Thomsen gesteht Fehler der Troika in Griechenland ein

17. Oktober 2012 / Aktualisiert: 26. September 2017 / Aufrufe: 920

Der Leiter der Troika in Griechenland gestand vor ausländischen Journalisten ein, in Griechenland seien Fehler begangen worden.

Griechenland hat einen Fortschritt verzeichnet, was die Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit betrifft, jedoch schulde ich einzugestehen, dass es auf falsche Weise erfolgte„, soll Poul Thomsen bei der geheimen Begegnung im „Hilton“, der „Festung“ gesagt haben, die er als seine Wohnung in Athen und den Ort seiner „Beichte“ gegenüber Vertretern der ausländischen Press bezüglich seiner Handhabungen in Griechenland gewählt hat.

Laut der Zeitung „Vima tis Kyriakis“ ließ er in seinem ehrlichen Eingeständnis nicht aus, auch den griechischen Premierminister zu kommentieren und anzumerken, dass er in der diplomatischen Forcierung des griechischen Themas erfolgreich war, jedoch niemand ein weiteres Programm haben will, das sich außerhalb seiner Bahn bewegt.

Die schnelle volkswirtschaftliche Angleichung war ein Fehler

Ebenfalls erklärte Herr Thomsen laut „Vima tis Kyriakis“, „wir haben den halben Weg zurückgelegt und die Löhne gekürzt, und es mussten Änderungen auf dem Arbeitsmarkt geschehen, die Märkte und geschlossenen Berufsgruppen geöffnet werden„. Weiter äußerte er, die schnelle volkswirtschaftliche Angleichung sei möglicherweise ein Fehler, da sie zu einer tieferen Rezession führte, und betonte: „Der Grundfehler ist, dass wir uns im fünften Jahr der Rezession befinden und weiterhin eine positive Inflation haben. Und dies schafft eine ungleiche Lastverteilung.

Bezüglich der Frage, wie lange er noch in Athen zu bleiben hat, damit das Paket zum Abschluss kommt, erachtete Herr Thomsen, gefragt worden zu sein, wann er Griechenland verlassen wird, und äußerte, dass ihn in diesem Fall bald jemand ersetzen wird.

Laut dem in Rede stehenden Artikel sprach Thomsen zuerst davon, dass der Eindruck aufgelöst werden müsse, die Troika würde auf harte Maßnahmen drängen und hinsichtlich deren Umsetzung der griechischen Regierung nicht zu vertrauen. Er fügte jedoch an, die Troika habe keine guten Erfahrungen bezüglich der Fähigkeit der griechischen Behörden, die Ausgaben bei der Selbstverwaltung und im Gesundheitswesen unter Kontrolle zu bringen.

Der Leiter der Troika sprach ebenfalls über eine Verlängerung der Angleichungsphase um zwei Jahre, nahm jedoch keine Stellung zu der Überlebensfähigkeit der griechischen Verschuldung. Er merkte an, die Verlängerung schaffe eine Finanzierungslücke von 4 Jahren, aber wenn es keine Finanzierung gibt, werden wir mit noch mehr Maßnahmen zurückkehren müssen.

Über den Inhalt des Gesprächs mit Herrn Thomsen mit Journalisten und dessen Zweck wurde laut der Zeitung die Repräsentantin des IWF gefragt, die entgegnete, es gebe kein offizielles Briefing, und der Zeitung keine Antwort erteilte.

(Quelle: Imerisia)

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  1. Heinz
    17. Oktober 2012, 11:09 | #1

    Zitat:
    „Laut dem in Rede stehenden Artikel sprach Thomsen zuerst davon, dass der Eindruck aufgelöst werden müsse, die Troika würde auf harte Maßnahmen drängen und hinsichtlich deren Umsetzung der griechischen Regierung nicht zu vertrauen. Er fügte jedoch an, die Troika habe keine guten Erfahrungen bezüglich der Fähigkeit der griechischen Behörden, die Ausgaben bei der Selbstverwaltung und im Gesundheitswesen unter Kontrolle zu bringen.“

    Er spricht hier nicht von der Regierung sondern von Behörden.
    Mein Eindruck war schon länger, dass die Regierung keine wirkliche Macht hat. Dass sie nicht nach unten durchregieren kann. Genau deshalb auch die Forderung an die EU, Griechenland mehr Zeit zu geben. Ob dadurch die interne Machtfrage zwischen Regierung und deren Behörden zu klären ist? Ich habe da meine Bedenken, weil sich der Apparat in den letzten Jahrzehnten verselbständigt hat und ihn niemand kontrollierte, schon gar nicht die Presse, deren Aufgabe das eben auch wäre.

  2. tabascofan
    17. Oktober 2012, 15:49 | #2

    Da die griechischen Presseorgane kompett in Händen der Reichen sind, kann man hier realistischerweise nicht viel an Veränderungswillen erwarten.

  3. CYR
    18. Oktober 2012, 11:46 | #3

    Das die Regierung sagt, sie kann nicht regieren weil die Behörden sich dagegen sträuben ist ganz schöner Unfug. Die Regierung braucht eine chaotische Behörde, damit sie nicht die Gesetze durchführen muß der diese Regierung wehtut. Entlassungen im öffentlichen Sektor zum Beispiel. Woanders klappt es ziemlich gut siehe Kopfsteuer.

  4. Heinz
    18. Oktober 2012, 12:10 | #4

    @tabascofan

    Da kann ich Ihnen nur zustimmen.

    Allerdings gibt es heute ganz andere Möglichkeiten, die Menschen auf zu klären. Hier spreche ich vor allem vom Internet, das ja auch in anderen Staaten, in denen die Menschen unterdrückt sind, intensiv genutzt wird. Die arabische Revolution wurde so auf den Weg gebracht.
    Was spricht dagaeen, dass junge und unzufriedene Griechen hier eine Gemeinschaft bilden, die den derzeit Mächtigen Feuer unter den A…. machen. Auch und vor allem der gleichgeschalteten Presse. Das allerdings kostet ein wenig Mühe. Aber: Von nix kommt nix. Auch wenn das mancher nicht glauben mag. Beten wird das Problem nicht lösen.

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