Beunruhigender Anstieg rassistischer Gewalt in Griechenland

13. Juni 2012 / Aufrufe: 1.816

In Griechenland wird seit den Parlamentswahlen am im Mai 2012 ein beunruhigender Anstieg der rassistischen Gewalt gegen illegale Immigranten verzeichnet.

Einen Hagel von Angriffen zu Lasten von Immigranten, speziell nach den Parlamentswahlen des 06 Mai 2012, melden die Vertreter der Immigranten-Gemeinden und beschuldigen die Polizei der Gleichgültigkeit. Wie Mitglieder der pakistanischen Community betonen, sind seit dem 23 Mai mehr als 60 Angriffe angezeigt worden, jedoch setzen die rechtsextremistischen Gruppen ihr Treiben ungestört fort.

Die Polizei äußert ihrerseits Befürchtungen über mögliche Reaktionen der Immigranten auf die gegen sie gerichteten rassistischen Vorfälle, welche Möglichkeit im übrigen auch seitens der Immigranten-Communities zur Rede gebracht wird. Jedenfalls werden den Organen der Ordnungskräfte nicht erst jetzt und nicht nur von Seite der Immigranten Gleichgültigkeit, Tatenlosigkeit oder sogar auch Sympathie gegenüber den faschistoiden rechtsextremistischen Gruppierungen angelastet.

Polizei geht nicht energisch gegen Übergriffe gegen Immigranten vor

Der Vorsitzende der pakistanischen Community Javed Aslam erklärte gegenüber der Zeitung „Ta Nea“: „Am Abend des vergangenen Freitags fuhren bei Schimatari 5 Stunden lang mehr als 100 Personen mit vermummten Gesichtern und Knüppeln und Ketten in ihren Händen auf Krafträdern herum und jagten Ausländer. Glücklicherweise hatten wir über ihre Züge Kenntnis erlangt bevor sie in dem Gebiet eintrafen und konnten die meisten Pakistaner informieren. Nur 2 – 3 auf den Feldern arbeitende Personen wurden nicht benachrichtigt und waren diejenigen, die verprügelt wurden. Das Problem der Polizei war jedoch, von wem und warum wir informiert wurden und unsere Landsleuten warnten, und nicht etwa, dass sie wieder einmal nicht ihre Arbeit tat.

Wie Javed Aslam betont, haben die Mitglieder der pakistanischen Community seit dem 23 Mai 2012 mehr als 60 Angriffe angezeigt, jedoch gibt die Polizei sich weiterhin gleichgültig und lässt die Gruppen der Rechtsradikalen ungestört agieren.

Auf dem Wochenmarkt in N. Ionia sind viele Male Angriffe gegen Pakistaner verzeichnet worden. Die Gruppen lauern morgens um 3 Uhr den Leuten auf, die eintreffen um ihre Stände aufzubauen, und schlagen sie dann zusammen. Wir haben Schutz verlangt, jedoch nichts geschieht„, erklärt der Vorsitzende der pakistanischen Community und fügt an: „Das Selbe auch in Nikäa, an der Kreuzung vor den Kinos. Jeden zweiten, dritten Tag gibt es dort nach 7 Uhr abends Gruppen Rechtsradikaler, welche Jagd auf die Immigranten machen.

Vertreter der Immigranten-Communities waren vor Eskalierung

Vertreter der afghanischen Gemeinde erklären, dass die Immigranten die meisten Angriffe nicht zur Anzeige bringen, außer wenn sie ins Krankenhaus gebracht werden müssen.

Es hat Fälle tätlicher Angriffe gegeben, in denen die Polizisten den Opfern vorwarfen, warum sie nicht zurückgeschlagen hätten. Wenn dies jedoch geschieht, wird leicht die Beherrschung verloren gehen und es zu ernsthafteren Situationen kommen können„, führt der Vorsitzende der afghanischen Community G. Mohammadi und ergänzt: „Nach den Wahlen im Mai 2012 sind die Rechtsextremisten dreist geworden. Wir sagen unseren Landsleuten, sich niemals allein und auch nicht abends zu zeigen und zu versuchen, Besonnenheit zu zeigen.

Vertreter der arabischen Gemeinden in Griechenland haben beschlossen, Demonstrationen vor den griechischen Botschaften in den Ländern zu organisieren, in denen solche existieren, und gegen die ständig zunehmende Anzahl der Angriffe gegen Immigranten zu protestieren„, erklärt gegenüber „Ta Nea“ Ahmed Moawia, Koordinator der Griechischen Forums der Immigranten.

Die Zurückhaltung seitens der Immigranten kann sehr leicht verloren gehen, speziell wenn von Seite der Behörden diese Handhabung existiert. Ebenfalls ist nicht zu vergessen, dass viele dieser Menschen ungebildet sind und leicht extremen Stimmen auch aus dem Raum der Immigranten zum Opfer fallen können„, warnt der Vorsitzende der Moslemischen Union Griechenland, Naim Elgadur.

(Quelle: in.gr)

  1. Konstantin
    13. Juni 2012, 12:49 | #1

    Die Rechtsradikalen sind eine Schande für Griechenland, wo immer Rechtsradikale zugange sind, in welchem Land auch immer, sind sie ein Schandfleck für die Bevölkerung.

    Die Rechtsradikalen argumentieren damit, dass die Illegalen die Arbeitsplätze in Griechenland wegnehmen. Anstatt nun auf die Menschen los zu gehen und sie zu prügeln, sollte lieber dafür gesorgt werden, das keine Illegalen mehr eingestellt werden.
    Ich war vor kurzem in Griechenland, es ist erschreckend wie wenig Griechen in Hotels beschäftigt sind. Das liegt aber weniger daran das es zuviele Ausländer in Griechenland gibt, sondern eher an der Raffgier der Unternehmer. Hatte dazu noch eine Sendung bezüglich Kreta gesehen, dort wollen die Gastronomen versuchen vorrangig wieder Griechen an zu stellen.

    Was mich nur wundert, wieso sind illegale Immigranten immer noch in Griechenland und werden nicht ausgewiesen?

    Und wie kann ein illegaler Immigrant eine Anzeige erstatten, wenn er doch keine Berechtigung zum Aufenthalt hat?

  2. Heinz
    13. Juni 2012, 18:33 | #2

    @Konstantin

    „Und wie kann ein illegaler Immigrant eine Anzeige erstatten, wenn er doch keine Berechtigung zum Aufenthalt hat?“

    Ist er dann rechtlos und vogelfrei?

  3. Xanthippe
    13. Juni 2012, 19:30 | #3

    @Heinz
    Es geht keinesfalls nur um illegale Immigranten: die überwiegend der kackbraunen Szene zugehörigen Intelligenzallergiker schlagen im Zweifelsfall alles und jeden speziell dunklerer Hautfarbe zusammen, also auch Immigranten, die in jeder Hinsicht und nicht selten bereits in zweiter Generation absolut legal in Griechenland leben.

    Angriffe auf illegale Immigranten werden allerdings tatsächlich fast nie zur Anzeige gebracht, außer die Opfer landen im Krankenhaus oder werden ermordet aufgefunden. Theoretisch müssen die Behörden derartige „Offizialdelikte“ natürlich auch ohne ausdrückliche Anzeige konsequent verfolgen. Bezeichnenderweise wird die Polizei dann jedoch häufig in eine ganz andere Richtung übereifrig tätig, nimmt die Opfer umgehend in Abschiebehaft und weist sie im Schnellverfahren aus, womit die Sache in der Regel erledigt ist: das Opfer kann weder aussagen noch befragt werden, geschweige denn gar eine Anzeige erstatten, Klage erheben oder auch nur formale Rechtsmittel einlegen, und die Täter bleiben ungeschoren.

    Gegen solche Praktiken sind im übrigen auch legale Immigranten nicht gefeit, denen beispielsweise unter irgendeinem Vorwand plötzlich die Aufenthaltserlaubnis entzogen oder der reguläre Abschluss anhängiger Anerkennungs- / Genehmigungsverfahren verweigert wird, um dann umgehend zur Abschiebung zu schreiten.

    Zumindest im Einzelfall – und definitiv nicht nur in Griechenland – ist ein Immigrant in diesem Sinn also tatsächlich „rechtlos und vogelfrei“.

  4. Roditisa
    13. Juni 2012, 22:21 | #4

    @Konstantin
    Hier arbeiten fast keine Illegalen in Hotels, etc. Die meisten sind Tagelöhner auf den Feldern und schlagen sich irgendwie mit Hilfsjobs durch. Die Angestellten in den Hotels sind meist Albaner oder Bulgaren mit ordentlicher Arbeitserlaubnis.

    Die Fremdenfeinldichkeit steigt immer in Krisenzeiten, besonders wenn viele junge Menschen keine Arbeit finden. Wir Deutsche haben das sowohl in der Weimarer Republik erlebt, als auch in den neuen Bundesländern nach der Wende.

    Dass Griechenland mit den vielen illegalen Einreisen überfordert ist, ist in der EU seit langem bekannt, man hat das Land – genau wie Italien – mit dem Problem aber weitgehend alleine gelassen. Zum Vergleich: jährlich kommt auf 4000 deutsche Bürger ein neuer illegal zugereister Einwanderer. In Griechenland kommen auf 4000 Bürger 47 neue illegale Einwanderer. Nach EU-Recht muss jeder dieser illegalen Einwanderer von Griechenland auf seinen Status hin geprüft werden, evtl hat er ein Recht auf ein Gerichtsverfahren zur Feststellung, ob ihm Asyl zusteht und Griechenland muss die Kosten seiner Rückfphrung tragen, wenn er selbst das nicht kann. Wenn ein Flüchtling es von Griechenland nach Deutschland schafft, wird er von den deutschen Behörden nicht etwa in seine Heimat ausgewiesen, sondern ohne weitere Prüfung seines Status nach Griechenland zurück geschickt.

  5. Athanasios Papapostolou
    13. Juni 2012, 23:39 | #5

    Nichts rechtfertigt die Existenz von diesem Nazipack. Mir sind meinetwegen 10 Mio Asylsuchende Menschen in Hellas lieber als nur einer dieser erbärmlichen griechischen Drecksnazis. Ich schäme mich Grieche zu sein.

  6. klon 2
    15. Juni 2012, 23:14 | #6

    Wenn ich in meinem Herkunftsland nicht genug Geld verdiene, um mir Essen leisten zu können, sowie andere lebenswichtige Dinge und infolge dessen in ein Land einreise, in dem ich das kann, bin ich dann illegal? Oder werde ich von denen, die ein wirtschaftliches Interesse daran haben, dass ich außen vor bleibe illegalisiert?

  7. Griechenfan
    16. Juni 2012, 00:29 | #7

    @klon 2
    Ja, es ist so ein Problem. Ich habe in Deutschland viel damit gearbeitet und sehe es nun hier auch. Eurotrauma, Dollartrauma – Die Welt ist nicht gerecht

  8. Urlauberin
    16. Juni 2012, 11:11 | #8

    Die Nazioffensive laeuft bereits seit Jahren und allen haben genauso wie in Deutschland die Augen zugemacht.

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