IWF sabotiert Griechenland-Programm

28. September 2012 / Aufrufe: 1.835

Laut einem Artikel des Guardian blockiert der IWF vorsätzlich das neue Sparpaket in Griechenland, um einen weiteren Schuldenschnitt zu erzwingen.

Der Internationale Währungsfond will, dass die Maßnahmen in Griechenland misslingen, damit die griechische Regierung gezwungen wird, einen weiteren „Schnitt“ der Verschuldung zu verlangen, wobei jedoch Deutschland und die Kommission gegen eine solche Möglichkeit sind.

Diese für die griechischen Interessen schockierende Enthüllung macht ein Artikel des englischen „Guardian“, auf dessen Basis „sich bei Mitgliedern der Regierung Samaras der Verdacht verstärkt, dass der IWF vorsätzlich die Vereinbarung über die neuen Kürzungen blockiert, welche für die Auszahlung der nächsten Tranche gefordert werden„.

Grundsätzlich wollen sie, dass die Maßnahmen fehlschlagen, damit Griechenland gezwungen wird, einen weiteren Schuldenschnitt zu verlangen, jedoch ist uns bekannt, dass dies nicht die Ansicht der Europäischen Kommission oder Deutschlands trifft, die sich in der gegenwärtigen Phase einer weiteren Umstrukturierung der Verschuldung heftig entgegenstellen„, führt eine Quelle aus Athen an, auf die sich der „Guardian“ beruft, ohne sie jedoch zu benennen.

Extreme Spannungen zwischen griechischer Regierung und Troika

Der „Guardian“ Zeitung merkt an, dass der griechische Premierminister Antonis Samaras am vergangenen Freitag (21 September 2012) persönlich mit Christine Lagarde telefonierte, um die Deeskalation der Spannungen nach der Kollision des Leiters der Delegation der Troika mit dem griechischen Finanzminister Giannis Stournaras wegen der Kürzungen zu verlangen.

Auf die „heiße“ Episode des Herrn Stournaras mit Poul Thomsen bezieht sich ebenfalls ein Artikel der „New York Times“, wonach die Spannungen zwischen der griechischen Regierung und den Gläubigern sich an einem „Grenzpunkt“ befinden. (Anmerkung: Finanzminister Stournaras hatte – sinngemäß – Poul Thomson vorgeworfen, die griechische Regierung stürzen zu wollen, und ihn aufgefordert, seine Sachen zu packen und zusammen mit den Vertretern der Troika aus Griechenland zu verschwinden. Zwei Stunden nach dem Telefonat Samaras – Lagarde wurde Thomsen aus der Konferenz mit Funktionären der EU und EZB mit dem griechischen Wirtschaftsstab zu einer Tele-Konferenz mit seinen Vorgesetzten des IWF herausgerufen und kehrte kurz darauf als „völlig anderer Gesprächspartner“ zurück – siehe auch Das Telefonat, welches Thomsen auf den Boden zurückbrachte …)

Laut der New Yorker Zeitung widersetzt sich die griechische Regierung dem Drängen des IWF auf die Verhängung zusätzlicher Sparmaßnahmen, von denen die griechischen Führer befürchten, dass sie die zerbrechliche Koalitionsregierung destabilisieren können. Sie vertritt wiederum, Antonis Samaras plane in einem Versuch, die Unterstützung für das Sparpaket zu Erhöhen, eine Ansprache an das griechische Volk zu richten, während sie speziell auch Bezug auf Kanzlerin Merkel nimmt, die – wie gesagt wird – den griechischen Premierminister als „die letzte Hoffnung Griechenlands“ sehe.

Die NYT merkt weiter an, die griechischen Technokraten seien besorgt, dass Europa – mit der Hilfe des IWF – wahrscheinlich den Fall Griechenlands „ausheckt“, speziell jetzt, wo die EZB mit dem neuen Programm zum Aufkauf von Anleihen, welches zum Ziel hat, Spanien und Italien vor der Übertragung der Krise im Fall des Bankrotts Griechenlands zu schützen, eine Art Sicherheitsmauer für die übrige Eurozone hochgezogen hat.

Die Agentur Bloomberg ruft schließlich in Erinnerung, dass – wie seitens des IWF vertreten worden ist – eine zusätzliche Finanzierung an Griechenland aus Europa kommen müsse, entweder in Form höherer Hilfe oder in der Form einer neuen Umstrukturierung der griechischen Verschuldung.

(Quelle: Imerisia)

  1. Pantelis B.
    28. September 2012, 00:37 | #1

    Lieber Admin, die NY-Times (Mr. X und Mr. Y waren bei dem Gespräch dabei) schildert das Treffen zwischen den Herren Thomsen und Stournaras „etwas“ anders 😉

    http://www.nytimes.com/2012/09/25/business/global/rift-with-imf-adds-to-greeces-tensions-in-pivotal-week.html?pagewanted=all&_moc.semityn.www&_r=0

    P.S. Weite so, der Blog wird immer besser!

  2. Heinz
    28. September 2012, 00:57 | #2

    Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass es beim Ganzen nicht um Griechenland sondern um Gesamteuropa geht, dann ist er jetzt erbracht.
    Der IWF ist fest in den Händen der Amerikaner. Handelskriege werden heute so ausgetragen.

  3. admin
    28. September 2012, 08:51 | #3

    @Pantelis B.
    Der in der Anmerkung angeführte – selbstverständlich nicht auf Griechisch erfolgte – verbale Schlagabtausch wurde in mehreren griechischen Medien zitiert und nicht dementiert. Chrakteristische Phrase war sinngemäß „Willst Du, das wir gehen? – Ja, nimm Deine Leute und verschwindet aus Griechenland“.

  4. V99 %
    28. September 2012, 09:26 | #4

    Schade, dass die „Quelle“ aus dem Guardian nicht angegeben ist!
    Laut NYT hat Mr. Staounaras Thomsen, auf die Forderung weiterer Kuerzungen folgendes entgegnet: „Sehen sie das Loch in dem Fenster? Es stammt von einer Kugel! wollen sie die Regierung stuerzen?“ (Wer hat das Geruecht also in die Welt gesetzt?)
    Anscheinend war die Verhandlungsstrategie des Mr.Thomsen nicht mit der von Fr. Lagarde konform. Sonst haette sie ihn, in dem Telefonat, nicht zurueck gepfiffen.
    Katerina Kosma hat in ihrem Artikel eine entscheidende Uebertreibung eingebracht. Originaltext:
    „And yet, there remains a concern among a small number of technocrats in Greece that, positive oratory aside, the next round of cuts will be too severe to be viable politically — leaving open the danger of a euro exit, best efforts notwithstanding.“
    Aus der „small number“ (kleinen Anzahl) wurden ploetzlich „die griechischen Technokraten“, also ALLE?? (Οι «ΝΥΤ» σημειώνουν ακόμη ότι οι Ελληνες τεχνοκράτες..)
    Man kann durch Vermischung von diversen Artikeln ein Aussage erzeugen, die so wahrscheinlich nicht von den einzelnen Verfassern vorgesehen ist 😀
    Ausserdem, wer bis heute immer noch nicht verstanden hat, dass es einen Krieg zwischen den „Maerkten“ und besonders zwischen € und $ gibt, dem kommen Verschwoerungsgeschichten gerade recht. Die Dollar-Bangster wollen einen Fall von Griechenland herbeifuehren. Ob das bei Resteuropa der Fall ist, bleibt anzuzweifeln. Im uebrigen, hatte man sich nicht im Jahre 2001 an Goldmann Sachs um eine Hilfe bei der „Begradigung“ der Euro Eintrittsbilanzen gewandt un danach einiger Massen vernuenftig gewirtschaftet, koennte der IWF keine solchen Massnahmen verlangen.
    Entschuldigung, wenn ich die „Quellen“ lese, bevor ich was darauf schreibe! Ich glaube eh nicht, dass das durch dir „Pruefung“ kommt 😀

  5. admin
    28. September 2012, 10:45 | #5

    @V99 %
    Neee, klar, ganz toll … der unermüdliche Einsatz einer handvoll Erleuchteter, die sich hier den übrigen Lesern gegenüber immer wieder durch ihren überlegenen Intellekt zu differenzieren wissen. Besonders wertvoll sind in diesem Rahmen natürlich auch die brillanten „copy & paste“-Aktionen – zumal kein normaler Sterblicher in der Lage sein dürfte, so exotische Publikationen wie jene der NYT und des Guardian zu finden, geschweige denn (um Gottes Willen, alles auf Englisch!) ohne mentale Hilfestellung zu verstehen.

  6. enttaeuscht
    28. September 2012, 12:38 | #6

    @ admin
    unglaublich wie verletzend du sein kannst!
    Glaubst du wirklich, dass die Leute hier ihren „ueberlegenen Intellekt“ zeigen wollen? Es ist doch ganz einfach: jeder hat eben seine eigene Art zu denken und zu schreiben.Man kann nicht mit deinem Kopf denken und handeln. Du scheinst mir wie ein autoritaerer Papa.

  7. V99 %
    29. September 2012, 16:47 | #7

    @ enttaeuscht
    Danke fuer Deinen ueberlegenen Intellekt! Ich hoffe Dir geht es gut und sie haben Dein Gehalt nicht zu stark gekuerzt.

    @ Admin
    Dann habe ich ja einen erstaunlichen Wandel in kurzer Zeit gemacht.
    Vom BILD-Leser zum ueberlegenen Intellekt. Danke fuer die Blumen 😀
    Hier ist noch der Artikel aus dem Guardian (um Gottes Willen, alles auf Englisch!):
    http://www.guardian.co.uk/business/2012/sep/24/imf-time-greece-austerity-christine-lagarde
    Ein wenig mehr Toleranz und Humor wuerden dem Block auch gut tun..
    Καλό Σαββατοκύριακο!

  8. Götterbote
    29. September 2012, 20:07 | #8

    Also wenn ich es richtig verstanden habe, werden auf dieser Internet-Seite in erster Linie griechische Zeitungsartikel (egal ob Print oder Internet) vom Admin ins Deutsche übersetzt. Das er dabei Artikel wählt, die in erster Linie ihn interessieren und vermutlich seine Meinung wiederspiegeln, dürfte auch jedem klar sein, wobei ich in den Monaten, die ich nun hier fast täglich reingeschaut habe, noch kein allzu extremes Muster erkennen konnte und fast (aber auch nur fast) behaupten würde, dass die Artikel fast alle Lager bedienen.

    Warum es hier nun ein paar Experten gibt, die den Admin immer wieder „angreifen“ und kritisieren, ist mir ein Rätsel. Statt dankbar für so eine Seite zu sein, die mit Sicherheit viel Arbeit und Mühe mit sich bringt, wird so getan, als wenn es die Schuld des Admin ist, wenn in einem Bericht eventuell etwas falsch zitiert wurde oder sonst was. Um mich nicht falsch zu verstehen: ich habe nichts dagegen, wenn jemand andere Quellen vorlegt, die zeigen, dass sich genannte Fakten eines Artikels oder ähnliches als unwahr oder zumindest zweifelhaft herausstellen und ich habe auch nichts gegen Diskussionen (die Wahrheit liegt eh immer im Auge des Betrachters oder besser gesagt des jeweiligen Journalisten). Aber hier hat man eher den Eindruck, dass es darum geht, den Admin „zu überführen“ oder politisch in eine Ecke zu drängen. Da frage ich mich, was diese Leute hier wollen. Wenn ich die Bild-Zeitung scheiße finde, dann kaufe ich sie mir nicht. Und wem die Seite hier nicht gefällt, der sollte doch einfach selbst eine Seite ähnlicher Art ins Leben rufen und es besser machen oder einfach fern bleiben, zumal der Admin auch einfach die Möglichkeit der Kommentarabgabe beenden könnte und einfach nur seine Artikel veröffentlicht.

    Ich persönlich bin alleine aufgrund meiner schlechten Griechischkenntnisse sehr dankbar für die Seite und hoffe, dass es sie weiterhin geben wird.

  9. kosmida
    30. September 2012, 09:48 | #9

    @Götterbote
    ich stimme dir voll zu

  10. V99 %
    30. September 2012, 10:56 | #10

    @ Götterbote
    Ich vermute, dass ihnen in ihrer Lieblingszeitung auch nicht alle Artikel gefallen, bzw. sie mit der darin vertretenen Meinung uebereinstimmen, werden, die sie dort lesen, oder? Wuerden sie deshalb das Lesen derselben einstellen?
    Falls hier keine kritischen Kommentare erwuenscht sind, sollte das Kommentar geben geschlossen werden.
    Ich bin dem Admin, auf jeden Fall dankbar fuer die Uebersetzungen. Durch diesen Blog konnte ich einige Dinge besser verstehen, die in diesem Land, in dem ich mich aufhalte, vor sich gehen. Das heisst aber nicht, dass ich alle Meinungen teile, die hier vertreten werden. Wenn das als “angreifen” / “zu überführen” oder politisch in eine Ecke zu drängen“ gedeutet wird, finde ich das Schade. Und wenn bestimmte Verhaltensweisen, wie in den Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren aufgefuehrt, nicht erwuenscht sind, halte ich mich, auch nach einer Massregelung, daran. Allerdings wuerde ich das auch von ALLEN anderen erwarten.
    Einen schoenen Sonntag wuensche ich ihnen!

  11. Götterbote
    30. September 2012, 19:41 | #11

    @V99%
    Da gebe ich Ihnen schon recht. Aber ich kann zu den Kommentaren nur meine subjektive Meinung abgeben und von daher muss ich schon sagen, dass es sich für mich sehr wohl nach „Angriffen“ auf den Admin aussieht und er das scheinbar auch so sieht und daher verständlicherweise auch so reagiert, wie er reagiert. Aber das sollte man ihm dann auch zugestehen.

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