Wirtschaftspolizei in Griechenland spürt Schwarzgelder auf

10. Juni 2012 / Aufrufe: 2.067

Die Sondereinheit zur Verfolgung von Wirtschaftsverbrechen in Griechenland findet mithilfe des Systems Elenxis Schwarzgelder in Millionenhöhe.

Versteckte „Schätze“, welche aus Delikten der Steuerhinterziehung und Steuervermeidung stammen, enthüllen die Bankkonten von Ärzten, Rechtsanwälten, Arbeitnehmern, Unternehmern. Jedes Mal, wenn die Inspektoren der Sondereinheit für Wirtschaftsverbrechen (SDOE) Bankkonten der Steuerhinterziehung „Verdächtiger“ öffnen, sind sie überrascht, da sie häufig unglaubliche und provokative Einzelheiten ans Licht bringen.

Es fanden sich einfache Arbeitnehmer des privaten und öffentlichen Sektors mit Sparguthaben in Millionenhöhe, und wie im Rahmen der weiteren Ermittlungen festgestellt wurde, stammten diese Beträge aus rechtswidrigen Aktivitäten. Ebenso stellte sich heraus, dass Rechtsanwälte, Ärzte und Unternehmen den Fiskus jahrelang mit der klassischen Methode der Nichtausstellung von Quittungen betrogen und sich somit der Zahlung von Umsatz- und Einkommensteuer in Höhe von vielen Millionen Euro entzogen.

Arbeitnehmer mit Bankguthaben von 41 Mio. Euro

Charakteristisch ist der Fall eines Arbeitnehmers, der ein Bankkonto mit einem Guthaben in Höhe von 41,5 Mio. Euro führte und zur selben Zeit dem Finanzamt sehr niedrige Einkommen deklarierte. Ärzte des staatlichen Gesundheitssystems (ESY) nahmen über Jahre „Fakelakia“ (= Synonym für rechtswidrig verlangte „Geldgeschenke“) entgegen und sammelten auf ihren Konten Beträge von Hunderttausenden bis sogar auch Millionen Euro an, während ein privater „Security-Unternehmer“ innerhalb von nur zwei Jahren 22,7 Mio. Euro vor dem Finanzamt verbarg.

Alle diese enthüllenden Daten ergaben sich aus Kontrollen, welche die SDOE in letzter Zeit unter Nutzung des neuen EDV-Systems „Elenxis“ durchführte, welches die Möglichkeit zur Auswahl von Fällen auf Basis objektiver Kriterien zur Risiko-Analyse ermöglicht. Die Beträge, die sich nach der Öffnung der Bankkonten ergaben, wurden mit den Beträgen verglichen, welche den Finanzamt gemeldet worden waren. Die Steuerpflichtigen werden bereits vorgeladen, um Erklärungen zu liefern und ihre hohen Bankguthaben zu rechtfertigen.

Auf der Liste der SDOE stechen folgende Fälle hervor:

  • Es fand sich ein Arbeitnehmer mit Beträgen in Höhe von insgesamt 41,5 Mio. Euro auf seinem Bankkonto, während er dem Finanzamt sehr niedrige Einkommen meldete. Diese Gelder „sammelten“ sich auf dem Konto des konkreten Arbeitnehmers innerhalb von drei Jahren, nämlich von 2007 bis 2009 an. 2007 existierten auf dem Konto 2,8 Mio. Euro, 2008 kamen 17,47 Mio. Euro und 2009 weitere 20,94 Mio. Euro hinzu. Alle diese Gelder stammten aus Tätigkeiten, die dem Finanzamt nicht gemeldet wurden.
  • Es fand sich ein Arzt des ESY mit Guthaben von mehr als 1,4 Mio. Euro, die aus ungemeldeten Einkommen stammten, die in einem Zeitraum von 7 Jahren – von 2003 bis 2010 – erworben wurden. Diese Beträge wurden nicht durch seine Einkommen als Arbeitnehmer gerechtfertigt und stammen aus „Fakelakia“.
  • Ein anderer Arzt des ESY nahm von 2003 bis 2008 Beträge in einer Gesamthöhe von 681.500 Euro ein, die er niemals dem Finanzamt meldete. Diese Beträge wurden auf seinem Bankkonto gefunden und nicht durch seine rechtmäßig erworbenen und deklarierten Einkommen als Arbeitnehmer gerechtfertigt. Die Inspektoren des SDOE sind sich sicher, dass diese Gelder aus „Fakalakia“ herrühren, da der Kontrollierte zu erklären aufgefordert wurde, woher die auf seinen Konten gefundenen Gelder stammen, und er nicht antwortete.
  • Ein Rechtsanwalt nahm während der Periode von 2000 – 2010 Beträge in einer Gesamthöhe von 1,5 Euro ein, die er niemals dem Finanzamt meldete. Während der Eingang dieser Beträge auf das Bankkonto des Rechtsanwalts nachgewiesen wurde, konnte er persönlich die Herkunft der Gelder nicht mit rechtmäßigen Belegen rechtfertigen.
  • Ein Arzt des ESY nahm in den zehn Jahren 2000 – 2009 Einkommen in Höhe von insgesamt 983.364 Euro ein und sorgte dafür, diese dem Finanzamt zu verschweigen. Diese Beträge wurden auf seinem Bankkonto gefunden und nicht durch seine rechtmäßig erworbenen und deklarierten Einkommen als Arbeitnehmer gerechtfertigt. Die Inspektoren der SDOE stellten fest, dass diese Beträge aus „Fakelakia“ herrührten.
  • Eine natürliche Person, die dem Finanzamt die Aktivität der Erbringung privater Sicherheitsdienstleistungen gemeldet hatte, verbarg in der Periode 2009 – 2010 realisierte Einnahmen in einer Gesamthöhe von 22,79 Mio. Euro. Gegen den „Sicherheitsdienstler“ aus dem Athener Stadtbezirk Peristeri wurden Geldstrafen verhängt, die sich auf 45,6 Mio. Euro beliefen.
  • Eine Herstellerfirma elektronischer Artikel verbarg vor dem Finanzamt in den Geschäftsjahren 2007 und 2008 Einnahmen in Höhe von insgesamt 9,38 Mio. Euro (4,765 Mio. Euro 2007 und 4,62 Mio. Euro 2008). Bisher wurden gegen sie wegen Nichtausstellung von Belegen Geldstrafen verhängt, die sich auf insgesamt 18,75 Mio. Euro belaufen.
  • Eine Firma zur Herstellung von Möbeln und Leuchtschriften stellte während der Periode 2003 – 2007 getätigte Einnahmen in Höhe von insgesamt 5,87 Mio. Euro keine Steuerbelege aus.
  • Eine Anwaltsgesellschaft verbarg vor dem Finanzamt Einnahmen in Höhe von insgesamt 5,1 Mio. Euro, die sie in der Periode 2006 – 2010 erwarb.
  • Eine Firma, die Verpackungen produziert, verbarg vor dem Finanzamt Einnahmen in Höhe von insgesamt 1,28 Mio. Euro, die sie in der Periode 2009 – 2010 tätigte.
  • Eine technische Handelsfirma verbarg vor dem Finanzamt Einnahmen in Höhe von insgesamt 1,75 Mio. Euro, die sie in der Periode 2006 -2008 realisiert hatte. Die gegen das Unternehmen  verhängten Geldstrafen belaufen sich auf die Höhe von 1,75 Mio. Euro, also genau den selben Betrag, den es verborgen hatte.
  • Ein Unternehmer mit einem Kinderkleidungsgeschäft im Athener Stadtbezirk Ampelokipi verschwieg im Zeitraum 2003 – 2010 dem Finanzamt 3,34 Mio. Euro.

(Quelle: Imerisia)

  1. Nanu
    10. Juni 2012, 09:18 | #1

    Ich hoffe, dass die „gefundenen“ Gelder umgehend eingefroren wurden, bis deren Herkunft zweifelsfrei belegt ist. Nur, wenn Gelder sofort eingefroren werden, kümmert sich der Kontoinhaber aus Eigeninteresse um eine zügige Aufklärung und Kapitalflucht wird eingedämmt. Stellt sich dann definitiv heraus (was offenbar bereits der Fall ist), dass hier massive Steuerhinterziehung betrieben wurde, muss die Geldstrafe sofort von den eingefrorenen Gelder einbehalten werden.

  2. Hans
    10. Juni 2012, 10:49 | #2

    „Ein Rechtsanwalt nahm während der Periode von 2000 – 2010 Beträge in einer Gesamthöhe von 1,5 Euro ein, die er niemals dem Finanzamt meldete.“

    Die anderen Sachen sind ja schon schlimm, aber wegen 1,5 Euro braucht man jetzt net so viel Stress machen.

  3. Dimi
    10. Juni 2012, 12:31 | #3

    Wenn ich so etwas lese, „Arbeitnehmer mit Bankguthaben von 41 Mio. Euro“ dann geht mir echt der kragen hoch! so langsam kommt mir echt das große kotzen was die aus meiner heimat gemacht haben. ich bin zwar seit meiner kindheit nunmehr 40 jahre in deutschland, hab es mir nicht nemmen lassen 2 jahre meines lebens zu opfern um meinen wehrdienst zu leisten. ich hab es gern getan verdammt nochmal … weil ich stolz auf meine heimat war … 24 monate lang … für umgerechnet 10 DM im monat an sold … ohne meckern und murren. jede woche nachts wache geschoben damit irgendwelche kriminelle politiker nachts ruhig schlafen können … ich bin enttäuscht, ich bin total enttäuscht und sauer …

    mir ist es völlig egal ob ein grieche dort, ein deutscher hier oder ein italiener in italien das finanzsaystem um ein paar euro bescheist- was auch fast jeder macht, aber … wenn ich so eine meldung lese … 40.000.000 … arbeitnehmer … hey sorry, aber das wird doch niemals aufhören …die zerstören meine heimat und die meiner kinder. was haben diese verbrecher für das land bisher geleistet oder getan, das sie schamlos so etwas machen? warum werden die nicht einfach enteignet damit das geld dahin zurückgeht wo es gestohlen wurde … warum kann griechenland den schweizern mit einmarschieren drohen wie es der steinbrück gemacht hat … 200 milliarden euro liegen dort, aus zwielichtigen quellen … geld das dem staat und den bürgern des staates gestohlen wurde …

  4. Maria P.
    10. Juni 2012, 12:44 | #4

    Hätte Griechenland ein „Steuersystem“(funktionierendes), wäre wahrscheinlich nie sowas möglich…
    Was passiert jetzt mit diesem Konten? Gepfändet oder erstmal „auf Eis gelegt“???Haben dieser Betrüger immer noch „Zugang“ zu den geklauten Geld???

  5. Tiflopontikas
    10. Juni 2012, 14:27 | #5

    Wenn das schon so lange ging, fragt man sich wie tief die Behörden gepennt haben.
    Mal sehen wer dafür die Schuld bekommt. Die Deutschen, die Troika etc. kommen ja bestimmt in Frage, oder?

  6. Maria P.
    10. Juni 2012, 17:33 | #6

    …eins würde mich noch interessieren, wieviele Millionen haben manche Finanzbeamte auf ihre Konten „angesammelt“ als die, die Steuerhinterzieher aufspüren sollten?

  7. Hey
    10. Juni 2012, 19:27 | #7

    Also dass die ihr Geld noch auf griechischen Bankkonten haben ist schon ein Zeichen der Doofheit. Das allein gehört schon bestraft! 😀

  8. Kerstin
    10. Juni 2012, 23:03 | #8

    das sind Verhältnisse wie in Italien…dort räumt die „Guardia di finanza“ auch gehörig auf.

  9. nikos
    11. Juni 2012, 08:48 | #9

    ich verstehe manche kommentare überhaupt nicht.erst beschwert ihr euch das nichts passiert und wenn die regierung etwas tut ,dann ist es auch nicht in ordnung! ihr müßt euch schon entscheiden!

  10. Griechenfan
    11. Juni 2012, 11:07 | #10

    @Maria P.
    Ja, das wuerde mich auch interessieren, ausserdem muss mensch nicht alles glauben, was da so geschrieben wird und das, kurz vor der Wahl.

  11. Tinos
    11. Juni 2012, 13:47 | #11

    @Dimi
    Endlich mal ein Grieche, der die Zustände mit einer einigermaßen geraden „Brille“ sieht!

    Es stellt sich ja hier auch die Frage, mit welchem Job als „normaler Arbeiter“ mal so schlanke 41 Mio auf sein Konto bringen kann. Welche berufliche Laufbahn muss man hier eigentlich einschlagen, damit man selbst mit einem Bruttogehalt zzgl. Fakilaki auf 41 Mio. kommt?

    Ich würde dann doch vorschlagen, diese Person als Freiberuflichen Berater in der Regierung einzustellen. Dann sollte Griechenland spätestens nach 2 Jahren sogar noch den Vatikan aufkaufen können und gleichzeitig alle Schulden losgeworden sein.

    Bitte entschuldigt die Polemik in meinen Zeilen, aber bei solchen Zahlen bleibt einem Nur die „Spucke“ weg.

    LG
    Tinos

  12. Ein Freund der Grichen!!!!
    11. Juni 2012, 14:31 | #12

    Meines Erachtens ist dass nur die Spitze des Eisbergs!Es sind nicht nur der Mittelstand und die einfachen Bürger.Es sind vorallem Großunternehmer und Politiker die es dem Volk vorgelebt haben.Es sollte eine Partei – mit uabhängigen und unbelassteten Mitgliedern ( nicht die Linken )- an die Macht kommen und zeigen,dass eine wirkliche Veränderung in Gr. stattfindet.Dann alle Großkoruppten inklusive beteiligten Politiker wegsperren. So ergibt sich auf der ganzen Welt ein neues Bild,ein gutes Bild der Griechen, inklusive ein steigendes Vertrauen der Märkte und Ratingargenturen. Ende der Fahnenstange ist ein Zinssatz für Anleihen wo Gr. sich selbst aus dem Sumpf ziehen kann.Und dass alles mit erhobenen Kopf.Dies sollte eigentlich nicht so schwer sein es umzusetzen.Natürlich nur,wenn man etwas für sein Land tun möchte und nicht dem bereits oben erwähnten Klientel angehört!Wollen wir mal sehen,wofür sich Gr. entscheidet.

  13. V99 %
    11. Juni 2012, 16:20 | #13

    Zugabe!!! Was passiert jetzt weiter?
    Ich wuerde das Geld umgehend beschlagnahmen und z.B. dem Nationalen Traeger für Gesundheitsleistungen (EOPYY) zufuehren. Da kommt es ja auch ueberwiegend her:-D

  14. Andreas
    12. Juni 2012, 07:57 | #14

    Es ist schon schön wie hier imme wieder der Mythos vom ‚guten‘ Griechischen Volk und den ‚Bösen‘ Politikern vertreten wird. Politier kann man auch Volksvertreter nennen, von diesem gewählt, und ja! leider auch repräsentativ für dieses. Ich war gerade im schönen Pileo in einer tollen Pension mit Freunden, und als es ans bezahlen ging, hat mal wieder die Quittung gefehlt. Das macht bei 400 Euro etwa 80 Euro Steuern ‚gespart‘. Wir haben der Armen dann leider den Tag versaut (die Rechnung verlangt) und nachdem das Buch umständlich besorgt wurde durften wir uns eine endlose Schimpftirade über die stehlenden Reichen und korrupten Politiker anhören. Ich bin auch ein Griechenland Fan und seit 20 Jahren hier. Da geht einem das naive GR Bild mancher Leute schon mal verloren.

  15. Tinos
    12. Juni 2012, 08:09 | #15

    Wie wahr! Wenn man einen Artikel der letzten Tage aus der Presse verfolgt, kann man lesen, dass der oberste Steuerfahnder in Athen selbst behauptet, ein Zugang zu den Konten, die in seinem Fokus liegen, dauert bis zu einem Jahr. Hat denn dieser Herr wirklich noch Hoffnung, nach 1 Jahr auf diesen Konten noch Geld zu finden?

    Hier sollte von Seiten des Gesetzgebers reagiert werden und eine Möglichkeit geschaffen werden, mittels einer einstweiligen Verfügung solche Konten sofort zu blockieren.

    Vielleicht kann der Gesetzgeber den Einsatz hier beschränken auf Konten mit mehr als 100 K€? Dann trifft die Maßnahme nicht unbedingt die kleinen Rentner oder Bauern.

    Alles in Allem bleibt abzuwarten, wie glaubwürdig sich der griechische Staat in der nächsten Zeit in der Öffentlichkeit verkauft.

  16. Sapounakis
    12. Juni 2012, 10:46 | #16

    Jeder wusste es! Alle, ALLE ! haben mitgemacht! Und jetzt sind alle erstaunt wenn was gefunden wird. Dieses griechische Volk leidet unter kollektiver Amnesie.

  17. Heinz
    12. Juni 2012, 16:10 | #17

    @Sapounakis

    Diese Amnesie ist allerdings nicht physischer sondern psychischer Natur.

  18. Zolman
    12. Juni 2012, 17:51 | #18

    @Andreas
    Das gefällt mir, das Sie die Rechnung wollten.

    Nenne ich mal wirklich einen persöhnlichen Einsatz.

    Will sagen, nicht nur reden, sondern auch machen.

    Gut gemacht 🙂

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