Hotelsterben in Griechenland

6. Juni 2012 / Aktualisiert: 24. September 2017 / Aufrufe: 7.247

Dem Hotelsterben in Griechenland fielen allein in Athen über 20 teilweise weltweit bekannte Häuser zum Opfer, während landesweit 3.000 Hotels zum Verkauf anstehen.

Es war der 05 September 1997, als Juan Antonios Semarang bekannt gab, Athen werde die Stadt sein wird, welche die Olympischen Spiele 2004 ausrichten würde. Ab jenem Tag und für die nächsten sieben Jahre begann die Verwandlung der Hauptstadt, und in der ersten Reihe befanden sich bei dieser „Party“ Dutzende Unternehmer aus dem Raum der Hotel- und Tourismusbranche. Die Erwartung einer touristischen Explosion zugunsten der griechischen Hauptstadt nach 2004, gemäß dem Beispiel Barcelonas, führte zu Investitionen von Millionen Euro für die Renovierung Athener Hoteleinheiten. Somit erhielt die Stadt in Aufwertung des touristischen Profils des Landes sowohl im Zentrum als auch in den Randgebieten diverse wunderschöne Hotels mit 3, 4 und 5 Sternen. Außerdem kommt ein großer Teil der 16,17 Mio. Touristen jedes Jahr in Athen vorbei.

Innerhalb weniger Jahre zerbrach jedoch die Vitrine der Hauptstadt. Kriminalität, Gettoisierung, hunderte Demonstrationen und Zwischenfälle jedes Jahr, das Immigrantenproblem und zuletzt die Wirtschaftskrise haben der Hotelbranche ungeheuren Schaden zugefügt. So stellten in den letzten 18 Monaten mehr als zwanzig Hotels in Athen den Betrieb ein, während Befürchtungen geäußert werden, dass sehr bald auch andere Einheiten schließen werden.

Von dem Glanz der Olympischen Spiele zu Verfall und Gettoisierung

Eins ist sicher. Von dem Glanz der Olympischen Spiele gelangten wir innerhalb weniger Jahre in die Dunkelheit des Verfalls. Und Zeus Xenios wohnt inzwischen nicht mehr in Athen. Beweis dafür ist, dass Marktfaktoren weitere Schließungen in der Hotelbranche sowohl in Athen als auch im übrigen Griechenland erwarten.

2011 schlossen in ganz Griechenland 250 Hotels, aber das Bild der Auflösung setzt sich auch in diesem Jahr fort. Die jüngst erfolgte aufsehenerregende Schließung des Athens Imperial ist die Spitze eines Eisbergs, da immer mehr Hoteliers daran denken, ihre Unternehmen zu schließen, und viele haben Verkaufsschilder ausgehängt. Laut Immobilienmaklern stehen von den 9.700 im ganzen Land existierenden Hotels sogar wenigstens 30% bzw. mehr als 3.000 Einheiten versteckt oder offensichtlich zum Verkauf an.

Die Unternehmer – Hoteliers mögen im vergangen Jahr (2011) mit den insgesamt rund 16,5 Mio. Touristen Atem geschöpft haben, in diesem Jahr hat jedoch der Zusammenbruch der Wirtschaft und hauptsächlich die Tatsache den Tourismus um viele Jahre zurückgeworfen, dass der „Produktname“ Griechenland aufgrund der Regierungslosigkeit und allgemeineren Unsicherheit nicht wiedergutzumachenden Schaden erlitten hat. Bis heute und speziell im Mai 2012 zählt die touristische Saison Verluste von zwei Millionen Touristen. An jedem Tag, der verstreicht während das Land ein Bild der Auflösung bietet, liegen die Reservierung bei knapp über 50.000, gegenüber 100.000 im vergangenen Jahr. Die Auslastungen in den Hotels sinken dramatisch und trotz der Tatsache, dass die Zimmerpreise signifikant gesenkt wurden.

Und in der Szenerie des Zusammenbruchs hat das erste Wort die Stadt Athen, welche das schlimmste touristische Jahr seit vielen Jahrzehnten durchlebt. Laut den Abgaben des Panhellenischen Hotelier-Verbands (POX) sank die Auslastung der Hotels in der Hauptstadt auf 46,9%, wogegen die Konkurrenzstädte eine Auslastung von über 60% haben. Im vergangenen Jahr befand sich die Auslastung auf Ebenen bei 54,4%, womit also ein Rückgang um 13% verzeichnet wird. Was den durchschnittlichen Zimmerpreis betrifft, belief sich dieser in den ersten vier Monaten des Jahres 2012 auf 87,8 Euro, gegenüber 93,1 Euro im vergangenen Jahr, und die Einnahmen je verfügbarer Einheit fielen auf 41,2 Euro, gegenüber 50,7 Euro im vergangenen Jahr.

Es ist also zu erwarten, dass die Hotellandschaft der Hauptstadt sich radikal ändert und alte und historische Hotels nicht mehr existieren.

Griechische Kundschaft hat kein Geld, ausländische fürchtet sich

Die Wirtschaftskrise hielt hauptsächlich die griechischen Kunden von den Athener Hotels fern, während die Ausländer die Hauptstadt meiden, da sie die Instabilität in der Wirtschaft, aber auch die politische und gesellschaftliche Unruhe fürchten. Seit zwei Jahren zeigen im Ausland tausende Veröffentlichung und Fotografien die Stadt Athen in den Schwaden der Molotow-Cocktails und Tränengasbomben „erstickt“, während tausende Touristen bei ernsthaften Vorfällen eingeschlossen worden sind, welche die Stadt in Kabul verwandelt haben.

Die drei großen Hotels am Syntagma-Platz waren sogar viele Male gezwungen, die Rollladen herunterzulassen, ausländische Gäste durch die Hinterausgänge in Sicherheit zu bringen oder zigtausende Euro für die Beseitigung der Schäden zu zahlen, welche die berüchtigten vermummten Randalierer anrichteten. Auf der anderen Seite ist das Zentrum Athens auf Gnade und Ungnade der Gesetzlosigkeit und der unkontrollierten Migration ausgeliefert worden und hat sich in ein Getto gewandelt, das am Syntagma-Platz beginnt und bis in die Bezirke Patisia und Petralona reicht. Die Hotelschließungen sind somit die Chronik eines vorangekündigten (touristischen) Todes einer Stadt, die einmal Athen war.

Ende Mai 2012 verlor die Hauptstadt ein Hotel-Schmuckstück, ein 5-Sterne-Unternehmen, das bei Aufnahme seines Betriebs bestrebt war, den Bezirk unterhalb der Omonia umzugestalten. Die Schließung des „Athens Imperial“ mit 550 Betten rief in der Welt des Tourismus einen Schock hervor, da es sich um ein Luxushotel handelte, welches 2007 renoviert worden war. Es ist die dritte Einheit des Konzerns Daskalantonaki, die geschlossen wurde, während die selbe Gesellschaft, die sowohl das „King George“ am Syntagma-Platz in Athen als auch das traditionsbehaftete „Makedonia Palace“ in bester Zentrumslage in Thessaloniki verwaltet, ihre Absicht erklärt hat, sich auch von diesen Hotels trennen zu wollen.

Das Esperia Palace an der Stadiou-Straße, ein 4-Sterne-Hotel mit 338 Betten, wurde im vergangenen (2011) Jahr geschlossen. Das Gebäude gehört der Versicherungskasse der Juristen, die sich weigerte, die Pachtzahlungen zu senken, was zum Ergebnis hatte, dass der Unternehmer M. Kalligeros zur Schließung eines kosmopolitischen Hotels schritt, welches seinen Betrieb 1963 aufnahm, drei Renovierungen unterzogen wurde und in dessen Restaurant „Athineo“ sich große Namen der politischen und unternehmerischen Szene einstellten. 80 Beschäftigte blieben auf der Straße und das Gebäude ist fortan ein „Geisterhaus“, während die Juristenkasse 1,5 Mio. Euro im Jahr verliert.

Das „verfluchte Gebiet“ im Stadtzentrum von Athen

Als Resultat der Abwertung und der Kriminalität zählen die Omonia und das Umfeld dieses Bezirks in den letzten Jahren die meisten „Opfer“. Das 3-Sterne-Hotel City Plaza am Victoria-Platz war für viele Jahre ein Treffpunkt. Es schloss wegen der Situation in der Gegend und somit gingen 239 Betten verloren. Vor 5 – 6 Jahren schloss das 3-Sterne-Hotel La Mirage, für welches Überlegungen bestehen, es in ein Studentenheim umzuwandeln. Das Acron und das Fashion Hotel des Konzerns Daskalantonaki, mit insgesamt 550 Betten, wurden geschlossen, da sie das Unglück hatten in einem Gebiet betrieben zu werden, das sich schnell in ein Getto verwandelte. Wenige Meter höher gab es das Kaningos 21, welches die Abwertung und das Ausbleiben von Kunden ebenfalls nicht aushielt.

In diesem „verfluchten Gebiet“ und konkret an der Straße Agiou Konstantinou existierte das Jason Prime, ein riesiges Hotel des Unternehmers A. Dourou. Es schloss im Oktober 2011, obwohl es erst 2003 für 3 Mio. Euro renoviert worden war. „Sehr gutes Hotel in einem schrecklichen Bezirk„, schrieben die ausländischen Besucher in ihren Kommentaren. Der lange Katalog des Hotelzusammenbruchs der letzten Jahre umfasst ebenfalls das Athinea, das Amaryllis, das Baby Grand in der Straße Athinas usw. Abgesehen von dem touristischen Prestige Athens brachte all das Vorstehende das Hotelpotential um fast 3.000 Betten, während hunderte Arbeitnehmer arbeitslos wurden. Der Markt der Hauptstadt ist „verwelkt“ und erinnert die Faktoren des Tourismus an die Periode 1985 – 1987, als 82 Hotels geschlossen worden waren.

Der Tourismus in Athen, mit dem internationalen Symbol der Akropolis für Millionen Touristen einen Pol der Anziehung darstellend, hängt derzeit am Tropf. Die Hotelschließungen, der dramatische Rückgang der Auslastungen und die Einnahmen und die pessimistischen Prognosen neuer Schließungen in den kommenden Monaten stellen für die Schwerindustrie des Landes einen Schandfleck dar. Wenn im Ausland das Bild der Hauptstadt und ganz Griechenlands nicht schnell wiederhergestellt wird, werden sowohl dieses Jahr, aber auch die nächsten Jahre verloren gehen.

Schätzungen zufolge stehen in Griechenland 3.000 Hotels zum Verkauf an

Derweilen befinden sich mehr als 1.500 Hotels in ganz Griechenlands in den Portefeuilles der griechischen und ausländischen Maklerbüros und warten auf Käufer. Nicht wenige Insider erhöhen diese Zahl der Verkaufsangebote jedoch auf 3.000, da immer mehr Unternehmer aus dem Beruf aussteigen wollen. Die meisten Hotels sind kleine Einheiten im ganzen Land, die wegen der Krise in Saisonbetriebe umgewandelt wurden. Es gibt jedoch auch große Hotelkomplexe, die für mehr als 50 Mio. Euro zum Verkauf anstehen.

In Athen gibt es wenigstens zwölf Hoteleinheiten, die angeboten werden und für welche der verlangte Betrag insgesamt 200 Mio. Euro tangiert. Trotz des Angebotes existieren jedoch keine Käufer, obwohl in vielen Fällen auf den anfänglichen Preis „Nachlässe“ von bis zu 50% erfolgen. Ebenfalls stehen weitere fünfzehn Einheiten auf Attika zum Verkauf an, zu einem angestrebten Betrag von über 150 Mio. Euro.

Die meisten zum Verkauf anstehenden Hotels haben eine Kapazität von unter 100 Betten und sind zum Teil mit vielen baurechtlichen Verstößen konfrontiert. Es gibt jedoch auch etliche „Diamanten“ und allbekannte Hotels in Athen, mit ab zwei bis fünf Sternen, die als durchaus interessante Investitionsobjekte gelten. Informationen zufolge steht ein der ersten Kategorie angehörendes großes Hotel im Zentrum von Athen seit Jahren zu einem Preis von über 150 Mio. Euro zum Verkauf an, jedoch würde sich der Verkäufer vermutlich auch mit 100 Mio. Euro abfinden. Ebenfalls stehen vier große Hotels auf Attika zu Preisen um 100 Mio. Euro zum Verkauf an.

Schockierende Zahlen

  • In ganz Griechenland stehen 3.000 Hoteleinheiten zum Verkauf an.
  • In Athen wurden in den letzten Jahren 25 Hotels geschlossen.
  • In ganz Griechenland wurden 2011 laut dem Institut für touristische Forschungen und Prognosen (ITEP) 250 Hotels geschlossen.
  • Auf dem Athener Markt gingen in letzter Zeit 3.000 Betten verloren.
  • In der diesjährigen Saison sind für Griechenland 2 Mio. Touristen verloren gegangen.
  • Der Rückgang bei den Auslastungen der Athener Hotels beträgt 13,8% im Verhältnis zum Vorjahr.
  • Seit dem 06 Mai 2012 (Anmerkung: Tag der ersten Parlamentswahlen 2012) gibt es täglich 50.000 Reservierungen weniger als im Vorjahr.

(Quelle: Imerisia)

  1. 6. Juni 2012, 12:50 | #1

    Athen ist immer noch eine sehr besuchenswerte Stadt – ich war gerade im Mai wieder dort. Und wer ein Hotel in der Plaka bucht, merkt von der Krise und den Problemen praktisch nichts!

  2. Heinz
    6. Juni 2012, 19:12 | #2

    Firmensterben und Hotelsterben ist doch ein völlig normaler Vorgang, das ist Alltag. Und natürlich gibt es nach Ereignissen wie eben die Olympischen Spiele jede Menge Überkapazitäten. Verursacht durch Investoren, die schnelles Geld machen wollten. Waren diese Hotels dann gut, konnten sie weiter existieren, sind sie schlecht geführt, so dass keine Kunden mehr kommen, dann müssen sie aufgeben. Das ist normale Auslese bis zum Punkt des realen Bedarfs.
    Natürlich haben Dinge wie Demonstrationen, Nachbarschaft, Fluglärm, Straßenlärm usw. ihren Einfluss auf Gästezahlen. Das jedoch kann kein Hotelmanager richten, da sind andere gefordert. Auch hier Versagen der staatlichen Organe, ausdrücklich alle zuständigen Beamten eingeschlossen.

  3. Umlandt Gerhard
    7. Juni 2012, 14:01 | #3

    Da sieht man doch gleich, wie Merkel und Seehofer Griechenland „gerettet“ haben.

  4. Greeco
    7. Juni 2012, 20:35 | #4

    Na toll! Endlich bringen wir das Urland der Faulen auf Vordermann! Verramscht und verschleudert ALLES! Die EUSSR-Terroristen werden es euch danken! Einfach nur ekelhaft!
    Wehrt euch weiter! Die besten Wünsche aus dem „Sparparadies“ Däutschland!

    Greeco

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