Schattenhandel bulgarischer Ärzte in Griechenland

17. September 2012 / Aktualisiert: 30. November 2015 / Aufrufe: 659

In der Präfektur Xanthi in Griechenland blüht mit ärztlichen Leistungen bulgarischer Ärzte ein neuer Zweig der ausgeprägten lokalen Schattenwirtschaft auf.

Ärztliche Hausbesuche zu Preisen von 5 – 10 Euro, aber auch den Verkauf von Medikamenten … in ihrem Wohnzimmer bieten den Einwohnern – hauptsächlich der Bergdörfer –  der Präfektur Xanthi in letzter Zeit bulgarische Gewerbetreibende an und üben eine neue Art des „Schattenhandels“ aus, der in den letzten Monaten nahe der Grenzen zu blühen begonnen haben scheint.

Wenn auch bisher keine offizielle Anzeige bei der Ärztekammer oder dem Verband der Pharmazeuten in Xanthi erfolgt ist, stellt das Phänomen bulgarischer Ärzte (oder angeblicher Ärzte), welche über die Grenze kommen um auf griechischem Boden ärztliche Leistungen feilzubieten oder auch Präparate zweifelhafter Qualität zu verkaufen, ein offenes Geheimnis dar – mit allem, was dies für die öffentliche Gesundheit und den Verlust von Einnahmen für den griechischen Fiskus bedeutet.

Das Problem mit dem Schattenhandel aus dem inzwischen über fünf Grenzübergänge mit Griechenland verbundenen Bulgarien ist riesig, da es keinerlei substantielle Kontrolle gibt. Während wir bisher von Griechen wussten, die sich für ärztliche Behandlungen nach Bulgarien begaben, sehen wir in letzter Zeit sogar auch Ärzte oder Apotheker aus Bulgarien, die mit ihren Taschen durch die Kaffeehäuser der Dörfer ziehen und nach Kunden suchen. Sie klopfen an die Türen der Häuser und bieten Untersuchen für 5 Euro an„, betont im Gespräch mit der AMPE der Präsident der Handelskammer Xanthi, Stylianos Moraitis.

Zahnärzte, Pathologen und … Scharlatane

Anastasios Karadedos, Präsident der Ärztekammer Xanthi, betont seinerseits gegenüber der Nachrichtenagentur AMPE, dass das Thema in den höher gelegenen Dörfern tatsächlich existent sein mag, auch wenn ihm bisher keine offizielle Beschwerde zugetragen wurde. Hinsichtlich der Qualifikation der bulgarischen Ärzte, die sich in den Grenzgebieten der Präfektur Xanthi einstellen, merkt Herr Karadedos an, laut den vorliegenden Informationen handele es sich in der Mehrzahl um Zahnärzte oder Pathologen handelt, ohne dass ausgeschlossen ist, dass es sich auch einfach nur um „Scharlatane“ handelt, die nicht einmal über eine Approbation verfügen.

Obwohl die Leistungen der griechischen Ärzte hier ebenfalls zu niedrigen Preisen in der Größenordnung von 20 – 30 Euro angeboten werden, bieten diese Gewerbetreibenden Untersuchungen und Behandlungen, wie gesagt wird, für 5 – 10 Euro feil„, bemerkt Herr Karadedos, der ernsthafte Bedenken bezüglich der Qualität der Medikamente äußert („bei diesen Medikamenten wissen wir nicht, um was es sich handelt„), welche möglicherweise den Patienten verabreicht werden.

Die sogenannte ‚Medizin der Grenzen‘ ist hier bereits sehr weit entwickelt, mit etlichen Griechen, die sich in Nachbarländer begeben. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass auch Bulgaren nach Griechenland kommen, möglicherweise auch mit Koffern voller Medikamente, um diese zu verkaufen„, fügt er an und ruft in Erinnerung, dass so wie so „ungeheure Mengen an Medikamenten“ unzulässig per Internet vertrieben werden.

Laut ihm persönlich sind die unzureichenden Kontrollen an den Grenzen die Hauptursache des Problems. Wie er meint, „sind die vorgenommenen ärztlichen Leistungen glücklicherweise keine operativen Eingriffe„. Despina Kalfa, Präsidentin des Pharmazeuten-Verbands Xanthi, merkt gegenüber der AMPE an, das in Rede stehende Phänomen sei meistens in Bergdörfern wie Oraneo oder Thermes anzutreffen, die in einer Entfernung von höchstens einer halben Stunde von der griechisch-bulgarischen Grenze entfernt liegen.

Sie stellt jedoch klar, das Ausmaß des Phänomens nicht zu kennen, aber auch, dass bei dem Verband bisher keinerlei offizielle Anzeige eingegangen sei, auch nicht von Apothekern der in Rede stehenden Gebiete. Laut ihr selbst scheinen die bulgarischen „fliegenden Apotheker“ jedenfalls hauptsächlich „schwache“ Präparate wie kosmetische Salben zu verkaufen. „Bezüglich der Medikamente halten außerdem die in unser Gebiet kommenden Bulgaren häufig bei griechischen Apotheken an, um als zuverlässiger erachtete Medikamente zu kaufen„, fügt sie an.

Allgemeiner Schattenhandel in Xanthi bei 60%

Die ärztlichen Dienstleistungen und der unzulässige Verkauf von Medikamenten durch bulgarische Ärzte mögen den neuesten Ausdruck des Schattenhandels in Xanthi darstellen, jedoch ist das allgemeinere Phänomen alt und sehr ausgedehnt und führt die Gewerbetreibenden in die Verzweiflung.

Die Schattenwirtschaft in unserer Präfektur erreicht schätzungsweise 60% des allgemeinen Handels“ äußert Herr Moraitis gegenüber der AMPE und fügt an, dass ein zentraler Kontrollmechanismus zur Bekämpfung des Phänomens erforderlich sei, mit Einsatzgruppen, die rund um die Uhr Kontrollen vornehmen. „Bulgarien ist mit unserer Region über Promachonas, Exochi, Agio Konstantionos, Ormeni und Mikro Derio verbunden. Wenn auch die senkrechte Achse von Komotini freigegeben wird, werden sich die in unserer Region weiterhin überlebenden Unternehmen auf ein Minimum reduzieren„, ergänzt.

Er selbst erinnert daran, dass in Xanthi der erste Stab zur Kontrolle der Wochenmärkte und des nicht ortsfesten Handels (KELAYE) gegründet und unterhalten wurde, der jedoch trotz der ehrgeizigen Bemühungen seiner Mitglieder heute geschwächt worden ist. „Von den anfänglich beteiligten 64 Romantikern sind 12 Aktive verblieben, die sich anstrengen und heldenhaft arbeiten, jedoch kann der Schattenhandel nicht nur mit Helden kontrolliert werden„, meint Herr Moraitis.

Laut ihm selbst sind die Gewerbetreibenden in Xathi wegen des großen Ausmaßes des Phänomens verzweifelt, und wenn sich nicht bald etwas ändert, stellen sie sich darauf ein, im Zeitraum bis zum 15 Oktober zu einer symbolischen 24-stündigen Warn-Blockade des Grenzübergangs Agios Konstantinou zu schreiten.

(Quelle: 24h.gr)

Kommentare sind geschlossen