Magma-Blase unter Santorin in Griechenland wächst

12. September 2012 / Aktualisiert: 25. September 2017 / Aufrufe: 1.583

Laut einem aktuellen wissenschaftlichen Bericht nahm das Volumen der Magma-Blase unter dem Vulkan der Insel Santorin innerhalb nur eines Jahres rasanten zu.

Laut englischen Wissenschaftlern der Universitäten Oxford und Bristol, in Zusammenarbeit mit ihren griechischen Kollegen der Universität Athen (Abteilung für Geologie & Geo-Umwelt) und der Nationalen Technischen Universität Athen (Labor für obere Erdgeologie), hat sich zwischen Januar 2011 und April 2012 die unterirdische Kammer des Magmas (des verflüssigten Gesteins) unter dem Vulkan von Santorin signifikant ausgedehnt. Die Wissenschaftler erachten, dass die Magma ein bis zu 15 Mal größeres Volumen als das Olympia-Stadion in London aufweist. Der Volumenzuwachs der Magma-Blase gilt als der bedeutendste, der kurz nach dem letzten Ausbruch des Vulkans 1955 stattgefunden hat.

Die Forscher unter Leitung des Professors für Vulkanologie David Pyle und der Vulkanologin Michelle Parks der Abteilung für Geowissenschaften der Universität Oxford und Juliet Biggs der Abteilung für Geowissenschaften der Universität Bristol, welche den einschlägigen Artikel in dem Magazin „Nature Geoscience publizierten, ermittelten, dass in dem selben Zeitraum das Anschwellen des Magmas zu einer Erhebung der Oberfläche der Insel um 8 bis 14 Zentimeter führte. Die lokalen Berechnungen auf Santorin erfolgten mit Hilfe von Satellitenbildern, welche die Europäische Raumfahrtorganisation (ESA) und der deutschen Raumbehörde (DLR) bereitstellten, sowie auch GPS-Messungen vom Boden aus.

Wissenschaftler schließen nicht auf einen anstehenden Vulkanausbruch

Obwohl die Daten mehr Licht auf die Funktion des Vulkans werfen (der gegen 1600 v. Chr. eine der größten Explosionen in der Weltgeschichte verzeichnete und möglicherweise zur Katastrophe der minoischen Kultur führte), bringen sie laut den Forschern keine Klärung in der Hauptfrage: wann der Vulkan wieder ausbrechen wird.

Das „Wiedererwachen“ des Vulkans wurde Anfang 2011 mit kleinen Erdbeben verzeichnet, welche die Aufmerksamkeit der griechischen und ausländischen Wissenschaftler auf sich zogen, da in der Caldera ungefähr 25 Jahre lang relative Ruhe herrschte. Die Kleinbeben wurden von einigen anderen sporadischen Anzeichen begleitet, wie Änderungen der Farbe des Wasser an bestimmten Stellen und Freisetzung von Gasen mit einem charakteristischen Geruch.

Die Forscher erachten, dass die Menge des verflüssigten Gesteins (Magmas), die sich während des vergangenen Jahres unter dem Vulkan angesammelt hat, ungefähr 10 bis 20 Jahren der Entwicklung des Vulkans entspricht. Sie unterstreichen jedoch, dies bedeute nicht, dass eine Explosion bevorstehe, dagegen sei – wie sie betonen – die seismische Aktivität während der letzten Monate eindeutig zurückgegangen.

Die Forscher merken an, dass der Vulkan von Santorin im Verlauf der Zeit zwei verschiedene Arten von Ausbrüchen zeigt: einerseits kleine Eruptionen, die relativ häufig stattfinden und Lava freisetzen, und andererseits große Explosionen, welche sich selten, sprich ungefähr alle 10.000 bis 30.000 Jahre ereignen. Von beiden Eruptionstypen wird angenommen, dass sie in einer in geringer Tiefe befindlichen Magmakammer „ausgebrütet“ werden, die kontinuierlich von kleinen Mengen flüssigen Gesteins gespeist wird, welches von unten nach oben strömt.

Studien werfen Licht auf das Entstehen der Eruptionen

Wie jedoch die neue Studie anführt, zeigen geologische (mineralogische) Studien, dass wenigstens 15% der bei der minoischen Explosion des Vulkans ausgestoßenen Materie weniger als 100 Jahre vor der Explosion, also nicht schrittweise und über einen langen Zeitraum, sondern innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums in die Kammer gelangte.

Laut den Forschern wird die in geringer Tiefe befindliche Magmakammer sporadisch mit schnell fließenden Magma-Mengen gespeist, gleich ob sich der Vulkan von Santorin in der üblichsten (langsamen) Phase der Ansammlung von Lava oder in seiner seltensten (und schnellen) eruptiven Phase befindet. Die Dauer der Perioden des Magmazuflusses ist kurz im Verhältnis zu den dazwischen liegenden Ruheperioden, während das zeitliche Auftreten dieser sporadischen Lavaschübe von der Dynamik abhängt, die sich in dem noch tiefer gelegenen Teil der Magma unter Santorin entwickelt.

Bei den jüngsten Eruptionen des Vulkans von Santorin sind üblicherweise zwei verschiedene Arten von Magma an die Oberfläche getreten, nämlich hauptsächlich Dazit (siliziumreiche Lava) und sekundär Andesit (heißere Lava mit geringerem Siliziumanteil). Vorherige Untersuchungen haben gezeigt, dass die Ausbrüche von dem Aufstieg des Andesits an die Oberfläche initiiert zu werden scheinen, welches das reichlicher vorhandene Dazit „hochhebelt“ und somit den Auslöser für die Eruption gibt, wahrscheinlich innerhalb eines Zeitraums von wenigen Wochen.

Weil jedoch laut den englischen Geowissenschaftlern (zu deren Untersuchung die griechischen Forscher Paraskevi Nomikou, Xanthos Papanikolaou, Dimitris Papadisis, Kostas Raptakis und Vangelis Zacharis beitrugen) die jüngste vulkanische Aktivität sehr viel längere Zeit angedauert hat, wird angenommen, dass die verflüssigten Gesteinsmassen, die sich jetzt unter Santorin ansammeln, Dazite und keine Andesite sind.

(Quellen: Imerisia, Nature Geoscience)

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  1. stedi
    12. Januar 2013, 21:05 | #1

    Andesit entsteht erst bei der Entgasung der Magma – respektive hier im konkreten Fall bei der zumeist eruptiven Entgasung von Dazit.

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