Wenn die Griechen Steuern zahlen würden

27. August 2012 / Aufrufe: 1.152

Autor: Takis Michas

Die Epoche, die wir in Griechenland durchleben, wird nicht nur als die Epoche der großen Krise in die Geschichte eingehen. Sie wird auch als die Epoche der großen Mythen in den Annalen verbleiben. Einer dieser Mythen, der nach den Vorfällen auf Hydra eine neue Blüte erleb, istt: „Wenn die Griechen ihre Steuern zahlen würden, hätten wir nicht die Schulden und Defizite, die wir heute haben.

Dieser Mythos, der die Krise auf die auf die Steuerhinterziehung zurückführt, ist leider nicht nur einfach in Griechenland, sondern auch im Ausland weit verbreitet. Natürlich steht er in keinem Bezug zur Realität. Es trifft genau das Gegenteil zu: Gäbe es in Griechenland keine Steuerhinterziehung, wären die Schulden und Defizite noch höher!

Angenommen, die Steuerhinterziehung in Griechenland ist wirklich groß. Bedeutet dies, dass die Defizite geringer wären, wenn die Bürger die ihnen entsprechenden Steuern zahlen würden? Sicherlich nicht. Die Defizite und Kredite entstanden, um im Rahmen des von „Kundenbeziehungen“ beherrschten politischen Systems den riesigen und antiproduktiven öffentlichen Sektor zu füttern. Wenn nun alle Griechen ihre Steuern zahlten, wäre das Einzige, was geschehen würde, dass der öffentliche Sektor noch größer und seine Gehälter noch höher wären. Wenn es keine Steuerhinterziehung gäbe, würden die staatlichen Bediensteten 3 Millionen tangieren, das Durchschnittsgehalt bei den öffentlichen Unternehmen 5.000 Euro betragen und die ERT nicht einfach nur mehr Personal als der CNN, sondern mehr als CNN und BBC zusammen beschäftigen! Ebenfalls wäre die Anzahl der „Behinderten“-Renten dreimal höher als heute, und nicht nur die unverheirateten Töchter staatlicher Beamten, aber auch die verheirateten sowie die Enkel und Urenkel hätten einen Rentenanspruch!

Mit anderen Worten, wenn es keine Steuerhinterziehung gäbe, würden die Defizite und Kredite im besten Fall auf den selben Ebenen wie heute verbleiben. Höchstwahrscheinlich würden sie jedoch auf noch höheren Niveaus liegen. Weil ganz einfach der öffentliche Sektor noch größer als heute wäre, mit dem Ergebnis, dass die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes sich auf einem noch niedrigeren Niveau als heute befinden würde.

Die Folgen einer Handlung differieren von Gesellschaft zu Gesellschaft und hängen von der führenden Logik ab, die im gegebenen Raum vorherrscht. Beispielsweise trägt in Dänemark die Entrichtung der Steuern zur Senkung der Defizite bei. In Griechenland dagegen, wo die vorherrschende Logik jene des Kundensystems ist, bedeutet die Entrichtung von Steuern einfach nur die Ausweitung des öffentlichen Sektors, während die Defizite – im besten Fall – auf dem selben hohen Niveau verbleiben.

Quelle: Protagon
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

  1. Heinz
    27. August 2012, 16:26 | #1

    Vermutlich sehr wahr, oder?

  2. Peter
    27. August 2012, 21:01 | #2

    Interessanter Ansatz. Die Steuerhinterziehung ist in Griechenland deswegen so weit verbreitet und akzeptiert weil die Regierungen mit den Steuereinnahmen nicht vernünftig umgehen können. Die blähen den öffentlichen Dienst immer weiter auf und sorgen damit für immer niedrigere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Wenn das stimmt dann ist die Lösung des Griechenlandproblems doch ganz einfach. 100% Steuerhinterziehung durch die Griechen. Mit der im Artikel angeführten Logik wird dann der öffentliche Dienst schrumpfen und die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit werden massiv steigen. Scherz beiseite. Das ist wirklich traurig wie der Autor Steuerhinterziehung rechtfertigt. Es zeigt sich immer deutlicher dass dieses Land ein hoffnunsloser Fall ist. Hoffentlich werden die Hilfszahlungen aus dem Ausland bald eingestellt.

  3. Joerg
    27. August 2012, 21:48 | #3

    Ich hättet eher auf Ironie getippt aber ich glaube der Schreiber meint das ernst !

  4. Xristos
    28. August 2012, 01:37 | #4

    @Joerg
    Ja, er meint es sehr ernst. Denn jeder, der in GR wie vorgeschrieben seine Steuern zahlt, ist suspekt. Und um das zu verifizieren, muss ein Staatsbeamter her. Auch, wenn der nichts davon versteht, ist der erstmal beschäftigt. Dem lieben Takis ist wohl nicht gerade geläufig, wer denn diesen Beamten bezahlt.??? Wahrscheinlich der „fleissige Grieche“, der ja geradezu aus Liebe zum griechischen Staat, der EU, dem EURO etc. KEINE Steuern bezahlt. NICHT mal seine eigenen Beamten, die er ja geradezu zur Arbeit zwingt, wenn er mal Steuern zahlt – also wirklich! So geht das doch nicht! Einfach Steuern zahlen! Das macht den Staat kaputt, ehrlich.

  5. Konstantin
    28. August 2012, 11:10 | #5

    Der oft gehörte Satz “Wenn die Griechen ihre Steuern zahlen würden,…“ ist eigentlich nur ein Platzhalter. Lassen wir einmal diejenigen außen vor, die diese Aussage nur zur (politischen) Stimmungsmache missbrauchen, dann drückt der Satz eigentlich den Wunsch aus: „Wenn der griechische Staat und seine Finanzen so funktionieren würden, wie man es von einem Rechtsstaat zu erwarten hat, dann … “
    Derartig viel Augenmerk und soviel Differenzierung kann man aber bei einer angeheizten öffentlichen Diskussion nicht erwarten. Ob nun in Griechenland oder woanders auf der Welt. Insbesondere nicht wenn man Politiker, Journalisten und Redakteure mit in den Topf wirft.

    Insofern geht dieser Artikel von Herrn Takis Michas zwar am eigentlichen Thema nicht vorbei, er spricht ja das grundsätzliche Problem in GR an, wenn auch auf sehr verschlungenen und unnötig umständlichen Pfaden.

    Seine Grundaussage ist dennoch nicht ganz falsch. Die Bereitschaft zu Betrug und Korruption im Geflecht von Staat, Wirtschaft und Interessensgruppen ist Griechenlands Problem, nicht die Menge des Geldes, die die Steuerzahler in dieses Geflecht pumpen.

    Wohlgemerkt die griechischen, wie auch die ausländischen Steuerzahler, die ja indirekt, über die Hilfen ihrer eigenen Staaten, ebenfalls ihr Geld in dieses Geflecht stecken.

  6. V99 %
    28. August 2012, 11:22 | #6

    Sehr kreativer Versuch die verbreitete Steuerhinterziehung verbal zu legalisieren 😀
    Wer dieses Jahr seine Steuererklaerung puenktlich zum 31.07. eingereicht und fleissig Rechnungen gesammelt hat (Forokarta: ti einai avto?) wird dieses Jahr nicht mit einer Rueckzahlung, sondern mit einer Nachzahlung „belohnt“ :-$
    Das kann man jetzt auch so, oder so interpretieren. Ich sehe das so:
    Jetzt duerfen wir die Hinterziehungen der letzten Jahre Nachzahlen, fuer alle, die in den letzten Jahren ordentlich be…..en haben!
    Der beste Satz des Science Fiction Autors oben:
    „Die Folgen einer Handlung differieren von Gesellschaft zu Gesellschaft und hängen von der führenden Logik ab, die im gegebenen Raum vorherrscht.“
    Danke Steuer-Einstein Takis Michas !

  7. Heinz
    28. August 2012, 11:36 | #7

    Ich glaube, es wäre schon viel gewonnen, wenn der Artikel so gelesen würde, wie er gemeint ist: Als Realsatire und als Wink mit dem großen Zaunpfahl. Manches ist halt eben nur noch mit ganz schwarzem Humor zu ertragen. Und das wollte der Autor auch ausdrücken.

    Wie sonst wäre dieser Absatz zu verstehen:

    „Die Folgen einer Handlung differieren von Gesellschaft zu Gesellschaft und hängen von der führenden Logik ab, die im gegebenen Raum vorherrscht. Beispielsweise trägt in Dänemark die Entrichtung der Steuern zur Senkung der Defizite bei. In Griechenland dagegen, wo die vorherrschende Logik jene des Kundensystems ist, bedeutet die Entrichtung von Steuern einfach nur die Ausweitung des öffentlichen Sektors, während die Defizite – im besten Fall – auf dem selben hohen Niveau verbleiben.“

    Also, einfach nicht so oberflächlich lesen.

  8. HJM
    28. August 2012, 23:46 | #8

    Nach den vielen kruden Veröffentlichungen aus griechischen Medien war ich neugierig und gespannt, schon wegen des Aufmachers: es ist wohl tatsächlich eine sehr hübsche Realsatire, noch dazu mit der Tugend, daß beim Lesen immer wieder der Gedanke sich aufdrängt, ja, genauso wäre es wohl gewesen ….

  9. Zapperlot
    12. September 2012, 12:00 | #9

    Warum Realsatire? – Es ist wohl die Ansicht sehr vieler Griechen. Der Staat wurde schon immer als Feind gesehen, der einem in die Suppe spucken will. Also die Suppe gar nicht erst hinreichen!

Kommentare sind geschlossen