Heilige Steuerhinterziehung in Griechenland

20. November 2012 / Aufrufe: 1.057

In Griechenland gerieten zum wiederholten Mal hohe Amtsträger und Geistliche der griechischen Kirche in das Visier der Steuerfahnder.

Zur selben Stunde, wo Erzbischof Hieronymus wegen der aus Geldmangel drohenden Entlassung zahlreicher Bediensteter die Alarmglocke schlägt, und nach der Enthüllung, dass ein Geistlicher mit einem Bankguthaben in Höhe von 3 Millionen Euro ausfindig gemacht wurde, stieß die Sondereinheit für Wirtschaftsverbrechen (SDOE) in zwei Erzbistümern auf neue Fälle von Steuerhinterziehung.

Das Vermögen dieser Bistümer umfasst Immobilien im Gebiet von Attika und hunderte Hektar Land in verschiedenen Gebieten des Landes, Obligationen, Beteiligungen an Investmentfonds und Aktien im Wert von dutzenden Millionen Euro. Ein Stab der SDOE führt derzeit eine penible Überprüfung der Bankkonten zweier Prälaten durch, da sich aus den ersten Daten zeigt, dass Guthaben existieren, welche 5 Millionen Euro übersteigen und bisher nicht gerechtfertigt werden können.

Geistlicher entrichtete umgehend Geldstrafe in Höhe von 1,1 Mio. Euro

Es wird sogar angemerkt, dass noch vor Weiterleitung der Sache an die Staatsanwaltschaft in den kommenden Tagen die Vorladung zweier Erzbischöfe zur Abgabe von Erklärungen erwartet wird. Laut der Zeitung „Dimokratia“ beeindruckte die zuständigen Behörden am meisten die unverzügliche Entrichtung einer Geldstrafe durch einen Geistlichen, die gegen ihn verhängt worden war und sich auf 1.100.000 Euro belief.

Die Tatsache, dass sich ein Bürger – und zwar speziell ein Geistlicher – mit einem dermaßen großen Vermögen fand, erweckte noch größeres Verdachtsmomente. Der konkrete Zug führte in Kombination mit der SDOE vorliegenden Meldungen die Prüfer dahin, zu untersuchen, inwieweit der in Rede stehende Geistliche mit dem Ziel agierte, Spuren zu verwischen, damit nicht die „großen Fische“ an die Oberfläche kommen – also ob er Empfänger eines ungeheuren Geldbetrags war, der jedoch jemand anderem gehörte.

Ein zusätzlicher und entsprechend bewerteter Fakt ist, dass die Gemeinde des Geistlichen mit den 3.000.000 Euro im Erzbistum eines der beiden Erzbischöfe liegt, die derzeit überprüft werden und bezüglich derer es Informationen über eine „merkwürdige“ Finanzverwaltung gab. Somit können die zuständigen Behörden Angaben über die Bankkonten der beiden Erzbischöfe, aber auch mit diesen verwandter Personen anfordern.

Es knirscht im Gebälk der griechischen Kirche …

Die Nachricht hat im Inneren der Griechischen Kirche „Knirschen“ verursacht. Laut kirchlichen Portalen und Menschen, denen Personen und Umstände aus der Nähe bekannt sind, haben die Telefone der Erzbischöfe zu „glühen“ begonnen. Manche (Anrufer) zeigen sich über das Ausmaß, welche die Untersuchung der SDOE annehmen wird, und gleichzeitig über die chronologischen Umstände des wiederholten Durchsickerns von Informationen beunruhigt, die mit Personen der Kirche in Zusammenhang stehen.

Andere wiederum scheinen sich zu fragen, wie manche ihrer Brüder – Prälaten es fertigbrachten, dermaßen signifikante Geldbeträge zusammenzutragen. Viele erachten jedenfalls, die Hierarchie sei verpflichtet, den Abschluss der Untersuchung abzuwarten, damit festgestellt wird, ob die Informationen der zuständigen Behörden eine Basis haben.

Gleichzeitig geraten auch wieder die in den letzten Monaten in den Gängen des Palasts der Synode kursierenden Informationen in den Mittelpunkt der Diskussionen, in denen von einer Liste mit Namen von mehr als zehn Prälaten der Griechischen Kirche die Rede war, welche angeblich diverse Bankkonten in Griechenland und im Ausland mit hohen Guthaben in Euro und anderen Währungen unterhalten.

(Quelle: Zougla.gr)

  1. Ariadne
    20. November 2012, 16:04 | #1

    Wen wundert’s? – Kirche bleibt Kirche. Egal, wie sie alle heissen.

  2. Heinz
    20. November 2012, 16:40 | #2

    Es hätte mich doch gewundert, wäre es bei dieser Kirche anders gewesen, als z.B. der katholischen, die ja auch gerne nimmt und sehr viel weniger gibt.

    Ich werde wohl nie verstehen, weshalb geistliche Würdenträger so handeln, wie sie handeln. Die tragen zwar viele Bücher wie die Bibel durch die Gegend, haben die Inhalte aber nicht begriffen. Wie sonst würden so viele Freveltaten auf der ganzen Welt möglich sein. Es ist zum Fremdschämen.

  3. Frank
    21. November 2012, 02:01 | #3

    Scheinheiligkeit ist halt die größte aller Heiligkeiten. Wird sich auch wohl in Zukunft nicht ändern.

  4. GR-Block
    21. November 2012, 11:41 | #4

    Man darf gespannt sein, ob irgend ein Würdenträger „rasiert“ wird, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind. Der Verdacht, dass solche Herren als Geldwäscher für andere („große Fische“) agieren, erinnert an die Flick-Affäre (Wikipedia) in den ’70.
    Damals hatte das Kirchenunternehmen Soverdia 25 Millionen Schmiergelder des Flickkonzern gewaschen. Diese Gelder gingen dann an Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien, außer den Neulingen DIE GRÜNEN. Der Grüne Rechtsanwalt Otto Schily nutzte die Gelegenheit und klagte im entsprechenden Untersuchungsausschuss die 4 anderen Parteien an und ging in einem Strafprozess gegen Helmut Kohl vor („Black-out“).
    Otto Schily erwarb damit soviele Lohrbeeren, dass er danach in der SPD so richtig Karriere machte.
    Wer weiß, vielleicht befindet sich SYRIZA in einer ähnlichen Situation. Kirche, Politik, Korruption der alten Parteien , eine neue Partei…. Alle Komponen sind da. Fehlt nur noch ein griechischer Otto Schily.

  5. V99 %
    21. November 2012, 12:50 | #5

    Ich verstehe die SDOE nicht. Dass bei den (Schein~) Heiligen was zu holen ist, ist doch offensichtlich. Spaetestens nach dem Vatopedi Skandal des Manager-Moenches Ephraim sollte dieser Verdacht doch mehr als klar sein. Kirche und Staat gehoeren getrennt, so wie es vor 2000 Jahren mal war.

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