Faschismus und die Chrysi Avgi in Griechenland

20. Juni 2012 / Aufrufe: 616

Autor: Giorgos Ch. Papasotiriou

In Arta werden Hinterhalte gelegt und Immigranten auf den Feldern und in den Orangenhainen gejagt. In Mesolangi, wie auch in den Wohngegenden in Athen, rufen die Anwohner nicht die abwesende und immer ineffiziente Polizei, sondern die Chrysi Avgi, die wie eine Schatten-Polizei mit Charakteristika der Ku-Klux-Klan agiert und gegen gerechte und nicht Immigranten Selbstjustiz übt, sie terrorisiert und zusammenschlägt. Diese paramilitärische Organisation wurde bei den Wahlen am 17 Juni 2012 von den Wählern honoriert, den Triumph der Unbildung, des Hasses, aber auch der Verzweiflung der schutzlosen Bürger darstellend.

Hier existiert jedoch nicht nur eine faschistische Formation, sondern auch jenes Element, welches die eine Seite des inzwischen drohenden sozialen Bürgerkriegs darstellen wird. Das Phänomen ist nicht nur griechisch. Auch in Großbritannien hatten sich vor geraumer Zeit die Gewerkschaften erhoben, nicht gegen die Banken, nicht gegen jene, welche die Wirtschaftskrise verursachten, und auch nicht gegen die Regierung, sondern gegen die Immigranten! Das „inländische Proletariat“ greift das „ausländische Proletariat“ an. Die Verlegung der Konfrontation in die Peripherie, der „Bürgerkrieg der Unterschicht“, das was die amerikanischen WASPs auf eine Wissenschaft in den USA zurückführten, wird nun nach Europa gebracht.

An allem haben die Immigranten schuld, jene, die uns die Arbeiten … wegnehmen. Jene, die jedoch früher (z. B. bei den Olympischen Spielen) die billigen und ohne Versicherung beschäftigten Arbeitskräfte waren, welche den großen Bauinteressen dienten. Jetzt haben an allem die Ausländer schuld! Das System benötigt ein Sühneopfer, einen Sündenbock, um seinen Konkurs zu verstecken. Gestern waren es die Hebräer, heute die Immigranten. Die menschliche Seele ist jedoch eine und allgemeine (überall die selbe), sagte Spinoza und antwortete so den Rassisten jeder Epoche, welche gewissen Menschen, aber auch Völkern eine in den Genen liegende oder atavistische „Schlechtigkeit“ anlasten.

Der Hass, wie auch die Liebe, werden durch die kleinsten Dinge genährt …„, merkte Honoré de Balzac an. Jedoch gilt hier der Fall des Meursault (A. Camus), der sein wegen des Misserfolgs oder der Arbeitslosigkeit und der Einsamkeit demontiertes Ego durch den Hass der anderen neu aufbaut. Ja, Meursault hasst „um sich nicht allein zu fühlen„, um nicht der berüchtigte Loser zu sein. Mit anderen Worten, er will, dass alle wie auch er pleite gehen, alle ihre Arbeit, ihre Geschäfte verlieren. Er will seine verkrüppelte Ideologie „sauber“ haben. Die Optik seines Hasses ist die Reinheit des Volkes, die Überlegenheit der … Rasse. Dieser Hass ist der Zünder, der die Problem-Bomben der heutigen griechischen Gesellschaft in Brand setzt. Wenn wir heute alle Fremde und Rassisten füreinander sind, werden wir an Hass sterben und uns möglicherweise auch selbst in die Zunge beißen.

Können wir jedoch ohne den Hass, ohne die Chrysi Avgi leben? Wir können es, es genügt, dass wir den Hass durch die Liebe ersetzen, die Liebe zu ausnahmslos allen Menschen zu Bedingungen der Christlichkeit, dass wir die Fremdheit als eine Reise in die Fremdheit des anderen und unseres entfremdeten Ego sehen, mit einer Ethik des Respekts selbst auch für das Inkompatible als Kompass. Es genügt, dass das staatliche Absenz bei der Sicherheit der Bürger aufhört, welche der Faschismus und der Rassismus einer illegalen gesellschaftlichen Schatteninstitution zu decken kommt, die sich hinter einer politischen Organisation mit ordnungsgemäßen Merkmalen versteckt.

(Quelle: Faschismus, Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog)

  1. nikos
    20. Juni 2012, 08:26 | #1

    eine demokratie muß auch so eine partei aushalten können.wenn sic verboten werden würde,dann agiert sie im untergrund.noch schlimmer!

  2. Heinz
    20. Juni 2012, 10:41 | #2

    Für Rechte und Neonazis ist die Sache immer ganz einfach: Meine eigene Beschränktheit und menschliche Unzulänglichkeit kann ich hervorragend hinter den scheinbaren Problemen verstecken, die Schwache und Immigranten verursachen sollen. Weil ich selbst nicht in der Lage bin, mich gesellschaftsfördernd und dem Allgemeinwohl verpflichtet zu handeln, indem ich zum Beispiel einfach nur fleißig arbeite, muss ich einen Sündenbock für meine eigene Verfehlung haben.
    Es sind also nicht die Menschen im rechten Spektrum, die wirklich keine Möglichkeiten haben, ihre Situation zu verbessern, sondern diejenigen, die sehr wohl in der Lage wären, ihre Situation selbst zu verbessern sich jedoch lieber in Selbstmitleid suhlen und überhaupt nicht willens sind, ihre Situation zu ändern. Sie tun nichts für den Staat, sie nutzen ihn aus, nicht die Immigranten. Denn die meisten von denen würden gerne arbeiten, wenn sie nur dürften.

  3. V99 %
    20. Juni 2012, 12:35 | #3

    Ich wuenschte mir, dass mehr Menschen hier so denken wuerden. Die angebotene Problemloesung wuerde sehr gut in ein Land passen, das eine christliche Staatsreligion hat, wo sich die Menschen beim Anblick einer Kirche dreifach bekreuzigen und Ikonen ins Buero stellen. Gebt Nazis keine Chance und Immigranten nicht die Schuld!

  4. klon 2
    20. Juni 2012, 18:50 | #4

    „Wir können es, es genügt, dass wir den Hass durch die Liebe ersetzen, die Liebe zu ausnahmslos allen Menschen zu Bedingungen der Christlichkeit, dass wir die Fremdheit als eine Reise in die Fremdheit des anderen und unseres entfremdeten Ego sehen, mit einer Ethik des Respekts selbst auch für das Inkompatible als Kompass.“

    Diesen Absatz sehe ich kritisch. Denn was gut gemeint ist, bringt leider nicht immer Gutes hervor:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus_ohne_Rassen

    Gerade jetzt, wo die Not für viele Menschen immer größer wird, müssen wir besonders sensibel für diese Thematik sein.

  5. Jörg
    20. Juni 2012, 20:00 | #5

    Genau sowas muss und sollte eine Demokratie eben nicht tolerieren denn dadurch wird alles nur noch schlimmer ! Ich Sage nur wehret den anfängen !

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