Banken in Griechenland erwarten Explosion „roter“ Kredite

10. September 2012 / Aktualisiert: 11. Februar 2014 / Aufrufe: 2.066

Die Banken in Griechenland befürchten eine rapide Zuname der in Verzug befindlichen Kredite der Unternehmen und privaten Haushalte ab September 2012.

Im griechischen Kreditsystem herrscht „roter Alarm“, weil alles darauf hinzudeuten scheint, dass ab September 2012 die „roten Kredite“ eine „Explosion verzeichnen werden. Hochrangige Bankfunktionäre verbergen nicht ihre starke Beunruhigung über die Dimensionen, welche in den kommenden Monaten als Ergebnis der neuen Steuermaßnahmen, der Senkung der Einkommen und natürlich des Anstiegs der Arbeitslosigkeit das Unvermögen der Unternehmen und Haushalte annehmen könnte, fristgerecht ihre Verpflichtungen an das Banksystem zu bedienen.

Die Banken befürchten sogar, dass die Lage sich ab dem nächsten Monat weiter verschlimmern wird, da der „Mix“ des Drucks – mit dem neuen Anstieg der Arbeitslosigkeit nach dem Auslaufen der Saisonarbeiten, den Gehaltskürzungen auf dem allgemeinen öffentlichen Sektor, der anstehenden „Arbeitsreserve“ (falls und auf welche Weise auch immer sie letztendlich umgesetzt wird) und den erhöhten Einnahmeforderungen von Seite des Fiskus als gegeben – noch gefährlicher wird.

20% der Kredite mit einem Volumen bei 50 Mrd. Euro sind in Verzug

Die in Verzug befindlichen Kredite übersteigen bereits 20% der Gesamtheit aller Kredite und tangieren in absoluten Zahlen den Betrag von 50 Mrd. Euro, bei einer konstant ansteigenden Tendenz, die sich in den letzten Monaten sogar beschleunigt hat. Im zweiten Quartal 2012 wurde ein Anstieg der unsicheren Kredite um 1% pro Monat verzeichnet, wogegen der Rhythmus bis vor kurzem bei bis zu 1,5% auf Quartalsbasis lag.

Bezeichnend ist außerdem, dass der Anteil der nicht bedienten Kredite des Kreditsystems von 14,7% der Gesamtheit der Kredite in den ersten neun Monaten des Jahres 2011 gegen Ende 2011 auf 15,9% stieg, um im ersten Quartal 2012 auf 18,5% und (laut den Schätzungen) auf das erste Halbjahr 2012 bezogen auf über 20% hochzuschnellen.

Praktisch bedeutet diese Entwicklung, dass in dem System innerhalb von neun Monaten neue rote Kredite mit einem Volumen von mehr als 10 Mrd. Euro hinzukamen – nebst allem, was dies für das Kreditsystem hinsichtlich des zusätzlichen Kapitalbedarfs zur Bildung von Prognosen mit sich bringt.

Anstieg der „roten“ Kredite lässt Prognosen hinfällig werden

Der steile Anstieg der Verzögerungen in der Bedienung der Kredite wird auf die tiefe Rezession und den Anstieg der Arbeitslosigkeit zurückgeführt und stellt inzwischen die befriedigenden Leistungen der griechischen Banken bei dem Stresstest im November 2011 in Frage. Die Fakten der „Röntgenaufnahme“, welche die Blackrock durchführte, werden praktisch hinfällig, während die Bankiers besorgt sind, dass zusätzliche Prognosen erforderlich sein werden und die endgültige Rechnung bezüglich des Kapitalbedarfs noch höher ausfallen wird.

Bankfunktionäre betonen, ein großer Teil der erfolgenden Regulierungen werde „in die Luft gesprengt“, da die wirtschaftlichen Gegebenheiten der Kreditnehmer sich rapide verschlechtern, während sie auf die Frage nach einem möglichen Mittel gegen diese gefährliche Entwicklung vorbehaltlos antworten, dass der Rezession Einhalt geboten werden müsse, damit es schrittweise positive Anzeichen in Richtung des Aufschwungs gebe.

Nicht wenige glauben sogar, dass – falls die Wirtschaft nicht umgehend stabilisiert wird – der Verlust der Kontrolle sehr wahrscheinlich ist und die Überlebensfähigkeit des Systems in Bedrohung geraten wird, da die für die Rekapitalisierung vorgesehenen 50 Mrd. Euro nicht zur Deckung der Bedürfnisse ausreichen werden.

Die Führungsstäbe der Banken beunruhigt hauptsächlich der besorgniserregende Anstieg, der bei den Verzögerungen in der als „sicherste“ Kreditkategorie geltenden, nämlich bei den Baukrediten verzeichnet wird, wo sie sich auf ein Niveau von 15% gestalten. Die konkrete Kategorie der Kredite stellte bis neulich einen „Wall“ gegen die Unsicherheiten dar, da die Tilgung zumindest des Baudarlehens eine Priorität im Familienetat war.

Wie die Bankfunktionäre anmerken, bemühen sich die Kreditnehmer inzwischen, zuerst die Verpflichtungen an den Fiskus und alles Übrige zweitrangig zu decken.

In Erwartung einer gesetzlichen Regelung

In einem etzten Versuch, das Phänomen unter Kontrolle zu bringen, sucht die griechische Regierung nach einem Weg, den Kreditnehmern durch eine gesetzliche Regelung Erleichterung zu verschaffen, und diskutiert bereits mit dem Griechischen Bankenverband die Möglichkeit der Verlängerung der Laufzeiten der Baudarlehen mit dem Ziel, die (monatliche) Rate auf bis zu 30% des Einkommens des Kreditnehmers zu gestalten.

Es wird jedenfalls angemerkt, dass bestimmte Banken diese Praxis fallweise und unter Voraussetzungen – zu welchen auch das Alter des Kreditnehmers zählt – anwenden und die Möglichkeit zur Prolongation auf bis zu 40 Jahre geben.

Als realistischste Lösung erachtet die Seite der Banken eine angemessene Erhöhung der Laufzeit auf eine Weise, welche die monatliche Rate mindert, und die Neuuntersuchung der Umstände bei einem zeitlichen Horizont von fünf Jahren, damit die Kreditbedingungen gegebenenfalls erneut angeglichen werden.

(Quelle: Marketbeast.gr)

  1. Tuerke
    10. September 2012, 12:44 | #1

    Das Peinliche an Währungsreformen ist ja, dass Schulden 1:1 umgestellt werden. Womöglich kommt noch eine Zwangshypothek drauf. Aber Guthaben werden quasi genullt. Viel Spaß mit der Drachme. Ihr Wechselkurs wird ungefähr 0,75 Lira sein. Euer Lieblingstürke

  2. CYR
    10. September 2012, 15:04 | #2

    @Tuerke
    Ich halte dagegen, es wird keine Umstellung auf Drachme geben.

  3. Götterbote
    12. September 2012, 12:22 | #3

    @Norbert
    Ich nehme an, Du beziehst die Wintersaison auf den Tourismus. Das habe ich mich auch immer gefragt und mich vor einigen Jahren „schlau“ gemacht. Das Ergebnis war, dass es viele unterschiedliche Gründe dafür gibt, angefangen von „die Hoteliers möchten das nicht, weil sie es nicht nötig haben“ bis hin zu „es besteht kein Interesse seitens der Reiseveranstalter“. Das waren jetzt natürlich nur sehr vereinfachte Aussagen, die mir damals in Einzelheiten erläutert wurden, die mir durchweg logisch erschienen, was nicht heißen muss, dass es die Wahrheit ist.

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