2012) wurde dem griechischen Parlament die 216 Seiten umfassende Multi-Gesetzesvorlage vorgelegt, die ein ungeheures Paket von Maßnahmen für die beiden Jahre 2013 – 2014 integriert, das besonders die Rentner und Arbeitnehmer treffen, große Umstürze bei den Arbeitsverhältnissen verursachen und neue Steuern für Immobilieneigentümer, Landwirte und Sparer bringen wird.

Die neue Multi-Gesetzesvorlage enthält Maßnahmen zur Einsparung von insgesamt rund 13,5 Mrd. Euro, wobei das Hauptvolumen innerhalb des Jahres 2013 zur Umsetzung kommt und es das schmerzhafteste Paket mit Maßnahmen und Reformen darstellt, welches das griechische Parlament seit der Eingliederung des Landes in den Mechanismus von Maastricht im Mai 2010 zu ratifizieren aufgerufen ist.

Abgesehen von den Umstürzen bei den Arbeitsverhältnissen mit den neuen Regelungen, welche die ganze Bandbreite der vorab geforderten Aktionen abdecken, welche die Troika als Voraussetzung gestellt hat, damit die Auszahlung der nächsten Rate der Hilfskredite voranschreitet, sind eine Reihe von Maßnahmen vorgesehen, welche speziell die sogenannten „sozial schwachen“ Schichten der griechischen Gesellschaft sehr schwer treffen werden.

Kürzungen bei Sonderbesoldungsordnungen und Renten

Große Kürzungen sind auf dem Sektor der Gehaltskosten der öffentlichen Bediensteten vorgesehen. Darunter befinden sich unter anderem Kürzungen bei den Bezügen der Sonderbesoldungsordnungen – analog zu der Kategorie – von 2% bis zu 35%, die Streichung der Zulagen für Weihnachten und Ostern und der Urlaubsgelder, die Aussetzung der Prämien für die Erreichung von Zielvorgaben, aber auch die neue „Arbeitsreserve“ für öffentliche Bedienstete, die praktisch einer Entlassung auf Raten gleichkommt, falls die Betroffenen zwischenzeitlich nicht das Pensionsalter erreichen.

Die größte Last der neuen Kürzungen stemmen jedoch die Rentner. Vorgesehen sind die Streichung der Zulagen für alle Rentner (also sogar auch für die hunderttausende Rentner des OGA, welche die Grundrente von knapp 350 Euro netto erhalten), aber auch die erneuten gestaffelten Kürzungen von 5% bis 15% für Beträge (Summe der Haupt- und Zusatzrente) von monatlich über 1.000 Euro. Parallel werden die derzeit für die Kinder geltenden zusätzlichen Steuerfreibeträge und andere Regelungen abgeschafft.

Weiter ist die – gegen den Widerstand der Troika wiederholt hinausgezögerten – Erhöhung der sachwertorientiert bestimmten Preise der Immobilien ab März 2013 vorgesehen, wie dies im übrigen bereits im Parlament auch Finanzminister Giorgos Stournaras angekündigt hatte.

Drastische Kürzungen werden auch auf dem Sektor der pharmazeutischen Aufwendung erwartet. Parallel werden in die Multi-Gesetzesvorlage Bestimmungen über die Rekapitalisierung der griechischen Banken integriert werden, während eine Reihe von Regelungen in Zusammenhang mit den Warenmärkten sowie insbesondere den geschlossenen Berufen forciert wird, zumal in diesem Bereich noch Interventionen seit dem ersten Memorandum anhängig sind.

Unter anderem werden die letzten Beschränkungen bei vielen Berufen aufgehoben werden, wie beispielsweise bei vereidigten Buchhaltern, Steuerberatern, Leiharbeitsfirmen, privaten Arbeitsberatungsbüros, Wirtschaftsmathematikern, Fremdenführern, Ladearbeitern, privaten Anbieter primärer Gesundheitsleistungen, Zollbeamten, privaten Kioske und Cafeterien in öffentlichen Lokalitäten, Reisebüros und privaten Schulen des primären und sekundären Bildungsbereichs.

Was die neue Multi-Gesetzesvorlage im Einzelnen bringt

  • Streichung von Weihnachts-, Oster- und Urlaubsgeld der öffentlichem Bediensteten.
  • Plafond von 1.900 Euro bei den Bezügen der Beschäftigten der öffentlichen Unternehmen (DEKO).
  • Gestaffelte Kürzungen bis zu 30% bei den Sonderbesoldungsordnungen, rückwirkend ab dem 1. August 2012.
  • Verlängerung bis 2016 der Regelung „1 Einstellung auf 5 Ausscheidungen“.
  • Streichung der Prämien für die Erreichung von Zielvorgaben.
  • Streichung von Weihnachts-, Oster- und Urlaubsgeld bei Haupt- und Zusatzrenten.
  • Anhebung des Renteneintrittsalters um 2 Jahre ab dem 1. Januar 2013, womit das reguläre Renteneintrittsalter von 65 auf 67 Jahre steigt.
  • Gestaffelte Kürzungen bei den Renten von monatlich über 1.000 Euro (Summe der Haupt- und Zusatzrente).
  • Kürzung bei den einmaligen Abfindungen.
  • Erhöhung der Versicherungsbeiträge auch für erstmalig vor 1993 Versicherte.
  • Substituierung aller Familienleistungen – Kindergelder durch eine einzige Leistung, unter Anlegung strenger Einkommens- und Vermögenskriterien.
  • Zahlung der Solidaritätszulage (EKAS) an bedürftige Rentner ab 2014 nur noch an jene, die das 65. Lebensjahr vollendet haben.
  • Senkung der Ankündigungszeit von Entlassungen zur Zahlung der halben Abfindung von 6 auf 4 Monate.
  • Plafond bei der Höhe der Abfindung entlassener Arbeitnehmer.
  • Neuer Modus der Berechnung des Mindestlohns ab April 2014.
  • Änderungen der Arbeitszeiten nach kollektiven Vereinbarungen.
  • Erhöhung der sachwertorientiert bestimmten Immobilienpreise ab März 2013.
  • Erhöhung der Steuer auf Sparguthaben von 10% auf 15% ab 2014.
  • Bestellung eines ständigen Sekretärs für Steuer- und Zollthemen.
  • Aufhebung der Einschränkungen, die noch bei geschlossenen Berufen bestehen.
  • Abschaffung der Anwaltspflicht bei etlichen notariellen Vorgängen.
  • Eingliederung aller Kassen in den EOPYY.
  • Einschränkung der Leistungen des EOPYY und Erhöhung der Kosten bzw. Selbstbeteiligung für die private Behandlung.
  • Erhöhung der Beiträge der Versicherten des OGA auf das Niveau der Mitglieder des EOPYY (Anmerkung: Eine Verdoppelung der Krankenversicherungsbeiträge ist bereits beschlossen worden).
  • Erhöhung der Fahrpreise bei den Verkehrsunternehmen OASA, OSE und TRAINOSE um wenigstens 25% im März 2013.
  • Schrittweise Erhöhung der Tarife der öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft (DEI) ab Anfang 2013.

(Quelle: Imerisia)

  1. muss sowas sein
    7. November 2012, 10:35 | #1

    Kann es gewillt sein, daß ein Land – mittlerweile einige Länder der EU – mutmaßlich ausgeblutet wird, durch immense Steuererhöhungen und Abgaben, auch neue die vorher gar nicht existierten? So – Länder gezwungen werden Verträge zu akzeptieren durch diese Zwangssteuern um sie irgendwann „ganz rechtens“ für sich einzunehmen?
    Man pickt sich die Rosinen raus, an Ländereien – Geschäftszweige – Bodenschätze, und läßt die Bevölkerung, die sich dagegen wehrt, im Regen stehen, ausgehungert und der Lebensgrundlagen beraubt, Jugendliche ohne Arbeit und wehe die Kriminalität steigt, dann greift wiederum „das Recht“ vehement durchzugreifen, um ja die Bevölkerung in Schach zu halten. Was passiert da ebenso ohne Rücksicht mit den Armen und Alten, das letzte Stückchen Land und Häuschen wird dann auch noch weggenommen.

    Das Verhalten der EU wundert mich doch sehr, lauter gescheite und studierte Leute, wie kann daraus so ein menschenverachtendes Ergebnis entstehen? Wer weiß … vielleicht eine Art neue Kriegsführung ohne Waffen die so hinterlistig an ihre Ziele kommen will? Und alles … ganz rechtens …

    Wohin sind die Gelder geflossen, die ja bei der Bevölkerung nicht wirklich angekommen sind – man nannte sie Hilfsgelder, für wen? Ist es legal und menschlich, für Schulden einstehen zu müssen, wo sich Bänker, Großgrundbesitzer und Andere die Taschen vollgestopft haben und die Kleinen dafür bluten lassen,
    wo Menschen ihr Leben lang gearbeitet haben und dann nicht mal das nötige Kleingeld besitzen um ausreichend versorgt zu sein.

    Wenn Bürger ihr Geld verzocken – dann haben sie Pech gehabt,
    wenn Banken ihr Geld verzocken, dann darf der Bürger dafür bezahlen, und auch wieder … alles ganz legal und ganz bestimmt ohne schlechtes Gewissen!

  2. GR-Block
    7. November 2012, 12:13 | #2

    Der Einsparungskatalog ist lang, betrifft aber, wie ich sehe, nur die Einkommen und Sozialleistungen. Hier wird das Problem vom Staat auf die Bürger umgewälzt. Damit ist es aber nicht aus der Welt. Es wird als Nebenwirkung natürlich den nochmaligen Einbruch der Binnenachfrage geben. D.h. die Steuereinnahmen werden weiter fallen und ein drittes „Hilfs-„Paket wird geschnürt. Der Verdacht, dass die Troika nur mit Lobbyisten von EU-Großunternehmern in Athen verhandelt, verstärkt sich.
    In diesem Zusammenhang würde ich auch gerne wissen, welche Unternehmen von den „Hilfs-„Paketen ihren Profit schlagen. Denn die vielgeschmähten Banken sind eigentlich nur das Zwischenlager für die Milliarden. Sie dienen quasi als Vernebelungs-Puffer zwischen Unternehmen und (EU-)Steuerzahlern.

    Gibt es denn auch eine Liste von Maßnahmen, die Staat+Volk wirklich entlasten. Welche staatlichen Einkäufe bei ausländischen Unternehmen wurden gekürzt. Wieviel konnte man einsparen, indem Strassen nur noch im kleinen Maßstab und von inländischen Firmen gebaut/repariert werden. Staatdessen, jetzt wo viele sich kein Auto mehr leisten wollen, die öffentlichen Verkehrsmittel (ÖVM) zu verteuern ist kontraproduktiv.
    Bei EWG-Eintritt war Griechenland mit 70% Nutzung das Öko-Paradis für ÖVM. Die spätere Aufhebung der Wirtschaftsgrenzen hat dies aber umgekehrt. D.h. durch den Import von Fahrzeugen wurden Gewinne und die Schaffung von Arbeitsplätzen im Ausland finanziert und mehr Straßen nötig. (Auto- und Verkehslobby)

    Wieviele Waffenimporte wurden storniert? (Waffenlobby)

    Wieviele der EU-Großunternehmen, die Aufträge nachweislich durch (importierte) Schmiergelder ergaunert hatten, haben die Aufträge zurückgeben müssen an ihre ausgestochene Konkurrenz unter den griechischen Unternehmern? (Akis-Tsochatzopoulos-Lobby)
    Das hätte der griechischen Privatwirtschaft die nötigen Mittel in die Kassen gespült, um Arbeitsplätze zu schaffen. Unternehmer und Arbeiter hätten zusätzliche Steuereinnahmen generiert.

    Es gibt Einsparungepotenzial in diesem Sektor, der ist vermutlich höher als bei den Bezügen von Rentnern. Deren Wählerstimmen, hat man aber naturgemäß nicht lange. Die EU-Schmiergelder dagegen, werden solange fließen, wie diese „Investitionen“ von den Lobbyisten und der Troika geschützt werden.

  3. Konstantin
    7. November 2012, 14:41 | #3

    Für einen Menschen der nicht in Griecheland lebt, liest es sich recht normal dass die ganzen Sonderzulagen gekürzt werden. Bedenkt man aber, dass bei geringen Gehältern, die zig mal gekürzt werden und bei der fehlenden Sozialen Absicherung, nun auch noch Zulagen wegfallen, ist es sehr bedenklich.
    Griechenland ist das Versuchskaninchen der EU geworden, es wird einfach solange experementiert bis das Fass überläuft.
    Der Ausverkauf hat schon begonnen und für die Käufer wurden Notarielle Abwicklungen vereinfacht und verbilligt.
    Was meinen Landsleuten da zugemutet wird, ist ein Unding für Griechenland, sowas kann man in reicheren Industrieländern machen in denen es Soziale-Absicherungen gibt, aber sicherlich nicht in einem Land wo die Menschen schon hungern, kaum noch Arbeit haben und wo es auch noch bei vielen an der Krankenversicherung mangelt. Das ist schier unmöglich und Menschenverachtend.

    Die Politiker dort sollten sich mal überlegen ob die ganzen Kredite die sie aufnehmen, überhaupt etwas bringen. Nur um Gläubiger zu bedienen kann man doch nicht das ganze Land in das Unglück stürzen und den Verkauf Griechenlands einleiten.

    Von der Logik her, müßten wir aus dem Euro raus um die Möglichkeit nutzen zu können, die Währung ab und auf zu werten. Ein Staatsbankrott wäre mir selbst lieber, wie ein ständiges Schuldenaufnehmen und die Bevölkerung auf ewig zu belasten. Solange das nicht passiert, kann es nicht besser werden.
    Solange ein Land den EURO hat, wird es behandelt wie ein Hoch-Industrieland.

    Offensichtlich für mich, wird versucht aus Griechenland ein billig Produktionsland zu machen.
    Ausländische Firmen werden sich dort niederlassen, nachdem sie sich für einen Spottpreis alles kaufen konnten und meine Landsleute als Billiglöhner einstellen.

    Kirie eleison

  4. tabascofan
    7. November 2012, 19:49 | #4

    Ich glaube nicht, dass ein souveräner Staat auf Druck von aussen reformiert werden kann. Deshalb ist in Griechenland unbedingt eine Volksbefragung erforderlich: Will die griechische Bevölkerung überhaupt im Euroraum bleiben – und damit die dazu erforderlichen Strukturreformen akzeptieren? Oder will sie das nicht?

  5. GR-Block
    7. November 2012, 19:54 | #5

    @ Konstantin
    „Offensichtlich für mich, wird versucht aus Griechenland ein billig Produktionsland zu machen.“
    Das könnte tatsächlich ein Ziel sein. Denn die Chinesen machen das nicht mehr lange mit. Sie wollen gleichberechtigte Partner werden.

  6. Kunibert
    7. November 2012, 20:43 | #6

    „Offensichtlich für mich, wird versucht aus Griechenland ein billig Produktionsland zu machen.
    Ausländische Firmen ( besonders Deutsche, danke Angie; Anm. v. mir ) werden sich dort niederlassen, nachdem sie sich für einen Spottpreis alles kaufen konnten und meine Landsleute als Billiglöhner einstellen.“

    Das unterschreibe ich so. Diesen Gedankengang habe ich ebenfalls und ich finde, diese Strategie der EU ist ein Angriff auf freie Bürger.

  7. gast
    7. November 2012, 22:36 | #7

    Liebe griechische „Normalos“
    jagt die Troika und Eure Politiker endlich dahin wo sie hin gehören, in den K……

  8. GR-Block
    8. November 2012, 01:23 | #8

    Ich glaube auch nicht, dass äußerer Druck nützlich ist. Denn jeder der sich einmischt hat naturgemäß Eigeninteressen. Die Troika beweist es.
    Die Frage, ob die Griechen im EURO bleiben wollen, kommt jetzt allerdings zu spät. Sie wurde seit der Einführung 2002 dort intensiv diskutiert, weil man täglich Nachteile sah. Die Politik wiegelte ab und verwies auf den enormen gemeinsamen Markt und seine Möglichkeiten. Als die Krise und die falschen Zahlen der Politik offenkundig wurden, war die EURO-Skepsis hoch. Es wurde nostalgisch über die Drachme gesprochen. Aber allein die Tatsache, dass ihre Wähler auch nur darüber diskutierten, alarmierte die Politiker in Athen und Brüssel.

    Im ersten Jahr hieß es noch „wir lassen euch nicht fallen, ihr braucht nicht zurück zur Drachme das wäre ja für euch eine Katastrophe“.

    Im zweiten Jahr hieß es „ihr dürft nicht raus, das wäre eine Katastrophe für die EU“. Die anberaumte Volksabstimmung wurde mit der Demontage des gewählten Ministerpresidenten verhindert. Ein nicht gewählter EU-Bänker wurde eingesetzt. Seine Aufgabe, den Weg der Banken zu gehen, wurde schnell durchgepeitscht. Das erste Memorandum wurde somit von einem Brüsseler zu Lasten des demonstrierenden Volkes und in seinem Namen unterzeichnet. (Schande über PASOK und ND)

    Um die „Vertäge“ zu sichern, drohten im dritten Jahr der Wahl die Brüsseler offen „wenn ihr die Falschen wählt machen wir euch platt.“ Das tat seine Wirkung, so dass heute die Schuldigen mit EU-Hilfe weiterregieren und der Schuldenberg nochmal kräftig erhöht wurde. Gleichzeitig wird die griechische Arbeitskraft billiger gemacht. Die Griechen wissen nicht mehr, was und wem sie glauben sollen. Sie haben im eigenen Parlament keine nennenswerte Lobby mehr.

    Jedensfalls ist die Kürzung von Einkommen keine Strukturänderung. Das ist eine Falschdarstellung. Eine Strukturänderung generiert Arbeitsplätze, verdrängt Konkurrenten aus dem Markt und verkriecht sich nicht in Nischenmärkten. Korruption anzuprangern und dabei das Volk zu denunzieren, ist dreist. An der hier relevanten Korruption sind fast auschließlich Industrien aus den EU-Großmächten und korrupte Amtsträger in Athen beteiligt. Die EU muss ihre Hausaufgaben machen und diese Ströme von Bestechungsgeldern stoppen. Dafür müssen die Griechen Vorschläge für radikale Strukturänderungen in der EU verlangen. Dann erst werden die Maßnahmen in GR greifen.

  9. of-pete
    8. November 2012, 06:20 | #9

    @kunibert: Nicht nur auf freie Bürger sondern generell auf die Stabilität der Gesellschaften in der EU.
    Ziel des „Feldversuchs Griechenland“ ist es nicht nur, aus Griechenland eine Nation von Billigst-Lohn-Sklaven auf dem Altar der Wettbewerbsfähigkeit zu machen. Der Plan berücksichtigt klar auch die weiteren Kettenwirkung durch das übrige Europa. Wer Lohnniveau, Arbeitsbedingungen und Sozialstaatlichkeit bewußt in solchem MAß reduzieren läßt, tut dies mit dem sicheren Wissen, dass damit auch überall anders der Druck zu gleihen Maßnahmen wächst.
    Griechenland ist nur die Laborrate, an der man ausprobiert, wie hoch die tödliche Dosis ist…seltsam, dass diese noch immer nicht erreicht ist. RESIST!

  10. Stavros
    8. November 2012, 08:05 | #10

    @ muss sowas sein
    Ja das ist besonders schlimm!! Leider bleiben die Griechen sitzen und lassen alles über sich ergehen!!!

  11. Roditisa
    8. November 2012, 11:22 | #11

    @ GR-Block
    Vielen Dank für diesen sachlichen und gut durchdachten Kommentar.

  12. Reinhilde
    8. November 2012, 13:26 | #12

    Ich bereise dieses schöne Land mit seinen gastfreundlichen, zuvorkommenden und hilfsbereiten Menschen nunmehr seit 25 Jahren. Ich finde einfach schlimm was diese “EU” unter Führung der ehemaligen FDJ Sekräterin Merkel mit diesem Land macht. Sicherlich lief in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten nicht alles korrekt. Aber dies ist alles kein Grund demokratische Grundrechte ausser Kraft zu setzen. “Abtrünnige” Abgeordnete die diesem sog. Sparprogramm nicht zustimmten wurden sofort ausgeschlossen. Unglaublich. So sieht also die Demokratie nach Willen der “EU” aus. Es wird einem Angst und bange.
    Dass vor allem die einfache Bevölkerung in den den Länder Südeuropas mit Einführung dieser Retortenwährung nicht klarkommen hätte eigentlich jedem klar sein müssen. Jeder normal denkende Mensch hat erkennen können dass diese Währung schlichtweg Betrug an der Bevölkerung ist. Nicht nur in GR sondern auch in Deutschland. Aber die völlig abgehobene politische Klasse will das “vereinigte Europa” – koste es was es wolle…….Um dies zu erreichen, wird die Demokratie abgeschafft, Völker gegeneinander aufgehetzt und in Kauf genommen dass ganze Bevölkerungsteile verarmen.

    Aber eines können diese Deppen nicht nehmen:

    Meine Vorfreude auf den nächsten Aufenthalt in HELLAS!!!!!

  13. Dirk
    8. November 2012, 13:35 | #13

    Bei allem Frust, sind das nicht unpassende Verschwörungstheorien?
    GR ist bevölkerungsmäßig viel zu klein, um es als Billig-Produktionsstätte interessant zu sein…
    Dafür ist die Welt zu gross und billige Arbeitskräfte gibt es weltweit.

    Offensichtlich wird wirklich jede Strukturreform / -änderung als ein persönlicher Angriff auf das griechische Volk gesehen.
    Immer weiter wie bisher? Klappt nicht, sorry

  14. Heinz
    8. November 2012, 16:29 | #14

    @ Kunibert

    Nun, das hört sich zwar gut an, vor allem für diejenigen, welche sowieso noch ein Hühnchen zu rupfen haben mit den Deutschen.
    Nur: Ich weiß, dass deutsche Firmen wenig bis kein Interesse haben, sich in GR einzukaufen. Vielleicht im Handelsbereich, wo sich die Franzosen gerade zurück zogen. Aber das wird derzeit noch durch gerechnet.
    Achten Sie lieber mal auf die Chinesen und Russen. Die auch schon im Lande sind. Die allerdings haben noch ganz andere Vorstellungen als die „Kapitalisten“ aus dem Westen. Ich wünsche Ihnen diese „Investoren“ nicht.

  15. Frank
    8. November 2012, 17:40 | #15

    Also dafür, dass Griechenland so gut wie pleite ist und derzeit ohne Geldspenden von außen nicht lebensfähig ist, finde ich die Kürzungen nicht sehr dramatisch. Z.B. Kürzungen von 5-15% für Renten über 1000 Euro hört sich für mich nicht so dramatisch an und extra Rente zu Weihnachten und Ostern sind ja eh ein Witz, die gibts in anderen Ländern auch nicht.

    Wenn man Nachrichten schaut könnte man denken, jeder in Griechenland müsste jetzt am Hungertuch nagen. Aber eine Kürzung der Rente z.B. von 1500 Euro auf ca. 1300 Euro klingt für mich immer noch recht komfortabel.

  16. GR-Block
    8. November 2012, 21:10 | #16

    @ Dirk
    GR hat einen sehr hohen Anteil von Akademikern (mehr als in D). Diese arbeiten jetzt schon mit Gehältern von Ungelernter. Wir (D) legen zurzeit „Förderprogramme“ auf, um diese schlechtbezahlte Elite zu uns zu holen. Ärzte, Wissenschaftler, Erzieher, Krankenschwester… Alle diese Berufsausbildungen brauchen wir nicht zu bezahlen. Durch unsere Tropika bekommen wir sie frei Haus.
    GR ist nicht zu klein. GR ist in PT, ES und IT.

  17. GR-Block
    8. November 2012, 21:29 | #17

    @ Heinz
    Die deutsche Vulkan-Werft hatte sich in der Vergangenheit darum gerissen, mittels deutscher Milliardensubventionen griechische Werften zu mobben und aufzukaufen. Danach machten sie alles zu und investierten in China. Die deutsche Telekom hat alles daran gesetzt den OTE zu übernehmen. Warum? Weil OTE ein florierendes Staatsunternehmen war, dass sehr erfolgreich auf dem Balkan investiert hat. Jetzt gehört der Balkan der Telekom. Bestimmt wird sie demnächst drohen GR zu verlassen und den Balkan mitnehmen, wenn nicht Athen subventioniert.
    Das lukrative gr. EEG lockt ausländische PV-Park und Wind-Park Betreiber. Wie lange GR diese Subventionen durchhält, weiß keiner. Wir in D haben diese längst geruntergefahren. Die Troika empfiehlt GR weiter zu machen, weil ja marode deutsche PV-Hersteller ihre Lagerbestände verkaufen wollen, bevor sie auch schließen um nach China zu gehen.
    Nach und nach verabschieden sich gr. Indutrielle und überlassen die Privatwirtschaft den 3 großen Europäern. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern traurige Wahrheit.

  18. γιαούρτι γιαουρτάκι
    8. November 2012, 22:18 | #18

    @ Dirk
    Und wozu werden dann wohl für Bonzen steuerfreie Freihandelszonen ins Gespräch gebracht? Sweatshops funktionieren auch in kleinen Einheiten und in Fabriken brauchen eh nur noch Roboter Bediener.

  19. γιαούρτι γιαουρτάκι
    8. November 2012, 22:27 | #19

    @ Frank
    Dumm nur, dass die Durchschnittsrente letztes Jahr 600 € betrug.

    Vom Griechischen Verband der Sozialpolitikorganisationen:

    Im jahr 2011 hat GR ungefähr 21 Mrd. € für Renten / Pensionen ausgezahlt, für ca. 2,5 Millionen Rentner / Pensionäre

    Im Jahr 2009 (jetzt erheblich niedriger)
    Für alle Rentner / Pensionäre, ausgenommen der Landwirte:
    bis 450 €: 31%
    450-600 €: 29%
    600-750 €: 12%
    750-1000 €: 12%
    über 1000 €: 14%

    bei Landwirten:
    bis 400 €: 59%
    400-500 €: 29%
    500-600 €: 10%
    über 600 €: 3%

  20. Roland
    9. November 2012, 09:17 | #20

    Der Schwindel mit den angeblichen „Hilfs“-Zahlungen läuft so:
    Die letzte Rate von 5,4 Mrd EUR kam auf ein Sperrkonto, von dem dann 5,3 Mrd. EUR oder 98% !! an die Anleihegläubiger transferiert wurden für Zins- und Tilgung.
    Den Griechen selbst wurde also nur die „Wurst“ vor die Nase gehalten, um sie sofort wieder zu entziehen.
    Bei der anstehenden Zahlung von ca. 31 Mrd. EUR wieder auf ein Sperrkonto wird das Verfahren sogar noch verschärft. Der griechischen Regierung wird die Vollmacht über dieses Sperrkonto entzogen, sodass nur noch die Troika selbst diese Gelder an die Anleihegläubiger weiterreichen kann.
    Die Gläubiger werden also herausgekauft und nichts anderes geschieht Die Steuerzahler u.a. Deutschlands sind aber ab sofort die neuen Gläubiger für uneinbringbare Forderungen.

    Griechenland sollte sofort aus dem EURO raus und einen Schuldenschnitt erklären, bevor wir als Steuerzahler für das Kapital bluten müssen.

  21. Konstantin
    9. November 2012, 16:36 | #21

    Dirk :Bei allem Frust, sind das nicht unpassende Verschwörungstheorien? GR ist bevölkerungsmäßig viel zu klein, um es als Billig-Produktionsstätte interessant zu sein… Dafür ist die Welt zu gross und billige Arbeitskräfte gibt es weltweit.Offensichtlich wird wirklich jede Strukturreform / -änderung als ein persönlicher Angriff auf das griechische Volk gesehen. Immer weiter wie bisher? Klappt nicht, sorry

    Hallo Dirk,

    Immer weiter bis her, nein sicher nicht. Doch die Einwohnerzahl Griechenlands, hat nichts damit zu tun, dass es als Billigproduktionsland, umfunktioniert wird. Alles spricht derzeit dafür. Was noch zu kippen ist, die Macht der Gewerkschaften.

    Ein wenig muß man sich in Griechenland auskennen um weiter zu denken.
    Wenn ich mich nicht irre, fing es mit dem alten Karamlis an, dass Fabriken und Firmen viele Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden. Eigene Industrien in Griechenland, wurden von eigenen Politikern durch Auflagen und Besteuerungen zerstört. Der Mark für das Ausland wurde damit eröffnet. Die Bestechungsgelder flossen sicherlich reichlich.
    Der Staat selbst kaufte Fabriken auf und beschäftigte da Verwandschaft und Bekanntschaft zu doppelten Bezügen.
    Die Importe mehrten sich und die Innlandsproduktion sank.
    Griechenland als Billiglohnland würde insbesondere Deutschland dazu verhelfen, Produktion und Fertigung dahin zu verlegen. Wird doch auch gerade Deutschland immer mehr zum Billigproduktionsland umgewandelt, wenn ich mir so die ganzen Zeitarbeiter ansehe mit ihren Lohn der oft noch mit Sozialhilfe oder anderen Staatlichen Hilfen aufgestockt werden muß. Von den Leuten die vom Staat dazu gezwungen wurden für einen Euro die Stunde zu arbeiten, garnicht zu reden.
    Werften, Landwirtschaft und alle damit verbundenen Produkte, eventuell noch Industriebereiche wo die Auflagen in Griechenland geringer sind, als in Deutschland, was Kosten spart. Und so weiter.
    Dann gibt es noch Edelmetalle bis hin zu Gold, Öl und viele andere Bodenschätze.

    Die Politiker in Griechenland sind bekannt dafür, eher Rechte zu verkaufen, anstatt selbst zu produzieren oder den Firmen in Griechenland dazu zu verhelfen.

    Griechenland bietet ein unendliches Potential Geld zu verdienen, wenn es den Firmen auch ermöglicht wird und wenn die Hilfen auch an die richtigen Personen vergeben würden.

    Unter diesen Vorraussetzungen, ist es sicherlich hilfreich für z.B. Deutschland, wenn das Lohn- und Arbeitsrechtliche Niveau sinkt.

  22. tabascofan
    9. November 2012, 17:52 | #22

    Die Globalisierung hat, ob es uns nun gefällt oder nicht, den verschärften und weltweiten (!) Wettbewerb eingeführt. Jedes Land steht inzwischen in Konkurrenz zu den Billigproduzierern von China bis Bangladesh. Auch in Deutschland hat das viele traditionelle Branchen vernichtet. Wir wollen eben alle gut verdienen aber billig einkaufen. Daran wird sich nichts mehr ändern, man kann nur die Konsequenzen daraus ziehen. Kein EU-Land wird seine Zukunft in der Billigproduktion finden, nicht mal Rumänien oder Bulgarien.
    Immer an die Dinosaurier denken: Wer nicht lernt, sich rechtzeitig anzupassen, hat keine Zukunft.

  23. 9. November 2012, 19:36 | #23

    @ of-pete
    Es ist richtig, dass Griechenland ein Feldversuch ist um die Übernahme und dauerhafte Kontrolle Europas durch die Hochfinanz via ESM auszuloten. Nicht die Deutschen sind die Gegner der Griechen, sondern die deutschen und griechischen Spitzenpolitiker, die mit der Internationalen Hochfinanz paktieren um die endlose Plünderung aller europäischer Völker zu ermöglichen: Alle freien Bürger Europas werden die Opfer sein! Durch das Abrechnungssystem Target-2 werden alle grenzüberschreitenden innereuropäischen Transaktionen saldiert. Würde Griechenland ausscheiden, würde dieses System und damit die Eurozone zusammenbrechen. Nur deshalb wird Griechenland um jeden Preis im Euroverbund gehalten. Denn mit dem Zusammenbruch der Eurozone würde Geld und Macht der Hochfinanz verbrennen und das herrschende Polit-Syndikat vernichtet. Es geht nicht um den Euro, es geht um den Erhalt der alteingesessenen politischen Klasse, die sich über alle europäischen Grenzen hinweg an der Macht halten will. Glückliche Schweden, Tschechen und Engländer, die sich dem Euro verweigern. Auch die Griechischen Bürger werden ihr Land und ihre Freiheit nur zurückgewinnen, wenn Sie den Euro über Bord werfen. Was wäre so schlecht an der Wiedereinführung der Drachme? Den Euro gibt es seit 10, die Drachme seit über 2500 Jahren!

  24. Heinz
    11. November 2012, 14:18 | #24

    @ Stop-ESM

    Naja, gerade England als glückliches Land dar zu stellen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Das hat schon was, wenn gerade das Land mit den schlechtesten sozialen Standards in Europa als glücklich dar gestellt wird. Und noch fragwürdiger wird es dann, wenn im Beitrag heftigst gegen die Hochfinanz gewettert wird, die dann ja gerade in England sitzt und von der dortigen politischen Elite mit Zähnen und Klauen verteidigt wird. Wer ist denn vehement gegen die Einführung der Transaktionssteuer?
    Fragen Sie mal den Durchschnittsengländer nach seinem Glückszustand.

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