Deutsche Dickköpfigkeiten

29. Juli 2012 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 591

Autor: Panos Kolokotronis

Dass erneut das Thema einer neuen Umschuldung der griechischen Verschuldung auf den Tisch gebracht wird, stellt keine überraschende Nachricht dar.

Die in der Wirtschaft gut Bewanderten nehmen von Anfang an wahr, dass die Weise, auf welche der „Haircut“ der Verschuldung erfolgte, und speziell seine monatelange Verzögerung eine neue Umschuldung unausweichlich machen würde. Unter dem Strich bezog sich der „Haircut“ auf ungefähr 100 Mrd. der Verschuldung und die Kreditaufnahme auf … 130 Mrd. Euro. Die griechische Verschuldung ist weit davon entfernt, überlebensfähig zu sein, und den Funktionären des Internationalen Währungsfonds war dies bekannt und stellte sogar einen Punkt der Reibung mit Brüssel und Berlin dar.

Die Sackgasse befindet sich vor uns, sofern sie natürlich auf ihrer harten Linie beharren – sowohl in Berlin, das keiner verträglicheren volkswirtschaftlichen Politik zustimmt, als auch der Internationale Währungsfonds, der bereits durchsickern ließ, ein neues Hilfspaket von seiner Seite nicht mit gutem Auge zu untersuchen. Kurz gesagt spielte er den Ball der zusätzlichen Finanzierung Deutschland zu, das außerdem auch der einzige Nutznießer der Erhaltung der Krise in der Eurozone ist.

Es ist kein Geheimnis, dass bei jeder „Zuspitzung“ der Kurs des Euro gegenüber dem Dollar mit der Folge nachgibt, dass die deutschen Produkte in den Drittländern einen Nachfrageschub erfahren. Zusätzlich gelten die deutschen Anleihen als dermaßen sicher, dass sie inzwischen nicht mehr das Interesse der Märkte und Investoren anziehen. Fakten eines wirtschaftlichen Umfeldes, welche die Risiken und Verzerrungen reflektieren, welche die selbige deutsche Politik verursacht – und bis zu einem gewissen Grad die Lohnerhöhungen rechtfertigt, die vor kurzem Berlin in einem Versuch bekannt gab, den deutschen Inlandsmarkt zu stimulieren.

Auf jeden Fall ist offensichtlich, dass die deutsche Politik hinsichtlich der Länder der Eurozone eine gewaltsame Politik ist. Speziell gegenüber Griechenland scheint sie auch boshaft zu sein, wenn wir uns auf den langen Katalog der negativen Bezugnahmen des Finanzministers des Landes – Philipp Rösler – fokussieren, dem die Bundesbank Deutschlands sogar nicht zu entgegnen zögerte, sie erachte, das Gebilde der Eurozone umfasse konkrete Länder und werde ohne diese Länder praktisch nicht bestehen … .

Es handelt sich um eine Position, die nicht zum ersten Mal zum Ausdruck gebracht wird. Es ist bekannt, dass sowohl die Bundesbank als auch die deutschen Unternehmer die Gefahr für die deutsche Wirtschaft aus einen eventuellen Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone betont haben und die Kanzlerin unmissverständlich auffordern, eine nachgiebigere Politik zu wählen.

Was Deutschland in den nächsten Monaten tun wird, bleibt abzuwarten, obwohl klar ist, dass es Europa seine Wirtschaftspolitik aufzwingend praktisch ganz Europa vertritt. Werden die europäischen Länder und die USA ihm dies wohl weiterhin gestatten?

Quelle: Vradyni
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

  1. Michael
    29. Juli 2012, 18:53 | #1

    Der Versprecher sind genug getan, Europa will Taten sehen. Barrosos Ansage in und an Athen war eindeutig. Die restlichen griechischen Schulden sind nach internationalem Recht begeben.

  2. γιαούρτι γιαουρτάκι
    29. Juli 2012, 20:59 | #2

    @Michael
    Welches Europa soll das denn sein? Das der blinden Propagandahörigen? Die wollen gar nichts sehen, keine hungernden Kinder und keine Rentner, die verrecken, weil das Geld nicht für die Medikamente reicht, keine Selbstmorde – außer in Nordafrika – und natürlich auch keine streikenden spanischen Bergarbeiter und keine wild gewordenen Zivilgardisten, die wegen Streikverdacht Autos abstechen, mit Plastikgeschossen durch nordspanische Innenstädte marodieren und Häuser stürmen, weil die Mütter den Streik ihrer Kinder mit Parolen unterstützen.
    Mit dem internationalen Recht bedarf sicherlich noch der Prüfung durch den Aeropag, weil dabei mit Referendum und anders getrickst wurde. Außerdem dürfte es auch interessant sein, wie man ein paar hundert Gesetze durch peitschen kann, ohne daß die Abgeordneten sie lesen.

  3. V99 %
    30. Juli 2012, 00:21 | #3

    Er ist zurueck! Panos Kolokotronis der griechische Bob Woodward!
    Er hat verstanden, dass ein Land, das hauptsaechlich von Exporten lebt an einem niedriegem Euro Wechselkurs verdient… unfassbar! Wenn er jetzt noch versteht, wer Philipp Rösler ist und was man auf dessen „Aussagen“ geben darf, koennte er in den Journalisten-Olymp aufsteigen. Wenn ich das erleben darf 😀 😀 😀

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