Griechenland – Spielwiese der Schwarzhändler

20. Oktober 2012 / Aktualisiert: 26. September 2017 / Aufrufe: 1.199

Kücheneinrichtungen aus Bulgarien, Kleidung aus Italien

Ladungen mit kompletten Kücheneinrichtungen, sogar von den … Arbeitern begleitet, welche sie im Haus des griechischen Kunden aufstellen werden, gelangen illegal aus Bulgarien nach Griechenland. „Es sind Importe sogar auch kompletter Küchenausstattungen aus Bulgarien gemeldet worden, welche von den Gruppen der Arbeiter begleitet werden, die sie im haus des Kunden aufstellen„, betonte Herr Mpakatselos und erklärte, aus Meldungen bei der Industrie- und Handelskammer Thessaloniki registrierter Unternehmen gehe hervor, dass entsprechende Vorfälle auch mit Aluminiumfenster- und -türsystemen festgestellt worden sind. „Sie kommen in die Dörfer der Grenzgebiete, nehmen auf den Baustellen Maß, und nach wenigen tagen kommen sie mit den Fenstern und Türen zurück und bauen sie ein„, erklärt er selbst.

Zur selben Zeit reisen griechische Konfektionshändler mit Kleintransportern bis nach Italien, laden die Kleidung, die sie im nächsten Zeitraum auf griechischem Boden verkaufen werden, und kehren danach über Igoumenitsa unbehelligt nach Griechenland zurück.

Wie die Angleichung der Dieselsteuern die Geschäfte der Schwarzhändler fördert anstatt sie zu mindern

Die Schwarzhändler begannen sich mit der Angleichung der Steuern auf Dieselkraftstoff und Heizöl die Hände zu reiben. Und dies, weil so, wie sie in diesem Jahr umgesetzt wird, auf dem Markt weiterhin drei anstatt zwei Dieseltypen in Umlauf sein werden: Dieselkraftstoff (für Fahrzeuge), Heizöl und Schiffsdiesel. Funktionäre der Hellenic Petroleum (El.PE.) und der Mineralölhandelsgesellschaften unterstreichen die Gefahr einer Explosion des Schwarzhandels trotz der Angleichung der beiden Steuern bei den zwei Produkten.

Wie sie erklären, werden die „Schlitzohren“ anstreben, das Heizöl durch billigeren und steuerbefreiten Schiffsdiesel zu ersetzen, der genau die selben Charakteristika mit dem Heizöl aufweist. Somit werden sehr leicht Mengen steuerfreien Schiffsdiesels in den Vertriebszyklus des Heizöls eingeschleust werden, und zwar mit einem vielfachen Gewinn für die Schwarzhändler, das der – steuerfreie – Schiffsdiesel den halben Preis des überbesteuerten Heizöls hat (für ungefähr 700 Euro / 1.000 Liter, gegenüber 1.350 Euro).

Theoretisch erfolgt die Bekämpfung des Problems mittels der – wie geltenden – unterschiedlichen Einfärbung der drei Dieseltypen. Dieselkraftstoff hat eine grüne, Heizöl eine rote und Schiffsdiesel eine schwarze Farbe. Wie jedoch die bisherigen Erfahrungen gezeigt haben, ist für die Schwarzhandelskreise die Entfärbung eine leichte Sache, da sie mit natürlichen und unmittelbar im Handel verfügbaren chemischen Mitteln erfolgt.

Illegales bulgarisches Brot und … Zement a la Turka

Meldungen existieren sogar auch über Lastwagen, die Brote aus Bulgarien transportieren, die ohne Begleitpapiere an die Einwohner der Dörfer des griechischen Grenzgebietes in Nordgriechenland verkauft werden, aber auch über Lastwagen voll mit Fliesen, die zu den Baustellen fahren und sie dort zur Verwendung in den Wohnungen abladen. Besonders ausgedehnt ist jedoch auch der Vertrieb importierten Zements, unter Verletzung der nationalen und gemeinschaftlichen Gesetzgebung.

Laut der „Imerisia“ zur Kenntnis gekommenen Daten wurden im Rahmen von Kontrollen, die im Jahr 2011 auf dem Baumaterialmarkt durchgeführt und deren Ergebnisse an die zuständigen Behörden weitergeleitet wurden, wiederholte Fälle illegaler Aktivität festgestellt, bezogen auf:

  1. Zement in Säcken bulgarischer und türkischer Herkunft, der (auf der Verpackung) entsprechend auf Bulgarisch und Türkisch gekennzeichnet ist, in Verletzung der Gesetzgebung, die auf der Verpackung die Angabe des Produktionsdatums, der vorgesehenen Kennzeichnungen bezüglich des Gehalts an Chrom VI sowie auch der speziellen Hinweise zu Gefahren und sicherer Nutzung auf Griechisch verlangt.
  2. Schüttzement türkischer Herkunft, der ohne Kontrolle seiner Herkunft über Bulgarien in Verletzung des geltenden Rahmens ins Land gelangt, auf dessen Basis der Vertrieb von in Drittländern / Nicht-EU-Mitgliedstaaten produziertem Schüttzement oder Megasäcken mittels in Griechenland niedergelassener Zementvertriebszentren erfolgt, die unter anderem mit einer Konformitätsbescheinigung ausgestattet sein müssen, die von der zuständigen Direktion des Entwicklungsministeriums erteilt wird.

Außer dem Verlust signifikanter finanzieller Einnahmen für den Staat birgt der unkontrollierte Vertrieb auf dem griechischen Markt auch besonders ernsthafte Gefahren für die Qualität und Sicherheit der Konstruktionen bei öffentlichen und privaten Projekten.

Griechisch-türkische Grenze

Verluste vieler Milliarden Euro „zählt“ der griechische Fiskus aus den Ladungen, die über die griechisch-türkische Grenze hereinkommen, um im Transit nach Bulgarien oder in andere Länder geleitet zu werden, dort jedoch niemals eintreffen.

Die Ladungen mögen vielleicht auf den Weg zu den Grenzen gebracht werden, kommen jedoch schließlich zurück und werden in Griechenland verkauft. Jedes Jahr gehen auf diese Weise ungefähr 6 Mrd. Euro verloren, weil Zölle und Mehrwertsteuer nicht entrichtet werden. Laut dem geltenden System werden für alle Ladungen, die aus der Türkei importiert und per Transit nach Bulgarien oder in andere Länder ausgeführt werden, in Griechenland keine Mehrwertsteuer und Zölle entrichtet. Letzteres erfolgt, wenn die Ladungen im Bestimmungsland ankommen. Die für Griechenland bestimmten Ladungen werden dagegen regulär verzollt und besteuert. Leider wird jedoch ein sehr großer Anteil der Ladungen unwahr als Transit z. B. nach Bulgarien ausgewiesen, damit die Steuern und Zölle nicht entrichtet werden„, betont ein Spitzenfunktionär der SDOE.

Der selbe Funktionär unterstreicht, dass von den tausenden Ladungen, die allgemeiner über die griechisch-türkische Grenze eingeführt werden, nur ungefähr 1/3 regulär verzollt wird. Ein großer Teil der übrigen Ladungen wird als Transit-Exporte nach Bulgarien oder in andere Länder ausgewiesen, die jedoch niemals erfolgen, da die Waren zurück kommen und in Griechenland verkauft werden, mit dem Ergebnis, dass die „Gerissenen“ sich die Mehrwertsteuer und Zölle in die Tasche stecken.

Monatlich 3.000 Ladungen von der Türkei nach Griechenland

Weiter betont der selbe Funktionär der SDOE, dass jeden Monat ungefähr 3.000 Ladungen aus der Türkei nach Griechenland kommen, wobei der Wert der Waren auf ungefähr 6 Mrd. Euro veranschlagt wird. Die meisten dieser in unser Land gebrachten Waren sind illegal. Der von den „Umtriebigen“ genutzte Trick, um Steuern und Zöllen zu entgehen ist simpel. In den Begleitpapieren deklarieren sie, dass die Ladung Waren geringen Zollwertes enthält, wie beispielsweise Unterwäsche, Handy-Ersatzteile. In Wirklichkeit enthält sie jedoch Waren von hohem Zollwert, wie sündhaft teure Teppiche, Lederwaren u. a. Mit diesem Trick profitieren die Kreise nicht nur von der Differenz des Zollwertes, sondern verdienen ein Vielfaches, indem sie die sehr teuren Waren auf den griechischen Markt bringen.

Der Fall der Türkei

Im Fall der Türkei wird folgendes Bild beobachtet: Während die in den Jahren 2000 – 2006 von Griechenland deklarierten Exporte ungefähr doppelt so hoch wie die von der Türkei deklarierten Importe aus Griechenland waren, wird ab 2007 und nachfolgend das umgekehrte Phänomen beobachtet. Konkret deklarierte Griechenland 2010, für 116 Mio. Dollar Benzin in die Türkei exportiert zu haben, wogegen die türkischen Behörden deklarierten, von Griechenland Benzin für 573 Mio. Dollar importiert zu haben.

Laut der Untersuchung ist das Wahrscheinlichste, dass der griechische Unternehmer an der griechischen Grenze deklariert, mit seinen Tankwagen einen anderen Kraftstofftyp als den zu exportieren, den er tatsächlich transportiert (z. B. Toluol anstatt Benzin).

(Quelle: Imerisia)

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