Griechen trauern … in den Supermärkten

3. Oktober 2012 / Aktualisiert: 04. Oktober 2012 / Aufrufe: 2.669

Obwohl in Griechenland eine enorme interne Abwertung im Gang ist, verbleiben die Kosten für Produkte und Dienstleistungen weiterhin auf ungerechtfertigt hohen Niveaus.

In Griechenland mag bereits eine interne Abwertung in einer Größenordnung von 23% stattgefunden haben und das Land auf 26% im nächsten Jahr zusteuern, die Rezession und die Arbeitslosigkeit mögen einen Rekord nach dem anderen brechen, aber die schwindelerregenden Verbraucherpreise und die Teuerung bei den Dienstleistungen gehen um nichts in der Welt zurück.

Entgegen der Hoffnung der Menschen, die wiederholten Kürzungen bei jeder Art von Bezügen würden mit einer entsprechenden „Zähmung“ auch der alltäglichen Kosten einhergehen, geschieht dies nicht. Das selbe ist im übrigen auch in allen Ländern beobachtet worden, die Defizit- und Verschuldungsproblemen (also dem Bankrott) in Kombination mit einer Rezession begegneten.

Die Lebenshaltungskosten bleiben sowohl aus realistischen als auch künstliche geschaffenen Gründen hoch, die auf die leichtere Handhabung der Massen abzielen. Weil man wohl oder übel die Menschen nicht mit gefülltem Magen lassen kann, wenn man beschließt, in einem Land alles auf den Kopf zu stellen. Im Gegenteil, die Menschen müssen sich um den nächsten Tag ängstigen … . Und die Teuerung kann Angst verursachen.

Hauptgründe der Preistreiberei in Griechenland

Speziell im Fall Griechenlands sind die beobachtete Teuerung und die hohen Preise auf drei zentrale Gründe zurückzuführen:

  • Die hohen Geld- und Finanzierungskosten, welche die griechische Produktion teuer und die importierten Produkte noch teurer machen und die Importeure zwingen, wie unter Umständen vor der gemeinsamen Währung zu agieren.
  • Die enorme Besteuerung, vom Treibstoff bis zur Mehrwertsteuer, welche die Endpreise der Produkte in die Höhe treibt.
  • Das Wirken der pathogenen Elemente des griechischen Marktes und hauptsächlich der Kartelle, die in der Rolle moderner Schwarzhändler darin fortfahren, Reichtum zu scheffeln und auf dem Rücken des griechischen Volkes zu spekulieren.

Wenn die hohen Kosten des Geldes aus der Situation „hervorgingen“, in welche die letzten Regierungen die Wirtschaft führten, während die heftige (und ungerechte) Besteuerung sich als (falsches) Gegenmittel ergab, um dem Staat Einnahmen zu verschaffen, sind die Kartelle und „Tricks“, denen sich verschiedene Unternehmen zuwenden um ihre Supergewinne zu erhalten, die verurteilenswürdigste Praxis.

Südamerikanische Praktiken

Die griechischen Kartelle mögen nichts mit den Banden Südamerikas und den Drogenbaronen zu tun haben, in der Praxis agieren sie jedoch auf ähnliche Weise, da sie zu (ganovenhaften) Vereinbarungen unter dem Tisch schreiten, um die Preise verschiedener Produkte auf konkreten hohen Niveaus und ihre Gewinne noch höher zu halten.

Trotz der tiefen Rezession und dem Rückgang der Einkommen verbleiben so die Preise sowohl bei den Grundbedarfsprodukten als auch allgemeiner auf dem Markt in ungerechtfertigten Höhen – und in einigen Fällen sind sie wegen der oligopolistischen Praktiken, die in Hauptsparten des Marktes – mit Schwerpunkt den Treibstoff und die Lebensmittel – vorherrschen, sogar signifikant gestiegen.

Auf dem griechischen Markt sind in den letzten Monaten horizontale und vertikale Kartelle sichtbar, die strategischen Unternehmenspraktiken, die Kopplung von Produkten und der Missbrauch beherrschender Positionen durch Unternehmen, die unter Ausnutzung ihres Volumens und der kontrollierten Marktanteile ihre eigenen Bedingungen durchsetzen. Je größer der Marktanteil ist, den die sich untereinander abstimmenden Unternehmen kontrollieren, um so leichteres Spiel haben sie.

Der vielleicht bekannteste Fall der Funktion eines Kartells in Griechenland mag das Milchkartell gewesen sein. Es war 2006, als die Wettbewerbskommission 17 große Milchfabriken, aber auch Lieferanten, Erzeuger (und sogar auch die Supermärkte) „erwischte“, die Milchpreise ungefähr so auszukummeln, wie die „Baracken“ im Fußball die Spielergebnisse abmachten.

Die griechische Frischmilch bleibt auch heute teuer, während die wirtschaftliche Lage vieler in der konkreten Industrie tätiger Firmen dermaßen negativ ist, dass es bald zu Zwangsfusionen in der Branche kommen wird. Resultat? Noch teurere Milch wegen fehlenden Wettbewerbs.

Die große Abzocke bei den Benzinpreisen

Ein anderes traditionelles Betätigungsfeld der Kartelle sind die Treibstoffe. Obwohl der Benzinpreis nicht direkt an Preis des Rohöls gekoppelt ist, erhöhen die Mineralölfirmen oder auch die Großhändler die Abgabepreise, sobald das Barrel Rohöl sei es auch nur um ein paar Cent steigt. Resultat ist die Belastung des Verbrauchers.

Die Treibstoffe sind natürlich ein sehr spezieller Bereich, da er außer der Aktivität der privaten Kartelle auch von dem Kartell … des Staates heimgesucht wird. Heute, wo die Steuern auf jeden Liter Benzin 50% des Preises übersteigen, den der Verbraucher bezahlt, wird das Spiel ersichtlich, welches getrieben werden kann. Sehen Sie hier, wie das doppelte Spiel bei den Treibstoffen läuft, mit einem durchschnittlichen Preis für Bleifrei bei 1,81 Euro pro Liter:

Der Abgabepreis der Raffinerie beträgt 0,71 Euro pro Liter (39,2%), die Abgaben an den Staat 0,68 Euro pro Liter (37,8%) und ein Gewinn für die Tankstelle nebst anderen Kosten 0,07 Euro pro Liter (4,3%). Auf diesen Preis von 1,476 Euro werden auch 23% Mehrwertsteuer erhoben. Also weitere 18,7%. Der Staat leitet somit aus Steuern und MwSt. 56% des Zapfsäulenpreises in seine Kassen, während bei dem Rest, der von den internationalen Ölpreisen (Platts) bestimmt wird, die Händler mitspielen … .

Das Schlimme mit den Kraftstoffen ist jedoch, dass die enorme Besteuerung, welche die Preise in irreale Höhen katapultiert, nicht nur keine Früchte abwirft (seit 2010 wurden mehr als 1.000 Tankstellen geschlossen, während die staatlichen Einnahmen wegen des Rückgangs des Verbrauchs sanken), sondern auch auf dem gesamten Markt Nebenwirkungen schafft.

Speziell in einem Land, in dem der Handel auf die Straßentransporte gestützt ist, beeinflussen die Treibstoffpreise den Endpreis aller Produkte. In Kombination mit der hohen Abhängigkeit von den Schwankungen der internationalen Ölpreise und dem Unvermögen zur Bekämpfung des Schwarzhandels führt all dies zu nur einer einzigen Folgerung: Der hohe Preis bei den Treibstoffen begünstigt – praktisch und simpel – die Erhaltung der Teuerung!

Allgemeiner sind auf allen Ebenen, wo eine oligopolistische Gliederung des Groß- und Einzelhandels oder spezielle Umstände beobachtet werden, die heimlichen Absprachen leicht. Jüngste Beispiele sind das „Geflügel-Kartell“, welches die Wettbewerbskommission ausfindig machte, und das Kartell im Frischgemüsegroßhandel, das von der Zentrale der Handelsbehörde „erwischt“ wurde.

(Quelle: To Pontiki)

  1. Oniro
    4. Oktober 2012, 16:26 | #1

    Trotz den hohen Benzinpreisen würden mich einmal die Zahlen der grossen Supermärkte interessieren, die ja sicherlich veröffentlich werden am Jahresende, oder ?
    Denn die Preise sind schon immer sehr hoch im Vergleich.

  2. V99 %
    4. Oktober 2012, 17:46 | #2

    Gratulation an die Maus-Zeitung! Das erscheint mir ein ausgezeichnet analysiert und recherchierter Artikel zu sein. Leider zeigt er auch sehr gut, wie tief dieses Land, durch „pathogene Elemente“ aus den, ueberwiegend, eigenen Reihen gesunken ist.
    Dieser Tage ist es eine echte Herausforderung geworden, in Athina, eine Tanke zu finden, die weniger als 1.70€ fuer den Liter Super nimmt. Dabei hat man dann auch noch den bitteren Beigeschmack, dass an der Zapfsaeule der Durchflussmesser manipuliert worden sein kann. Warum der Staat den Preis nicht senkt, ist mir raetselhaft. Wenn viel mehr Benzin fuer einen geringeren Preis verkauft werden weurde, waeren die Verdienste auch hoeher und es koennte der Wirtschaft helfen. Ob da die „Kartelle“ interagieren?

  3. Ottfried Storz
    25. Januar 2013, 10:04 | #3

    Ein extrem schlecht recherchierter Artikel, der trotz wichtigem Bedeutung und Länge kaum Fakten enthält.
    Die hohen Kosten „im Supermarkt“ (siehe Überschrift) hauptsächlich an den angeblich hohen Treibstoffkosten festzumachen, geht komplett an den Fakten vorbei. In Deutschland und Frankreich liegen die Dieselpreise genau so hoch (1,45-1,50), wie in Griechenland. Einfach mal „Treibstoffpreise Europa“ googeln, da gibt es x-Übersichten. Trotz deutlich höherer Lohnkosten ist das Preisniveau jedoch dort deutlich niedriger.
    Auch sind die Weglängen in Griechenland im europäischen Vergleich sogar unterdurchschnittlich lang, denn: Mehr als die Hälfte der Griechen lebt in den Großräumen Athens-Piräus, Thessaloniki und Patras.
    Und dort kommen Lebensmittel zudem sehr preiswert mit Schiffen hin. Jedoch nur „hin“, denn sowohl Entladung, als auch Straßentransport sind im OECD-Vergleich in Griechenland extrem teuer. An den Treibstoffkosten liegt es jedoch nicht, sondern an Wettbewerbseinschränkungen.

    Laut OECD liegt das Preisniveau wegen miserabler Wettbewerbskontrolle, fehlender Preistransparenz, minimalen Kartellstrafen, Wettbewerbseinschränkungen (Genehmigungen, Lizenzen für Transporte etc) und geringem Wettbewerb in Griechenland so hoch. Kartellabsprachen werden seltenst aufgedeckt und die Strafen sind lächerlich.

  4. GR-Block
    25. Januar 2013, 10:13 | #4

    Mich wundert, dass der Autor mit keinem Wort diskutiert, dass die offenen Preis-Grenzen des EU-Binnenmarktes eine Stabilisierung der Preise bedingen könnte. War nicht der Zweck der „Öffnung“, dass alle EU-Europäer zu vergleichbaren Preisen und unabhängig der Lieferwege kaufen können? Auch macht es Sinn, wenn Löhne fallen und Preise bleiben. Nur so kann die „Verzerrung“ des Finanzmarktes entzerrt werden. Erst jetzt können die undemokratisch generierten Staatsschulden auf die Privathaushalte abgewälzt werden. Denn nur dort gibt es Geld zu holen. Obwohl, auch hier im Forum, eine gegenteilige Meinung verbreitet wird:

    weder die griechischen Haushalte noch die griechischen Betriebe waren übermäßig verschuldet, bevor sie die Schulden des Staates übernehmen mußten.

    Oder glaubt der Autor wirklich, dass ausländische Geldgeber den Schaden bezahlen werden? Seit der Bekanntmachung der langjährigen Krise haben die geholfen aus 120% in nur 3 Jahren 180% Staatsschulden trotz Schuldenschnitt zu machen. Daran sind keine Banken Schuld sondern gierige Menschen. Banken verwalten nur deren Gier und Kapital.

  5. giaoýrti giaoyrtáki
    26. Januar 2013, 14:01 | #5

    Eine kooperatives Netzwerk gründen, Zwischenhandel ausschalten und sich selbst versorgen. Wenn man dann noch selbst importiert, kommt man unter Discounterpreise und läßt die ganzen Blutsauger verhungern und mit Cargo-Bikes kann man eine Europalette oder locker 250 kg beladen; allein mit dem Import von Klopapier könnte irgendwer reich werden.

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