Beginn der Absurditäten in Griechenland

16. August 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 2.121

Autor: Panos Kolokotronis

Thema: Zwangsversteigerung von 100000 Immobilien in Griechenland

Es ist eindeutig, dass das griechische Problem sowohl in der hohen öffentlichen Verschuldung – welchem Problem in ihrer Mehrzahl fast alle europäischen Staaten begegnen – als auch – und hauptsächlich – in allem besteht, was sich auf den öffentlichen Sektor bezieht. In dem Maß, wo die Troika Maßnahmen zur Einschränkung der Verschuldung und die Reorganisation des Staates fordert, kann niemand etwas einwenden, da die Troika nicht von allein nach Griechenland kam, sondern von der Regierung Papandreou eingeladen wurde, die offensichtlich nicht vermochte, die wie auch immer gearteten notwendigen Änderungen durchzuführen und vorzog, im Ausland Hilfe zu suchen. Wie es sich bei der gleichermaßen indirekten wie klaren Äußerung des heutigen Vorsitzenden der PASOK-Partei Evavgelos Venizelos im Parlament, glücklicherweise existieren die Ausländer um uns zu ändern, weil wir es von allein nicht können, außerdem um eine wirklich tragische Erklärung eines Politikers handelt, der Anspruch darauf erhob und erhebt, sich in der ersten Reihe der politischen Entwicklungen zu befinden, und welche Erklärung die Krankhaftigkeit des selbigen politischen Systems des Landes enthüllt.

Dass die Troika eine Reihe von Maßnahmen zur Sanierung der öffentlichen Finanzen und ausgeglichenen Funktion des staatlichen Sektors verlangt oder fordert, ist also nicht absurd. Das Absurde beginnt bei Forderungen wie jener nach der Aufhebungen des Verbots der Zwangsversteigerung der Hauptwohnung für die Kreditnehmer, welche wegen der wirtschaftlichen Umstände auf dem Markt nicht vermögen, ihren Verpflichtungen gegenüber den Banken nachzukommen. Es handelt sich um eine Maßnahme, die auf keinen Fall zur Minderung der öffentlichen Verschuldung beiträgt. Auch steht sie nicht in Zusammenhang mit dem labyrinthischen und ineffizienten öffentlichen Sektor. Sie bezieht sich vielmehr auf einen Versuch zur Stärkung der Liquidität der Banken und gleichzeitigen Verelendung aller Bürger, die davon träumten, ihr eigenes Heim zu haben und – bis neulich – vermochten, mit einem Baukredit eine Wohnung zu kaufen. Diese Entwicklung, also die Tatsache, dass die Griechen im Gegensatz zu den Europäern über Eigentum verfügen, scheint Brüssel offensichtlich heftig zu stören – außerdem ist bekannt, dass der Vertreter der E.U. auch der eingefleischteste Hardliner ist.

Deswegen muss auch die griechische Regierung sehr gut aufpassen, wie sie hinsichtlich dieser Ebene voranschreitet. Weil es eine Sache ist, kontinuierlich mehr Geld von dem Bürger zu fordern, um als Staat den – und zwar ohne Genehmigung der Bürger – gegenüber den ausländischen Staaten eingegangen Verpflichtungen zu entsprechen, und eine andere, Beschlüssen zuzustimmen, welche tausende Menschen obdachlos machen. Die Griechen mögen sich nicht gegen das erheben, was ihnen in den beiden letzten Jahren geschickt aufgezwungen wurde. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie mit gefalteten Händen sitzen bleiben werden, sobald sie an dem Punkt angelangen, ihre Wohnung zu verlieren. Bis heute erfolgt die „Revolution“ vom Sofa aus. Wenn wir jedoch das Sofa verlieren …

Quelle: Vradyni
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

KategorienMeinungen
Tags: ,
  1. Bluebird
    16. August 2012, 16:02 | #1

    Das ist ja wirklich nicht zu glauben!
    1. Das es gewagt werden soll, Wohneigentum zwangszuversteigern, wenn Kredite nicht bedient werden.
    2. Das manche anscheinend glauben, dass es nur die Griechen Eigentum besitzen und der Rest der Europaer sowieso zur Miete wohnt oder in Zelten!
    3. Der Grieche mitsamt seinem Wohneigentum nicht zu Europa zu gehoeren scheint, soweit es den Verfasser dieses Artikels betrifft.

  2. Hardliner
    16. August 2012, 18:45 | #2

    Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen. 200.000 EURO, die ich nicht bedienen brauche und mir passiert nichts ?!!!! Was haben sich die Griechen denn mit dem Kredit gekauft ? Meist eine Wohnung am Meer, da diese neben dem eigenen Haus begünstigt war. Und nun müsste die Wohnung am Meer zwangsversteigert werden und würde von irgendwelchen Albanern, Bulgaren oder Russen billig gekauft, da ja ein großen Angebot bestehen würde. Auch andere Europäer haben Eigentum. Wenn sie Ihre Kredite nicht bedienen, wird es zwangsversteigert. Ich glaube die würden sich über einen Regelung wie in GR sicher sehr freuen !!!

  3. V99 %
    17. August 2012, 00:55 | #3

    Ach ja, da isser wieder, der „PN“, passend zum Sommerloch 😀
    Wenn die Regierung Papandreou die Troika mal eben eingeladen hat, dann kann der Samaras die doch einfach mal wieder „ausladen“, Problem geloest 😀
    ..“glücklicherweise existieren die Ausländer um uns zu ändern, weil wir es von allein nicht können“.. seltsam, ich hoere immer, dass die Regierung Schuld ist, die ja dummerweise von einer so genannten Mehrheit gewaehlt wurde und natuerlich die Merkel, wie man die nur vergessen konnte, oder meint er da die Immigranten 😀
    Also der Sofarevolutionsvergleich ist begeisternd 😀
    Immer wieder erstaunlich, das „Wunderland“ in dem der „PN“ in Gedanken wohnt, ich kann ihn mir als griechischen Che Guevara vorstellen, mit Zigarre im Mund, haendefaltend auf dem Sofa sitzend und Revolution schreien, upss, jetzt hatter die Zigarre verschluckt 😀

  4. Bruno Froehlich
    17. August 2012, 03:40 | #4

    Bei aller Liebe zu den griechen mit denen ich zwanzig Jahre zusamenlebte, aber der Auitor und die Redaktion Vradyni haben nicht mehr alle Tassen im Schrank einen solchen Stuss zu veroeffentlichen. Aus vielen persoenlichen Gespraechen, Radiosendungen und TV Beitraegen wiess ich, das ist nicht die Meinung des „normalen“ Griechen. Die sind sich sehr wohl bewusst, dass nicht allein die Regierung, sondern viele Private auch ueber die Schnur konsumierten und den Verlockungen der tiefen Konsumkrediten erlagen, alles im ehrlichen Glauben dem Land, uns allen geht es gut, das hat Bestand und wir bezahlen unsere Kredite zurueck. Es war ein Traum und der ist ausgetraeumt. Was nicht bezahlt gehoert einem nicht und ist kein Eigentum !

Kommentare sind geschlossen