Ku-Klux-Klan in Griechenland

7. Juli 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 5.326

In einem aktuellen Bericht stellt die Institution des Ombudsmanns in Griechenland einen rapiden Anstieg rassistischer Gewalt fest und fordert umgehende Maßnahmen.

Der Ombudsmann schlug ein Alarmglöckchen und stellt einen großen Anstieg der Phänomene rassistischer Gewalt sowohl arithmetisch als auch auf dem Niveau der Heftigkeit fest. In dem vielseitigen Ergebnisbericht ist die Rede von organisierter und systematischer Aktivität von Gruppen, die sich unter Berufung auf die Unsicherheit vieler Bürger Angriffen gegen Mitglieder empfindlicher oder ausgegrenzter gesellschaftliche Gruppen (Ausländer, Roma u. a.) widmen.

Die Duldung oder selbst auch die teilweise Akzeptanz dieser Aktionen durch Teile der Bevölkerung steigert die Beunruhigung über das Phänomen„, führt der Ombudsmann an und ruft die zuständigen Träger auf, „nicht die Entwicklung organisierter krimineller Zellen zu erlauben, welche die Lücken ausnutzen, welche die Nachlässigkeit und Untätigkeit des Staatsapparats schafft„. Wie in dem Bericht betont wird, wird die Institution unmittelbar Initiativen ergreifen und Beratungen mit allen gemeinsam zuständigen Trägern durchführen.

Neonazis in Nikea stellen Immigranten Ultimatum, die Stadt zu verlassen

Der Bericht des Ombudsmanns fiel mit dem neuen Auswuchs der Wirrnis gewisser Personen – höchstwahrscheinlich Mitglieder der Chrysi Avgi – zusammen, die den Immigranten, welche völlig legal Geschäfte an dem Platz Agiou Nikolaou in Nikea (Attika) betreiben, eine Frist bis zum Wochenende setzen, ihre Läden zu schließen und Griechenland zu verlassen. Laut der Anzeige der Immigranten bedrohten sie Unbekannte „in Hemden der Chrysi Avgi, mit Knüppeln und auf Motorrädern, innerhalb einer Woche ihre Geschäfte zu schließen, anderenfalls würden sie Jagd auf sie machen„.

An der Seite der über alle gesetzlichen Genehmigungen und Papiere verfügenden Immigranten befinden sich die Einwohner und Träger von Nikea, die am 05 Juli 2012 anlässlich des Geschehens sogar eine antirassistische Kundgebung organisierten. Wie sie charakteristisch auch auf den Plakaten schrieben „haben Neonazis in dem Nikea der Vertriebenen und des Widerstands keinen Platz“ (siehe auch weiter unten im zweiten Teil des Beitrags).

In Einzelheiten stellt der Schlussbericht des Ombudsmanns vermehrt Vorfälle hauptsächlich gegen Ausländer gerichteter organisierter und systematischer Gewaltanwendung seitens Gruppen mit extremen ideologischen Charakteristika fest, die als Vorwand den Schutz der öffentlichen Ordnung und Sicherheit nutzen, um ernsthafte kriminelle Taten zu begehen und zu verallgemeinerter Selbstjustiz ermuntern.

Gewalt bedroht den gesellschaftlichen Zusammenhang und Frieden

Die Gewaltanwendung trifft fundamentale Rechte und droht in einen Teufelskreis der Eskalation der Gewaltfälle auf beiden Seiten und der Verursachung von Gruppenkonfrontationen zu führen, mit dem Endergebnis der ernsthaften Erschütterung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und Friedens„, wird in dem Schreiben betont und angemerkt, dass die Einhaltung der Rechtmäßigkeit, der Schutz der Rechte und die Bekämpfung der Diskriminierungen fundamentale Prinzipien des Rechtstaats darstellen. Zusätzlich bestimmt sich das rechtliche Gut der öffentlichen Sicherheit inhaltsgemäß aus der Gewährleistung des persönlichen Rechts auf Sicherheit jeder auf dem griechischen Staatsgebiet lebenden Person, ob Grieche oder Ausländer. Die Gewalt und hautsächlich die rassistische Gewalt stellt die abstoßendste Form kriminellen Verhaltens dar, weil sie in der Regel die Unterschiedlichkeit zum Ziel macht und die Schwäche und gesellschaftliche Ausgrenzung des Opfers ausnutzt.

Die unabhängige Institution (des Ombudsmanns) hat wiederholt die Notwendigkeit der Ergreifung kombinierter Maßnahmen und koordinierter Aktionen zur Bewältigung des Phänomens der rassistischen Gewalt sowie auch der Gründe betont, welche dieses Phänomen speziell in Gebieten hervorrufen, in denen von der Krise stärker betroffene Gruppen der Bevölkerung mit anderen gesellschaftlich verletzbaren Gruppen zusammen leben„, betont der Ombudsmann und verlangt abschließend von der Regierung, nicht nur gesetzgeberische Initiativen, aber auch eine konkrete polizeiliche Planung zur effizienten Ausübung der exklusiven verfassungsrechtlichen Zuständigkeit und Verpflichtung zur Sicherheit jeder Person zu übernehmen.

(Quellen: in.gr, in.gr, Vradyni S. 13)

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  1. carlos
    7. Juli 2012, 09:37 | #1

    habe selbst erlebt wie an einer kreuzung ein immigrant, der die windschutzscheibe eines autos putzen wollte von eben diesem fahrer, ohne ersichtlichem grund, verprügelt worden ist. habe griechenland auch deshalb immer sehr geschätzt, da rassismus in der gesellschaft eigentlich eine untergeordnete rolle spielte..im gegesatz zu so manchem nordeuropäischen land..der staat ist pleite, kann sich also um die immigranten nur bedingt kümmern bzw. hat sich nie gekümmert, da muss eine lösung gefunden werden, ansonsten wird es nicht nur bei verprügelungen bleiben, befürchte ich. die strasse darf diese problematik nicht lösen, da muss etwas von regierungsebene / NGOs, von mir aus auch frontex, passieren.

  2. Maria P.
    7. Juli 2012, 13:49 | #2

    Es ist an der Zeit, dass die Immigranten ihr Hab und Gut verteidigen! Egal wie … . Sie haben Geschäfte, sie arbeiten, und die PARASITEN gehen auf sie los? Es ist zum kotzen …

  3. Griechenfan
    7. Juli 2012, 14:57 | #3

    @Maria P.
    In der Tat. Aber wie sollten sie sich verteidigen? Vielleicht mit Waffengewalt? Mord und Totschlag? Das spielt doch nur den Rassisten in die Haende, die dann sagen koennen: „Seht Ihr, die Immigranten sind sowieso gewalttaetig“. Die „aufrechten“ Buerger muessen aufstehen und etwas dagegen unternehmen. Aufklaerung ist angesagt und Solidaritaetsbekundungen zu den Immigranten. Buergerinitiativen gegen Rechts.

  4. Willi F. Gerbode
    7. Juli 2012, 18:11 | #4

    Im letzten Vierteljahr sind allein in öffentlichen Athener Verkehrsmitteln 60 (dunkelhäutige) Immigranten von (vermutlich) Chrisy Avgi-Anhängern oder -Mitgliedern krankenhausreif geschlagen worden. Ermittlungserfolge der Polizei sind nicht bekannt geworden.

  5. Griechenfan
    7. Juli 2012, 18:56 | #5

    @Willi F. Gerbode
    Es ist entsetzlich und schlimm. Entwickelt sich ja wie in Deutschland. Was ich immer nicht verstehe, warum sich dann andere Menschen nicht einmischen. Angst davor, die Gewalt dann auch zu spueren ist nur ein Grund. Es gibt ja andere Moeglichkeiten und jeder traegt ein Handy mit sich rum. Ein anderer Grund koennte moeglicherweise sein, dass allgemein nicht gerne die Polizei gerufen wird, das habe ich hier schon mitbekommen. Und ein weiterer Grund waere auch, dass ja gerade auch viele Polizisten die Chrisy-Avgi gewaehlt haben.
    Es ist eine wirkliche Schande, dass so etwas passiert. Erst muessen diese armen Menschen aus ihren Laendern fluechten (egal ob aus politischen oder wirtschaftlichen Gruenden) und muessen dann hier um ihr Leben bangen. Wie Menschenverachtend.

  6. V99 %
    7. Juli 2012, 20:04 | #6

    Der Vergleich mit dem Ku-Klux-Klan erscheint mir meht zutreffend als mit Nazis. Es gibt aber noch einen Unterschied, der Klan ist eine radikal protestantische Organisation in Amerika. Die weissen Kutten des Klans sollten wahrscheinlich eine Abgrenzung (symbolische Reinheit) zu schmutzig und minderwertig wahrgenommenen Gruppen wie etwa den Schwarzen darstellen. Wenn man das auf die Chrysi Avgi anwendet scheinen die sich minderwertig zu fuehlen, wenn sie sich scharz verkleidet auf Auslaender stuerzen :-§
    Ausserdem habe ich noch nicht von echten Nazis gehoert, dass die sich verkleiden um rassistische Angriffe durchzufuehen. Es scheint sich offensichtlich um Feiglinge zu handeln.
    In dem zweiten Artikel von in.gr wird erwaehnt, dass die Chrysi Avgi eine Gruppe von 40 Jugendlichen / jungen Leuten auf Motorraedern geschickt hat, um den Migranten in ihren Geschaeften angst zu machen. Das zeigt, wie ueberall, dass junge Menschen besonders anfaellig fuer pseudo patriotische Parolen sind und die Aufklaerung eigentlich in den Schulen anfangen muesste. Von dort ist mir leider teilweise das Gegenteil bekannt.
    Was die Beteiligung der Polizei angeht, ist der Staat in dringendem Handlungsbedarf, womit alle offiziellen Stellen, wie Amnesty u.s.w., die das anprangern, Recht haben.
    Traurig, dass die Faszination des Nationalsozialismus in Griechenland, was es aus eigener Erfahrung eigentlich besser wissen UND machen muesste, so ueberlebt hat 🙁

  7. lilith
    7. Juli 2012, 22:22 | #7

    Die verkleiden sich nicht, die vermummen sich eventuell und haben ihre Parteishirts an. Außerdem sind sie sehr gut organisiert und das sind alles keine Einzelfälle, es tobt eine Welle rassistischer Gewalt durch Griechenland und bisher kommen ja eh nur kleinste Ausschnitte der Realität in den Medien der Rassistenfestung Europa. http://de.contrainfo.espiv.net/2012/07/03/griechenland-eine-woche-in-der-rassistischen-holle-eine-welle-der-gewalt-markiert-den-beginn-des-neuen-parlaments-in-griechenland/

  8. bernd petrowki
    8. Juli 2012, 11:17 | #8

    Gegen die millionenfache Vertreibung der Deutschen wurde jahrelang nichts eingewendet. Wieso denn plötzlich so kleinlich?

  9. Malte-Bjoern Krude-Unertraeglich
    8. Juli 2012, 11:53 | #9

    Das ist die Eiterblase die platzt. Jahrelang durfte man sich ausrauben, abstechen und vergewaltigen lassen, weil Multikulti sooo super ist. Jetzt, da der Raubzug der Finanzelite Wirkung zeigt, fliegt dieser verkappte (Positiv-)Rassismus den immer korrekten Linken und deren Hätschel-Schätzchen um die Ohren.

    Die Vorgänge in Griechenland sind nur der Einstieg in den Ausstieg aus „Kein Mensch ist illegal“ und anderen wohlfeilen Parolen linksgrüner Bonzenkinder und derer verbeamteten Erzeuger.

    Das dies so kommen würde pfeifen die Spatzen seit Jahren von den Dächern, aber das war ja alles unsäglich krude, unerträglich wirre Verschwörungstheorie und Untergangshysterie.

  10. peter
    8. Juli 2012, 12:24 | #10

    @carlos: Diese Autoscheibenputzer erbringen eine vermeintliche Dienstleistung, die ich nicht will, und verlangen dafür noch eine Bezahlung, mit der ich nicht einverstanden bin. Und mir bei Nichtbezahlung dann die Scheibe verschmutzen oder, noch besser, einen schönen Kratzer in den Lack machen. Wer schützt mich davor?

  11. Silverager
    8. Juli 2012, 13:38 | #11

    @Griechenfan
    Ja, es ist schlimm. Teile einer Gesellschaft, die verarmt, suchen immer einen Sündenbock, die „schuld“ an den Zuständen sind. Im dritten Reich waren’s die Juden, in Griechenland sind’s die Immigranten.
    Das Schrecklichste ist, dass die Menschen nichts, aber auch gar nichts aus der Geschichte lernen. Wenn in Deutschland die Rechtsradikalen könnten, wie sie wollten, würde es hier genau so aussehen. Naja, im Osten ist es ja fast schon so weit.

  12. γιαούρτι γιαουρτάκι
    8. Juli 2012, 16:25 | #12

    @Malte-Bjoern Krude-Unertraeglich
    Ich find’s immer wieder lustig, wie rechte Zecken linke Sprache klauen und verdrehen. Sei es Multikulti, Gutmensch oder p.c. Diese links/rechts Schablone bezieht sich auf die Sitzordnung in den Parlamenten der, die große Mehrheit des Weltproletariats aushungernden, fetten und faulen Überbevölkerungen und sind damit nur Facetten eines ganz anderen Problems. Verstehen kann ich ja noch halbwegs, daß man darüber schreiben kann ausgeraubt worden zu sein, bei Vergewaltigungen wird das schon komplizierter, aber beim Abstechen ist man gewöhnlich tot.

    @peter
    Viel schlimmer ist ja wohl, daß die damit Autofahrer unterstützen, den Planet ins Chaos zu stürzen, obwohl Verbrennungsmotoren bereits seit langen verboten gehören.

    @Silverager
    Daß die bei der antigriechischen Hetzpropaganda nichts machen, läßt sich nur damit erklären, daß sie mit ihren griechischen Kameraden zusammen arbeiten. Offensichtlich haben aber die in Griechenland nicht geschnitten, daß die in Deutschland, staatlich gedeckt, auch Griechen ermorden.

  13. peter
    9. Juli 2012, 00:57 | #13

    @γιαούρτι: und am schlimmsten ist, dass mein Kommentar nur teilweise veröffentlicht wurde, damit also zensiert. Für sowas habe ich keine Zeit, viel Spass noch in deiner Glaskugel, liber Zensator. Aber immer schön dran denken: am Ende gewinnt immer der Realität und nicht das Wunschdenken.

  14. admin
    9. Juli 2012, 01:32 | #14

    @peter
    War doch wohl von vornherein klar, dass die Moderatoren solche plumpen Pöbeleien nicht durchgehen lassen, oder?

  15. Maria P.
    10. Juli 2012, 09:02 | #15

    @γιαούρτι γιαουρτάκι
    Vollkommen richtig! Nichts einzufügen!

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