Griechenland muss Krankenhausgebühr einführen

8. November 2012 / Aktualisiert: 03. Juli 2013 / Aufrufe: 785

Die Bestimmungen des neuen Memorandums sehen die Erhebung einer Gebühr in Höhe von 25 Euro für die Einweisung in ein öffentlichen Krankenhauses in Griechenland vor.

In dem Tsunami der Kürzungen, welche das neue Memorandum vorsieht, sind auch zwei neue Abzocken der Versicherten enthalten, jedoch mit Wirkung ab dem 01/01/2014. Ab diesem Datum „wird die von Seite der Patienten zu Gunsten des EOPYY erfolgende Zahlung des Betrags von einem Euro für jedes von dem jeweiligen Apotheker ausgeführte Rezept sowie auch die Entrichtung des Betrags von 25 Euro für die Einweisung und Behandlung in einem Krankenhaus des nationalen Gesundheitssystems (ESY) festgesetzt„.

Diese Maßnahme rief heftige Gegenreaktionen hervor, wobei die Ärztekammer von Scham und Schande spricht und die Beschuldigung erhebt, die Versicherten würden wie „finanzielle Lasttiere“ behandelt. „Die Versicherten werden bestraft, indem sie jedes Mal, wo sie ein Medikament erhalten oder in einem öffentlichen Krankenhaus behandelt werden, in die Tasche greifen„, führt die Ärztekammer Athen (ISA) in eine Bekanntmachung an.

Gebühren und Selbstbeteiligungen führen zur 2-Klassen-Gesundheit

Wir werden zu Patienten zweier Klassen geführt, nämlich jener, die zahlen können um ihre Medikamente einzunehmen oder in ein Krankenhaus zu gehen, und der übrigen, die fortan verurteilt sind„, erklärt der Präsident der ISA und betont, dass einem noch ernsthafteren Problem die an chronischen Leiden Erkrankten und die Rentner begegnen werden „… die gezwungen sind, viele Medikamente einzunehmen um ihre Gesundheit zu erhalten„.

In einem Versuch der Beschwichtigung unterstrichen Quellen des Gesundheitsministeriums, die Maßnahme werde möglicherweise nicht umgesetzt werden, wenn die Regierung 2013 ihre Zielvorgaben erreichen wird. Allerdings ist allein der Umstand, bei Memorandum Nr. 3 angelangt zu sein, ein Indiz für den Grad der Erfüllung der Ziele. Die genaue Formulierung im mittelfristigen Rahmenprogramm lautet:

Ab dem 01.01.2014 wird die von Seite der Patienten zu Gunsten des EOPYY erfolgende Zahlung des Betrags von einem (1) Euro pro von dem jeweiligen Apotheker ausgeführtes Rezept sowie auch die Entrichtung des Betrags von fünfundzwanzig (25) Euro für die Einweisung und Behandlung in einem Krankenhaus der ESY festgesetzt. Mit dem gemeinsamen Ministerialbeschluss der Minister für Finanzen, Arbeit, Sozialversicherung und Fürsorge und Gesundheit werden die Kriterien, die Einzelheiten, die Verfahren sowie auch das Niveau der Anwendung der gegenwärtigen Bestimmung bestimmt und kann die Höhe der von Seite der Patienten entrichteten Beträge revidiert werden.

Ergänzend sei angemerkt, dass für die Behandlung in den Ambulanzen die obligatorische Praxisgebühr bereits seit einem Jahr auf 5 Euro pro Besuch angehoben wurde und mit dem neuen Paket der Sparmaßnahmen 2013 – 2014 zum Teil enorme weitere Erhöhungen der geltenden Selbstbeteiligungen gesetzlich versicherter Patienten für Medikamente, Behandlungen, Laboruntersuchungen, Klinikaufenthalte usw. bis hin zur völligen Streichung diverser Kassenleistungen vorgesehen sind.

(Quelle: in.gr)

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  1. GR-Block
    8. November 2012, 11:04 | #1

    Das ist eine harte Maßnahme. 25€ sind soviel Wert wie bei uns 100€.

  2. f96
    8. November 2012, 13:08 | #2

    Gibt es überhaupt etwas gegen das in Griechenland nicht negativ gestimmt wird. Wie soll aus diesem Land was werden. Man sollte dem Wunsch der Griechen entsprechen und die Spamaßnahmen zurücknehmen und dafür die Griechen aus dem Euro entlassen. Wenn man in Griechenland glaubt, dass es dem Volk dann besser geht – bitte.
    Durch die Streiks ist das Land sowieso schon kaputt. Nur den Gewerkschafts-Funtionären
    wird es weiterhin gut gehen. Denen ist sind nicht die Leute wichtig sondern nur ihr eigenes
    Konto. (ob die Konten der Damen und Herren überhaupt in Griechenland sind oder auch schon im Ausland)?

  3. Catalina
    8. November 2012, 19:44 | #3

    f96, ich glaube, du weißt überhaupt nicht, was momentan in Griechenland los ist. Es sind doch schon längst keine auferzwungenen Sparmaßnahmen mehr. Wir sollen ausgeblutet, zerschlagen, ausgelöscht oder sonst was werden. Das fängt bei den irrsinnigen „Sparvorschlägen“ der Troika an, wie „Entvölkerung von Inseln“, um Ausgaben und Infrastruktur zu sparen, geht über die Einmischung in die Gehaltspolitik privater (!) Firmen weiter und hört bei den 25 Euro Eintrittsgebühr für’s Krankenhaus noch längst nicht auf. Für eine Person bzw. eine Familie, die nur noch über ein Monatsgehalt von 400 Euro verfügt, sind 25 € sehr, sehr viel Geld!

  4. GR-Block
    9. November 2012, 12:34 | #4

    @ f96
    Jetzt nicht zu Demonstrieren, wäre unverzeihlig. In GR gibt es offenkundig eine Diskrepanz zwischen dem Willen des Volkes und dem der EU-gestützten athener Politik.
    Normalerweise halten Hellenen ne Menge aus. Sie erhalten bei vergleichbaren Kosten, nur halb soviel Einkommen wie wir. Ein Vergleich mit Osteuropa hinkt. Die haben unsere Preise noch nicht. Griechen geben für Auslandsreisen fast gar nichts aus. Sie geben für Autos nur halb soviel aus wie wir. Sie essen allerdings besser (sie kennen kaum Betriebskantinen). Große Industrien mit gutbezahlten Arbeitsplätzen gibt es wenig. Hier haben die Staatsbetriebe ihre nationale Aufgabe. Jeder dritte Grieche arbeitet selbständig. Bauer, Fischer, Kioskbesitzer, Handwerker, Rechtsanwalt, Arzt…Da hatte jeder sein Auskommen. Dagegen erscheint ihnen der deutsche Sozialstaat wie der reinste Sozialismus, die Subventionspolitik wie Staatskapitalismus.
    Seit den großen Schmiergeldwellen der Neunziger und Zweitausender sind lukrative Staatsaufträge ins Ausland vergeben worden. Die Selbständigen verlieren immer mehr an (griechischem) Boden gegen Großkonzerne. Die aber produzieren zum Teil im Ausland. Damit fehlen dem Staat wetvolle Steuereinnahmen.

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