An Griechenland-Krise sind hauptsächlich die Rezepte der Troika schuld

19. Juni 2012 / Aufrufe: 1.791

Peter Bofinger, Mitglied im „Rat der Weisen“ der Bundesregierung, lastet die Ursache der Griechenland-Krise hauptsächlich den falschen Rezepten der Troika an.

An der Vertiefung der Krise in Griechenland sind nicht nur Griechenland selbst, aber auch die wirtschaftlichen Rezepten der Troika schuld„, betont das Mitglied des „Rate der Weisen“ der deutschen Regierung in Wirtschaftsthemen, Peter Bofinger, und merkt an, der Ausgang aus der Krise könne nur aus der Änderung der Rezepte und nicht deren einfacher Schönheitskorrektur hervorgehen.

Griechenland muss gerettet werden. Brüssel kann nicht gleichgültig vor sich hin pfeifen und zuschauen, wie das Land in die Anarchie und die Katastrophe abgleitet. Dagegen hat Brüssel ein vitales Interesse daran, Griechenland zu helfen, hauptsächlich durch Konjunkturprogramme wieder auf die Beine zu kommen. Außerdem zeigen die negativen Entwicklungen in Spanien und Italien, dass Griechenland nicht der einzige Verantwortliche für die Krise ist. An der Krise sind hauptsächlich die falschen Rezepte für ihre Therapie Schuld„, führt Peter Bofinger gegenüber der Sonntagsausgabe (17 Juni 2012) der griechischen Zeitung „To Vima“ an.

Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro wäre für alle katastrophal

Herr Bofinger charakterisiert einen eventuellen Austritt Griechenlands aus der Eurozone als „für alle katastrophal“ und äußert die Hoffnung, „die Verantwortlichen werden alles tun, um diesen größtmöglichen Unfall abzuwenden„. Weiter fügt er an:

Die griechischen Parteien sagen „nein, wir werden die Verpflichtungen nicht erfüllen“, die andere Seite antwortet „schön, dann werfen wir Euch aus Europa heraus“. Sollte es also wirklich zu einer solchen frontalen Kollision kommen, werden beide Seiten ungeheure Schäden erleiden. Für Griechenland wäre ein unkontrollierter Austritt katastrophal. Das selbe würde allerdings auch für die übrige Eurozone gelten, weil er Länder wie Portugal, Spanien und Italien erschüttern würde. Das Beste für beide Seiten wäre also, einen Kompromiss auf der Basis der neuen makroökonomischen Gegebenheiten zu finden.

Das Mitglied des „Rates der Weisen“ der deutschen Regierung unterstreicht ebenfalls, „Griechenland wird nicht allein aus der Krise herauskommen können. Das Erste, was es zu tun hätte, wäre den Kurs des Zusammenbruchs zu bremsen, indem die Umsetzung der neuen Sparmaßnahmen aufgeschoben wird. Das Zweite wäre, Aufschwungs-Initiativen durch Strukturreformen zu ergreifen, wie die Öffnung der geschlossenen Berufe. All dies reicht jedoch nicht aus, damit das Land aus dem Tal der Depression heraus kommt. Es wird auch finanzielle Unterstützung von Außen geben müssen.

(Quelle: in.gr)

Weiterführende Informationen:

  1. Andreas
    19. Juni 2012, 10:42 | #1

    „Was nicht passt wird einfach passend gemacht“, oder „weil nicht seien kann, was nicht seien darf.“

    Na um den „angeblichen“ Reform-Unwillen der Griechen beurteilen zu koennen, muss man nur in diesem Land leben, Augen und Ohren aufmachen und vor allem nicht immer die Schuld bei anderen suchen.
    Ich arbeite bereits seit Jahren hier als Ingenieur und Architekt und weiss nur zu gut, das man sich hier lieber solange Expertiesen von externen Beratern eindeckt, bis einem schliesslich ein Ergebnis passt, als sich mit den Grundlaen einer Sache auseinander zu setzen und man eine fundierte Planung macht.
    Da hat sich nun endlich der richtigen Experte gefunden, der genau weiss wovon er redet, und alle Griechen mit einem Schlag unschuldig macht.
    Das gibt einem doch gleich ein ganz neues Gefuehl, wenn man hier zum hundertsten Mal und fuer jeden Scheiss nach einer Quittung fragt, und sich dafuer nur ein generftes Laecheln abholt.
    Was waren die letzten Worte von Archimedes? „Stoere meine Kreise nicht…“

  2. Wolfgang Pietsch
    19. Juni 2012, 10:58 | #2

    In Zukunft bekommen die Geldlieferungen an Griechenland, ohne Wiederkehr, einen neuen Namen. Strukturreform, Investitionsförderung, Aufschwunginitiative, oder so ähnlich. Natürlich nur für Konzerne, die schon auf einer Warteliste stehen, genauso wie in Frankreich. Es muss nur verhindert werden, dass Griechenland durch den Austritt aus dem € und einer neuen Drachme vorzeigt, dass es nur so besser werden kann und nie mit dem € !

    Diese Schwarzmahlerei der EUrokraten geht einem schon sehr auf die Nerven. Allen Ländern, die heute größte finanzielle Probleme haben, ging es vor der € Einführung wesentlich besser. Dass der € das Übel der Katastrophe ist, will nur niemand hören. Der € kann ja kein Fehler gewesen sein, wenn alle Kommisare davon reden wie toll der € für die verschiedenen Länder sich auswirkt. Alle profitieren, nur die Bürger nicht. Die Bürger haben nur die Aufgabe zu bürgen für die Katastrophe.

    Es hört sich auch immer nur so an, als wenn die Katastrophe nur in Griechenland stattfinden würde. Über die anderen 15 – 20 Länder (Ungarn, Bulgarien, Rumänien etc.) redet man am besten gar nicht. Wo bleibt denn hier die informative Berichterstattung ? So ist es, als wären sie gar nicht da. Da erzählen sie lieber von einem Hund, der in Vietnam einen Briefträger gebissen hat ! Nur keine Wellen, Freunde.

  3. Rolf Ausgenz
    19. Juni 2012, 11:25 | #3

    „hauptsächlich“ sind die Rezepte der Troika schuld.
    Wieder einmal eine Überschrift, die nicht den Inhalt des Artikels wiedergibt.
    Natürlich hat die Troika eine Mitschuld. Aber was soll die andauernde
    Verzerrung des Inhaltes hier im Blog ?

  4. Kommentator
    19. Juni 2012, 11:41 | #4

    Ich glaube hier wird Wirkung mit Ursache verwechselt. Solche Aussagen sind weder „weise“ noch richtig. Fakt ist, dass die griechische Regierung (nicht das Volk!) massiv betrogen hat und niemals in die Eurozone hätte aufgenommen werden dürfen. Fakt ist auch, dass das alle an der Währungsunion beteiligten Bastler wussten. Das Argument, wir sind getäuscht worden, zählt nicht. Es gab genügend Warner. Die Entscheidung zur Aufnahme Griechenlands war eine politische, nicht ökonomische gewesen und das rächt sich jetzt. Die Troika ist nicht Schuld an dem Desaster, sondern sie verstärkt es mit ihren Maßnahmen nur. Fakt ist auch, dass Griechenland keine richtige Steuerverwaltung hat und die Reiche nicht zur Kasse gebeten werden, dass es nur eine korrupte Gesundheitsversorgung und einen aufgeblähten kostenintensiven Staatsapparat gibt, dass mit der billigen harten Währung Wahlgeschenke und Ausgaben auf Pump gemacht wurden, dass die Löhne in den Anfangsjahren unverhältnismäßig zur Wirtschaftskraft gestiegen sind usw. usw. Wenn die Linken schreien: „Wir wollen den Euro und das Geld der europäischen Steuerzahler (vor allem der Deutschen), aber nicht sparen, dann finde ich das zynisch hoch drei. Wieso sollen deutsche Steuerzahler für die Griechen haften? Die europäischen Verträge verbieten das geradezu. Nur wegen der Konvergenzkriterien und des Bailout-Verbots konnte den Deutschen die D-Mark abgeschwatz werden. Jetzt soll das alles nicht mehr gelten. Wie würden sich die Griechen fühlen, wenn ihre Steuern nach Deutschland wandern würden? Griechenland hat bereits jetzt so viele Rettungsgelder erhalten, dass es, gemessen am BIP im umgekehrten Fall etwa 4 Billionen Euro für Deutschland ausmachen würde. Das ganze Geld wandert zu den Banken und nicht ins griechische Volk, das dafür gar nichts kann und das es auch nicht bekommt und für ein europäische Land unwürdig leiden muss, nur damit das Europrojekt ja nicht scheitert. Ich war schockiert, dass in einem europäischen Land Mütter ihre Kinder in Heime bringen müssen, weil sie sie nicht ernähren können. So geht das nicht. Das ist einfach nur unwürdig und eine menschliche Tragödie. Das einzige was dem griechischen Volk helfen könnte, wäre ein totaler Schuldenschnitt, Rückkehr zur Drachme und Abwertung. Das gibt zwar ein Jammertal (ist die derzeitige Situation eigentlich besser?), aber dann geht es wieder aufwärts und die Griechen können ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Und nur damit kein Missverständnis aufkommt. Das griechische Volk hat keine Schuld sondern deren Regierung. Ich liebe dieses wunderschöne Land und kenne viele nette Griechen

  5. V99 %
    19. Juni 2012, 12:34 | #5

    Die Ueberschrift stimmt mit dem Inhalt des Artikels (und der Realitaet) nicht ueberein.
    Der erste Satz spricht fuer sich. Diverse Makrooekonomen haben schon vor ueber zwei Jahren gesagt, dass GR geplant aus der Waehrungsunion (dem €) ausscheiden muss um auf lange Sicht wieder auf die Beine zu kommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wenn die gewaehlte Regierung so einen Schritt auf laengere Sicht plant, eine „dunkle Macht“, wie die USA (wird teilweise hier so behauptet) etwas dagegen haben kann. Der Rest von der EU wirds danken und das Land kann endlich wieder konkurrenzfaehig werden.

  6. Ottfried Storz
    19. Juni 2012, 13:59 | #6

    Die immergleiche Leier aus Griechenland: Schuld sind immer die anderen.

    Und wenn dann einer sagt:
    „An der VERTIEFUNG DER KRISE in Griechenland SIND NICHT NUR GRIECHENLAND selbst, aber auch die wirtschaftlichen Rezepten der Troika schuld“ machen dann Griechen daraus:
    „AN GRIECHENLAND-KRISE SIND HAUPTSÄCHLICH die Rezepte der Troika schuld“.

  7. retsina
    19. Juni 2012, 14:16 | #7

    wie bzw. wodurch ist die Griechenlandkrise entstanden?

    Weil deutsche Staatsbürger so fleißig war und den Griechen nichts abgegeben hat oder weil die Griechen über ihre Verhältnisse gelebt haben?

    Ich habe noch nie einen Vorschlag Griechenlands gelesen, wie das Land aus ihrer Sicht und ihrer Kraft aus dieser Krise heraus kommen wollen.

  8. HBS
    19. Juni 2012, 16:14 | #8

    Dieser Peter Bofinger hat zwar viel gesagt „OHNE“ etwas überhaupt zu sagen, was wirklich falsch gemacht worden ist.

    Das ist eine Leuchte, dümmer geht es nicht.

  9. admin
    19. Juni 2012, 16:30 | #9

    @Rolf Ausgenz
    @V99 %
    @Ottfried Storz
    Wir hätten diese polemischen Kommentare wie üblich gelöscht, jedoch sollen auch die übrigen Leser einmal sehen, aus welcher Richtung der Wind weht. Nach der einleitenden Kommentierung des Autors wird in der Quelle konkret zitiert (nämlich Bofinger!):
    … ότι η Ελλάδα δεν είναι η μοναδική υπεύθυνη για την κρίση. Αυτή οφείλεται κυρίως στις λανθασμένες συνταγές για τη θεραπεία της …

  10. V99 %
    19. Juni 2012, 20:01 | #10

    Ich revidiere meine Aussage:
    Ich empfinde, dass Die Ueberschrift nicht mit dem Inhalt des Artikels (und der Realitaet) uebereinstimmt.
    Das von ihnen angefuehrte Zitat kann ich auf in.gr leider nicht finden. Wenn sie sich persoenlich durch meine Aussage angegriffen fuehlen, entschuldige ich mich hiermit. Meine Aussage war in erster Linie auf Hr. Bofinger bezogen. Ich wuerde niemals behaupten, dass die Massnahmen der Troika nicht auch erheblich zu dem jetzigen Zustand des Landes beigetragen hat. Es bleibt noch zu bedenken, dass die Krise vor der Troika in Griechenland war. Danke!

  11. admin
    19. Juni 2012, 20:46 | #11

    Interview Bofinger an Vima 16.06.2012 - Titel

    Interview Bofinger an Vima 16.06.2012 - Zitat

  12. Marten
    19. Juni 2012, 23:21 | #12

    Der Artikel ist eine einzige Falschdarstellung und entlarft sich bereits nach seiner Überschrift und dem einleitenden Zitat.
    Überschrift: „…lastet die Ursache der Griechenland-Krise hauptsächlich den falschen Rezepten der Troika an.“
    Zitat Bofinger: „An der Vertiefung der Krise in Griechenland sind nicht nur Griechenland selbst, aber auch die wirtschaftlichen Rezepten der Troika schuld.“
    Bofinger spricht nur von der Vertiefung der Krise, an der die Troika eine Mitschuld trägt.
    Der Artikel selbst verallgemeinert auf eine Hauptschuld der Troika an den Ursachen der gesamten Krise.
    Diese Fälschung von Ursache und Wirkung, Vertauschung von Hauptsache und Zutat ist ein ethisches und moralisches Armutszeugnis.
    Für wie blöd halten Sie die Menschen, die das lesen eigentlich?
    Wer glaubt, sich damit entschulden und den Griechen einen Gefallen tun zu können, der irrt, verspielt den letzten Rest an Glaubwürdigkeit hat ein wesentlichen Dinge nicht verstanden.

    Ein enttäuschter Gast-Leser, der so schnell nicht wieder reinschaut…

  13. admin
    20. Juni 2012, 00:14 | #13

    @Marten
    Ja, passt schon: anstatt die Bemühung zu honorieren, des Griechischen unkundigen Lesern charakteristische Publikationen griechischer Massenmedien in möglichst originalgetreuer Übersetzung bereitzustellen, wird über das Team hergezogen.
    Einmal auf die monierte „Falschdarstellungen“ aufmerksam gemacht, würde ein kluger Mensch in einem Leserbrief an Dolnet / Vima seinem Protest Ausdruck verleihen, anstatt hier stupide herumzukotzen. Es steht also kaum außer Frage, wer sich letztendlich ein Armutszeugnis ausstellt, oder?

  14. Odysséas Oplítis
    20. Juni 2012, 10:18 | #14

    @Kommentator Das, was Sie hier zum Ausdruck bringen, entspricht in allen Punkten der Wahrheit. Aber weil große Teile der griechischen Bevölkerung nicht die geringste Schuld an den derzeitigen Verhältnissen tragen, sollte man vorsichtig sein mit Vorschlägen, die eben diesen Teil der griechischen Gesellschaft besonders hart treffen würden. Vgl. meine Ausführungen zum Verhalten der griechischen Reeder, hier besonders die zu den wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Einführung der Drachme.
    Egal ob Euro oder Drachme die Währung des Landes sind, egal ob ND, PASOK und DIMAR oder eine Regierung unter der Führung von SZRIYA herrscht. Die Probleme des Landes können nur gelöst werden, wenn das Klientelsystem (Rousfeti ODER Do-ut-des) mit seinen starken korruptiven Bestandteilen beseitigt wird, wenn die Profiteure dieses Systems knallhart zur Brust genommen werden (Steuern konsequent eintreiben!!), wenn die geradezu mittelalterlichen, dem Zunftwesen verwandten Privilegien von Berufsgruppen )z.B. Taxifahrer, Transportunternehmer, Apotheker u.a., umgehend abgeschafft werden. Das sind Dinge, die nur teilweise etwas mit der Schuldensituation des Landes zu tun haben, aber über die Zukunft des Landes entscheiden, weil sie das Leistungsprinzip an die Stelle von Beziehungen und Privilegien setzt. Und die Menschen in GR wollen ihre Leistung erbringen, indes sie haben bisher nur sehr bedingt eine Chance dazu.

    Eine konkrete Maßnahme: An die Stelle der unfähigen oder unwilligen und-oder korrupten Finanzbeamten würde ich die frisch und gut ausgebildeten, jungen Ökonomen des Landes setzen. Die haben nämlich ein sehr elementares Interesse an der Zukunft des Landes, das sie lieben. Das verhinderte auch, dass sie abwandern und ihr Glück woanders suchen. Die bisherigen Inhaber der
    Planstellen würde ich sofort in den Ruhestand schicken. Die Kosten für die etwa 60 Prozent des letzten Gehalts bis zum Lebensende dürfte die Arbeit der neuen Beamten locker einbringen. Zum Vergleich: ein deutscher Steuerfahnder erwirtschaftet durchschnittlich das Dreifache seines Einkommens, und die Steuermoral ist in D deutlich höher als in GR. – Weitere Ausführungen dazu in meinem Buch DER TIEFE FALL DES IKAROS, das im Herbst unter meinem Echtnamen Willi F. Gerbode erscheint.

  15. Blablub
    20. Juni 2012, 10:52 | #15

    @Andreas
    In Teutschland nervt mich niemand mit Quittung. Warum ist Quittung in Hellas Muss und in der BRD nicht? Was soll das?

  16. Andreas
    20. Juni 2012, 11:21 | #16

    @ admin, betreffs @Marten
    Wer die Hitze nicht verträgt, soll aus der Küche gehen, sagt sinngemäß ein englisches Sprichwort. Was soll dieses beleidigte zurückgemotze?
    Meine erste Beobachtung ist, wie die einiger anderer Blogbesucher auch, dass dieser Blog und seine Macher durchaus einen Hang zeigen, eher tendenziöse Artikel, die eine eindeutig polarisierte Darstellung der Ereignisse in Griechenland haben, als „charakteristische Publikationen griechischer Massenmedien“ in den Blog einzustellen.
    Ich habe mehrfach in der Vergangenheit die unausgewogene Verwendung von Vradyni Artikeln kritisier. Da hat es eindeutig Verbesserungen gegeben.
    Meine zweite Beobachtung ist, das es bisher noch keinerlei ähnlich gelagerte Kommentare seitens des admin an solche Leser gegeben hat, die sich in zum teil übelster und menschenverachtender Weise über diese ‚gekauften, bezahlten und was sonst noch alles Politiker, Banker Vertreter der Troika‘ aufregen, die ein maß an Hass verbreiten und eine Ignoranz aufweisen, das mir oft geradezu übel wird. Diese oft links angehauchten Fanatiker, die mit den ewig gleichen 68ger Schlagwörtern von ‚Neoliberalismus‘ und ‚Industrieökonomischem Komplex‘ agieren und sich nur all zu gerne in die Ecke der Verschwörungstheoretiker begeben, trinken natürlich solche Art Artikel wie Honig.
    Nur nicht selber Denken, und schon gar nicht gründlich. Da werden solche Artikel schnell zur einzigen Wahrheit verklärt, und anstelle eigener Argumente ständig weiterverlinkt.
    Ist den Benutzern von solchen Seiten wie http://denkanstoesse.de/ eigentlich schon einmal ein simpler Umstand aufgefallen? Es gibt auf diesen Seiten keine Raum für, oder etwa gar Gegendarstellungen. Was die verbreiten ist einfach wahr…
    Wenn Sie, die Macher dieses Blogs, so sehr an einer objektiven Darstellung „in originalgetreuer Übersetzung“ interessiert sind, warum ist dann der Farbeindruck dieses Blogs ein ziemlich dominantes Grau?
    In jeder Griechischen Publikation gibt es nämlich neben all den düsteren Berichten, immer auch Platz für Positives. Nur auf Flugblättern zeigt alles immer nur in die eine Richtung. Diese Vielfalt und Buntheit, dieses Positive, Andere und zu sich selbst Kontroverse also „Selbstkritische“ Element, laesst die Zusammenstellung der ‚ausgewählten‘ Artikel in diesem Blog, leider allgemein vermissen.
    Wir, die vielen Deutschen die in diesem Land leben und arbeiten, lieben dieses Land, kennen viele seiner Facetten und Eigenarten, und wissen nur all zu gut, das es eine ultimative Wahrheit nicht gibt. Es währe einfach nur ehrlicher, von allen Beteiligten, wenn nicht mit solchen Gemeinplätzen und Plattitüden argumentiert würde, wie dieses übrigens auch nicht in der Griechischen Presse geschieht. Man sollte nur eben auch mehr davon zeigen!
    Es steht Ihnen selbstverständlich frei diese Zuschrift zu veröffentlichen oder nicht, ich habe mich jedenfalls bemüht, die auch Ihnen nicht ganz unbekannte, Polemik zu vermeiden.

  17. Andreas
    20. Juni 2012, 17:07 | #17

    @Blablub Ich weiß nicht wie ernst ich Deine Frage nehmen soll, denn auch in Deutschland bekommt man wie selbstverständlich eine Quittung für alles in die Hand, die mann dann bei einem Lohnsteuerjahresausgleich im Zweifel als Beleg für eine Abschreibung benutzt. Wenn Du mal keine Quittung kriegst, kannst Du in der Regel dennoch davon ausgehen, das der Andere das Geld dennoch legal verbucht.
    Das ist hier in Griechenland nicht selbstverständlich. Jeder der Dir keine Quittung gibt, wird diese Einnahme in der Regel auch nicht zu deklarieren. Somit bekommt er sofort mehr Geld in Höhe von 23%.
    Erstens habe ich nichts von seinem Gewinn, da er ihn ja nicht mit mir teilt, und
    Zweitens bescheißt er damit den Staat, also alle Steuerzahler, der sich die entgangenen Steuern bei diesen durch höhere Steuern wiederholt. Ich werde also nicht einmal, sondern zweimal beschissen.
    Um diese Spirale zu durchbrechen hilft nur eins, Immer nach einer Quittung fragen!
    Das mag zwar niemand, aber so nur werden die Steuern auch gezahlt.
    Ich könnte hier noch endlos über die Eigenarten der Gewerbesteuer etc. erzählen, aber das führt dann doch etwas zu weit.

  18. Andreas
    20. Juni 2012, 17:08 | #18

    @admin Bravo! and thanks!

  19. Odysséas Oplítis
    20. Juni 2012, 17:50 | #19

    V99 % :
    Der Rest von der EU wirds danken und das Land kann endlich wieder konkurrenzfaehig werden.

    Sie bringen als Argument für einen Ausstieg aus dem Euro ein in neo-liberalistischen Kreisen sehr beliebtes: Griechenland würde dann KONKURRENZFÄHIGER werden. In diesem Zusammenhang verweist man zudem gern auf die Beispiele Argentinien, Südkorea und Schweden, die nach einer Währungsumstellung einen Wirtschaftsaufschwung erlebt hätten, weil ihre Produkte nach der Abwertung der neuen Währung auf dem Weltmarkt stärker nachgefragt worden seien.

    Voraussetzung dafür, dass eine solche Nachfragesteigerung erfolgte, wäre, dass man überhaupt in nennenswertem Produkte hätte, die auf dem Weltmarkt nachgefragt werden können.

    Da die industrielle Produktion in GR eher marginal ist und in den letzten Jahren zudem auch noch teilweise ins Ausland verlagert worden ist (Bulgarien!!!) – anders als in Schweden und Südkorea, beides industrialisierte Länder -, und der Agrarsektor in GR zusammen mit dem industriellen nur etwa 30% ausmachen, dürften die Effekte eher gering sein.

    Richtig ist, dass der Tourismus einen Aufschwung erfahren dürfte – und der macht die übrigen 70% aus. Allerdings wird das auch nur dann in vollem Umfang wirksam, wenn der Preis das dominante Argument ist, nach dem der Urlauber sein Urlaubsziel aussucht. Vielleicht möchte er aber einen guten Preis und eine kalkulierbare Kostengröße wie das All-inclusive-Konzept. All-inclusive spielt bisher in GR keine nennenswerte Rolle, da sind die Konkurrenten wie die Türkei und Spanien vorn, in zunehmendem Maße auch die nordafrikanischen Länder. All-inclusive erfordert erhebliche Investitionen. Da in GR ellenlange und umständliche Genehmigungsverfahren sowie die Korruption eine starke Rolle spielen, wird es sich der potentielle Investor trotz der günstigen Währungskursrelation sehr genau überlegen, was er tut. Ich bitte auch zu bedenken, dass All-inclusive weniger arbeitsintensiv ist als das traditionelle Modell der kleinen und mittleren Hoteleinheiten. Die Schaffung von Arbeitsplätzen dürfte also hier eher sekundär sein. Und warum sollte man nicht wie derzeit gängige Praxis auf die etwa halb so teuren Gastarbeiter zurückgreifen?

    Die Einführung der Drachme bedeutet auch immer wegen der Abwertung, dass ausländische Waren teurer werden (ca. 50%). Ein Auto wird sich Kostas-Normalverbraucher nicht mehr leisten können, Auslandsreisen ohnehin nicht – und nebenbei: selbst Fahrräder werden meines Wissens nicht in GR produziert.

    Und dann wäre da noch der Inflationseffekt. Der Staat denkt – auch unter der neuen Regierung nicht – keinesfalls ernsthaft ans Sparen. Also ab in den Keller und Notenpresse anwerfen! Das bedeutet Inflation. Also Kaufkraftverlust! Wann diese Inflation aus der Hyperphase in ein wachstumsverträgliches Maß übergeht, weiß nur der Himmel. Bis dahin – ich wiederhole mich hier gerne – besteht massive Gefahr von sozialen Unruhen. Denn, raten Sie mal, wo gespart wird, wenn der inflationäre Druck steigt? Richtig, bei denen, die sich nicht wehren können und die keine Ausweichmöglichkeiten haben. Das sind die Alten, Schwachen, Kranken, Arbeitslosen und natürlich die Jugendlichen (vgl. die Absenkung des Mindesteinkommens bei Berufsanfängern auf 485 Euro). SYRIZA und die die Gewerkschaften dominierende K.K.E. werden alles tun, um dieses Feuer durch Streiks, Demonstrationen und durch parlamentarische Oppositionsschüsse zu torpedieren.

    Nochmal: Vorsicht, wenn hier die Einführung der Drachme als Lösungsmittel, als Allheilmittel, gefordert wird. Ums Sparen wird niemand herumkommen. Keine Regierung, ob rechts, links oder was ich wo – oben und unten?

  20. Odysséas Oplítis
    20. Juni 2012, 18:51 | #20

    @Andreas Man wird dreimal beschissen, sieht man einmal von der Gewerbesteuer ab. Bei Selbständigen, deren Betrieb also nicht eine GmbH oder Ähnliches ist, fällt ja auch ggf. noch die Einkommenssteuer an. Evtl. auch noch Sozialabgaben, z.B. Krankenversicherung, die auch abhängig von der Höhe des Einkommens ist. Damit würde dann auch noch die Solidaritätsgemeinschaft betrogen.

  21. Jörg
    20. Juni 2012, 21:24 | #21

    @ Andreas
    Danke für deinen Artikel, den ich so voll und ganz unterschreibe! Anzumerken wäre noch, dass unterschwellig immer mal wieder durchkommt, dass wir mit unserer Kritik keine wahren Freunde Griechenlands sein können! Ich glaube, dass meine griechischen Freunde da viel weiter sind und genau wissen, dass die Ursache der Kriese zuallererst in Griechenland selbst zu suchen ist! Ansonsten freue ich mich, dass ich in drei Wochen mein Griechenland so wie es eben ist wiedersehen werde.

  22. V99 %
    20. Juni 2012, 22:50 | #22

    @Odysséas Oplítis
    Nochmal: Vorsicht, wenn hier die Einführung der Drachme als Lösungsmittel, als Allheilmittel, gefordert wird. Ums Sparen wird niemand herumkommen.

    Die von Ihnen angefuehrten Argumente sind mir durchaus bekannt. Deshalb hatte ich auch angefuehrt, dass dieser Schritt auf lange Sicht geplant sein will, oder dahin-gespart. Ein Land allein auf Tourismus aufzubauen ist in Krisenzeiten nicht die optimale Loesung. Wenn man in die Infrastruktur und die Industrie investiert und den Tourismus foerdert, ist das besser. Im uebrigen kann es nicht mehr viel weiter bergab gehen, wie sie vielleicht bei Ihrem Besuch gesehen haben. Nebenbei gesagt, es wurden sogar, bis in die 90iger Fahrzeuge in Griechenland gebaut. Einige unter Lizens, andere waren sogar landesweit bekannt. Es gab sogar Sportwagen (Scavas, mit Fluegeltueren) und besonders Busse (Saracakis), die teils einzigartige Konstruktionen, wie den weltweit ersten Niederflur-Gelenkbus, aufwiesen. Wenn man sich nach Einfuehrung der Drachme auf derartige Traditionen zurueckbesinnt, sollten wahre Patrioten ein griechisches Auto fahren 😀

  23. Griechenfan
    20. Juni 2012, 23:18 | #23

    @Odysséas Oplítis
    Richtig, ich habe mich sehr ueber Ihre Kommentare gefreut. Ich wundere mich immer wieder aufs Neue. Es wird immer vom Sparen geredet. Die Supermaerkte sind leer. Viele koennen nichts mehr kaufen, schweige denn, die Steuern bezahlen. Ich begegne Menschen mit langen Gesichtern, die frueher froehlich waren. Die verordneten Medikamente muessen nun selbst bezahlt werden und die Krankenhaeuser haben lange Wartelisten. Wann steht das Griechische Volk auf? Die alten Huete sind wieder an der Spitze und regieren. Das darf doch wohl nicht wahr sein? Ich stimme Ihnen zu. Danke!

  24. Götterbote
    23. Juni 2012, 13:46 | #24

    @ Odysséas Oplítis “ … wenn die geradezu mittelalterlichen, dem Zunftwesen verwandten Privilegien von Berufsgruppen) z.B. Taxifahrer, Transportunternehmer, Apotheker u.a., umgehend abgeschafft werden. Das sind Dinge, die nur teilweise etwas mit der Schuldensituation des Landes zu tun haben, aber über die Zukunft des Landes entscheiden, weil sie das Leistungsprinzip an die Stelle von Beziehungen und Privilegien setzt …“

    Es ist schon seltsam, dass Sie selbst schreiben, dass diese Privilegien nur „teilweise“ (welchen Teil tragen sie denn bei?) etwas mit der Schuldensituation im Land zu tun haben und dann Branchen aufführen, die auch in Deutschland ähnliche Privilegien genießen. Warum ist das in Griechenland ein Problem, hier aber nicht? Erklären Sie mal, welchen Vorteil es bringt, wenn z.B. der griechische Taxi-Markt geöffnet würde.

  25. mazu
    27. Juni 2012, 13:03 | #25

    Da frag ich mich nur: wo kamen die ca. 350 Mrd. Staatsschulden her, bevor die Krise 2010 begann ?
    Das kann man nachweislich nicht Troika, IWF etc. anlasten. Und alles weitere ist eine Folge dieser Ursache, nicht umgekehrt.

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