Träger für Gesundheitsleistungen in Griechenland ist insolvent

21. September 2012 / Aktualisiert: 23. September 2012 / Aufrufe: 5.033

Der Nationale Gesundheitsträger in Griechenland ist definitiv zahlungsunfähig, während die Kosten der pharmazeutischen Versorgung skandalös explodieren.

Bei der erfolgten Begegnung des stellvertretenden Gesundheitsministers Marios Salmas am 17 September 2012 in den Geschäftsräumen des Nationalen Trägers für Gesundheitsleistungen (EOPYY) mit Trägern der Zweige der primären und sekundären Zweige der Gesundheitsversorgung in Griechenland erfolgte die offizielle Mitteilung, dass die Kasse insolvent ist und die fälligen Verbindlichkeiten an die Erbringer von Gesundheitsleistungen – ausgenommen der Apotheker – nicht zu begleichen vermag.

Weiter wird die skandalöse Explosion und privilegierte Begleichung der Aufwendungen für die pharmazeutische Versorgung moniert, die anstatt der ursprünglich angesetzten 33% des Etats inzwischen auf 62% veranschlagt wird, wogegen die Aufwendungen für Klinikärzte und paraklinische Leistungen mit insgesamt gerade einmal 6% berücksichtigt werden.

In ihrer nach der Begegnung mit dem Vizeminister veröffentlichten Bekanntmachung führen die Ärzte des Nationalen Trägers für Gesundheitsleistungen (ENI-EOPYY) an:

Die Stunde Null ist gekommen …

Es ist bekannt, dass der EOPYY seinen Betrieb mit dem spärlichsten Etat von 350 Mio. Euro zur Deckung der Laboruntersuchungen 9,5 Mio. Versicherter aufnahm, während die Aufwendungen allein des OPAD für 2011 für 1,2 Mio. Versicherte 250 Mio. Euro betrugen. Laut den Daten der EUROSTAT hätte der Posten für die primäre Gesundheitsversorgung 1 Mrd. Euro betragen müssen. Im Rahmen der Kürzungen des Sparpakets über 11,5 Mrd. Euro folgten trotz des Beitritts der Versicherten des Versicherungsträgers der Seeleute („Hauses des Seemanns“) und der TAYTEKO (Kasse der Bankangestellten) fortwährender Kürzungen des Etats für die Laboruntersuchungen, mit einem endgültigen Betrag von 260 Mio. Euro bzw. 21 Mio. Euro monatlich.

Bei der Begegnung am 17 September 2012 wurde von Herrn Salmas offiziell das Defizit des EOPYY festgestellt, welches sich auf 2,5 Mrd. Euro beläuft, mit der willkürlichen Beschränkung der jährlichen Aufwendung für paraklinische Leistungen auf 187 Mio. Euro; für das erste Quartal 2012 sind 75 Mio. Euro gezahlt worden, und derzeit ist dieser Etat bereits um 131,37% überzogen worden. Praktisch bedeutet dies einen Zahlungsstopp für Untersuchungen und paraklinische Leistungen. Ebenfalls wurde die politische Entscheidung über die Verhängung weiterer Nachlässe unter der Androhung bekanntgegeben, die Versicherten ausschließlich in die öffentlichen Strukturen des EOPYY zu lenken.

Diese jüngste Nachricht stellt eine tragische Nachricht für die marginal überlebensfähigen Arztpraxen und Labors dar. Die Lage ist fortan außer Kontrolle, da es eine unseres Erachtens systematisch betriebene und ungleiche Kürzung der Aufwendungen für alle übrigen Dienstleister des EOPYY gibt, im Gegensatz zu der pharmazeutischen Aufwendung, die auf Jahresbasis 3,2 Mrd. Euro übersteigen wird – gegenüber den 2,25 Mrd. Euro des ursprünglichen Etats (62% des Etats gegenüber einem Ziel von 33% !!!). Im selben Augenblick stellt er nur 1,8% für die Klinikärzte und 4,2% für Untersuchungen – paraklinische Leistungen – Physiotherapeuten bereit!

Die Unverschämtheit gewisser Personen gegenüber den Bürgern hat jede Grenze überschritten, und während sie von allein und jenseits jeder Logik 62% des Etats des EOPYY für pharmazeutische Aufwendungen entrichtet haben, verleumden sie weiterhin die Ärzte wegen (angeblicher) übermäßiger Rezeptausstellungen, obwohl wir ihnen wiederholt den Weg aufgezeigt haben, diese drastisch einzuschränken, und sie tun es vorsätzlich nicht. Antworten sie, Herr Salmas, auf wessen Anweisung steigt der Posten für die pharmazeutische Aufwendung dramatisch, zur selben Zeit wo alle anderen Posten gekürzt und die Einkommen der Griechen eliminiert werden?

Auf Basis dieser Gegebenheiten werden unsere Mitglieder zu höchster Bereitschaft und lokalen Versammlungen der Labor- und Klinikärzte im gesamten Staatsgebiet aufgerufen, um innerhalb der unmittelbar nächsten Tage zu konferieren und ihre Ansichten dem ENI-EOPYY mitzuteilen.

Wir rufen ebenfalls alle Nicht-Mitglieder zu ihrem umgehenden Beitritt auf, damit die entsprechende gewerkschaftliche Deckung im Fall neuer Massenaktionen besteht, die derzeit unvermeidbar erscheinen – immer in Einklang mit den Beschlüssen der jeweiligen lokalen Verbände der Laborärzte und der Träger der primären und sekundären Gesundheitsversorgung, mit denen der ENI-EOPYY eng in die Richtung der Bildung einer einheitlichen Front zusammenarbeitet, die gemeinschaftlich zu der Planung und Effizienz der Forderungen beitragen wird.

Die Stunde Null ist gekommen, es gibt keine Spielräume für Nachlässigkeiten, alle privaten Träger zur Erbringung von Gesundheitsleistungen werden wir Entscheidungen mit dem einzigen Ziel treffen, die endgültige Zerstörung und Vernichtung der ärztlichen Branche durch die Willkür des EOPYY und der Führung des Gesundheitsministeriums (YYKA) abzuwenden.

(Quelle: zougla.gr)

  1. Heinz
    21. September 2012, 13:34 | #1

    Nun, man muss ja schließlich die Pharmalobby bedienen, oder?

  2. Zwingmann
    21. September 2012, 15:40 | #2

    Es ist doch offensichtlich, dass an der griechischen Bevölkerung ganz bestialisch ein
    Exempel statuiert werden soll. Der weltweiten Bankenmafia ist das vollkommen
    egal, wie viele Menschen dabei draufgehen, Hauptsache die Gewinne stimmen.
    Ich verstehe Griechenland einfach nicht: Warum erklärt Ihr nicht einfach Eure
    Staatsinsolvenz, das ist in der Geschichte schon so oft passiert. Damit könnt Ihr
    der Bankenmafia richtig in die Suppe spucken.
    Die Feinde der griechischen Bevölkerung sitzen nicht nur in den beiden Mafiaparteien,
    sondern auch in der griechischen Nationalbank, die überwiegend ausländischen
    Banken gehört.
    Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
    Auf die Revolution.

  3. Götterbote
    21. September 2012, 16:42 | #3

    @Zwingmann

    Wenn Sie schreiben, dass Sie Griechenland nicht verstehen, dann muss man wohl eher von der griechischen Regierung sprechen. Und in dem Fall ist dann auch wieder klar, warum die nicht so handelt, wie Sie es empfehlen: die verdienen an dem bestehenden System viel zu gut mit, als es wirklich ändern zu wollen.

  4. Zwingmann
    21. September 2012, 18:04 | #4

    @ Götterbote,
    Sie haben recht, ich hätte schreiben müssen, ich verstehe die griechische Bevölkerung
    nicht. Ich habe gerade die Meldung bekommen, dass die griechische Stadt Acharnes,
    lt. wikipedia immerhin knapp 83.000 Einwohner, ab sofort alle Tätigkeiten eingestellt hat. Sie sind pleite und können nicht einmal mehr ihre Angestellten bezahlen.

    Vor vielen Jahren gab es hier in der BRD einen Kulthit von Ton,Steine,Scherben:
    Macht kaputt, was Euch kaputt macht.
    Ein Staatsbankrott Griechenlands wäre genial, denn dann würde auch der
    faschoide Traum von der EU-Diktatur, der fast komplett erreicht ist, zerplatzen.

    Ich habe auf Kreta ganz viele selbstbewußte Menschen erlebt, wenn ich mich recht
    erinnere, fand ich die Sfakioten besonders toll. Ich hoffe, ich habe den Namen noch richtig in
    Erinnerung.
    Als Geburtsstätte der Demokratie sollte Griechenland jetzt „Eier zeigen“ und die
    EU-Diktatur torpedieren. Nach Griechenland wird die Bankenmafia sonst noch versuchen, im nächsten Schritt Spanien und Portugal zu erniedrigen,zu demütigen und leiden zu
    lassen, noch mehr, als diese beiden Länder jetzt schon leiden.

  5. Andreas Schmitt
    21. September 2012, 18:49 | #5

    Es ist noch ein Zeichen, daß die Unternehmen und die Reichen alle Staaten übernommen haben. Die Beschäftigten, die Ärzte, haben auf ihre vertragliche Vergütung verzichten müssen, die Pharmaindustie hat ihre Giftpillen bezahlt bekommen.
    Liebe Griechen, wir kommen bald auch unter die Räder. Unser Land ist auch kaputt, nur die Menschen merken es noch nicht, weil die Reichen aus Deutschland zuerst ihr Land kaputt gemacht haben. Was bei euch passiert, wird hier in spätestens 2 Jahren auch passieren.
    Die Massenarbeitslosigkeit aus Deutschland haben die Unternehmen und Vermögenden nach Südeuropa exportiert. Sie haben euch Kredit gegeben, ihr habt dann deutsche Waren gekauft. Und jetzt? Jetzt seid ihr die Bösen. Aber das geht nicht mehr weiter. Das ist das Ende. Die Reichen aus Deutschland haben 840 MILLIARDEN Euro Kredit fürs Ausland gegeben, jetzt sagen die gleichen Reichen – ihr seid pleite. Wenn ihr pleite seid, dann zahlt doch nichts mehr zurück. Was passiert dann?

  6. Griechenfreundin
    22. September 2012, 20:37 | #6

    @Zwingmann
    Vielen Dank fuer diesen Kommentar. Er spricht mir aus dem Herzen. Ton Steine und Scherben kenne ich aus meiner deutschen Vergangenheit. Macht kaputt was Euch kaputtmacht, das muesste die Antwort sein. Es passt auch noch: Sklavenhaendler hast Du Arbeit fuer mich, Sklavenhaendler ich tu alles fuer Dich. Das ist die Situation mittlerweile ueberall. Hungerlohn fuer viel Arbeit, wenn es denn ueberhaupt Arbeit gibt. Menschenverachtend diese Bankenmafia, die gesamte Politik. Schlimm auch, dass nun die „Rechten“Auftrieb haben. Die Geschichte hat gezeigt, wenn es den Menschen schlecht geht, suchen sie einen Suendenbock. Wellen von Verhaftungen sogenannter Immigranten, Fluechtlinge. Es ist nicht nur traurig sondern schamlos. Menschen, die zusammengepfercht in Drahtverhauen auf ihre Deportation warten. Menschen, die klauen muessen, damit sie ueberleben. Menschen, die keine Gesundheitsversorgung mehr haben, weil und weil und weil.

  7. Griechenfreundin
    22. September 2012, 20:40 | #7

    @Andreas Schmitt
    Ja, was passiert denn dann?

  8. Griechenfreundin
    22. September 2012, 20:46 | #8

    @Götterbote
    Aendern kann alles Dies nur das griechische Volk. Es war immer so und wird so bleiben. Ich war sehr irritiert, dass die alten Pappnasen gewaehlt wurden. Ich habe es fuer mich so interpretiert, dass sie den Euro nicht verlieren wollten. Inwiefern Griechenland da mitverdient habe ich nicht verstanden. Vielleicht bin ich naiv,

  9. Griechenfreundin
    22. September 2012, 21:14 | #9

    @Andreas Schmitt
    Na, das klingt mir doch etwas sehr einfach. Deutschland ist eine Industrienation, was man von den suedlichen Laendern bestimmt nicht sagen kann. Dennoch teile ich die Einschaetzung, wenn auch nicht in Monaten oder Jahren …

  10. Griechenfreundin
    22. September 2012, 21:18 | #10

    @Heinz
    Wie meinen Sie das?

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