Griechenland-Programm geht ohne neuen Schuldenschnitt nicht auf

30. September 2012 / Aufrufe: 911

Von dem neuen drakonischen Sparpaket in Griechenland scheint bereits jetzt festzustehen, dass es ohne einen weiteren Schuldenschnitt nicht aufgehen kann.

Obwohl das neue Paket der radikalen Sparmaßnahmen auf Druck der Troika inzwischen mittels eines zusätzlichen 3 Mrd. Euro schweren Steuerpakets auf fast 15 Mrd. Euro aufgestockt wurde, zeichnet sich bereits jetzt ab, dass unter dem Strich alle Sparmaßnahmen ohne einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland nicht „aufgehen“ können.

Diese Folgerung wird unter anderem von einer Analyse der Rating-Agentur Fitch untermauert, die für das Jahr 2012 die Rezession in Griechenland auf 7% veranschlagt und einen Anstieg der Verschuldung von rund 165% des laufenden Jahres auf 180% im Jahr 2014 prognostiziert!

Der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegebene Artikel von Alexandros Merkourios wurde am 27.09.2012 auf dem Portal der Wochenzeitung „To Pontiki“ publiziert.

Das Paket … ist ausgeleiert und das Programm geht nicht auf

Erwarten sie nicht, die Dinge würden sich lockern. Wie ich Ihnen auch im vergangenen Jahr sagte und alle unsere Leser feststellten, wird jeder Zyklus, der mit den Opfern des Volkes schließt, den nächsten öffnen, der noch mehr Opfer erfordern und das Land noch näher an das Chaos führen wird. Warum? Einfach weil es kein Programm gibt, und vor allem, weil es keine Lösung gibt. Oder wenigstens den Wunsch zu einer Lösung von Seite der Gläubiger.

Schauen Sie, was derzeit geschieht: Heute – nach den Straßenkämpfen – sind die politischen Führer, welche die Regierung Samaras stützen, aufgefordert, den Maßnahmen des … ausgeleierten Pakets von über 11 Mrd. Euro zuzustimmen, die je nachdem, für welche Jahre sie veranschlagt werden, ab 14 bis 18 Mrd. Euro erreichen. Und sie rechnen damit (falls die Sache nicht an den Entlassungen der 15.000 staatlichen Bediensteten hapern wird), eine Vereinbarung in den Händen zu haben, die am Sonntag und Montag (30.10.2012 / 01.10.2012) auch die Troikaner unterzeichnen werden, damit das Paket – wie auch so vieles andere – seinen Weg ins Parlament nimmt, vielleicht noch vor der Eurogruppe des 08 Oktober 2012.

Und während dieses ganze … positive Klima die Runde um die Welt macht, setzt es schon wieder auch schlechte Nachrichten, immer mittels der ausländischen Medien und Institutionen. Unsere Gläubiger – lautet es – befinden sich im Streit darüber, wie die Schuldenkrise des Landes gelöst werden wird. Und Reuters, immer mit einem Scoop zuvorkommend, enthüllt, dass der Internationale Währungsfond von den europäischen Regierungen fordert, einen Teil der in ihrem Besitz befindlichen Verschuldung zu streichen. Die Agentur, die ihre eigenen Gründe (und ihre eigene Rolle in dem Werk) hat, erinnerte an die Drohung des Finanzministers Giannis Stournaras in der vergangenen Woche, sein Amt niederzulegen, wie auch an die Verhärtung der Haltung des Poul Thomsen, da der IWF auf die Gläubiger Druck bezüglich einer Umstrukturierung der Verschuldung Athens ausübt.

Ebenfalls ist es alles andere als zufällig, dass die Agentur die Rolle … des Pontius Pilatus einem griechischen Funktionär zuschiebt, der sich anonym äußert und anführt … „das Problem besteht nicht zwischen IWF und Athen, sondern zwischen IWF und EU“. Und plötzlich bestätigen in der selben Reportage den Griechen andere Quelle, denen „die Projektierung“ in Brüssel und Washington bekannt ist. Nicht, dass es nicht so ist, aber auf diese Weise ergaben sich einmal die „griffigen“ Themen der Börsenreportage. Wir fragen und sorgen dafür, dass geantwortet wird …

Und in Vollendung der selben Rolle schließt die Agentur das Thema der Umschuldung, indem sie erklärt, der IWF erachte das Verfahren fortan als erforderlich, damit Griechenland die Ziele erreicht, auch wenn kein offizieller Vorschlag erfolgte …

Im Euro – heraus aus dem Euro … und drum herum

Wenn also Reuters das Thema der Umschuldung (die natürlich auch denkbar ist) so zentriert, warum holt nicht die PIMCO zu einem freien Schlag aus, die einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone weiterhin als äußerst schwierig erachtet?

Persönlich würde ich es als wahrscheinlicher erachten, dass es überhaupt keinen Euro gibt, als dass nur Griechenland ausscheidet, aber der größte Anleihen-Fond der Welt spielt ebenfalls sein eigenes Spiel, und zwar sehr gezielt: „Es wird wenigstens einen Austritt (aus dem Euro) geben und eine hohe Veränderlichkeit folgen“, führte ein Analytiker des Fonds bei der Euromoney Sterling Conference in London an.

Und irgendwo hier tritt die Fitch in Erscheinung um – kurz vor der Genehmigung des Pakets – zu äußern, das griechische Programm sei aus der Bahn gelaufen und „es ist nötig, dringende Entscheidungen bezüglich des Pakets der neuen Maßnahmen über 11,7 Mrd. Euro zu fassen um den volkswirtschaftlichen Unausgewogenheiten 2013 – 2014 zu begegnen“, und fügt an, dass die Überlebensfähigkeit der Verschuldung nicht sichergestellt worden ist.

Zu welchem Schluss kommt sie? Dass die Aussicht auf ein Ausscheiden Griechenlands vorläufig in die Ferne gerückt ist, obwohl ein existentes Risiko verbleibt, welches mit dem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen der Regierung mit der Troika gesenkt wird.

Was ich von der Analyse der Fitch (die ebenfalls ihr eigenes Spiel spielt) festhielt? Dass sie eine Schrumpfung des BIP um 7% für dieses Jahr, einen Rückgang um 3% im Jahr 2013 und ein Nullwachstum im Jahr 2014 erwarten. Bezüglich der Verschuldung prognostizieren sie, dass sie sich in diesem Jahr auf 164,9% des BIP gestalten wird, während sie 2013 auf 176,2% und 2014 auf 180,2% des BIP hochschnellen wird.

Der Nutzen aus dem PSI wird also den Bach hinunter gehen und das Verhältnis von Verschuldung zu BIP 2013 – 2014 auf die ansteigende Bahn zurückkehren. Was dies bedeutet? Das griechische Programm geht einfach nicht auf. Und es wird auch niemals aufgehen werden.

(Quelle: To Pontiki)

  1. Peter Adam
    30. September 2012, 06:51 | #1

    Mittlerweile erhebt sich die Frage ob es nicht doch besser wäre aus dem Euro zu gehen, auch entgegen derjenigen die sich, dank des Euro, Ihren Wohlstand erschlichen haben. So dumm kann kein Grieche sein, das er nicht erkennt wie unser Land von den EU-Machthabern und der Troika insgesamt immer mehr zerstört wird.
    Klar, die Griechen haben Samaras und seine Spießgesellen mit der Regierungsbildung beauftragt und müssen vorerst mit den Konsequenzen leben. Aber Ich frage mich, ob eine Regierung die nur durch Einschüchterung seitens der „europäischen Partner“ zustande gekommen ist, das griechische Volk wirklich vertritt. Und was die MAT und andere Lakaien der Regierung betrifft: Die sollten schleunigst den Kopf aus dem A…. ziehen, denn auf Dauer werden sie sich nicht gegen das Volk stellen können, ohne dass Blut fliesst. Griechenland muss raus aus dem Euro und der EU. Unser Volk gehört nicht in einen Währungsverbund, dessen durchschnittliche Leistugnsfähigkeit die Griechenlands übersteigt.
    Abgesehen davon hat es was mit Würde und Ehre zu tun, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass unser Volk und sein Name als Synonym für Kriecherei und Dauerallimentierung herhalten soll. Ich jedenfalls bin stolz auf mein Volk und es kotzt mich nur noch an, die Griechen auf den Knien zu sehen. Dafür haben unsere Vorfahren nicht Ihr Blut gegen alle Besatzer vergossen, dass wir alles für ein paar bunt bedruckte Papierfetzen aufs Spiel setzen. Es wird Zeit für einen innergriechischen Reinigungsprozess, um diejenigen aus unserer Mitte zu entfernen, die unserem Volk seine Würde nehmen.

  2. Stavros
    30. September 2012, 10:11 | #2

    @Peter Adam
    Das haben Sie gut geschrieben!!
    Ja das griechische Volk soll aus der EU austreten, denn was sie jetzt durchmachen müssen ist nicht mehr zu ertragen!!
    Die Regierung ist eine Speichel-Lecker-Regierung und hat KEIN Rückgrat!!!!!
    Sie machen alles was der schleimige Barrosso und seine Raubritter sagen und VERATEN somit das eigene VOLK.
    Liebe Griechen:fängt nochmals von vorne (unten) an und lässt Euch nicht weiterhin knechten!
    Ihr macht so etwas wie einen Konkurs,denn die Schulden könnt und müsst ihr danach nicht mehr bezahlen!!!!
    Steht auf und denkt auch an Eure Vorfahren wie sie immer wieder aufgestanden sind!
    Viel, viel Glück wünsche ich von ganzem Herzen.

  3. muss sowas sein
    30. September 2012, 14:06 | #3

    @ Peter Adam

    Ihr Kommentar ist einfach prima!

  4. Heinz
    30. September 2012, 15:09 | #4

    Man muss ja Rating-Agenturen nicht alles glauben, oder? Die sind ein Teil des „Finanz-Krieges“ zwischen USA und Europa. Das sollte langsam begriffen werden. Europa soll finanziell geschwächt werden, deshalb die Forderung noch Schuldenerlass usw. Das aber erst, nachdem die Amis alle „schmutzigen“ Papiere abgestoßen haben. Ein Schelm der dabei Böses denkt.

  5. V99 %
    1. Oktober 2012, 01:04 | #5

    Festzustellen, dass das Paket nicht aufgeht, bedarf keiner Ratingagenturen. Peer Steinbrueck redet schon von 8 Jahren weiteren Griechenlandhilfen und im Handelsblatt stand ein Artikel, der behauptet, dass die naechste Tranche so oder so freigegeben werden soll, aus Angst vor den Konsequenzen eines griechischen Euro~ oder gar EU-Austritts. Dazu hat die EZB den boesen Deutschen (Kanzlern) die Macht des gefuerchteten 4.Reiches entrissen und griechische Generäle sollen, laut „ToVima“ letztes Jahr einen Militaerputsch, mit Unterstuetzung der braunen Morgenroete geplant haben (offiziell nicht bestaetigt!). Also, alles beim Alten, Geld kommt, immer schoen locker bleiben! 😀

  6. Stipsi Fan
    1. Oktober 2012, 12:41 | #6

    @Peter Adam
    besser kann man die Wahrheit nicht beschreiben.
    Griechenland ist auf dem Stand eines Entwicklungslandes angekommen und mir bricht es das Herz, wenn ich sehe, wie diese wunderbaren Menschen leiden. In Deutschland wäre längst ein Bürgerkrieg ausgebrochen.
    Am schlimmsten ist, dass es den Medien tatsächlich gelingt, die deutsche Volksmeinung gegen ein leidendes Volk aufzustacheln.
    Wer gestern in „Jauch“ Daniel Cohn-Bendit gegen Ackermann gesehen hat, weiß, in welchen Parallelwelten die Banker leben. Bei sämtlichen vernünftigen Vorschlägen für eine bessere Kontrolle der Banken wird damit gedroht, dass das eine Gefahr für den Standort Deutschland sei oder dass Top-Leute abwandern. Wir müssen immun gegen diese inhaltsleeren Drohungen werden! Es beruhigt, dass es in Europa Leute wie Cohn-Bendit gibt, die sehen und auch laut sagen, was mit den Menschen geschieht, wenn sie „reformiert“ werden.
    Nur in diesem Blog bekommt man Einsichten und Fakten, die sonst nirgendwo veröffentlicht sind. Selbst nach langem Googeln findet man nichts über den Streit des griechischen Finanzministers mit Herrn Thomsen. Auch dass es in GR so eine Art RAF gibt habe ich nur hier gefunden.
    Bitte so weiter machen!!!!

  7. Jorgo
    5. Oktober 2012, 17:03 | #7

    Wenn es zu einem erneuten Schuldenschnitt kommen sollte, wird Griechenland auf Jahrzehnte keine Kredite mehr bekommen. Außer vielleicht von der EZB.
    Man kann sooft man will von Dominoeffekt reden, aber Griechenland wird ohne Rückkehr zur Drachme niemals aus der Krise herauskommen. Es sei denn, es kommt europa-weit zu einer Währungsreform, bei der alle Schulden und Guthaben auf Null gesetzt werden.

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