Drei Fehler Europas gegenüber Griechenland

26. Juli 2012 / Aktualisiert: 25. September 2017 / Aufrufe: 754

Eine mit dem Pseudonym Diogenes unterzeichnende Gruppe von Bankiers und Ökonomen befürchtet, Europa werden nur die Schulden Griechenlands und Spaniens verbleiben.

Unter dem Titel „Drei europäische Fehler“ publizierte die französische Wirtschaftszeitung Les Echos den Leserbeitrag einer mit dem Pseudonym „Diogenes“ unterzeichnenden Gruppe von Bankiers und Wirtschaftswissenschaftlern. In dem Artikel werden die Fehler der Europäer gegenüber Griechenland unterstrichen sowie auch die Einschätzung geäußert, dass der Austritt des Landes aus dem Euro weiterhin eine bedeutsame Möglichkeit darstellt, während die für den Neustart der Wirtschaft notwendigen Spareinlagen der Griechen „woandershin geflossen sein werden“.

Eingangs wird auf den PSI mit der Betonung Bezug genommen, er habe Europa in ungekannte und unkontrollierbare Verhältnisse geführt, da der Fall Griechenlands nicht mit der vorherigen Erfahrung Argentiniens vergleichbar war, das ein geschlossenes Banksystem hatte. Sie erklären, dass die europäischen Staaten mit dem Euro ein offenes System mit freiem Kapitalverkehr schufen. Somit können die griechischen Banken ohne Problem die Gelder ihrer Kunden beispielsweise zu den angelsächsischen Banken transferieren, denen nicht untersagt werden kann, diese in Pfund oder Dollar umzuwandeln.

Auf diese Weise wird eine „Entnationalisierung“ der griechischen Spareinlagen erreicht, weil es aufgrund der Zugehörigkeit zur EU nicht möglich ist, eine Kontrolle der Überweisungen speziell für die Griechen in Kraft zu setzen.

Europa werden nur die Schulden Griechenlands und Spaniens verbleiben

Wenn wir mit der selben Logik fortfahren, meint die Gruppe „Diogenes“, bevor wir irgend etwas zu unternehmen schaffen, wird das einzige, was Europa verblieben sein wird, die Schulden Griechenlands und Spaniens sein. Die Gelder werden woandershin geflossen sein, und zwar in einem Moment, wo sie für den Neustart der Wirtschaft erforderlich sind.

Die europäischen Führer haben wenigstens drei Mal Fehler begangen:

  • Erster Fehler war die Missachtung des Stabilitätspakts mit der Rechtfertigung, die Griechen haben gelogen.
  • Zweiter Fehler war, jedes Mal unzureichende und teure Maßnahmen zu ergreifen, welche die Verstimmung des Volkes verursachten, ohne Lösungen zu geben.
  • Dritter Fehler waren die Nachlässigkeit und zeitlichen Verzögerungen, die den reichen Griechen, aber letztendlich auch Spaniern gestatteten, ihre Maßnahmen zu ergreifen um ihre Gelder ins Ausland zu schaffen.

Wird mit dieser Logik weitergemacht, bleiben den Europäern in Zusammenhang mit Griechenland nur zwei Optionen: entweder sie tun nichts oder sie beschließen das Ausscheiden des Landes aus dem Euro.

Wie die Gruppe „Diogenes“ einschätzt, werden im letzteren Fall die großen Sieger der Dollar und die amerikanische Wirtschaft sein, die einen so großen Liquiditätsbedarf zur Finanzierung ihrer Defizite hat. Zusammen mit ihr werden auch die angelsächsischen Banken gewinnen, die sich derweilen ihre Provisionen eingestrichen haben werden.

In einer Welt, in der die harte Konkurrenz vorherrscht, gehört der Sieg denen, die ihre Fähigkeit beweisen, gegenüber einem im Egoismus erstarrten Europa und seiner Segmentierung zu agieren, Beschlüsse zu fassen und zu handeln.

(Quelle: Imerisia)

KategorienPolitik, Wirtschaft
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