Russland will Eisenbahn in Griechenland aufkaufen

3. Mai 2012 / Aktualisiert: 06. Mai 2012 / Aufrufe: 966

Der Vorschlag Russlands zum Aufkauf des gesamten Netzes der Eisenbahn in Griechenland stellte eine große Überraschung für die potentiellen Investoren dar.

Die griechische Eisenbahnahn befindet sich trotz der Geringschätzung, welche die meisten dem Regimewechsel folgenden Regierungen dem Träger der Griechischen Staatsbahn (OSE) bescherten, im Zentrum des internationalen Interesses, da die geopolitische Lage des Landes weiterhin eine Verlockung für den Einstieg ausländischer Investoren in den „Eckladen“ des internationalen Handels darstellt, wie Griechenland genannt wird.

In den letzten beiden Jahren haben Franzosen, Chinesen, Rumänen, Deutsche, Belgier, aber auch Griechen dem Interesse an der Griechischen Bahn Ausdruck verliehen und die einschlägigen Behörden sondiert, um Zugang zu den wirtschaftlichen Daten zu erhalten, Investitionspläne zu unterbreiten oder die Eisenbahn-Infrastruktur zu kaufen. Laut Insidern, welche aus erster Hand über die anstehenden Entwicklungen Bescheid wissen, ist dieses Interesse mit dem Umstand verknüpft, dass die geographische Position der Landes weiterhin einen signifikanten Anreiz für das Engagement ausländischer Investoren darstellt. Wie sie anführen, „ist das Investitionsinteresse in erster Linie bei der Güterbeförderung und weniger bei der Personenbeförderungen auszumachen, da die Anbindung der Häfen von Piräus, Thessaloniki und Alexandroupoli an das Hauptnetz imposant die Reise der Ladungen zu den nordeuropäischen Märkten verkürzen, aber auch die Transportkosten senken kann.

Russland ist am Aufkauf des gesamten Netzes der OSE interessiert

Die große Überraschung für die potentiellen Investoren kam aus Moskau, da die Russische Eisenbahn – die größte Eisenbahngesellschaft der Welt – einen Vorstoß zum Aufkauf des gesamten Netzes des OSE gemacht hat. Wie Kreise des griechischen Ministeriums für Infrastrukturen erachten, würde ein eventueller Aufkauf des OSE durch Russland vorrangig einen politischen Zug darstellen und mit der Gegenleistung eines privilegierten Verhältnisses zwischen Athen und Moskau erfolgen.

Die selben Quellen drücken allerdings auch ihre Sorge bezüglich bestimmter rechtlicher Hindernisse aus, da das Netz des OSE mit Gemeinschaftsmitteln finanziert worden ist, was unmittelbar die Europäische Kommission ins Spiel bringen würde, auch wenn der Deal theoretisch durch einen Überlassungsvertrag erfolgen könnte. Ebenfalls würde die europäische Anhängigkeit der TRAINOSE den Verkauf des OSE beeinflussen, da die Verhältnisse zwischen den beiden Gesellschaften noch nicht vollständig geklärt worden sind. Somit bleibt, wie auch die russische Seite angemerkt hat, das Thema unter Untersuchung.

Erste die Franzosen

Was die TRAINOSE betrifft, sind Vorstöße von einer Reihe europäischer Unternehmen erfolgt, welche die Wirtschaftsdaten verlangt haben. Als erste trat in den „Tanz“ die Französische Staatsbahn (SNCF) ein, deren Vertreter sich in den letzten beiden Jahren mit etlichen griechischen Amtsträgern getroffen haben. Die Franzosen haben der Griechischen Staatsbahn in den letzten 100 Jahren viele Male technisches Know-how bereitgestellt und sind sehr gut über die Lage informiert. Offiziell dementierte die SNFC, die eine der größten Gesellschaften in Europa ist, jedoch ihr Interesse am Aufkauf des Unternehmens. Die Franzosen brachten von Anfang an ihre Bedenken über den Zustand der Bahn-Infrastruktur zum Ausdruck, die sie hinsichtlich eines möglichen Deals entmutigt zu haben scheint.

Die SNFC befand sich unter den Beratern für die Privatisierung der TRAINOSE, und wie der Sache nahestehende Quellen betonen, „kann es nicht angehen, dass der Privatisierungs-Berater parallel auch potentieller Käufer ist„. Dennoch kamen sie mit dem Fiskus zu keiner Einigung und zogen sich zusammen mit den übrigen Beratern zurück, und es wird eine neue Ausschreibung erfolgen.

Daten über die TRAINOSE hat auch die Deutsche Bahn verlangt und erhalten, die danach aber nicht wieder von sich hören ließ. Wie jedoch zuständige Quellen betonen, glauben die Deutschen, sich auf die eine oder andere Weise an den Knotenpunkten des Landes niederlassen zu müssen, weil der Ausbau des Netzes und seine Anbindung an die Häfen Griechenland zu einem unmittelbaren Konkurrenten der deutschen Transitknoten machen wird. Wie sie erklären, erfolgte somit die Einsetzung der Consultant-Tochtergesellschaft des Hamburger Hafens bei der Privatisierung der Betriebsgesellschaft der Häfen von Piräus (OLP) und Thessaloniki (OLTH) und der peripheren Häfen alles andere als zufällig.

Die Rumänen …

Interesse hat auch die private rumänische „Grup Feroviar Roman“ bekundet, die zu dem Konzern Grampet gehört, der Eisenbahn-Gütertransporte in Rumänien, Bulgarien, Deutschland, Serbien, Ukraine und Moldawien durchführt. Ein eventueller Eintritt der Rumänen in die TRAINOSE würde ihnen praktisch den Ausgang zur Ägäis öffnen und den Grampet-Konzern in eine unternehmerische Supermacht verwandeln, da er Waren innerhalb von zwei Tagen von dem Mittelmeer nach Zentraleuropa verbringen könnte.

Wie Informationen anführen, haben die Rumänen bei der Bahn-Regulierungsbehörde bereits auch die Gründung einer Gesellschaft erkundet. Die Gesellschaft hält 50% der Umsätze der privaten Eisenbahngesellschaften Rumäniens, bedient große Industriekunden und verfügt über 1.500 Beschäftigte und 325 Züge. Das Unternehmen machte 2010 einen Umsatz von 121 Mio. Euro und verbrachte Ladungen von 1 Million Tonnen pro Monat.

… und die Russen

Die ein staatliches Monopol darstellenden Russischen Eisenbahnen beschäftigen 1,2 Millionen Bedienstete und hatten 2010 einen Umsatz von ungefähr 30 Mrd. Euro, ein EBITDA von 3,3 Mrd. Euro und Reingewinne von 2 Mrd. Euro. Sie verfügen über das größte Schienennetz der Welt, mit einer Gesamtlänge von 85.000 Kilometern, welches sich von Europa bis zum Pazifischen Ozean erstreckt, und 519.000 Schienen-Rolleinheiten und stellen den zweitgrößten Betriebsmitteleigentümer in Russland dar. Ihr Vermögen wird auf 72 Mrd. Euro geschätzt, während sie ungefähr 2,4% des russischen BIP generieren.

Zwei Dornen

Zwei Faktoren wirken in der Erzielung eines Deals hemmend. Der erste bezieht sich auf die Anhängigkeit der Genehmigung des Business-Plans der TRAINOSE durch die zentrale Wettbewerbsdirektion der Europäischen Kommission. Parallel ist die Gesellschaft noch nicht auf die Verwaltungskasse des Privatvermögens des Fiskus (TAIPED) übertragen worden, was jedoch bis September erwartet wird und – sofern alles gut geht – ihren Verkauf innerhalb des Jahres 2013 gestattet.

Der zweite Aspekt steht mit der Krise in Zusammenhang, die das Land geißelt, was zum Ergebnis hat, dass im Ausland ein „schlechter Ruf“ entstanden ist. Wie Quellen des OSE betonen, „werden wir im Ausland trotz des PSI noch nicht ernst genommen, da die „Kugel“ des Wirtschaft noch nicht ins Loch gerollt ist„.

Verhandlungen über das Thriasio-Areal

Die Verhandlungen zwischen der GAIAOSE und den potentiellen Investoren über den Ausbau der großen Güterstation des Thriasio-Areals befinden sich im Gange. Trotz der klangvollen Namen, die in der Vergangenheit Interesse bekundet hatten, stellten sich am Verhandlungstisch nur die J&P Avax des Herrn Dakis Ioannou und die Aegean OIL des Herrn Dimitris Melissandis ein. In den nächsten Tagen wird der Vorstand der GAIAOSE tagen, um die Vorschläge der interessierten Investoren zu untersuchen und zu genehmigen.

Eins der Grundkriterien der öffentlichen Ausschreibung ist die Entrichtung einer jährlichen Pachtzahlung in Höhe von wenigstens 500.000 Euro für die ersten 10 Jahre und 1,2 Mio. Euro für die nächsten 30 Jahre, also bis zum Auslaufen des Überlassungsvertrags. Ebenfalls verlangt die GAIAOSE einen Anteil von 15% der Umsätze des Thriasio, welcher Bedingung auf dem Markt mit besonderem „Genörgel“ begegnet wurde. Kreise des griechischen Ministeriums für Infrastrukturen schätzen, dass die potentiellen „Freier“ in der zweiten Phase der Verhandlungen mit Joint-Ventures an der Ausschreibung teilnehmen könnten, welche Erfahrung in der Versorgungskette und dem Transportwesen haben.

Eindruck rief jedenfalls die Abwesenheit der COSCO bei der Ausschreibung hervor, da sie sich zwischen denen befand, die von Anfang an ein intensives Interesse an Thriasio geäußert hatten. Mündlich hatten die Chinesen gewollt, ein Verarbeitungszentrum wie „Dragon City“ zu schaffen, über das Bahrain verfügt, der Antrag wäre jedoch an dem gemeinschaftlichen und nationalen Recht „hängen“ geblieben.

Kreise des OSE erachten jedenfalls, dass die Abwesenheit der COSCO bei der Ausschreibung sich auf den Beitritt der Chinesen zu einem Konsortium nicht hemmend auswirken wird. Die Unternehmensleitung der GAIAOSE macht aus ihrer Zuversicht keinen Hehl, da die Bahnverbindung des Hafens Nea Ikonio mit Thriasio, die im Sommer fertig gestellt werden wird, einen großen „Trumpf“ in der Entwicklung des Güterzentrums bieten wird.

(Quelle: To Vima)

  1. mazu
    5. Juni 2012, 13:07 | #1

    Und: ist dieses laut griechische Presse sog. ‚Filetstück‘ schon verkauft ? Anscheinend ist es wohl doch so, das die ausländischen Investoren‘ nach der Fleischbeschau die Finger davon lassen, wenn innerbetriebliche wirtschaftliche Daten vorliegen.
    Leider immer dasselbe: viel Rauch um nichts.

  2. Moppel
    5. Juni 2012, 16:15 | #2

    @mazu
    Solange die Kommission nicht den Business-Plan der TRAINOSE genehmigt, wird kein potentieller Investor ein halbwegs akzeptables Angebot unterbreiten. Bezeichnenderweise wird seitens der EU jedoch entgegen der getroffenen Vereinbarungen Druck ausgeübt, die TRAINOSE noch in diesem Jahr zu verscherbeln, während der Business-Plan weiterhin in der Luft hängt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt:
    Verdächtige Eile bei Eisenbahn-Privatisierung in Griechenland

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