Chrysi Avgi, Immigranten und 10 Fragen

8. Juli 2012 / Aufrufe: 704

Autor: Nikos Kakarikas

Die Rechtsextremisten in Griechenland fordern die Abschiebung aller Ausländer. Sind die Griechen jedoch bereit, die leeren Stellen auszufüllen?

Die „Schlacht“ der Kommentare zu dem letzten Artikel des Dimitris Kampourakis lesend wurde mir nun völlig bewusst, dass ein beachtlicher Anteil unserer Mitbürger heftig mit der Chrysi Avgi und allem, was diese vertritt, sympathisiert oder ihr wohlgesinnt ist. Verständlich und respektabel. Es ist ihr Recht.

Die Chrysi Avgi fordert unter anderem die Abschiebung aller Ausländer. Nehmen wir an, den Zauberstab zu haben, und bereits morgen sind alle Ausländer – kriminelle und gesetzestreue – aus Griechenland weg. Einfach so. Perfekt also. Wir haben keine Ausländer, nicht einmal als Muster. Griechenland gehört wieder den Griechen.

Wie wird es jedoch weitergehen? Wer werden diejenigen sein, die all die „schmutzigen“ Arbeiten tun, die wir, die verwöhnten Griechen, nicht machen wollen? Arbeiten, mit denen ältere Generationen kein Problem und auch keinerlei Scham hatten, sie zu tun? Ich habe zehn aufzeigende Fragen zu dem was geschehen wird, wenn plötzlich alle störenden Immigranten aus Griechenland verschwinden werden.

  • Erste Frage: wird die griechische Jugend die Stellen der Ausländer in der ganzen landwirtschaftlichen Produktion in ganz Griechenland übernehmen?
  • Zweite Frage: wird die griechische Jugend die Stellen der Ausländer in den Spülküchen der Restaurants, Hotels und nächtlichen Vergnügungszentren ausfüllen?
  • Dritte Frage: wird die griechische Jugend alle Ausländer ersetzen, welche tausende Häuser und Unternehmen nur in Attika reinigen?
  • Vierte Frage: wird die griechische Jugend alle Ausländer ersetzen, die 10 Stunden lang an den Nähmaschinen in den Kellergeschossen des Zentrums von Athen arbeiten?
  • Fünfte Frage: wird die griechische Jugend alle Ausländer ersetzen, welche auf Groß- und Gemüsemärkten arbeiten?
  • Sechste Frage: wird die griechische Jugend alle Arbeitsplätze in der Viehwirtschaft in der gesamten Peripherie ausfüllen?
  • Siebte Frage: wird die griechische Jugend alle Arbeitsplätze im Baugewerbe ausfüllen?
  • Achte Frage: wird die griechische Jugend alle Arbeitsplätze auf dem Konstruktionssektor ausfüllen?
  • Neunte Frage: wird die griechische Jugend alle Arbeitsplätze bei den privaten Unternehmern bei DEI, OTE und EYDAP ausfüllen?
  • Zehnte Frage: wird die griechische Jugend alle Arbeitsplätze bei den Transportunternehmen jeglicher Natur mit der unendlichen Schlepperei ausfüllen?

Keine der vorstehend angeführten Beschäftigungen bietet Büro, Klimaanlage oder Heizung, einen bequemen Sessel, Privilegien oder privilegierte Verhältnisse, Internetanbindung und Zugang zu Facebook oder Twitter. Alle fordern Erschöpfung, Schmerz und Geduld. Sind die Kinder der Griechen bereit?

Quelle: Protagon
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

KategorienMeinungen
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  1. Eva
    9. Juli 2012, 15:52 | #1

    Doch, das würde die griechische Jugend machen … Lasst euch nichts einreden, lest nicht so viel Bildzeitung!

  2. Monalisa
    9. Juli 2012, 17:33 | #2

    @Norbert
    Und warum studieren die meisten Jungen? Gerade weil sie solche Arbeiten nicht machen wollen. Geh doch mal zu einer griechischen Parea. Akademiker in Mengen, Handwerker? Fehlanzeige! Hier in Griechenland machen Albaner und Pakistanis die dreckige und harte Arbeit. Genau so, wie Du keinen Hartz IV Empfänger in Deutschland bei der Erntearbeit findest. Dort schuften die Polen auf den Feldern und die Müllabfuhr ist in türkischer Hand. Solange das so ist, geht Deutschen und Griechen viel zu gut.
    Ich lebe schon viele Jahre in Griechenland. Brauchte ich Hilfe bei Knochenarbeit, waren ausschließlich Albaner zur Stelle, während die Straßencafes voller junger Griechen waren. Auf meine Frage in dieser Richtung, schauten mich die Jungs an, als käme ich von einem anderen Stern. Griechische Eltern tun alles, aber auch wirklich alles, damit ihr Nachwuchs ein bequemes Leben hat. Trotzdem, oder gerade deshalb, beobachte ich dauernd, mit welchem Anspruchsdenken den Eltern begegnet wird. Bitte und Danke kommen den wenigsten Kindern über die Lippen. Es heißt nicht: „Gib mir bitte.“, sondern: „Ferre mu!“, was soviel heißt: „Gib her!“. Diese Respektlosigkeit zieht sich durch die gesamte griechische Gesellschaft. Ob Nachbar, Umwelt oder Tier, alles leidet unter mangelndem Respekt und fehlendem Gemeinsinn.
    Die Troika bekommt zur Zeit mal wieder diese Mentalität zu spüren, denn von den Sparmaßnahme ist so gut wie nichts umgesetzt. Jedoch vor lauter Angst um den Euro wird man die Augen verschließen und das griechische Fass ohne Boden weiter mit dem Geld der kleinen Leute füllen. Es ist eine Schande!
    Auch finde ich, Dein Vergleich von Ferienjobs mit lebenslanger körperlicher Schwerarbeit hinkt sehr und ist fast eine Verhöhnung derer, die Deine Bildungschancen nicht hatten und nicht bekommen werden.

  3. V99 %
    10. Juli 2012, 12:46 | #3

    Gut gedachter Artikel!
    Die Fragestellung wuerde ich aber besonders an die Chrysi Avgi Jugend richten, die die Immigranten terrorisiert:
    Wird die Chrysi Avgi Jugend fuer einen Hungerlohn, ohne Krankenversicherung (IKA), ohne Vermummungen, sondern stolz und mit Parteihemd an und ausgestrecktem rechten (stinke-) Arm, die Arbeit machen, die sonst keiner will?
    Das waeren dann naemlich „Patrioten“ 😀

  4. Willi F. Gerbode
    11. Juli 2012, 18:35 | #4

    Schade, dass die Fragen, die Nikos Kakarikas aufwirft, nicht in den meinungsmachenden griechischen Blättern auftaucht. Im griechischen TV habe ich auch keine derart (selbst-)kritischen Fragen gehört. Monalisas Ausführungen unterschreibe ich Wort für Wort!

  5. Kostas
    11. Juli 2012, 20:06 | #5

    @Willi F. Gerbode
    Tatsache ist, dass die Problematik sowohl in „meinungsmachenden“ griechischen Blättern als auch audiovisuellen Medien (einschließlich populärer – populistischer sogenannter Frühstücks-, Informations- und Diskussionsblöcke) sehr wohl thematisiert und mit der „Generation Frappé“ unverblümt ins Gericht gegangen wird. Bezeichnenderweise unterdrücken jedoch speziell deutsche Massenmedien möglichst alles, was das systematisch konstruierte Feindbild unterminieren könnte.

  6. Deutsche
    31. Oktober 2012, 12:03 | #6

    Ihr Beitrag grenzt ans Lächerliche, weil abzusehen ist, dass Griechen schon bald jede Arbeit annehmen werden. Er ist beinahe eine Beleidigung ihrer Landsleute, die nicht die Segnungen eines reichen Industrielands genießen können. Wer etwas beißen will, wird alles tun, dass von ihm gefordert wird. Wer nimmt schon einen unausgebildeten Migranten, wenn er einen Griechen bekommt? Es ist ja nicht so dass die Arbeit einem hinterherläuft, …

  7. Deutsche
    31. Oktober 2012, 12:05 | #7

    @Willi F. Gerbode

    Wenn es einem nicht nass rein geht, kann man leicht reden! Ich gehe jede Wette ein, dass fast alle jungen Griechen in der jetzigen Situation jede Arbeit annehmen.

  8. Heinz
    31. Oktober 2012, 16:16 | #8

    Die Zeit wird zeigen, wer hier die Wette verliert.

  9. Eva
    8. November 2012, 21:56 | #9

    Unterschätzt die Griechen nicht

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