TV-Debatte Samaras – Tsipras in Griechenland gescheitert

7. Juni 2012 / Aufrufe: 900

In Griechenland scheinen die Gespräche bezüglich einer öffentlichen TV-Debatte zwischen Antonis Samaras und Alexis Tsipras endgültig gescheitert zu sein.

Die SYRIZA hat getan was sie konnte, um die Debatte zu sprengen„, führt die Nea Dimokratia (ND) in ihrer Bekanntmachung an und betont, dass – während gemeinsam beschlossen worden war, dass Nikos Chatzinikolaou der Journalist sein würde, der „mit seiner Objektivität, Reputation und Erfahrung als gemeinsam akzeptierte Person das TV-Duell koordinieren würde – die SYRIZA plötzlich auch einen neuen Namen eines Journalisten auf den Tisch brachte, der jedoch (wiederum gemeinsam) nicht vorqualifiziert worden war„.

Es gab keinerlei Vereinbarung„, entgegnet die SYRIZA-Partei und beschuldigt die Nea Dimokratia, nach Vorwänden gesucht zu haben, damit die Debatte nicht erfolgt. Es sei angemerkt, dass es sich bei dem zweiten von der SYRIZA auf den Tisch gebrachten Namen um die Journalistin Elli Stai handelt.

Nea Dimokratia: SYRIZA will keinerlei öffentliche Debatte

Die Bekanntmachung des Pressesprechers der ND, Giannis Michelakis, führt an:

Es ist fortan offensichtlich, dass die SYRIZA keinerlei Debatte durchzuführen wünscht. Verbal mag sie den Vorschlag des Vorsitzenden der Nea Dimokratia zur Durchführung einer TV-Debatte zwischen den Vorsitzenden der ND und der SYRIZA akzeptiert haben, praktisch hat sie jedoch alles unternommen, um sie zu sprengen.

Als konkret die Grundachsen und der Rahmen der TV-Debatte absolut vereinbart worden waren und während die beiden Seiten sich zur Abgabe einer gemeinsamen Bekanntmachung innerhalb des Tages verpflichtet hatten, gab die SYRIZA sowohl gestern als auch heute Mittag voreilig zwei Bekanntmachungen an die Öffentlichkeit und verleugnete damit sogar selbst sein eigene Zusage und riss alles ein, was vorher vereinbart worden war.

Zweitens brachte die SYRIZA plötzlich auch einen neuen Namen eines Journalisten auf den Tisch, der jedoch (wiederum gemeinsam) nicht vorqualifiziert worden war, während vorher gemeinsam beschlossen worden war, dass Nikos Chatzinikolaou der Journalist sein würde, der mit seiner Objektivität, Reputation und Erfahrung als gemeinsam akzeptierte Person das TV-Duell koordinieren würde.

Kaum hatten sich die Vertreter der ND und der SYRIZA über die TV-Debatte der beiden Vorsitzenden die Hände gegeben, sputete die SYRIZA sich unmittelbar danach, alles durcheinander zu bringen: Journalistennamen, Abläufe, sogar auch Verspottung der anderen Parteien mit dem Ziel, alles in die Luft zu jagen …

Wir verstehen die Angst des Herrn Tsipras, seine Positionen bezüglich seiner Unterstützung durch die Lobby der Drachme, der Schürung des Terrorismus, der Hellenisierung Millionen illegaler Immigranten, unseren Austritt aus der NATO, der Demonstrationen seiner Jugendorganisation in Skopje mit dem Ziel, ihm den Namen „Mazedonien“ zu verleihen, und seiner konstanten Verteidigung des Schattenhandels und der vermummten Randalierer zu erklären, welche die Zentren der griechischen Städte zerstören.

Wir verstehen die Angst des Herrn Tsipras, vor Herrn Samaras sein hinsichtlich der Kosten undefiniertes angebliches Programm zu erklären, welches uns zur Drachme und in die Isolierung führen wird. Wir verstehen seine Angst, die 7 seiner 12 Parteikomponenten zu rechtfertigen, welche fanatisch das Ausscheiden aus Europa verlangen. Wir verstehen seine Angst, seine Abgeordneten zu rechtfertigen, welche offen von der Rückkehr zur Drachme und noch blutigeren Besteuerung der Einkommen und Sparguthaben der griechischen Bürger sprechen.

Das öffentliche Verhalten der SYRIZA beweist klar die Verantwortungslosigkeit und Leichtfertigkeit, mit welcher sie die Themen des Landes begegnen. Wie auch immer, die Nea Dimokratia wird dem griechischen Volk die gefährliche Politik der SYRIZA zu Lasten des Euro, der Arbeitsplätze, der Sicherheit und der Würde des Griechen wird auf jede andere Weise enthüllen.

SYRIZA: Herr Samaras fürchtet die öffentliche Debatte

Die SYRIZA beschuldigt von ihrer Seite die Nea Dimokratia einer „frech-feigen politischen Haltung, die sie irreparabel blamiert“ und betont, dass es keinerlei Vereinbarung zwischen den beiden Parteien gegeben habe. In ihrer Bekanntmachung führt die SYRIZA an:

Nach tagelangem Schweigen beschließt sie schließlich, aus Angst vor der Präsentierung und der Gegenüberstellung der Positionen der Parteien vor dem griechischen Volk ihren vorab gefassten Beschluss bekannt zu geben, keine Debatte durchzuführen. Es handelt sich um eine Frech-feige politische Haltung, die sie irreparabel blamiert.

Es hatte keinerlei Vereinbarung zwischen den beiden Parteien gegeben, da die ND wiederholt nach Vorwänden suchte und sich versteckte, indem sie die Kontakte zwischen den Pressesprechern der Parteien aufschob, während sie parallel unwahr durchsickern ließ, die Vereinbarung sei geschlossen worden. Bei der heutigen Begegnung der Herren Pappas und Mouroutis, die auf beharrliche Anmahnungen der SYRIZA erfolgte um endlich festzustellen, ob die ND die Debatte wolle, und angesichts der Tatsache, dass die Zeit beengend knapp war, wurde enthüllt, dass Herr Samaras sich fürchtet.

Wir wollten unseren konkreten Vorschlag bezüglich der beiden Debatten öffentlich bekanntgeben, damit Druck auf die ND ausgeübt wird, die den Weg der kontinuierlichen Aufschiebung der TV-Debatte wählte und sie als ein kommunikatives Feuerwerk nutzen wollte.

Wir bleiben konstant bei unserer Position bezüglich der Durchführung von zwei Debatten, einer mit Vertretern aller Parteien außer der Chrysi Avgi und einer mit Herrn Samaras, im Rahmen eines offenen und direkten Dialogs, wie es in allen Ländern Europas geschieht, und nicht zweier paralleler Monologe. Einer Diskussion, die – wie sich beweist – Herr Samaras nicht ertragen kann. Diese Vorschläge unsererseits gelten weiterhin und wir verlangen eine konkrete Antwort und keine Beschimpfungen.

(Quelle: in.gr)

  1. yoss
    7. Juni 2012, 02:45 | #1

    solche leute werden das land sicher nicht aus der krise führen. sie werden das einzige machen, was sie wirklich gut können: sich aufplustern, gross daherreden ohne jegliche kompetenz und jedweden kompromiss sabotieren.

    mir schauert vor dem 18. juni. es wird wohl keiner dieser egomanen eine koalition zusammenbringen, und auch dann heisst das noch lange nicht, dass eine neue regierung endlich die richtigen schritte ergreift. der einzige, der keinen unrealistischen blödsinn daherfaselt, scheint mir drasi-chef stefanos manos.

    wird das memorandum einseitig ausgesetzt, krachts erst so richtig im land. flucht des restkapitals, bankencrash, importstopp, zusammenbruch des tertiären sektors (tourismus), na wenn das keine gelungene rettung wird!

  2. V99 %
    7. Juni 2012, 09:09 | #2

    Wie schlussfolgerte eine andere Zeitung das Geplaenkel: Beobachter interpretieren das Nichtzustandekommen der Fernsehdebatte damit, dass keine der beiden staerksten Parteien – ND und Syriza – ihre Umfragewerte durch eventuelle Fehler in der Debatte gefaehrden möchte.(!)
    Damit ist wohl klar, wie gut sich Hr. Tsipras schon in die Parteienlandschaft integriert hat. Mal sehen, wie der Kampf der „Egomanen“ (danke @ yoss) weiter gehen wird. An ihrer eigenen Glaubwuerdigkeit haben beide ja nicht mehr viel zu verlieren 😀

  3. tabascofan
    7. Juni 2012, 12:27 | #3

    Hier gibt es doch viele Griechen oder Griechenland-Kenner: Kann mir mal jemand etwas erklären, das ich einfach nicht verstehe: Wie kommt es, dass sich – wenigstens während der letzten zwei bis drei Krisenjahre – keine einzige akzeptable Partei gegründet hat? Eine, die die Probleme des Landes sieht und pragmatisch anpacken will, die nicht korrupt in die alten Seilschaften verstrickt ist, die nicht-radikal in einer Richtung denkt, sondern sozial, modern und demokratisch??? Es muss doch auch in Griechenland Zehntausende, Hunderttausende geben mit Bürgersinn, die ihr Land lieben und vorwärtsbringen wollen. Warum gründet sich da keine entsprechende politische Partei? Wenn man sich die Parteienlandschaft ansieht, es sind doch nur die alten Versager oder neue Spinner im Angebot.
    Ganz ernst gemeint – ich versteh es nicht. Gibt es da eine Erklärung?

  4. Maria P.
    7. Juni 2012, 13:40 | #4

    @tabascofan
    Gibt es „Sowas“ auf dieser Welt??

  5. Holger Lippert
    7. Juni 2012, 14:29 | #5

    … ja, und dann gibt es noch diese Liste mit 170
    Seiten a 25 Namen: Die Namen von 4450 Griechen – im selbstgewaehlten Exil – deren JEDER sein Land im zwei- bis drei-stelligen Millionenbetrag betrogen hat …. Wählt also die, die diese Liste „abarbeiten“ – und nicht jene, die draufstehen (oder draufgehoeren) …

  6. Neuhellene
    7. Juni 2012, 14:39 | #6

    Das kann ich Euch sagen; weil hier mittlerweile jeder, aber auch jeder Politik für ein überaus schmutziges Geschäft hält. Früher hat man die Mühen noch auf sich genommen, da es noch etwas zu holen gab. Heute ist das vorbei und warum soll man sich für etwas mühen was sich nicht mehr auszahlt. Zum Anderen ist es eine Eigenheit der Griechen, äußerst mißtrauisch zu sein. Sie können zwar sehr gut mit Fremden und Gästen, aber versucht lieber nicht 2 Griechen an einen Tisch zu bekommen, so daß sie zusammenarbeiten. Das ist so gut wie ausgeschlossen. Das werden wir nach dem 17.Juni erst noch mal so richtig zu spüren bekommen, wenn irgendwer mit irgendwem koalieren soll. Da werden nur alte Grabenkämpfe ausgefochten und Claims abgesteckt. Und dann-Griechenland Kalli Nichta !
    Ich lebe nunmehr seit mehr als 7 Jahren in diesem Land und liebe Land und Leute, aber auch ich habe mittlerweile meinen sonst nie versiegenden Optimismus verloren.

  7. Rambo
    7. Juni 2012, 15:28 | #7

    @tabascofan
    Die gleiche Frage kannst Du Dir stellen “ Warum gibt es in GR fast keine gemeinnützigen Vereine – Tafelläden usw.“ Das Gen für Gemeinschaft und Bürgertum fehlt den meisten Inlands-Griechen. Schau Dich doch einmal um welche Vorbilder was vorleben. Die 5 % die die Lager richtig erkannt haben und Veränderung auch leben, können keinen Staat aufbauen. Vielleicht ist Dir schon einmal aufgefallen dass der griechische Egomane die wichtigste Person auf dieser Welt ist. Auch das deutsche Wort Mitleid also das gemeinsame mitleiden hat hier nichts verloren. Wir haben seit neustem ein Schild an unserer Gartentüre – Auf diesem Grundstück ist Lamentieren und Jammern verboten.

  8. Roditisa
    8. Juni 2012, 15:29 | #8

    @tabascofan
    Es wurden einige neue Parteien gegruendet. Die haben aber kein Geld. Die Profiteure der alten Seilschaften werden sich hueten, die zu finanzieren, und die, deren Interessen sie vertreten wurden koennten wenn ueberhaupt nur kleine Summen geben. Man braucht aber eine gewissen Startsumme, um ueberhaupt wahrgenommen zu werden. Von vielen Parteien hatte man nie etwas gehoert, bis man ihren Namen auf dem Wahlzettel las, weil sie sich Wahlwerbung gar nicht leisten konnten.

    Neue Bewegungen brauchen Zeit, um in den Insitutionen anzukommen. Man bedenke, wie lange die oekologische Bewegung gebraucht hat, um im Parlament zu landen, und wie lange dann immer noch, um in einer Regierung wirklich etwas entscheiden zu koennen.

    Dazu kommt, dass die Menschen hier Angst haben. Wir haben Angst, unsere Lebensgrundlage zu verlieren, man hoert aus USA und GB ganz andere Ratschlaege fuer das Land als aus Deutschland. Wem soll man vertrauen? Alle sagen, es geht ums Ganze, um die Zukunft unserer Kinder und wir muessen das Richtige tun. Aber was ist „richtig“? Angst laehmt und verhindert klares Denken. Es aktiviert ein System im Hirn, das auf Angriff oder Verteidigung hinauslaeuft. Man merkt das hier. Wir haben das Gefuehl, keine Zeit zu haben und gleichzeitig besser als unsere Journalisten und Politiker wissen zu sollen, was gut ist fuer unser Land. Woher sollen wir das wissen? Wir koennen keinem mehr vertrauen. Alle haben uns belogen. Wir leben seit 2 Jahren als getriebene der Entwicklung von abstakten Zahlen, die nicht mehr vorstellbar sind. Vor 3 Jahren hat niemand hier gewusst, wie es um das Land wirklich steht.

  9. tabascofan
    8. Juni 2012, 19:29 | #9

    Danke für die interessanten Antworten.
    @Neuhellene
    Wenn diejenigen, die nur dann Politiker werden wollen, wenn es sich auszahlt, darauf
    verzichten, dann ist das gut und richtig. Und ein Riesengewinn fürs Land. Abzocker und Handaufhalter gibt es schon genug und schon viel zu lange. (Auch wir hatten ein gewisses Bundespräsidentenproblem…) Für die politische Arbeit darf es nur eine einzige Motivation geben, nämlich dass man Einfluss nehmen und was positiv verändern will. Was dann ja im Ergebnis auch der eigenen Familie und einem selbst nützt.
    Ich habe gestern in einem TV-Bericht (er hieß „Hellas in Not“) den neuen Bürgermeister von Thessaloniki kennengelernt. Ein sehr beeindruckender Mensch und Politiker. Hoffe, es gibt mehr von der Sorte.

  10. Oniro
    9. Juni 2012, 14:55 | #10

    @tabascofan
    ich stimme Ihnen zu. Boutaris, der neue Bürgermeister von Thess. ist meiner Meinung
    nach einer der neuen Macher in GR..
    Aber wie ich in Thess.höre wird er sehr boykotiert dort von der alten Garde und den Bürgern sowie den Angestellten des Dimosio.
    Er hat viele Schwierigkeiten.
    Im Sender TV 100 konnte ich eine Debatte verfolgen über Probleme mit Müll und Sauberkeit der Stadt. Er hat auch die getrennte Müllsammlung eingeführt.

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