Odyssee der Flüchtlinge in Griechenland

22. Oktober 2012 / Aufrufe: 859

Nichtstaatliche Organisationen monieren die erniedrigende Behandlung der Flüchtlinge in Griechenland und bezichtigen die Regierung, Asylanträge vorsätzlich zu verhindern.

Vor der Ausländer-Direktion Attika, in der Straße Petrou Ralli, am frühen Samstagmorgen. Dutzende, hunderte Ausländer drängeln sich in der Hoffnung, unter den glücklichen 20 oder noch weniger Personen zu sein, die in dieser Woche einen Asylantrag einreichen werden können. Es gibt keinerlei Art der Einhaltung einer Reihenfolge. Wer zuerst (herein) kommt, mahlt zuerst, alle anderen gehen leer aus.

Die Warteschlange beginnt sich ab Anfang jeder Woche zu bilden. Gegen Mitte der Woche erscheinen häufig Polizisten mit Schlagstöcken und Tränengas und lösen die Schlange auf. Am späten Freitagabend wagt niemand mehr, sich von seinem Platz zu bewegen, nicht einmal zur „Toilette“ hinter der Mauer zu gehen, um nicht die Reihe zu verlieren. Um 6 Uhr am Morgen des Samstag werden dann die „ersten“ 20 einen Asylantrag einreichen.

Unmenschliche Behandlung der Flüchtlinge verletzt internationales Recht

Die Schwierigkeiten, denen all jene begegnen, die als Flüchtlinge anerkannt zu werden versuchen, sind unüberwindlich. Die unmenschliche und erniedrigende Behandlung stellt eine Verletzung des internationalen Rechts dar„, erklärten am Freitag nichtstaatliche Organisationen (NRO) wie der „Griechische Flüchtlingsrat„, „To Ätima„, die „Gruppe der Rechtsanwälte für die Rechte der Flüchtlinge und Immigranten“ und andere. Diese Organisationen begaben sich über Monate jeden Freitagabend – frühen Samstagmorgen zur Petrou Ralli um zu dokumentieren, was genau mit den Menschen geschieht, die gejagt aus Afghanistan, Äthiopien, Somalia, dem Iran und in letzter Zeit auch Syrien flüchten und Asyl beantragen möchten.

Die Mitglieder der Organisationen stellten fest, dass in Griechenland der Zugang zum Asyl fast unmöglich ist – trotz der Tatsache, dass diese Menschen von der internationalen Gesetzgebung geschützt werden, weil ihr Leben gefährdet ist, falls sie in ihr Land zurückkehren sollten. Deswegen erstatteten die NRO Anzeige bei der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und dem Menschenrechtsausschuss des Europarats und verlangen deren eingreifen.

Das in der Petrou Ralli herrschende „System“ lässt Spielraum für jede Art von Willkür. Ausländerbanden kontrollieren den Zugang zur Spitze der Warteschlange, unter den Ausländern brechen Handgemenge – manchmal mit Verletzten – darüber aus, wer an der Reihe ist, es herrscht das Gesetz des Stärkeren. Und all dies mit der Toleranz der Polizei. Bei einem der Male, als die Freiwilligen der MKO anwesend waren, machten die Ausländer einen „Mini-Aufstand“ und versuchten um 6 Uhr morgens, alle zusammen in das Gebäude einzudringen. An jenem Samstag nahm die Ausländerdirektion keinen einzigen Antrag entgegen.

Staatsapparat behindert die Beantragung des Asyls

Vor zwei Jahren wurde ein Präsidialdekret unterzeichnet, welches bestimmt, dass die griechischen Behörden für die Entgegennahme der Asylanträge Sorge tragen. Dieses Gesetz blieb auf dem Papier. Wie die NRO monieren, „wird die Praxis in der Petrou Ralli auf Basis mündlicher Anweisungen aus dem Ministerium für Bürgerschutz mit dem Ziel weiter befolgt, die Asylanträge in Griechenland zu reduzieren„. Inzwischen ist der einzige Weg für einen Ausländer, einen Asylantrag zu stellen, dies im Zustand der Inhaftierung und in Arrest zu tun. Aber auch dort ignorieren die Polizeibeamten es häufig und nehmen den Antrag nicht entgegen.

Beunruhigend ist, dass die griechischen Behörden neulich den Zeitraum, für den ein Asylsuchender – unter unmenschlichen Bedingungen – in Haft gehalten werden kann, von drei Monaten auf zwölf Monate verlängerten. In der Praxis bedeutet dies, dass jemand ein Jahr lang im Gefängnis verbleibt, mit der Hoffnung, vielleicht irgendwann als Flüchtling anerkannt zu werden. Die NRO drücken ihre Beunruhigung aus, dass „letztendlich niemand Asyl beantragen wird“ und dies in der Absicht des griechischen Staates zu liegen scheint.

Charakteristisch sind die Fälle des Nasim Lomani und des Reza Golami aus Afghanistan. Der erste befindet sich seit zehn Jahren in Griechenland und hat niemals geschafft, Asyl zu erhalten, wurde jedoch schließlich dank eines der Gesetze „legalisiert“, die in der Vergangenheit Ausländer legalisierten. Golami erhielt den Status des Flüchtlings zuerkannt, nachdem er sich sieben Jahre lang darum bemüht hatte.

(Quelle: To Vima)

  1. V99 %
    22. Oktober 2012, 11:33 | #1

    Es ist schon ein Skandal, wie die Troika und die EU die griechische Regierung, mit vorgehaltener Pistole im Jahre 2003, dazu gezwungen hat dem Dublin II abkommen zuzustimmen und hunderte von Millionen Hilfsgeldern zur Loseung des Fluechtlingsproblems entgegenzunehmen um dann hinter den Kulissen alles dafuer zu tun, damit ja keiner Asyl beantragen kann! Die Immigranten nehmen den Griechen seit Jahren massenhaft Arbeitsplaetze weg, mit ihrem gnadenlosem Lohndumping, indem sie fuer 2€ die Stunde, 12 Stunden am Tag, ohne Krankenversicherung arbeiten, um danach taeglich hunderte Frauen zu vergewaltigen, tausende Omas zu ueberfallen und dann mit dem Geld in die Schweiz fluechten, oder in London ganze Stadtviertel aufkaufen, ohne eine Steuererklaerung abzugeben! …………………………….so einfach ist die Welt zu verstehen, besonders fuer Chrysi Avgi Waehler und Polizisten 😀

  2. Peter Adam
    22. Oktober 2012, 23:57 | #2

    Es ist beschämend, so etwas vom eigenen Volk zu lesen. Vor einigen Tage schrieb ich „Griechenland zuerst“ und „aufrechte Patrioten“, aber das war in keinster Weise rechtsradikal gemeint und bezog sich nicht auf das rechte Gesindel, welches zur Zeit von sich Rede macht, sondern auf die Werte, die mir als Kind noch beigebracht wurden. Der Glaube, die Nächstenliebe und vor allem die selbstlose Hilfe an Leidende. Doch wenn Ich schrieb „Griechenland zuerst“, dann meinte ich damit die Voraussetzungen, die gegeben sein müssten, um Flüchtlingen wirkungsvoll helfen zu können, wie es einem wahren Menschen ansteht. Wenn ein Volk wie das meinige am Rand der Vernichtung laviert, dann sollten doch bitte die ach so bigotten europäischen Freunde ihren Teil zur Lösung des Problems beitragen. Aber das geht diesen Vorzeigeeuropäern doch am A…. vorbei, ob Griechenland vor die Hunde geht oder nicht. Hauptsache, ihre Renditen stimmen und sie werden nicht mit der nordafrikanisch / muslimischen Flüchtlingsproblematik behelligt. Griechenland ist sozusagen ein Frontstaat im Hinblick auf die arabische Welt, und als solcher scheint er mir von den Nordeuropäern – genau wie auch Spanien, Italien und Portugal – systematisch missbraucht zu werden.

  3. Götterbote
    23. Oktober 2012, 14:32 | #3

    @Peter Adam
    Es ist allgemein bekannt, dass man anderen am besten helfen kann, wenn es einem selbst gut geht. Jeder der fliegt, kennt den Spruch bei den Sicherheitsvorkehrungen „setzen Sie erst sich selbst die Maske auf, helfen Sie dann anderen“. Es ist leider menschlich, sich weniger um andere zu kümmern, wenn es einem selbst elend geht. Wie soll Griechenland also menschlich reagieren, wenn es selbst gerade stirbt? Von daher stimme ich Ihrem Beitrag zu.

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