Löhne der 70er und Arbeitslosigkeit der 60er Jahre in Griechenland

8. September 2012 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 2.125

Laut dem Jahresbericht 2012 des INE/GSEE fallen in Griechenland Arbeitslosigkeit und Kaufkraft auf das Niveau der 60er und 70er Jahre zurück.

Laut den Daten des Instituts für Arbeit (INE) der GSEE, das seinen Jahresbericht über die griechische Wirtschaft und die Beschäftigung des Jahres 2012 publizierte, wird die griechische Gesellschaft in den sozialen Bankrott geführt.

Gemäß dem Bericht wird für 2013 eine Explosion der Arbeitslosigkeit auf 34%, ein dramatischer Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP), der Zusammenbruch des Sozialstaats und ein zügiger Rückgang der Kaufkraft der Arbeitnehmer und Rentner auf das Niveau gegen Mitte der 70er Jahre erwartet. In dem Bericht wird sogar betont, dass die Arbeitnehmer und Rentner von den schmerzhaften Kürzungen verschont geblieben wären, wenn nur die Hälfte der Höhe der jährlichen Steuerhinterziehung, also 7,5 Mrd. Euro „gefasst“ worden wäre. Die stattdessen erfolgten Kürzungen haben zum Ergebnis, dass die Kaufkraft der Niedrigverdiener fortan auf das Niveau der Jahre 1978 – 1979 zurückkehrt, während die Kaufkraft der mittleren Einkommen auf das Niveau der frühen 80er Jahre zurückfiel.

Die kontinuierliche Senkung der Löhne und Renten hat zum Ergebnis, dass in den letzten drei Jahren (2010 – 2012) ein nie erlebter Einbruch der inländischen Nachfrage verzeichnet wird, die auf das Niveau des Jahres 2000 zurückfiel und (bei Fortsetzung der selben Politik) auf das Niveau der Inlandsnachfrage der 90er Jahre zusteuert.

Anstieg der Arbeitslosigkeit auf das Niveau der 60er Jahre

Bezüglich der statistischen Arbeitslosigkeit wird prognostiziert, dass sie Ende 2013 eine Quote von 28% – 29% erreicht, während die reale Arbeitslosigkeit (also wenn auch Selbständige, Langzeitarbeitslose, welche ihren Arbeitslosenausweis nicht erneuern, usw. berücksichtigt werden) 34% übersteigen wird. Eine solche Arbeitslosenquote gas es in Griechenland 1960, als die Griechen massenhaft nach Deutschland auswanderten.

Das Schlimmste ist jedoch, dass die Arbeitslosigkeit voraussichtlich für weitere sieben Jahre – also bis 2020 – auf einem hohen Niveau verbleiben wird und eine ganze Generation junger Griechen, die als „verlorene Generation“ der Memoranden in die neuere Geschichte eingehen wird, im Sumpf versinkt. Äußerst tragischste ist natürlich ebenfalls, dass die Arbeitskosten 2010 – 2011 um 8% reduziert wurden, ohne dass jedoch die Arbeitslosigkeit sinkt, wie zumindest die Arbeitnehmerverbände prognostizierten, als sie vertraten, die Senkung der Lohnkosten würde neue Arbeitsplätze schaffen … .

Die Eckdaten des Jahresberichts des INE/GSEE für 2012

  • Seit Mai 2010 bis zum diesjährigen Juni beliefen sich die Kürzungen der Haupt- und Zusatzrenten auf insgesamt 4,2 Mrd. Euro, während in dem Programm der Kürzungen von 11,8 Mrd. Euro für die Periode 2013 – 2014 die Kürzungen der Haupt- und Zusatzrenten, Abfindungen und Sozialleistungen 43% des Gesamtbetrags, also 5,5 Mrd. Euro entsprechen.
  • In der Periode 2010 – 2011 erreichten die Gehaltskürzungen auf dem öffentlichen Sektor 3,5 Mrd. Euro und auf dem privaten Sektor 3 Mrd. Euro. Insgesamt beliefen sich in der Periode 2010 – 2011 die Kürzungen der Renten und die Senkungen der Löhne summarisch auf 16,2 Mrd. Euro (8% des BIP), ohne dass die Arbeitslosigkeit, die öffentliche Verschuldung und die Rezession zurückgegangen sind.
  • Die Kaufkraft des durchschnittlichen Einkommens ist auf das Niveau zu Mitte der 70er Jahre gesunken. Die durchschnittlichen Bezüge betrugen 25.470 Euro im Jahr 2011, während sie sich 2013 mit den neuen Kürzungen 15.000 bis 17.000 Euro nähern werden, also dem Niveau von Ländern wie Estland, Tschechei und Kroatien.

Eine weitere tragische Feststellung der Berichts ist laut dem wissenschaftlichen Leiter des INE/GSEE Sawwas Rompolis, dass ab 2008 abrupt das produktive Rückgrat des Landes zusammenbrach. Griechenland wurde also hinsichtlich der Produktion und Technologie in einem solchen Maß zerschlagen, dass selbst dann, falls es einen schrittweisen Aufschwung geben wird, keine Produktionsbasis mehr existieren wird, die ihn zu nutzen vermögen wird.

Ebenfalls in einer wirtschaftlichen Sackgasse befinden sich laut dem Bericht der INE/GSEE die Versicherungskassen, da sie inzwischen fast 80% der jährlichen staatlichen Zuschüsse absorbiert haben und wegen des Zusammenbruchs der Einnahmen einem ernsthaften Liquiditätsproblem begegnen, was zum Ergebnis hat, dass sie Monat für Monat die Zahlung der Renten mittels interner Kredite finanzieren.

(Quelle: Vradyni)

  1. Europaverweigerer
    8. September 2012, 11:38 | #1

    und? in den Jahren wurde damit begonnen die „Südstaaten“ zu finanzieren und sei es durch Urlaubsfahrten und somit vermehrten Devisenzufluss.

    Frech gesagt, wir waren so blöd dem später die Aufnahme und Alimentierung ohne Gegenleistung zu erlauben/ermöglichen

  2. maldek
    8. September 2012, 23:22 | #2

    Kurz und schmerzhaft ausgesprochen, stellt sich die Situation wie folgt dar:

    Jahrzehntelang wurden die Subventionen verkonsumiert. Durch den neuen Wohlstand war es möglich, importe aus China zu kaufen, die billiger waren, als im Land produzierte Ware.
    Die Textilindustrie fällt mir da als gutes Beispiel spontan ein.

    Dadurch ist real der Wohlstand der Nation GEFALLEN, jedoch wurde durch Kredite ein stetiges Wachstum vorgetäuscht. Den Leuten ging es von Jahr zu Jahr besser – auf Kredit.

    Jetzt gibt es weniger Kredit und die Menschen sind ent-täuscht.
    (Der Gedankenstrich ist Absicht!)

    Auf Ent-täuschung folgt in der Regel Wut, also wird wohl noch Blut fließen müssen, bevor Wut letztlich in Resignation über geht und die Menschen auf dem neuen, NIEDRIGEREN (das heißt niedriger, als vor dem Beginn der Subvention = EU Beitritts !!!) Lebensstandard dauerhaft angekommen sind.

    Oder einfach gesagt, es ist wohl unvermeidlich erst zum Grund des Meeres abzutauchen, um sich dann von dort wieder nach oben abstossen zu können. Wenn ihr das Bild versteht.

    Alles Gute
    Maldek

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