Ärzte der Welt beklagen humanitäre Krise in Griechenland

12. Oktober 2012 / Aufrufe: 1.264

Die Ärzte der Welt sehen in Griechenland einen sehr schwierigen Winter kommen und sind über die humanitäre Krise besorgt, die zunehmend einen dauerhaften Charakter annimt.

Einen Ruf der Besorgnis sendet der Präsident der Ärzte der Welt, Nikitas Kanakais, wegen der humanitären Krise in Griechenland, die „tendiert, Merkmale der Beständigkeit anzunehmen„, und wegen des „sehr schwierigen Winters, der kommt„.

Im Gespräch mit in.gr beschreibt er die Bilder, denen er alltäglich in den Multi-Praxen der Organisation begegnet, ist erzürnt über die Verlegenheit, mit welcher der Staat das Griechenland der Armut und der Verelendung beobachtet, und zögert nicht sich mit denen anzulegen, welche die Hilfe für die Armen für politische Zwecke nutzen. „Wir sagen nicht ‚Hilfe nur für Griechen‘, wir sagen ‚Hilfe nur für Menschen‘„, unterstreicht er.

Vor einem Jahr machten die Griechen, welche sich um Hilfe an die Ärzte der Welt wendeten, etwa 30% aus. Wie bei einer Pressekonferenz der Organisation gesagt wurde, ist dieser Anteil in diesem Jahr höher. „Es kommen nunmehr Menschen, die vor einem Jahr nicht einmal eingestanden, ein Problem zu haben. Und dieses Problem wird mit Sicherheit stärker werden. Zu der Bevölkerung, die Problemen begegnet, sind inzwischen Menschen hinzugekommen, die Arbeitslosenhilfe bekamen und jetzt keine mehr erhalten, Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, Menschen, die gewisse Ersparnisse hatten und die nun aufgebraucht sind„, erklärt Herr Kanakis.

Humanitäre Krise nimmt Merkmale der Beständigkeit an

Was mich jedoch mehr beunruhigt, ist dass die humanitäre Krise dahin tendiert, Merkmale der Dauerhaftigkeit anzunehmen. Es öffnet sich eine ungeheure Kluft zwischen Menschen, welche über etwas Geld verfügen, und den anderen, die enttäuscht sind. Diese Kluft gestaltet gesellschaftliche Verhaltensweisen, bezüglich welcher ich ihnen nicht verberge, dass sie uns besonders beunruhigen.

Herr Lanakis spricht auch über die „stille Krise“, über die Krise, die sich nach außen hin noch nicht gezeigt hat. „Wir sprechen beispielsweise von den Obdachlosen und vergessen, dass es Menschen gibt, die mal hier, mal dort wohnen, die ständig mit der Bedrohung der Zwangsräumung oder mit der Hilfe ihrer Verwandten und Bekannten leben.“ Und er fügt an: „Uns erwartet ein sehr schwieriger Winter. Der Heizölpreis in unerschwinglicher Höhe, die Menschen verwundbar, mit viel größeren Problemen.

Die Ärzte der Welt haben in letzter Zeit ihre Aktionen für die Kinder intensiviert, da 30% derjenigen, die sich um Hilfe an die Organisation wenden, Kinder sind. „60% der Kinder kommen für Impfungen zu uns. Bis August waren wir zu mehr als 3.000 Impfungen geschritten„, erklärte bei der Pressekonferenz die Leiterin der Kinderärzte, Liana Maili, und betonte: „In unserer Multi-Praxis sehen wir Kinder, die nichts zu essen haben, dehydrierte Säuglinge, Bilder, die wir in Afrika sahen. Es ist unbegreiflich, dass die Kinder ohne Gesundheitsheft aus den Geburtskliniken entlassen werden.

Wir sprechen alle von der neuen Generation. In der Realität zeigt der Staat sich jedoch nicht nur einfach desinteressiert, er hasst die Kinder„, sagt Nikitas Kanakis und betont, das Thema der Impfungen sei eine staatliche Verpflichtung. „Wir wollen den Staat mobilisieren, um ein minimales garantiertes Lebensniveau der Kinder sicherzustellen. Deswegen ergriffen wir die Initiative, mit der Gesamtheit der Kinderorganisationen zu kooperieren. Unser Ziel ist, alle zusammen etwas zu unternehmen. Herauszugehen und zu sprechen. Schluss mit den großen Worten und dem gegenseitigen Anlächeln„, fügt er an.

Ärzte der Welt kritisieren Differenzierungen und politische Spielchen

Der Präsident der Ärzte der Welt bezieht sich auch auf die Schwierigkeiten, welchen die Organisation begegnet. „Wir haben nicht immer genug Lebensmittel und schätzen, in 6 – 7 Monaten Schwierigkeiten haben zu werden, auch die Bedürfnisse an Medikamenten zu decken. Dies ist eine große Herausforderung für uns alle. So wie es mich schmerzen würde, meiner Mutter nicht das geben zu können, was sie zum Leben benötigt, schmerzt es mich, Menschen zu sehen und nicht helfen zu können.

Deswegen hat auch die Organisationen einen „Staffellauf“ mit Schwesterorganisationen des Auslands begonnen und bittet sie um Hilfe. Ebenfalls gibt es die „Spardose der Würde“, wo jeder geben kann, was ihm möglich ist, um die Ärzte der Welt zu unterstützen.

Wir sind keine Benefiz-Organisation und betonen, dass die Hilfe kein Werkzeug der Intoleranz sein kann. Sie muss ein Werkzeug der Toleranz sein. Wir stellen uns allen entgegen, welche die Hilfe an die Armen für politische Zwecke ausnutzen. Wir schulden zu helfen, um gesellschaftlichen Zusammenhalt zu haben und niemanden auszuschließen. Wir weigern uns, irgendeine Differenzierung zu treffen. Wir sagen nicht ‚Wir helfen den Griechen‘. Wir sagen ‚Wir helfen den Menschen‘„, betont Nikitas Kanakis mit Nachdruck.

Die Ärzte der Welt bereiten eine Reihe politischerer Initiativen vor, wie uns ihr Präsident sagte. „Wir beabsichtigen, öffentlich über das zu sprechen, was wir sehen. Das Wort all denen zu erteilen, die keine Stimme haben, den Kindern, den Armen. Wir wollen, dass wir in dieser Gesellschaft alle mit Würde leben, und diese Würde fordern wir ein.

Beispielsweise ist es unbegreiflich, dass es schwangere Frauen gibt, die nicht versichert sind. Die Sozialorganisationen haben die Rolle, das humanitäre Problem auf die öffentliche Agenda zu setzen. Der Staat schaut hilflos zu. Ich halt die guten Vorsätze fest. Jedoch schulden wir, die Probleme in Erinnerung zu rufen. Die Verantwortung der Politiker ist nicht nur, die großen Probleme zu lösen, sondern Lösungen für die kleinen Probleme zu geben„, betont Herr Kanakis.

(Quelle: in.gr)

  1. Catalina
    12. Oktober 2012, 01:30 | #1

    Und wir alle leben im angeblich „zivilisierten, reichen“ Europa!

  2. Karlie
    12. Oktober 2012, 10:26 | #2

    Kinder zu Impfen um deren Körper zu vergiften ist genau das was diese brauchen.
    Ich werde das Gefühl nicht los dass solche Ärzteorganisationen eben solches ‚Elend‘ benötigen um ihre Existenz zu rechtfertigen. In Zeiten der Not wäre es wohl effektiver sich der alten ‚alternativen‘ Gesundheitsmethoden zu entsinnen und Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten.

  3. Heinz
    12. Oktober 2012, 12:26 | #3

    @Karlie

    Da fragt man sich natürlich, ob Sie damit in Kauf nehmen wollen, dass in Griechenland bestimmte Krankheiten wie Dyphtherie, Polio usw. Kinder dahin raffen?

    Gegen diese Krankheiten gibt es keine „alternativen Gesundheitsmethoden“ und Selbsthilfe ist nicht möglich. Halten Sie dieses Risiko in einem EU-Staat für vertretbar?

    Natürlich hat der Mann recht, wenn er sagt, dass sich der Staat hier in eindeutiger Weise engagieren muss. Volksgesundheit ist ein hohes Gut.

  4. Konstantin
    12. Oktober 2012, 14:36 | #4

    wir leben auch in einem zivilisierten Europ, nur leider ist Griechenland obwohl es die ganze Kultur geprägt hat, schon lange zurückgeblieben.
    Griechenland ist gleich einem Entwicklunslandes in Sachen Politik, Oranisation, Soziales und ärztliche Versorgung der Bürger. Das kann man auch mit aboslut viel Pariotismus nicht mehr leugnen, leider.
    Die Politiker haben sich ihre eigene Welt auf Pump geschafft und sich recht wenig um das Volk gekümmert. Um die Griechen die im Ausland leben erst recht nicht.
    Es ist ein absolutes Armutszeugnis für die Politiker in Griechenland wie schlimm es meinen Landsleuten da nun geht. Und es ist absehbar das es noch schlimmer wird. Dank der Naziparolen über Merkel werden die Griechen in Deutschland schon etwas benachteiligt.
    Die Ärzte der Welt sind vollkommen im Recht wenn sie die humanitäre Kriese in Griecheland bemängeln.
    Und was ich nicht so recht verstehe ist, daß das Volk sich in Griechenland nicht gegen die Regierung auflehnt sondern die Schuld bei Merkel, Troika, EU oder sonstwo sucht.
    Sicherlich läuft da nicht alles gerade und es sind auch Dinge die absolut falsch sind gelaufen. Aber am Ende und am Anfang haben die Politiker in Griechenland diese Situation herbeigeführt und sind bis heute trotz jeder Menge Finanzhilfen nicht in der Lage etwas zu verbessern. Was nutzen die ganzen Finanzhilfen wenn der Staat ewig nur noch Gehälter kürzt und Sozialleistungen streicht. Die Regierung ist einfach unfähig etwas zu verbessern. Da wird viel besprochen und wenig gemacht.

  5. einer der sich wundert
    12. Oktober 2012, 18:53 | #5

    @Konstantin,
    ich gebe dir in allen punkten recht, NUR wie kommst du darauf, wie auch die meisten deutschen, das „die griechen“ die schuld nur bei denn anderen aber NICHT bei ihrer eigenen regierung suchen?
    Es stimmt die griechen sind sauer auf merkel, bundesregierung (NICHT auf das deutsche volk) und troika, aber VIEL mehr auf ihre eigene regierung, die pfeiffen 🙁

  6. Konstantin
    13. Oktober 2012, 17:09 | #6

    @einer der sich wundert

    Hallo, wie ich darauf komme? Nun ich sehe im Fernsehen Griechen die gegen Merkel demonstrieren in Naziuniform mit Hakenkreuzen. Ich glaube nicht das sich dort einer meiner Landsleute darüber Gedanken macht, was wir Griechen im Ausland deswegen aus zu baden haben. Griechenland fand es auch nicht so toll das eine deutsche Zeitschrift eine griechische Statur mit Hakenkreuz abgebildet hatte, genausowenig finden die Deutschen es toll wenn ihre Bundeskanzlerin in Naziuniform dargestellt wird. Insbesondere weil den Deutschen jeden Tag eingeredet wird das sie für Griechenland mehr Steuern zahlen müssen. Wissentlich wird hier von der Regierung Zinsgewinn und daran gekoppelte Verträge verschwiegen.
    Ich lese von Verschwörungstheorien und Horrozinsen.
    Was ich nicht sehe ist das die Griechen so extrem gegen die Regierung demonstrieren.
    Außer das einige Linke es geschafft haben Banken ab zu brennen und Landleute dabei zu töten. Was ich noch sehe, wieder wurden Pasok und NDK gewählt. Wieder wurden diese Volksverräter und Diebe an die Regierung gewählt.
    Ich denke mal aus Angst den Euro zu verlieren und ganz pleite zu sein. Aber, der Euro kann sich nicht halten und Griechenland wird nach und nach Stück für Stück verkauft werden.
    Die Pleite in Griechenland ist schon da und meiner Meinung nach wird die nur auf Kosten der Bürger verschleppt. Solange Kredite reingepumpt werden, die Wirtschaft abnimmt und das Volk höhere Steuern bezahlen muß, ist es absolut unmöglich das es besser werden kann.
    Und was dieser Syrias sich da mit seinen linken Demonstranten erlaubt ist auch unter aller Sau. Der redet mal so und mal so, heute ist für jenes und am nächsten Tag redet er ganz anders. Er würde es auch nicht schaffen Geld herbei zu zaubern um alles wieder an laufen zu bekommen. Eventuell würde er die Reichen besteuern die noch Steuerfreiheit haben.
    Aber es ist ja nicht nur in Griechenland so, überall auf der Welt scheinen die Politiker nur noch zuerst an sich und dann an $ oder Euro zu denken.

  7. Roditisa
    13. Oktober 2012, 18:45 | #7

    @Konstantin
    Was Du siehst, ist ein Ausschnitt. Ich spreche täglich mit Menschen hier. Ich kenne keinen, der nicht sagt, dass in erster Linie die Probleme Griechenlands hausgemacht sind. Man sagt ganz offen, dass man früher selbst Steuern hinterzogen hat, ohne darüber nachzudenken, dass das das Land kaputt macht. Und natürlich sind viele auf die Politiker sauer. Auch auf die Medien, die sich den Politkern angedient haben, statt investigativen Journalismus zu betreiben, um Misstände aufzudecken. Ich höre gerade seit einigen Monaten immer und imer wieder: „Wir haben es nicht anders verdient.“

    Welche Wahl hatten die Menschen hier bei den Parlamentswahlen in den letzten 2 Jahren denn? Es war klar, dass ein Austritt aus dem Euro die Probleme nicht lösen hätte können. Viele haben auch gehofft, dass Kontrolle von außen durch die EU die griechischen Politiker zu den nötigen Reformen zwingen wird, damit wenigstens unsere Kinder wieder eine Zukunft haben. Insofern waren die Parteien, die sich gegen die EU positionierten eher keine gute Wahl. Und dann muss hier eine existenzbedrohende Krise bewältigt werden. Kann man das einem völligen politischen Neuling anvertrauen? Man hat ja gesehen, wie schlecht sich manche der Papandreou-Minister geschlagen haben und natürlich auch, weil sie keine Ahnung vom politischen Geschäft hatten.

    Ich bewundere, dass trotz der harten Einschnitte und der vielen Schwierigkeiten, die viele Familien jetzt haben, so viele Menschen eine gemäßigte Haltung bebeihalten. Viele halten still, weil sie wissen, dass jede Schwächung der Regierung bedeuten könnte, dass die Extremisten das Parlament erobern. Man wählt das kleinere Übel und über all die Menschen, die statt zu streiken das Land am Laufen halten, über die liest man in den deutschen Zeitungen eher wenig.

  8. Heinz
    14. Oktober 2012, 02:18 | #8

    @Roditisa

    Danke für diesen Beitrag!

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